Tracking ohne Cookies: Deutscher Single-Sign-on-Dienst ist gestartet

Aljoscha Reineking 46 Kommentare
Tracking ohne Cookies: Deutscher Single-Sign-on-Dienst ist gestartet
Bild: enid.foundation

Wie die European netID Foundation bekannt gibt, ist der neue Login-Dienst ab sofort auf Webseiten von 60 zum Start teilnehmenden Partnern nutzbar. Der Dienst sieht sich als Alternative zum seitenübergreifend angebotenen Facebook- oder Google-Login und speichert alle Daten in Europa. Das ist bequem, erlaubt aber auch Tracking.

netID zum Start mit 60 Partnerseiten

Zum offiziellen Start von netID als neuer Single-Sing-on-Login-Service wird der Dienst von 60 Partnerseiten unterstützt, die sich neben den Angeboten der Initiatoren aus 50 Seiten des Verlagskonglomerats Ippen zusammensetzen. In den kommenden Monaten sollen weitere E-Commerce-Websites die Unterstützung von netID als Login-Methode integrieren. Bereits angekündigt wurde die Zusammenarbeit mit Conrad, Spiegel-Gruppe, Süddeutsche Zeitung, Otto.de sowie Zalando.

Der Login wird mit einem hellgrünen Button mit der Aufschrift „Mit netID anmelden“ speziell gekennzeichnet. Die größten Vorteile von netID im Vergleich zu den Login-Diensten von Google und Facebook sollen die Speicherung der Daten innerhalb der EU und dass diese beide Konzerne nichts über die Aktivitäten der Anwender auf anderen Seiten erfahren sein. Über dieses Wissen verfügt in Zukunft wiederum netID.

E-Mail-Adresse als Universal-ID nutzbar

Als zentraler Login und Universal-ID kann eine E-Mail-Adresse oder ein Account-Anbieter verwendet werden. Wer bereits einen Account bei Web.de, GMX, 1&1 (alle drei United Internet), RTL (RTL Mediengruppe) oder 7Pass (ProSiebenSat.1) besitzt, kann diese nutzen, um sich bei einem der 60 Partnerseiten anzumelden. Eine zusätzliche Aktivierung des netID-Accounts ist nicht nötig. Bereits zum Start des Dienstes sind damit 35 Millionen aktive Accounts netID-fähig.

Transparenz soll Vertrauen schaffen

Beim ersten Login mit netID auf einer Partnerwebseite wird dem Anwender angezeigt, welche Daten mit der Website geteilt werden. Neben dem Namen des Profils können gleichzeitige weitere Informationen wie E-Mail-Adresse, Liefer- oder Rechnungsadresse und Geburtsdatum auf Wunsch mit übertragen werden, wenn diese bei netID hinterlegt wurden – wer sich mit netID erstmals bei Otto oder Zalando anmeldet, muss diese Angaben also auf Wunsch nicht noch einmal tätigen. Der Anwender hat aber auch die Möglichkeit die Weitergabe einzelner Daten zu verhindern.

In dem Portal von netID können die einzelnen Freigaben zu den Verbindungen in den Einstellungen eingesehen und auch noch verändert werden. Der Dienst kann dabei sogar für das Abbestellen eines Newsletters verwendet werden.

Single Sign-on ist bequem, macht den Nutzer aber verfolgbar

Mehr Bequemlichkeit ist allerdings nur eine der tragenden Säulen von netID. Durch die zentrale Nutzung der netID-Kennung können die Betreiber des Login-Services den Anwender und seine Gewohnheiten innerhalb des Netzwerkes auch sehr gut verfolgen, ohne dafür klassisches Tracking über Cookies zu verwenden. Widerspricht der Nutzer nicht explizit, kann dieser anhand der gesammelten Daten somit auch personalisierte Werbung schalten. Je größer das Netzwerk der beteiligten Partner wird, desto umfassender kann das Profil der Anwender ausfallen.

Tracking durch Cookies steht nicht nur im Zuge der Diskussion um den Datenschutz in Europa in der Kritik, Apple unterbindet in der aktuellen Version von Safari beispielsweise bereits das Setzen von Cookies, die nicht durch das Handeln des Anwenders initiiert wurden, oder unterbindet so genanntes „Fingerprinting“, indem der Browser keine Details zum System und den darauf installierten Apps zulässt. Weitverbreitete Login-Verfahren können diese Art Tracking allerdings ersetzen.