Razer Blade 15 (2018) im Test: Extremes Notebook mit Max-Q, auch bei der CPU 3/3

Jan-Frederik Timm et al. 72 Kommentare

Display (Update)

Die Darstellung des im Testmuster verbauten UHD-Touchdisplays begeistert von der ersten Sekunde an. Dazu bei trägt auch der von Razer gewählte farbenfrohe Desktop-Hintergrund, der auf anderen Endgeräten aber nicht annähernd so brillant wirkt – nein, das Display macht den Unterschied.

Auf dem UHD-Display ist die Wirkung des Wallpapers der Wahnsinn
Auf dem UHD-Display ist die Wirkung des Wallpapers der Wahnsinn

Mit maximal 427 cd/m², einem Kontrast von 1.500:1 und einer Homogenität der Ausleuchtung von 83 Prozent ist das Display in den Messwerten zwar nirgendwo Spitzenreiter, die Werte sind aber sehr gut (Kontrast) bis gut (Helligkeit, Homogenität). Probleme mit Backlight-Bleeding gibt es nicht. Die minimale Helligkeit liegt mit 21 cd/m² auf dem von Geräten dieser Art bekannten Niveau. Wer in komplett dunkler Umgebung arbeitet, wünscht sich aber ein noch niedrigeres Niveau. Die Farbtemperatur liegt bei 6.900 Kelvin.

Full HD mit 144 Hz bietet weniger Kontrast

Das Blade 15 mit mattem 144-Hz-Full-HD-Display wirkt nicht nur weniger spektakulär, einige Messwerte fallen auch schlechter aus. Bei der Homogenität gibt es mit 82 zud 83 Prozent zwar quasi noch einen Gleichstand, der Kontrast und die maximale Helligkeit liegen aber deutlich unter den vom UHD-Modell gesetzten Werten. Mit 6900 Kelvin ist der Weißpunkt hingegen identisch abgestimmt.

Lautstärke, Stromverbrauch, Temperaturen

Durch den Wechsel auf ein Kühlsystem mit Vapor Chamber statt Heatpipes zur schnellen Abfuhr der Abwärme von GPU und CPU verspricht Razer einen sehr leisen Betrieb des Notebooks auch unter Last. Das stimmt, allerdings nur unter Berücksichtigung der Gehäusedimensionen.

Nur in Relation zum Formfaktor leise

Wird das Notebook im Modus „Balanced“ betrieben, erreicht das Kühlsystem in Spielen unter Dauerlast über einen Zwischenschritt bei 40 Dezibel ein Niveau von 43 Dezibel (gemessen 40 Zentimeter vor und 50 Zentimeter über dem Notebook, Verbrauch an der Steckdose: 135 Watt). Das liegt über den von vielen Gaming-Notebooks bekannten 40 Dezibel und ist damit nur relativ zur schlanken Silhouette betrachtet ein sehr gutes Ergebnis. Wird das Notebook in den Modus „Gaming“ geschaltet, steigt die letztendlich unter Dauerlast erzielte Lautstärke auf 48 Dezibel. Für das menschliche Ohr ist das Gerät dann ungefähr doppelt so laut. Den aufgrund der besseren Kühlung geringfügig höheren GPU-Takt in Kombination mit den 300 MHz mehr Speichertakt ist das aus Sicht der Redaktion nicht wert.

Jeder der zwei Lüfter kann direkt Frischluft anziehen
Jeder der zwei Lüfter kann direkt Frischluft anziehen

Im „Leerlauf“ unter Windows hat dann auch das Razer Blade 15 mit einem von vielen Notebooks bekannten Problem zu kämpfen: Die Installation einer Software, der Download in Steam oder auch bestimmte Websites im Browser wecken den Lüfter immer wieder deutlich hörbar auf. Bis zu 33 Dezibel werden in CPU-Benchmarks (Verbrauch an der Steckdose: 80 Watt) erreicht. Und obwohl die CPU unter Windows gar nicht gefordert wird, bleiben die Lüfter wahrnehmbar (Verbrauch an der Steckdose: 20 Watt). Ein im normalen Alltag unter Windows lautloses System ist das Razer Blade 15 damit definitiv nicht.

Hohe Temperaturen über der Tastatur

Nach einer Stunde Last im Spiel The Witcher 3 zeigen sich die höchsten Temperaturen auf dem Steg zwischen Tastatur und Display. Im Modus „Balanced“ werden hier bis zu 52 °C erreicht, im lauteren Modus „Gaming“ noch 49 °C. Die von Spielern berührten Oberflächen bleiben kühler. Die niedrigsten Temperaturen weisen die äußeren Bereiche der Tastatur auf. An dieser Stelle befinden sich beide Lüfter – und die von Spielern oftmals genutzten WASD-Tasten.

Akkulaufzeit (Update)

UHD- und Full-HD-Variante des Blade 15 erreichen trotz 80-Wh-Akku keine Bestwerte in den Akkutests. Mit knapp vier Stunden im PCMark 8 und fast acht respektive über sechs Stunden Laufzeit im Streaming-Test über YouTube befähigen sie den Anwender allerdings trotzdem zur Nutzung abseits einer Steckdose. Das die Full-HD-Variante kürzere Laufzeiten als die UHD-Variante hat, überrascht zwar auf den ersten Blick. Allerdings bietet das FHD-Display 144 statt 60 Hz.

Die im Diagramm vertretenen Vergleichskandidaten setzen alle auf 15-Watt-CPUs und verzichten auf eine dedizierte Grafikkarte, bieten allerdings auch einen kleineren Akku. Wie ihre Ergebnisse zeigen, sind sie aber deutlich energieeffizienter ausgelegt.

Fazit

In Sachen Design, Verarbeitung, Materialwahl und Touchpad bleibt auch das Razer Blade 15 das MacBook Pro unter den Gaming-Notebooks mit Windows. Das erstmals 15,6 Zoll große UHD-Display überzeugt ebenso mit seiner Farbbrillanz und den Blickwinkeln im Test, könnte allerdings noch heller und etwas gleichmäßiger ausgeleuchtet sein.

Razer Blade (2018) mit 15,6 Zoll
Razer Blade (2018) mit 15,6 Zoll (Bild: Razer)

In Spielen positioniert sich das Razer Blade 15 mit GeForce GTX 1070 Max-Q genau dort, wo es zu erwarten war: Ziemlich genau in der Mitte zwischen GeForce GTX 1060 Founders Edition und GeForce GTX 1070 Founders Edition und damit auf hohem Niveau. Und in Anbetracht der schlanken Silhouette geht der Geräuschpegel unter Last, zumindest im Modus „Balanced“, auch noch in Ordnung. Ohne Aufschlag bei der Lautstärke konnte Razer die hohe Leistung im Vergleich zu klobigeren Endgeräten aber dann auch mit Vapor Chamber nicht umsetzen.

Der auch im „Leerlauf“ dauerhaft aktive Lüfter nervt

Im Alltag ärgerlicher ist allerdings eher der unter Windows immer wahrnehmbare Lüfter. Und sobald ein Download, eine Installation oder auch einmal eine Website die CPU etwas länger und stärker fordert, dreht das Kühlsystem innerhalb von Sekunden auf. Das überrascht insbesondere deshalb, weil Razer die CPU nur für wenige Sekunden mit 45 Watt laufen lässt und danach auf 35 Watt drosselt. Allerdings sorgt auch das Betrachten eines YouTube-Videos in 720p für höhere Drehzahlen und in diesem Modus wird die CPU nur minimal gefordert. Manuell eingreifen kann der Anwender nicht, weil er nur eine relativ hohe Drehzahl als Konstante festlegen kann.

Die Konfiguration der CPU ist für Spieler hingegen kein Problem, sorgt in Anwendungen aber für weniger Leistung als erwartet und offenbart damit einmal mehr ein Problem am Markt: Die Unwissenheit des Kunden darüber, welche Leistung eine CPU in seinem System genau haben wird. Denn derselbe Prozessor darf im Schenker-Technologies XMG A507 Advanced zum Beispiel anfangs bis zu 75 und dauerhaft 45 Watt verbrauchen, was ihm dort 30 Prozent bessere Ergebnisse beschert. Und das derzeit ebenfalls in der Redaktion getestete Neo 15 desselben Anbieters gesteht der CPU sogar dauerhaft 55 bis 65 Watt zu.

Ob das Verhalten der Kühlung und der Abschlag auf die Leistung im Alltag bzw. Einsatzszenario stört, muss am Ende jeder Interessent selbst entscheiden. Dafür bekommt er im Razer Blade 15 das aktuell kompakteste und hoch­qua­li­ta­tivste Gaming-Notebook mit 15,6-Zoll-Display im hochwertigen Alu-Gehäuse. Einen direkten Konkurrenten gibt es auch unter Berücksichtigung des Kühlsystems für Razer weiterhin nicht.

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