AMD Ryzen 2000: Kaum Leistungsverlust durch Patch gegen Spectre V2

Jan-Frederik Timm et al. 103 Kommentare
AMD Ryzen 2000: Kaum Leistungsverlust durch Patch gegen Spectre V2

tl;dr: Im Test von Ryzen 7 2700X, 2700, Ryzen 5 2600X und 2600 verfügten die neuen Pinnacle-Ridge-CPUs auf den X470-Platinen bereits über AMDs neuen Microcode gegen Spectre Variante 2. Wie der Vergleich mit denselben Benchmarks ohne aktiven Schutz zeigt, verlor die Plattform dadurch aber nicht an Leistung.

Ryzen 2000 mit Spectre-V2-Patch

Der Patchday April 2018 brachte Nutzern der aktuellen Windows-10-Version 1709 „Fall Creators Update“ auch für viele CPUs von AMD eine Gegenmaßnahme gegen die Sicherheitslücke Spectre Variante 2.

Das Update KB4093112 kann den neuen CPU-Befehl Indirect Branch Prediction Barrier (IBPB) nutzen, mit dem gegen Spectre Variante 2 vorgegangen werden kann. Damit er genutzt werden kann, muss die CPU diesen Befehl aber erst beigebracht bekommen. Wie bei Intel geschieht das auch bei AMD über neuen CPU-Microcode, den der Hersteller parallel an OEMs verteilt oder bereits verteilt hat. Je nach Mainboard und BIOS-Version sind die verschiedensten aktuellen Achitekturen von AMD damit bereits heute gegen Spectre Variante 2 abgesichert, das haben die Kommentare zur News Windows-Patch & Microcode: AMD und Microsoft liefern Schutz gegen Spectre V2 aus gezeigt.

Ryzen 2000 auf X470 ist sicher – zu welchem Preis?

AMD Pinnacle Ridge aka Ryzen 2000 (Test) ist beispielsweise in Kombination mit den neuen X470-Mainboards sicher, nicht aber zwingend in Verbindung mit X370-Platinen – für manche gibt es schon BIOS-Updates, für andere nicht.

Mit „Indirect Branch Predictor Barrier“ (IBPB) setzt AMDs Gegenmaßnahme nur auf einen der drei von Intel bekannten Befehle – „Indirect Branch Restricted Speculation“ (IBRS) und „Single Thread Indirect Branch Predictors“ (STIBP) bleiben außen vor. In einem Whitepaper (PDF) erklärt AMD, die beiden anderen Befehle derzeit nicht als performante Gegenmaßnahme in Windows empfehlen zu können. Bei Intel hat sich gezeigt, dass Anwendungen kaum, Spiele durchaus und die Leistung von Laufwerken doch deutlich unter den Gegenmaßnahmen leiden können. Es gilt: Je älter die Architektur, desto größer der Effekt. Aber wie sieht es bei Ryzen 2000 aus?

Keine Leistungsverluste

ComputerBase hat die bereits zum Test der vier neuen Ryzen 2000 auf einer X470-Platine ermittelten Ergebnisse mit aktivem Patch noch einmal einem Lauf ohne aktiven Patch gegenüber gestellt und darüber hinaus die Leistung einer Samsung SSD 950 Pro im CrystalDiskMark mit und ohne Patch gegenübergestellt. Details zu dem Testverfahren und den Anwendungen liefert der Artikel Ryzen 7 2700(X) & 5 2600(X) im Test: Ryzen 5 2600 in Spielen schneller als Ryzen 7 1800X.

In Anwendungen zeigt das System mit Ryzen 7 2700X (2 x 8 GB DDR4-2933 CL-15-15-15-35-1T) keinen Leistungsunterschied, egal ob der Patch aktiv oder nicht aktiv ist. Dieses Verhalten haben aber auch aktuellere und ältere Architekturen von Intel bereits gezeigt.

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Leistungsrating Anwendungen
Angaben in Prozent
    • AMD Ryzen 7 2700X (mit Patch)
      100 %
    • AMD Ryzen 7 2700X (ohne Patch)
      100 %

Bei Ryzen 2000 ist dieses Fazit aber auch in Spielen, und zwar sowohl in Bezug auf die durchschnittlichen FPS als auch auf die Frametimes, zu treffen. Zwar zeigt sich in beiden Fällen ein Leistungsunterschied von einem Prozent zugunsten des nicht abgesicherten Systems, das liegt aber eindeutig im Rahmen der Messungenauigkeit, die in Spielen aufgrund des dynamischen Charakters der Testsituation immer größer ausfällt.

Erstaunlicherweise hat der neue Microcode für Pinnacle Ridge aber selbst auf die Leistung einer Samsung SSD 950 Pro keinen relevanten Einfluss.

Fazit

Im Test von Ryzen 7 2700X, 2700, Ryzen 5 2600X und 2600 verfügten die neuen Pinnacle-Ridge-CPUs auf den X470-Platinen bereits über AMDs neuen Microcode gegen Spectre Variante 2. Wie der Vergleich mit denselben Benchmarks ohne aktiven Schutz zeigt, verliert die Plattform dadurch nicht an Leistung. In Anwendungen gibt es gar keinen Unterschied, in Spielen liegt er bei einem Prozentpunkt, sowohl bei den FPS als auch bei den Frametimes. Das liegt innerhalb der Messungenauigkeit. Das gilt auch für die von CrystalDiskMark aufgezeigten Unterschiede.

Wie es sich mit der ersten Generation Ryzen (Summit Ridge) und Ryzen mit Vega-Grafik (Raven Ridge) verhält, wird ComputerBase in der kommenden Woche mit weiteren Testergebnissen beleuchten. Erste Messungen mit CrystalDiskMark zeigen hier ein anderes Bild, das es aber noch zu festigen gilt. Die Redaktion steht bereits in Rücksprache mit AMD.

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