Skagen Falster im Test: Einer der schönsten smarten Uhren fällt das Zählen schwer

Jan Lehmann 40 Kommentare
Skagen Falster im Test: Einer der schönsten smarten Uhren fällt das Zählen schwer

tl;dr: Mit Skagen drängt der nächste Hersteller klassischer Uhren auf den Smartwatch-Markt. Die Falster verkörpert dabei das Design, das die Marke seit Jahren ausmacht: zeitlos, elegant und unaufdringlich. Doch während auch die Anzeige von Benachrichtigungen am Handgelenk gefällt, versagt die Uhr als Fitness-Tracker.

Skagen Falster im Test

Skagens Eintritt in den den Markt für Smartwatches überrascht nicht. Die Marke gehört neben Fossil, Diesel, Michael Kors und 15 anderen Schmuck- und Designlabels zur Fossil Group, die sich seit der Veröffentlichung von Google Android Wear dem Segment sehr aufgeschlossen gegenüber gezeigt hat. ComputerBase hatte beispielsweise bereits die Fossil Q Grant und Reveler im Test.

Der Markteintritt erfolgt auch bei Skagen nach dem bekannten Muster. Im ersten Schritt werden hybride Wearables mit analogen Zeigern und einigen smarten Funktionen vorgestellt. Bei Skagen war dies zur letztjährigen Internationalen Funkausstellung der Fall. Im nächsten Schritt wird das vom Hersteller jeweils bekannte Uhrendesign mit Smartwatch-Hardware gekreuzt. Das erste Resultat heißt Falster.

Design gut in Szene gesetzt

Äußerlich hinterlässt die Falster ein gutes Bild und verkörpert ohne Frage die Marke Skagen, was aber vor allem aber auf das Milanaise-Armband zurückzuführen ist. Dass sich klassische Uhren von Skagen auch durch die möglichst flache Bauform einen Namen machen, geht indes verloren, wie der Vergleich zur Signature zeigt. Trotz einer Gehäusehöhe von 12 Millimetern lässt sich auch die Falster allerdings noch sehr gut tragen. Dicker als die Konkurrenz ist sie nicht, 12 Millimeter sind Standard.

Skagen Falster (42 mm) im Vergleich mit Skagen Signatur (40 mm)
Skagen Falster (42 mm) im Vergleich mit Skagen Signatur (40 mm)
Skagen Falster (42 mm) im Vergleich mit Skagen Signatur (40 mm)
Skagen Falster (42 mm) im Vergleich mit Skagen Signatur (40 mm)

Wie es sich für das Produkt eines klassischen Uhrenhersteller gehört, ist die Verarbeitungsqualität äußerst hoch. Sämtliche Übergänge von Bauteilen sind abgerundet, sodass lediglich kleinste Kanten spürbar sind. Zudem sind alle Komponenten fein säuberlich zusammengesetzt. Einziger Kritikpunkt ist die Materialwahl. Uhrenkorpus, Bandstege und Armband sind aus Edelstahl gefertigt und bilden eine optische Einheit. Der glänzende schwarze Displayrahmen aus Kunststoff passt da nicht. Er wirkt wie ein Reifen um da Display. Auch der Gehäuseboden besteht aus Kunststoff, der stark glänzt.

Für Benachrichtigungen, nicht für Vitalfunktionen

Die Skagen Falster ist nicht nur optisch keine Sportuhr. Mit nur wenigen Sensoren an Bord dient sie vielmehr der Verwaltung von Benachrichtigungen am Handgelenk. Erfreulich ist der Einsatz eines Helligkeitssensors, der die Display-Helligkeit automatisch an die gegebenen Lichtverhältnisse anpasst.

Als SoC kommt Qualcomms aktuelles SoC für Wearables, der Snapdragon 2100 zum Einsatz, der bereits seit 2016 verwendet wird und seinerzeit den angestaubten Snapdragon 400 ersetzte. Die Bedienung der Uhr erfolgt stets flüssig und ohne lange Verzögerungen.

Hervorragendes Display

Als Highlight entpuppt sich das Display. Auf einer Gehäusebreite von 42 Millimetern fasst die Falster ein AMOLED-Display mit 390 Pixeln im Durchmesser. Kräftige Farben und eine Auflösung, die gepaart mit einer Diagonalen von 1,19 Zoll ein hervorragendes Bild abliefern, sind selten im Smartwatch-Sektor. Erst bei unrealistisch geringem Abstand werden Pixel erkennbar. Die Helligkeit ist gut, könnte bei Sonnenschein aber noch höher ausfallen.

Skagen Falster Asus ZenWatch 3 Intel New Balance RunIQ
OS: Wear OS Android Wear
Kompatibilität: Android, iOS
Display: 1,19 Zoll, rund
390 × 390 Pixel
327 ppi
AMOLED
1,39 Zoll, rund
400 × 400 Pixel
287 ppi
AMOLED
Gorilla Glass 3
1,39 Zoll, rund
400 × 400 Pixel
286 ppi
AMOLED
Bedienung: Touch, Sprache, Knöpfe
SoC / SiP: Qualcomm, Snapdragon Wear 2100
1,2 GHz, 4 Kerne
28 nm
Intel, Atom Z34XX
1,6 GHz, 2 Kerne
22 nm, 64-Bit
RAM: 512 MB
Speicher: 4,00 GB
Konnektivität: Bluetooth 4.1
802.11 b/g/n
Mobilfunk:
Sensoren: Beschleunigungsmesser
Gyroskop
Lichtsensor
Schrittzähler
Beschleunigungsmesser
Gyroskop
Herzfrequenz
Schrittzähler
Weitere Standards: GPS
Akku: 300 mAh
fest verbaut
kontaktloses Laden
340 mAh
fest verbaut
410 mAh
fest verbaut
Gehäuse: 42,0 × 42,0 × 12,0 mm
85 g
wasserdicht, IP67
Edelstahl, Kunststoff
45,0 × 45,0 × 10,8 mm
wasserdicht, IP67
Edelstahl
47,0 × 52,0 × 16,0 mm
75 g
wasserdicht, IP68
Edelstahl, Kunststoff
Armband: wechselbar
Breite 20,0 mm
wechselbar
Breite 22,0 mm
Preis: ab 264 € ab 302 € 375 €

Wear OS – neuer Name, gleiches System

Als eine der ersten Smartwatches kommt die Skagen Falster von Haus aus mit dem neuen Wear OS by Google daher. Bis auf eine neue Startanimation zeigt sich gegenüber dem Vorläufer Android Wear 2.0 jedoch keinerlei Abweichung vom eigentlichen System.

Der Aufbau der Apps ist weiterhin in Form einer Listendarstellung umgesetzt und kann mit Knopfdruck der Krone aufgerufen werden. Kurzbefehle können vom Startbild nach Oben, Links, Rechts und Unten ausgeführt werden. Das obere Menü dient der Schnellwahl, während nach links und rechts Ziffernblätter gewählt werden können. Südlich gelagert erhält der Nutzer Zugriff auf sämtliche Benachrichtigungen.

Skagen Falster Menü
Skagen Falster Menü
Analyse in Google Fit
Analyse in Google Fit

Eine Interaktion auf Benachrichtigungen bleibt noch immer gekoppelten Android-Smartphones vorbehalten. Hier kann mittels Sprachdiktat, Emoji oder kleiner Tastatur geantwortet werden. Gerade letzteres funktioniert bei größeren Smartwatches wesentlich besser. Dank einer sehr guten Worterkennung ist das Beantworten nach etwas Übung aber auch auf der Skagen Falster kein Problem. Erstaunlich und ärgerlich zugleich ist, dass die Skagen Falster auf keine Dritt-App setzt. Kommen andere Smartwatches mit extra Fitness-App daher, die der Nutzer extra auf dem Smartphone installieren muss, agiert die Falster alleinig mit der Wear-OS-App. Zwar mag dies verlockend klingen, doch gestaltet sich so etwa die Schrittanalyse etwas schwierig und erfolgt lediglich auf der Smartwatch (mit der Google-Fit-App) selbst.

Dessen ungeachtet ist Wear OS respektive auch das frühere Android Wear 2.0 ein hervorragendes Wearable-Betriebssystem. Ein flüssiges System, gute Interaktionsmöglichkeiten sowie ein eigener App-Store direkt auf der Uhr machen jene etwas mehr autark.

Sensoren und Laufzeit

Dass die Skagen Falster nicht viele Sensoren verbaut hat und damit zum Beispiel nicht den Puls misst, kann man ihr hinsichtlich der modischen Ausrichtung nicht vorhalten. Dass der integrierte Schrittzähler eine Katastrophe ist allerdings schon.

Gleich zwei große Kritikpunkte lasten der Falster in diesem Punkt an. Zum einen erfolgt die Ermittlung der Schritte überaus langsam und nicht in Echtzeit. Erst zwei bis drei Minuten später werden die zurückgelegten Schritte auf dem Smartwatch-Display angezeigt. Darüber hinaus weicht das ermittelte Ergebnis von der Referenz von 1.000 Schritten stark ab. Fast fünf Prozent Abweichung waren bisher nur von einer weiteren Uhr im Test bekannt, die interessanterweise vom selben Hersteller kommt.

Skagen Falster Ladedock
Skagen Falster Ladedock

Bei der Laufzeit reiht sich die Skagen Falster am unteren Tabellenende ein. Mit durchschnittlich 28 Stunden muss sie täglich geladen werden, was andere Smartwatches der Klasse mit Laufzeiten von rund zwei Tagen nicht müssen. Die Laufzeiten der Falster variierten dabei äußerst stark im Testszenario. Am Tag der Inbetriebnahme und Kopplung genügte der vollgeladene 300-mAh-Akku gerade einmal für wenige Stunden. Die Tage drauf wurden WLAN deaktiviert und die Helligkeit manuell auf Stufe 3 herabgesetzt. Die Always-On-Funktion, die die Uhrzeit auch bei abgesenktem Arm anzeigt, war stets aktiviert.

Dabei wurden täglich nahezu alle Benachrichtigungen angesehen, kurzzeitig die Musikwiedergabe gesteuert und auf etwa ein Dutzend Nachrichten geantwortet. Mittels magnetischem Dock wird die Falster kontaktlos geladen. Der Ladezyklus dauert dabei rund drei Stunden, was recht lange ist.

Fazit

Die Skagen Falster hat ihre zwei Seiten. Sie zählt, sofern das Design klassischer Uhren gesucht wird, bedingungslos zu den schönsten Smartwatches am Markt. Sie ist überaus wertig verarbeitet, hat ein hervorragendes Display und wartet mit einem tadellosen Betriebssystem auf. Nur der Ring aus Kunststoff um das Display stört das sonst makellose Antlitz.

Doch die sehr gute Smartwatch verschenkt diese gewonnen Punkte wiederum beim Schrittzähler und mit einer nur mittelmäßigen Akkulaufzeit. Teils ungenaue Messwerte werden von einer zu langsamen Schrittanzeige überschattet. Außen hui, Innen pfui?

Das muss der Nutzer abwägen. Die Skagen Falster ist keine Sportuhr und dient als reines Modeaccessoire, das zugleich sämtliche Benachrichtigungen ans Handgelenk des Trägers befördert. Eben jenen Job meistert die Falster bestens. Werden aber auch nur ansatzweise Fitnessfunktionen benötigt, sollte von der Uhr Abstand genommen werden.

Die Skagen Falster ist in vier Varianten bereits erhältlich. Zur Auswahl stehen jeweils zwei Ableger mit braunem sowie schwarzem Lederarmband zu rund 300 Euro oder Varianten mit Rosé oder Silbernem Milanaiseband für rund 330 Euro.

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung in Form deaktivierter Werbeblocker oder eines Abonnements von ComputerBase Pro. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.