Athlon 200GE im Test: AMDs 50-Euro-Herausforderer für den Intel Pentium G 2/2

Volker Rißka 297 Kommentare

AMD Athlon 200GE vs. Pentium G

Als Grundlage fungiert auch für den Vergleich das bisher genutzte Prozessor-Testsystem. Dies bedeutet, dass alle Prozessoren strikt gemäß ihrer Herstellervorgaben getestet werden, beim Athlon ist dies unter anderem DDR4-2666 als gewichtiger Unterschied zu den bisherigen Raven Ridge, die mit DDR4-2933 umgehen dürfen. Die Timings bleiben mit CL14 aber identisch schnell.

Für die klassischen Anwendungstests wird auch heute weiterhin die GeForce GTX 1080Ti genutzt, was auch einen Teil der Messungen zur Leistungsaufnahme einschließt. Hier wird die vollständige Vergleichbarkeit zu allen bisher getesteten CPUs gewährleistet. Der zweite Teil basiert jedoch nur auf den Messungen mit der integrierten Grafik, dafür wurden alle Werte neu ermittelt.

Benchmarks in Anwendungen

Update 01.10.2018 13:53 Uhr

Hinweis: Der ursprünglich von ComputerBase berichtete Wert von 105 Punkten für den Athlon 200GE in Cinebench R15 war nicht korrekt. Auf drei unterschiedlichen Platinen (MSI B350I Pro AC, Asus X370 Crosshair VI Hero, Asus Crosshair VII Hero WiFi) haben sich 125 Punkte als der korrekte Messwert herausgestellt. Der von einigen Lesern berichtete Einfluss eines AGESA-Updates auf Version 1.0.0.4(c), bei MSI installiert, konnte dabei nicht nachvollzogen werden. ComputerBase steht zu diesem Thema aber mit AMD in Kontakt.

3,2 GHz ohne einen zuschaltbaren Turbo-Modus sind insbesondere in Anwendungen mit wenig oder keiner Last auf mehreren Threads ein Problem für den Athlon 200GE. Er braucht diese Unterstützung, denn erst wenn diese vorhanden ist, kann der Intel Pentium wie in Blender auch mal um zweistellige Prozente geschlagen werden. Ansonsten zeigt es der Extremfall Cinebench auf einem Thread: Hier fehlen 500 MHz und die IPC, Intels Kaby Lake zieht deutlich davon.

Der nächste Zen-basierte Prozessor von AMD ist der Ryzen 3 2200G. Für 80 Prozent Aufpreis gibt es rund 65 Prozent mehr Leistung – mehr echte Kerne, sowie Threads und ein höherer Takt machen sich bemerkbar.

Tests in Spielen

Eine APU von AMD steht auch 2018 in erster Linie für die integrierte Grafikeinheit, dafür wurde sie bisher gekauft und wird es primär auch in Zukunft. Bei der 50-Euro-Lösung ist dies nicht anders, wenngleich die Grafikeinheit deutlich abgespeckt ist und gerade in Spielen nur noch rudimentär genutzt werden kann. Der Vergleich zum Raven Ridge alias Ryzen 3 2200G aus gleichem Hause zeigt Unterschiede, Intels Pentium G sind erwartungsgemäß noch schwächer.

Für den Kurztest der Spieleleistung wird der Adrenalin 18.9.2 vom 20. September 2018 genutzt. Intels Grafikeinheit kann auf die Treiberversion 24.20.100.6286 vom 30. August dieses Jahres vertrauen.

Ein interessantes Ergebnis kommt dabei zum Vorschein. Der AMD Athlon 200GE ist 86 Prozent schneller als der Pentium G4560 mit seiner HD 610, doch der Ryzen 3 2200G wiederum ist noch einmal 88 Prozent schneller als der Athlon. Preislich passt das durchaus, zumindest bei AMD: Mit 95 Euro kostet der Ryzen 3 2200G auch 80 Prozent mehr als der Athlon 200GE, die Mehrleistung muss quasi 1:1 bezahlt werden.

Doch heißt das, dass man mit dem Athlon 200GE spielen kann? Nur sehr bedingt. Es kommt wie bei jeder integrierten GPU extrem auf den Titel und die Einstellungen an. Destiny und Overwatch oder weitere Titel dieser Genres gehören noch am ehesten dazu, um Triple-A-Spiele sollte mit integrierter Grafik wie üblich ein Bogen gemacht werden.

Leistungsaufnahme mit integr. und diskreter GPU

Die Leistungsaufnahme wird in zwei Durchgängen ermittelt. Einmal mit zusätzlicher diskreter Grafikkarte, da nicht alle CPUs eine integrierte Lösung besitzen, und im zweiten Durchlauf nur mit integrierter Lösung.

Dabei fällt erneut auf, dass AMDs Boards zusammen mit CPU (und auch diskreter Grafiklösung) immer noch etwas mehr Leistung aufnehmen als Intel. Selbst auf einem B350-Mini-ITX-Mainboard sind es noch 5 Watt mehr im Leerlauf als Intels Pentium G4560 auf einem B250-Micro-ATX-Mainboard. Die Werte können sich dennoch sehen lassen, zumal sich bei maximaler CPU-Last das Blatt zu Gunsten von AMD dreht – insbesondere der Differenzwert zwischen Leerlauf und voller CPU-Last fällt dann mit 19 zu 26 Watt deutlich zugunsten von AMD aus.

Kein Overclocking von CPU und RAM möglich

Der kleinste Raven Ridge für den Desktop ist von AMD nicht für das Overclocking freigegeben worden. Die CPU ist vollständig gelocked, im BIOS kann zwar der Multiplikator mitunter frei gewählt werden, er wird aber nicht übernommen.

AMD Athlon 200GE
AMD Athlon 200GE

Das Gleiche gilt auch für den Arbeitsspeicher. Ein XMP-Profil mit DDR4-2933 oder DDR4-3200 wird ebenfalls ignoriert, der Speicher bleibt bei maximal DDR4-2666. Damit stehen zwei der einfachsten Möglichkeiten, die Leistung der CPU aber auch der integrierten Grafik zu steigern, bei AMD erst ab 95 Euro zur Verfügung: beim Ryzen 3 2200G.

Undervolting geht auch bei einer 35-Watt-APU

Zumindest an der Spannung lässt sich aber auch beim Athlon 200GE etwas drehen. Die 35-Watt-CPU ist ohnehin schon sehr sparsam, doch mit fast einem Volt weniger Spannung lässt sich die Leistungsaufnahme im Leerlauf unter Windows 10 unter die 20-Watt-Marke drücken und unter maximaler Last lassen sich ebenfalls noch zwei, drei Watt einsparen. Da zwischen Leerlauf und maximaler CPU-Last ohnehin aber nur 20 Watt liegen, sind die Einsparungen nur prozentual gesehen riesig.

Fazit und Empfehlung

AMDs Vorhersagen für den Athlon 200GE treffen im Praxistest exakt ein. Bei der CPU-Leistung leicht hinter Intels Pentium, bei der Grafikleistung aber deutlich überlegen und dabei ein wenig günstiger. Der Athlon 200GE liefert so ein rundes Paket für den Einstieg ab und ist eine Alternative zum Intel Pentium G(old).

AMD Athlon 200GE
AMD Athlon 200GE

Seiner TDP-Einstufung von nur 35 Watt wird der Prozessor dabei vollends gerecht, einem stromsparenden PC steht mit der Lösung nichts im Weg. Mit 3,2 GHz ist der Takt aber für Anwendungen, die nur einen Kern unterstützen, gering, die Leistung dann mitunter schwach. Werden alle vier Threads der CPU genutzt, wird Intels Pentium hingegen geschlagen. Und vernichtend geschlagen wird der Pentium dann bei Nutzung der integrierten Grafikeinheit.

Für den günstigen Einsteiger-PC ist der Athlon 200GE letztlich eine gute Wahl und Alternative. Das Mainboard kann mit rund 60 Euro problemlos zu den günstigen gehören – und bei dem Preis sind die minimal ausgestatteten A320-Platinen bereits ausgenommen. Zusammen mit Arbeitsspeicher – 8 GByte kosten rund 60 Euro – steht das Grundgerüst eines PCs bereits für nicht einmal 200 Euro. Dies klappt aber auch mit dem Intel Pentium, so dass die Kontrahenten bei den Gesamtkosten auf einem sehr ähnlichen Niveau liegen. So bleibt die Wahl auch eine Frage der persönlichen Vorlieben und/oder Gewichtungen der jeweiligen Möglichkeiten der Prozessoren.

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