Lioncast LX55 (USB) im Test: Günstige Headsets punkten mit gutem Mikrofon

Michael Schäfer 44 Kommentare
Lioncast LX55 (USB) im Test: Günstige Headsets punkten mit gutem Mikrofon

tl;dr: Lioncast stellt mit dem LX55 in den Varianten mit Klinken- oder USB-Anschluss zwei Headsets für den schmalen Geldbeutel vor, die zwar nicht mehr als einen soliden Klang bieten, beim Mikrofon aber kräftig auftrumpfen. Surround-Klang sowie RGB-Beleuchtung der USB-Version entpuppen sich jedoch nur als Gimmicks.

Design und Verarbeitung

Sowohl das normale LX55 wie auch die USB-Variante weisen bei dem vom Hersteller veranschlagten Verkaufspreis (60 Euro bzw. 80 Euro) eine gute und saubere Verarbeitung gepaart mit einem schlichten Äußeren auf, auch wenn bereits auf den ersten Blick Unterschiede zu höherpreisigen Vertretern ihrer Zunft deutlich werden. Der aus Metall gefertigte Bügel wird von einem weichen Schaumstoff samt Kunstleder umgeben, wobei der Schutz gegenüber teureren Headsets etwas dünner ausfällt, für einen guten Tragekomfort aber ausreichend ist.

Komforteinbußen

An drehbaren Ohrmuscheln hat Lioncast erneut der Preisklasse entsprechend gespart, Gleiches gilt für die verwendeten Memory-Foam-Polster, die ebenfalls dünner ausfallen, sich aber dennoch gut an die Ohren anpassen. Die Polster können bei Bedarf ausgetauscht werden, was sich in der Praxis jedoch als recht frickelige Angelegenheit entpuppt. Bedienelemente für Lautstärke oder Ähnliches sind nicht vorhanden.

Gute Verarbeitung beim Lioncast LX55
Gute Verarbeitung beim Lioncast LX55

Beide Headsets sitzen straff, aber nicht zu fest, sodass sie auch bei schnellen und plötzlichen Kopfbewegungen nicht herunterfallen, aber einen guten Tragekomfort ermöglichen. Die Ohrmuscheln hinterlassen auch nach längerem Tragen einen bequemen Eindruck. Lediglich eine leichte, aber nicht zu unangenehme Wärmeentwicklung lässt sich erkennen. Brillenträger sollten ebenfalls keine Probleme mit beiden Headsets besitzen.

Modell: Lioncast LX55 LX55 USB
Typ: Over-Ear geschlossen
Treiber: 53 mm High-Performance-Neodym
Frequenzbereich: 20 Hz – 20.000 Hz
Kabelanschluss: 3,5-mm-Klinke 3,5-mm-Klinke, USB
Kabel abnehmbar: Ja
Kabellänge: 3,65 m 3,45 m
Kabel-Fernbedienung: Ja Hinter der Fernbedienung
abnehmbar
Integrierte Soundkarte: Nein Ja
Frequenzbereich
Mikrofon
:
100–10.000 Hz
Mikrofon abnehmbar: Ja
Gewicht (ohne Kabel): 305 g 325 g
RGB-Beleuchtung: Nein Ja
UVP: 59,95 Euro 79,95 Euro

Seitlich sind ebenfalls Unterschiede zu erkennen: Während die günstigere Version an dieser Stelle von Kunststoff umgeben ist, weist die USB-Variante eine gummiartige Oberfläche auf. In dieser sind ein RGB-beleuchtetes Logo sowie ein Außenring eingelassen, die per Software mit bis zu 16,8 Millionen Farben in verschiedenen Effekten ausgeleuchtet werden können.

Digital oder analog

Lioncast bietet das LX55 wie bereits erwähnt in den Anschlussvarianten Klinke only sowie USB/Klinke an. Beide Headsets sind zudem modular aufgebaut, womit sowohl Mikrofon wie auch Kabel abnehmbar sind. Dem reinen LX55 legt Lioncast neben dem normalen und etwas kurzen Klinkenkabel eine Verlängerung samt Adapter vom vierpoligen Anschluss auf zwei separate dreipolige 3,5-mm-Stecker bei, womit sich auch die Kabellänge deutlich erhöht. Im Kabel selbst ist eine kleine Steuereinheit enthalten, mit der die Lautstärke eingestellt und das Mikrofon stumm geschaltet werden kann. Eine Fernsteuerung von mobilen Geräten ist mit dieser aber nicht möglich.

Lioncast LX55
Lioncast LX55

Bei der USB-Variante bleibt die virtuelle Soundkarte fest mit dem Kopfhörer verbunden. Sollte in diesem Bereich einmal ein Kabelbruch entstehen, kann somit das komplette Headset nicht mehr verwendet werden. Zudem hätten die Entwickler hier den Abstand zwischen Ohrmuschel und Soundkarte größer gestalten sollen – im aufgesetzten Zustand können die einzelnen Tasten und deren Beschriftung für manchen Anwender selbst mit Brille auf dieser kurzen Entfernung schwer zu erkennen sein. Darüber hinaus lässt sich das daran angeschlossene USB-Kabel bei einem Defekt zwar leicht austauschen, durch den geringen Platz am Anschluss kann jedoch nicht jedes Kabel verwendet werden. Sollte das Quellgerät einmal über keinen USB-Anschluss verfügen, kann das LX55 USB auch per Klinkekabel an der Steuereinheit betrieben werden.

Anschlüsse des LX55
Anschlüsse des LX55
Anschlüsse des LX55 USB
Anschlüsse des LX55 USB

Klangwunder bleiben aus

Beide Lioncast-Vertreter verfügen über zwei 53 mm große High-Performance-Neodym-Treiber, die laut Hersteller einen Frequenzgang von 20 Hz bis 20.000 Hz erlauben. Die Ohrmuscheln selbst schirmen dabei die Umgebungsgeräusche gut ab.

Das Klangbild beider Headsets fällt recht neutral aus, was aber auch daran liegt, dass beide nur bedingt für basslastige Musik geeignet sind und dadurch schnell zu Verzerrungen neigen. Bei der USB-Variante besteht mittels Software und des darin enthaltenen Equalizers zwar noch die Möglichkeit der Nachjustierung, mit viel Spielraum sollten Anwender hier jedoch nicht rechnen. Somit bleiben die größeren Klangreserven auch den höherpreisigen Modellen vorbehalten.

Lioncast LX55 USB
Lioncast LX55 USB

Dies wirkt sich vor allem auf Spiele aus, die den Hauptanwendungsbereich beider Headsets darstellen. Bei Shootern mit großer Kulisse und vielen Fahrzeugen fehlt somit die für die Atmosphäre benötigte Grundlage durch die tiefen Frequenzen. Andererseits kann dieser Nachteil schnell zu einem Vorteil werden, nämlich dann, wenn es bei Shootern vor allem auf leise Geräusche ankommt, die bei anderen Headsets nicht selten durch den Bass überdeckt werden. Ob der Spieler mit den LX55 glücklich wird, hängt also auch stark vom Nutzungsszenario ab.

Bei Musik oder Filmen wirkt sich der fehlende Bass dagegen negativ aus, hier sollte lieber zu einem normalen Kopfhörer gegriffen werden. Klanglich kann zwischen beiden Varianten kein Unterschied festgestellt werden.

Raumklang mit vielen Einstellungen, aber wenig Effekt

Der USB-Variante spendiert Lioncast zudem eine 7.1-Raumklang-Funktion, aber wie so oft werden in der Praxis die Versprechungen der vielen angepriesenen Lösungen der Hersteller, wenn überhaupt, nur bedingt gehalten. Da nützt auch die Möglichkeit der Feinjustierung, die selbst hochpreisige Headsets in dieser Form oftmals nicht bieten und bei der sich die einzelnen Kanäle in Ausrichtung sowie im Abstand einstellen lassen, nicht viel.

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