Hochleistungs-Netzteile im Test: Corsair AX1600i & Kolink 1500W am Leistungslimit 3/5

Nico Schleippmann 107 Kommentare

Testergebnisse

Für die Netzteile kamen während der Tests folgende selbstkalkulierten Lasten zum Einsatz. Die prozentualen Auslastungen stellen dabei die Lastverteilung nach, wie sie die 80Plus-Organisation verwendet. Die festen Lasten sollen typische Lastverteilungen aktueller Hardware-Konfigurationen nachstellen.

Die im Test verwendeten Lasten im Detail

Die einzelnen Ergebnisse jeder Kategorie können anhand der Schaltflächen über den Diagrammen durchgeschaltet werden.

Effizienz

Beim Wirkungsgrad setzt Corsair mit dem AX1600i neue Referenzen. Die modernen Schaltungstechniken haben sich mit einer Effizienz klar oberhalb der von 80Plus Titanium geforderten Werte bezahlt gemacht. Der etwas großzügigeren Messmethodik der 80Plus-Organisation respektive der strikteren Messmethodik von ComputerBase geschuldet, konnte bisher noch kein Netzteil die 80Plus-Titanium-Anforderungen im Test komplett einhalten. Mit einem Wirkungsgrad von bis zu 94,5 Prozent im 115-Volt-Netz reizt das Netzteil die Grenzen des aktuell technisch Machbaren aus. Das Kolink Continuum 1500W braucht sich allerdings auch nicht zu verstecken, weil es die Anforderungen von 80Plus Platinum klar einhalten kann.

Im 230-Volt-Netz kommt das AX1600i sogar an 95,7 Prozent heran, wenn der Test mit „festen Lasten“ betrachtet wird. In diesem werden die Minor-Rails in Relation nämlich geringer belastet, was den Gesamtwirkungsgrad gegenüber dem der 80Plus-Lastverteilung verbessert. Bei geringer Belastung besitzt das AX1600i einen etwas niedrigeren Wirkungsgrad gegenüber 80Plus-Titanium-Netzteilen der 850-Watt-Klasse. Mit einer Auslastung von über 210 W überholt es diese schließlich.

Corsair 1,4 bis 5,3 Prozent effizienter als Kolink

Insbesondere bei einer Belastung von unter 550 W fallen in relativen Zahlen die größten Unterschiede vom AX1600i zum Continuum 1500W auf. Darüber pendelt sich die Differenz auf 1,4 bis 1,9 ein. In absoluten Zahlen ist der Unterschied zwischen beiden Probanden aber dennoch beachtlich: Mit einer Differenz von nur 1,9 Prozent bei einer Auslastung von 1.500 W stehen für das Continuum 1500W Verluste in Höhe von 118 W Verlusten des AX1600i in Höhe von 86 W gegenüber.

Leistungsfaktorkorrektur (PFC)

Die Totem-Pole-PFC des AX1600i funktioniert selbst bei geringer Last bereits sehr gut. Mit einer Auslastung von 10 Prozent erreicht es schon einen Leistungsfaktor von 0,964. Die aktive PFC des Continuum 1500W mit zwei Phasen könnte hingegen etwas besser funktionieren. Bei Volllast kommt es nur auf 98 Prozent, während die meisten Netzteile mit herkömmlicher aktiver PFC hier quasi immer die 99 Prozent erringen. Dieser Faktor ist allerdings nur für Industriekunden in Deutschland mit einer hohen jährlichen Blindleistungsaufnahme relevant, weil das Energieversorgungsunternehmen dann auch die aufgenommene Blindleistung in Rechnung stellt. Für private Haushalte wird aber nur die aufgenommene Wirkleistung berücksichtigt.

Spannungsregulation

Das AX1600i regelt die Ausgangsspannungen auf den Punkt genau. Für alle Auslastungszustände bleiben die Spannungen exakt auf dem Nennwert. Das Continuum 1500W lässt etwas größere Abweichungen zu, bleibt allerdings klar innerhalb der geforderten Toleranzen. Die 3,3-Volt-Schiene wird etwas lockerer geregelt, was eine Abweichung um 0,10 V bei Volllast nach sich zieht. Mit den realistischeren „festen Lasten“ verringert sich diese Abweichung auf nur noch 0,04 V.

Restwelligkeit

Exzellente Arbeit leistet das AX1600i auch bei der Filterung der Restwelligkeit. Auf den Minor-Rails beträgt der Wechselspannungsanteil kaum mehr als 10 mV. Auf der 12-Volt-Schiene können nicht mehr als 16 mV gemessen werden, was ein hervorragendes Ergbnis darstellt. Aber auch das Continuum 1500W braucht sich nicht zu verstecken und kann die Grenzwerte ganz klar einhalten.

Schutzschaltungen & ErP

Die Schutzschaltungen des AX1600i funktionieren genau wie gefordert. Standardmäßig ist der Überstromsschutz (OCP) als Multi-Rail-Absicherung voreingestellt, um Überströme besonders effektiv erkennen zu können. Mit einer maximalen Stromstärke von 40 A pro 8-Pin-Kabelstrang wurde die Auslöseschwelle so hoch gesetzt, dass für jegliche Hardware, die innerhalb der Spezifikation der Stromanschlüsse betrieben wird, ausreichend Strom zur Verfügung steht. Wer eine noch höhere Stromstärke auf einem Kabelstrang beispielsweise für Extrem-Overclocking benötigt, kann per Software die OCP einzelner Kanäle deaktivieren, oder sogar komplett die Übertromsicherung mit dem Umschalten auf Single-Rail ausschalten. Die Einstellung wird dabei im Netzteil gespeichert; erst wenn im laufenden Betrieb der Netzschalter betätigt wird, werden die Werkseinstellungen wiederhergestellt.

Statt den Überstromschutz auszuhebeln kann dieser auch effektiver eingestellt werden. In Corsair Link kann die Auslöseschwelle nämlich für jeden Kanal per Schieberegler verringert werden, was beispielsweise für das 24-Pin-ATX-Kabel sehr zu empfehlen ist, das mit seinen zwei 12-Volt-Adern dauerhaft mit nicht mehr als 20 A belastet werden sollte. Die Strommessung erfolgt auf mindestens 1 A genau. Eine hohe Genauigkeit der Strommessung ist aber vielmehr für das Berechnen der Ausgangsleistung und Effizienz relevant, was beides die Software unter anderem ausgibt. Des Weiteren wurden sinnvolle Auslösepunkte für den Überlastschutz (OPP) und den Übertemperaturschutz (OTP) gewählt.

12-V-Absicherung von Kolink für Bastelarbeiten unzureichend

OCP und OPP funktionieren auch beim Continuum 1500W in einem sinnvollen Rahmen. Naturgemäß hat die 12-V-(Single-Rail-)OCP mit einer Auslöseschwelle von 136 A aber nur wenig Nutzen. Problematisch ist die hohe Auslöseschwelle dann, wenn an einzelnen 12-V-Adern gebastelt wird, die keinen zusätzlichen Kurzschlussschutz gegen Masse besitzen. Ein Kurzschluss auf einer einzelnen, dünnen oder langen Ader kann nämlich dazu führen, dass der Auslösepunkt der OCP nicht erreicht wird und das Netzteil die Ausgänge weiterhin mit Strom versorgt.

Corsair AX1600i
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 30 A 39 A
5 V OCP 30 A 41 A
12 V OCP je Kanal (Multi-Rail; Werkseinstellung) 40 A 39 A
OPP 1.600 W 1.870 W
OTP 70 °C (Temperatur an NTC-Widerstand)
Kolink Continuum 1500W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 25 A 39 A
5 V OCP 22 A 39 A
12 V OCP 125 A 136 A
OPP 1.500 W 1.780 W

Die Kurzschlusssicherung (SCP) wird anhand zweier Messmethoden überprüft. Zum einen wird ein niederohmiger Kurzschluss auf den zusammengelegten Leitungen einer Spannungsschiene und zum anderen auf einem SATA-Stecker eingefügt. Keines der zwei Testmuster hat Schwierigkeiten, die Kurzschlüsse beider Szenarien zu erkennen.

ErP Lot 6 2013 AX1600i Continuum 1500W
Keine Last 0,17 0,23
45 mA auf 5 VSB 0,45 0,55
Maximum 0,50
Aufgenommene Leistung in Watt

Im Standby ohne Last nehmen die Netzteile mit 0,2 W relativ wenig Leistung auf. Bei geringfügiger Auslastung der Standby-Schiene überschreitet das Continuum 1500W nach der verwendeten Messmethodik den Grenzwert von 0,50 W minimal.

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