Razer Blade 15 (2018) im Test: Extremes Notebook mit Max-Q, auch bei der CPU

Jan-Frederik Timm et al. 72 Kommentare
Razer Blade 15 (2018) im Test: Extremes Notebook mit Max-Q, auch bei der CPU
Bild: Razer

tl;dr: Mit dem Gaming-Notebook Razer Blade 15 (2018) bleibt der US-Hersteller in Sachen Design, Verarbeitung, Materialwahl und Gehäusevolumen seiner Linie treu. Das Display wechselt allerdings von 14,0 auf 15,6 Zoll. Im Test ist die Leistung trotz gedrosselter GPU und CPU hoch. Das Kühlsystem hält da nicht ganz mit.

Das neue Razer Blade 15 (2018) mit 15,6 Zoll im Test

Update 08.10.2018 12:45 Uhr

Die vom Razer Blade 15 mit UHD-Display im Test im Juni erreichten Akkulaufzeiten haben sich inzwischen als zu niedrig erwiesen. Anfang Oktober liefert exakt dasselbe Gerät mit identischer Firmware deutlich bessere Laufzeiten. ComputerBase hatte vor vier Monaten in Aussicht gestellt, zusammen mit Razer an dem Thema dran zu bleiben.

Im PCMark 8 werden jetzt reproduzierbar 3 Stunden und 45 Minuten statt 2 Stunden und 15 Minuten erreicht, beim YouTube-Streaming über das WLAN sind es 7 Stunden und 41 Minuten statt 2 Stunden und 39 Minuten.

Das Razer Blade 15 mit UHD-Display und GeForce GTX 1070 im PCMark 8
Das Razer Blade 15 mit UHD-Display und GeForce GTX 1070 im PCMark 8

Warum es im Juni wiederholt und ohne sichtbare Hintergrundaktivitäten reproduzierbar zu den schlechten Laufzeiten gekommen war, darüber liegen allerdings keine Erkenntnisse vor. Auch Razer konnte das Verhalten im Sommer nicht erklären. Zwar gab es zwischenzeitig eine neue Firmware für das Razer Blade 15, die neuen Messwerte waren aber schon vorher deutlich besser. Das Update wiederum hat sie lediglich bestätigt. Auch die Einstellungen in Windows und die voreingestellte Helligkeit des Displays waren im Juni und im Oktober dieselben. Windows 10 war mit Version 1803 ebenfalls auf demselben Stand, wenn auch nicht in Bezug auf die Updates, die monatlich verteilt werden.

Neu: Messwerte mit dem Full-HD-Modell

Das Razer Blade 15 mit 144-Hz-Full-HD-Display bestätigt die inzwischen erzielten Laufzeiten in den beiden Akkutests. Diese im Juni noch nicht in der Redaktion getestete Variante erreicht im PCMark mit GeForce GTX 1070 eine Laufzeit von 3 Stunden und 40 Minuten, in YouTube sind es 6 Stunden und 25 Minuten. Das die Full-HD-Variante kürzere Laufzeiten als die UHD-Variante hat, überrascht auf den ersten Blick zwar erneut. Allerdings bietet das FHD-Display 144 statt 60 Hz.

Das Razer Blade 15 mit FHD-Display und GeForce GTX 1070 im PCMark 8
Das Razer Blade 15 mit FHD-Display und GeForce GTX 1070 im PCMark 8

ComputerBase hat die entsprechenden Abschnitte im Test angepasst und darüber hinaus aus Messergebnisse des Full-HD-Displays ergänzt. Nicht angepasst wurde durch die Updates das Verhalten der Lüfter: Sie sind auch weiterhin immer wieder deutlich beim Surfen oder Arbeiten unter Windows wahrnehmbar.

Razer hat das kompakte Gaming-Notebook Blade überholt und dabei mit einer Tradition gebrochen: Statt 14,0 ist das Display in Zukunft 15,6 Zoll groß. Trotz deutlich größerem Display wächst der Fußabdruck des Razer Blade 15 auf dem Schreibtisch aber nur leicht: Nur in der Breite kommen 10 mm hinzu, in der Tiefe bleibt es bei 235 mm. Hintergrund ist der mit 4,9 mm dünne seitliche Rahmen des Displays. Oben und unten sind die Rahmen dicker, die Webcam findet dafür auch weiterhin über dem Display Platz.

Modell Breite × Tiefe × Höhe Gewicht
Blade 2018, 15,6 Zoll, GeForce GTX 1060 355 × 235 mm x 16,8 mm 2,1 kg
Blade 2018, 15,6 Zoll, GeForce GTX 1070 355 × 235 mm x 17,3 mm 2,1 kg
Blade 2017, 14,0 Zoll, GeForce GTX 1060 345 × 235 mm x 17,9 mm 1,9 kg

Mit 16,8 mm (ohne Füße) in den Ausstattungsvarianten mit GeForce GTX 1060 Max-Q ist das neue Blade laut Razer „das weltweit flachste Gaming Laptop in seiner Klasse“. Die Varianten mit GeForce GTX 1070 Max-Q sind einen halben Millimeter höher. Dass Razer auf zwei Gehäusevarianten setzt, ist interessant, bedeutet das doch mehr Aufwand und mehr Kosten in der Fertigung. Aber der Hersteller wollte den Rekord mit der kleinen Grafikkarte unbedingt.

Das offizielle Gewicht ist mit jeweils 2,1 Kilogramm identisch und liegt zehn Prozent über dem Vorgänger. In dem fand übrigens noch eine mobile GeForce GTX 1060 ohne Max-Q Platz. Eine Option auf die größere Version gab es nicht.

Kühlung mit Vapor Chamber statt Heatpipes

Obwohl das neue Blade dünner ist, soll die Kühlung trotzdem leiser erfolgen, so Razer beim Gespräch im Vorfeld der Produktankündigung. Erstmals setzt der Hersteller zu diesem Zweck eine Vapor Chamber ein, um die von den Komponenten abgegebene Wärme schneller an das Kühlsystem zu überführen.

Auf das Kühlsystem ist Razer besonders stolz
Auf das Kühlsystem ist Razer besonders stolz (Bild: Razer)

Synapse 3 mit Leistungsprofilen

Beim Bildschirm haben Anwender die Wahl zwischen Full HD mit 60 oder 144 Hz und Ultra HD mit 60 Hz, nur die UHD-Variante bietet auch Touch. Dass nur das hochauflösende Display Touch hat, war schon in der Vergangenheit der Fall. Alle Bildschirme sind ab Werk kalibriert.

Auch das Touchpad ist gewachsen und weiterhin von sehr hoher Qualität. Die flache Rubberdome-Tastatur erstrahlt auf Wunsch in RGB-Farben, die sich in Razers Software Synapse 3 individuell anpassen lassen. Das Tool bietet auch neue Profile zur Anpassung der Leistung. Das neue Blade soll sich so einfacher auf einen maximal leistungsstarken oder einen sehr leisen Betrieb trimmen lassen.

Über den eingebauten Mini DisplayPort, einen HDMI- und einen Thunderbolt-3-Anschluss (USB Typ C) lassen sich bis zu drei externe Monitore an das Razer Blade anschließen. Darüber hinaus gibt es drei Mal USB 3.1 Gen 1 (Typ A) und 3,5-mm-Klinke. Geladen wird über einen proprietären Anschlusstyp.

Käufer erhalten das Razer Blade immer mit der neuen mobilen Sechskern-CPU Intel Core i7-8750H (Test). Weitere Wahlmöglichkeiten bestehen neben Display und Grafikkarte beim RAM und SSD-Speicherplatz. Bis zu 32 GB RAM (DDR4-2667) und 2 TB SSD-Kapazität lassen sich konfigurieren.

Display CPU/GPU/RAM/SSD Preis
Full HD, 60 Hz Core i7-8750H, GeForce GTX 1060, 16 GB, 256 GB 1.949,99 Euro
Full HD, 144 Hz Core i7-8750H, GeForce GTX 1060, 16 GB, 512 GB 2.249,99 Euro
Full HD, 144 Hz Core i7-8750H, GeForce GTX 1070, 16 GB, 256 GB 2.449,99 Euro
Full HD, 144 Hz Core i7-8750H, GeForce GTX 1070, 16 GB, 512 GB 2.649,99 Euro
Ultra HD, 60 Hz Core i7-8750H, GeForce GTX 1070, 16 GB, 512 GB 2.899,99 Euro

Das Topmodell mit UHD-Display im Test

ComputerBase hatte zum Test das Razer Blade 15 mit UHD-Touch-Display (60 Hz), Core i7-8750H, GeForce GTX 1070 Max-Q, 16 GB RAM und 512 GB großer SSD in der Redaktion. Das entspricht der größten Konfiguration ohne manuelle Anpassungen. Das Muster wurde leihweise von Razer zur Verfügung gestellt. Getestet haben wir das System mit einem vollständig aktualisierten Windows 10 und dem Nvidia GeForce 391.35. Im Handel gibt es bisher nur die Full-HD-Modelle.

Testergebnisse und Benchmarks

Alle Tests wurden im über Synapse 3 eingestellten Betriebsmodus „Balanced“ vorgenommen – das ist auch der Standard ab Werk. Der Leistungsvorteil durch den Wechsel auf „Gaming“ ist zu gering, als dass er die extrem gestiegene Laustärke unter Last rechtfertigt.

Taktraten unter Last

Im Notebook entscheidet über die Leistung nicht der kurzfristig erreichbare Takt, sondern der Takt unter Dauerlast. Und das betrifft in der Regel CPU wie GPU gleichermaßen.

GPU im Modus „Balanced“ oder „Gaming“

Mit der mobilen GeForce GTX 1070 Max-Q setzt Razer auf die energieeffizienteste Variante dieser GPU. Ab Werk läuft sie im Balanced-Modus, in Razers Synapse 3 können Anwender aber auf den Modus „Gaming“ wechseln. Auf den ersten Blick verändert das nur die Lüfterkurve, auf den zweiten wird allerdings klar: Auch die maximalen GPU-Taktraten und der Takt des Grafikspeichers steigen.

Der Aufschlag auf den maximalen GPU-Takt ist allerdings nur theoretischer Natur, denn unter Last bleibt der auf Energieeffizienz getrimmte Chip in beiden Profilen deutlich darunter. Vorteile im Gaming-Modus ergeben sich vielmehr durch die niedrigere Chip-Temperatur, die von dem deutlich aufdrehenden Kühlsystem erreicht wird.

Szenario GPU-Takt GDDR5-Takt GPU-Temperatur
Balanced Maximum 1.544 MHz 4.000 MHz
Balanced Dauerlast 1.200–1.280 MHz 4.000 MHz 81 °C
Gaming Maximum 1.633 MHz 4.300 MHz
Gaming Dauerlast 1.230–1.330 MHz 4.300 MHz 77 °C
Dauerlast = Betriebszustand nach 30 Minuten The Witcher 3 (UHD)

Eine herkömmliche mobile GeForce GTX 1070 erreicht in Witcher 3 (UHD) annähernd 1.500 MHz – also bis zu 20 Prozent höhere Taktraten. Eine GeForce GTX 1070 Founders Edition liegt noch einmal um die 200 MHz höher.

Die CPU wird auf 35 Watt eingebremst

Das Verhalten der GPU unter Last war in Anbetracht der genutzten Variante und der Gehäusedimensionen zu erwarten. Eine Überraschung gibt es hingegen bei der CPU: Razer erlaubt dem Core i7-8750H nur für 28 Sekunden, eine Package-Power von 45 Watt und damit Intels TDP (Verbrauch in definierter Anwendung bei Basistakt) zu ziehen. Danach wird (über eine wenige Sekunden andauernde Delle bei 25 Watt) auf 35 Watt reduziert. 2,4 bis 2,5 GHz statt maximal erlaubten 3,9 GHz bei Last auf allen Kernen sind so möglich. Gegenüber dem nicht gebremsten Core i7-8750H (Test) im XMG A507 Advanced von Schenker Technologies mit eingeschwungenen 3,1 GHz macht das bei der Leistung durchaus einen Unterschied.

Der Verlauf der Taktraten der CPU bei Last auf allen Kernen im Cinebench R15 über zehn Durchgänge des Benchmarks zeigt das bereits deutlich. Schon der erste Durchlauf fällt mit unter 900 zu über 1.100 Punkten um ein Drittel schlechter aus, weil der Wechsel von 45 über 25 auf 35 Watt bereits hier erfolgt. Mit ca. 750 zu ca. 970 Punkten im eingeschwungenen Zustand bleibt dieser Abstand auch dauerhaft erhalten. Das Schenker-Technologies Neo 15, zu dem ComputerBase ebenfalls an einem Test arbeitet, erreicht mit der gleichen CPU übrigens dauerhaft 1.100 Punkte, weil es der CPU immer bis zu 65 Watt zugesteht.

Ein Blick in das Intel Extreme Tuning Utility stiftet beim Razer Blade 15 mehr Verwirrung, als dass es Aufklärung bringt. Denn laut Tool sind kurzfristig 80 Watt und langfristig 60 Watt im Turbo erlaubt. Über 45 Watt kommt die CPU aber nie.

Auf die Leistung in Spielen hat die Beschränkung der CPU auf maximal 35 statt 45 Watt Verbrauch übrigens in der Regel keinen Einfluss, weil der Prozessor dort auch bei maximalem Mehrkern-Turbotakt nicht über 35 Watt kommt. The Witcher 3 begnügt sich beispielsweise mit durchschnittlich 17 Watt und lässt den Prozessor damit auf allen Kernen bei bis zu 3,9 GHz laufen – mehr geht nicht.

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