Huawei P30 Pro im Hands-On: Quad-Kamera mit Periskop-Zoom trifft auf fesche Farben

Nicolas La Rocco 171 Kommentare
Huawei P30 Pro im Hands-On: Quad-Kamera mit Periskop-Zoom trifft auf fesche Farben

tl;dr: Einmal mehr will Huawei die Revolution der Smartphone-Fotografie ausrufen. Dafür stattet der chinesische Hersteller sein neues Flaggschiff P30 Pro mit neuartigem Sensor und gleich vier Objektiven aus, die Brennweiten von 16 mm bis 125 mm abdecken. Eine interessante Farbauswahl und schnelle Hardware gibt es obendrein.

Leica-Quad-Kamera

Was Huawei einst mit dem P20 Pro (Test) gelungen ist, nämlich in Sachen Smartphone-Fotografie völlig neue Möglichkeiten zu schaffen, will der chinesische Hersteller mit dem heute vorgestellten P30 Pro wiederholen. Erneut soll mit in der Industrie geltenden Standards gebrochen werden, um die eigene Innovationskraft zu demonstrieren.

Dass sich auch das P30 Pro voll und ganz der Fotografie mit dem Smartphone widmet, macht ein Blick auf die Rückseite deutlich, wo Huawei nun eine Armada aus gleich vier statt der bisher drei Kameras verbaut. Von der weltweit ersten Leica-Quad-Kamera spricht der Hersteller, der sich mit dem Unternehmen aus Wetzlar wieder für die Qualitätssicherung der Linsen und die Bildverarbeitung zusammengetan hat.

Die Hauptkamera des P30 Pro ist eine Kombination aus 40 Megapixeln, 27 mm Brennweite, f/1.6-Blende und optischem Bildstabilisator (OIS). Auf der Rückseite des Smartphones handelt es sich um die von oben gezählt zweite Kamera. Abgesehen von der etwas weiter geöffneten Blende klingt das alles zunächst einmal stark nach P20 Pro, der Sensor soll aber den entscheidenden Unterschied bringen.

Rot-Gelb-Blau-Sensor

Denn beim erneut 1/1,7 Zoll großen Sensor setzt Huawei auf eine modifizierte Bayer-Matrix, die nicht mehr mit den drei üblichen Grundfarben Rot, Grün und Blau arbeitet, sondern Rot, Gelb und Blau nutzt. Laut Huawei biete Gelb eine höhere Lichtdurchlässigkeit als Grün, sodass mehr Licht auf den Sensor treffen könne. Und das Einfangen von möglichst viel Licht sei vor allem bei Smartphones ein entscheidendes Merkmal für die Qualität der Aufnahmen. Und wie verhindert Huawei, dass die grüne Wiese plötzlich gelb auf Fotos erscheint? Hier habe Huawei den gesamten Stack aus ISP und DSP im Kirin 980 überarbeitet, damit es nicht zu Farbverfälschungen kommt.

Mehr Licht pro Pixel gibt es auch wieder durch die Pixel-Binning-Technologie, bei der vier kleine Pixel zu einem großen verbunden werden, sodass unterm Strich Aufnahmen mit 10 Megapixeln entstehen. Das ist beim P30 Pro erneut der Standard, wenngleich sich über die Einstellungen der Kamera optional wieder die volle Auflösung nutzen lässt – dann abseits der Auflösung aber mit potenziell etwas schlechteren Ergebnissen.

Ultraweitwinkelobjektiv

Den rein monochrom arbeitenden zweiten Sensor ohne Bayer-Matrix, der abseits des nativen Schwarz-Weiß-Modus primär für eine bessere Detailabbildung und höhere Schärfe sorgen sollte, benötigt Huawei aufgrund der verbesserten Hauptkamera nicht länger. An seine Position rückt eine Ultraweitwinkel-Kamera mit 16 mm Brennweite, die mit 20 Megapixeln und f/2.2-Blende arbeitet. Diese war anstatt der Monochrom-Kamera zuletzt auch im Mate 20 Pro (Test) verbaut und soll die gestiegene Nachfrage nach entsprechenden Objektiven bei der P-Serie abdecken.

Fünffach optischer Zoom mit 125 mm

Vollständig neu ist hingegen die Periskop-Kamera. Periswas? Erstmals bietet Huawei in einem Smartphone einen fünffachen optischen Zoom mit 125 mm Brennweite an. Um das zu realisieren, lässt Huawei den Sensor wie bei einem Periskop um die Ecke blicken. Dort wo eigentlich die Linsen des Objektivs sitzen würden, lenkt stattdessen ein Prisma einfallendes Licht nach rechts um, damit es in den Tiefen des Smartphones auf einen Sensor mit 8 Megapixeln trifft. Deshalb sieht die von oben gezählt dritte Kamera so eckig statt rund aus. So umgeht Huawei die Limitierung der Bautiefe des Smartphones, da nun die Gehäusebreite der limitierenden Faktor ist. Das Zoomobjektiv arbeitet mit f/3.4-Blende und die Kamera bietet einen optischen Bildstabilisator.

Wem ein fünffacher Zoom nicht ausreicht, kann beim P30 Pro zum hybriden Zoom greifen, bei dem Huawei wieder eine Mischung aus optischem Zoom, Cropping und ISP-Magie anwendet, um einen zehnfachen Zoom mit 270 mm zu erreichen. Noch immer nicht genug? Das P30 Pro schafft beim digitalen Zoom bis zu 1.350 mm (50× Zoom).

Time-of-Flight-Sensor

Und der vierte Sensor? Der steht nicht ohne Grund (noch) nicht im Datenblatt des Smartphones, da es sich um einen Time-of-Flight-Sensor handelt, zu dem Huawei noch keine Informationen preisgegeben hat. Über den ToF-Sensor, der unterhalb des LED-Blitzes zu finden ist, wird die Separation in mehrere Bildebenen berechnet, um zum Beispiel eine präzise Abgrenzung von Vordergrund und Hintergrund für Porträtaufnahmen zu erhalten. Der ToF-Sensor eignet sich auch für AR-Funktionen wie das Messen von Gegenständen. Zudem wird Googles ARCore unterstützt.

Noch bessere Nachtaufnahmen

Abseits der reinen Hardware-Aufrüstung hat Huawei die Software der Kamera überarbeitet. Den sogenannten AIS, also den durch künstliche Intelligenz (AI) stabilisierten (S) Nachtmodus will Huawei noch weiter verbessert haben. Schon beim P20 Pro und Mate 20 Pro waren die frei aus der Hand geschossenen Aufnahmen mit mehreren Sekunden Belichtungszeit ein wahres Highlight, das jetzt noch einmal besser ausfallen dürfte. Für Tageslichtaufnahmen gibt es nun einen Silk-Water-Effekt, der zum Beispiel bei langer Belichtungszeit von fließendem Wasser entsteht. Dieser lässt sich auch auf den Hintergrund von Porträtaufnahmen anwenden. Neu ist zudem das durch AI unterstützte HDR+, das für einen hohen Dynamikumfang sorgen soll.

Videomodus überarbeitet

Abseits der Fotografie will sich Huawei dieses Mal den Videofunktionen mehr gewidmet haben. Denn während Huawei bei der klassischen Fotografie durchaus Spitzenreiter ist, haben Apple und neuerdings Samsung bei Videos bisher klar die Nase vorn. Hier will Huawei aufholen, indem auf der Haupt- und Zoom-Kamera nun auch im Videomodus der AIS und OIS aktiv sind. Die Stabilisierung bleibt selbst beim zehnfachen Hybrid-Zoom mit dem Teleobjektiv aktiv. Außerdem lässt sich der Nachtmodus nun eingeschränkt im Videomodus nutzen, sodass die Szenerie deutlich heller als in echt erscheint.

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