Shadow by Blade im Test: Erfahrungen, Probleme und Fazit

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Christopher Lewerenz et al. 199 Kommentare

Abseits der Spiele wird Shadow vor allem für diejenigen interessant, die Arbeiten mit hoher Rechenlast verrichten, die Leistung (mobil) aber nicht zur Verfügung haben. In diesem Fall müssen mit hoher Wahrscheinlichkeit des Öfteren Dateien vom Shadow-System auf einen USB-Stick gezogen werden – oder andersherum.

Shadow als Workstation nutzen

Und das wird möglich, wenn in den Einstellungen des Clients die Option „USB über IP“ aktiviert wird. Danach kann ein USB-Stick an den Client angeschlossen und im Shadow-System ausgewählt und benutzt werden. Dies funktionierte im Test gut, wenngleich Shadow einige Probleme bekommt, wenn das Gerät nicht über Windows ausgeworfen wird. Wird der Stick einfach nur abgezogen, kann es vorkommen, dass er beim nächsten Mal mehr Zeit benötigt, um vom System erkannt zu werden.

Allerdings ist das Anschließen eines USB-Sticks aktuell die einzige Möglichkeit, Daten schnell von Shadow auf den eigenen PC zu übertragen. Drag & Drop ist nicht möglich, allerdings bereits bei Blade in Arbeit. Alternativ können die Dateien auch auf eine Cloud der Wahl hochgeladen und anschließend wieder heruntergeladen werden. Auch Drucker werden vom System problemlos erkannt und können über Shadow genutzt und gewartet werden. Probleme sind nicht aufgetreten.

In einigen Fällen kann es vorkommen, dass Shadow mehr Zeit benötigt, bis das Bild erscheint. Meistens liegt das an einem Windows-Update, sodass der Rechner mehrmalig neu gestartet wird. Sollte ein Windows-Update auftreten, muss gewartet werden, bis Shadow eine Verbindung zum Rechner herstellen kann. Die Wartezeiten sind in der Regel kurz – nach zwei Minuten dürfte der PC wieder einsatzbereit sein. Bei größeren Updates kann es aber vorkommen, dass es um einiges länger dauert, bis Shadow wieder genutzt werden kann.

Shadow mobile nutzen

Der mobile Betrieb von Shadow am PC kann zwei Ergebnisse liefern: Ein flüssiges Erlebnis oder den Wunsch bald nach Hause zu kommen. Denn Shadow verhielt sich im Test in diesem Szenario sehr willkürlich. Während im ersten Moment alles flüssig erscheint, fängt der Stream im nächsten Moment an zu stocken oder anzuhalten. Die meiste Zeit findet man sich in Einstellungen wieder und die Gegebenheiten verändern sich unterwegs stetig. Verfügt man nicht über eine wenig genutzte 4G- oder eine 5-GHz-WLAN-Verbindung, kann Shadow unterwegs damit derzeit kaum zum Arbeiten, geschweige denn zum Spielen genutzt werden.

Der Dienst kann außerdem auch auf dem Smartphone verwendet werden und bietet somit die Möglichkeit, die Arbeit neben dem Laptop dort zu verrichten. Jedoch gilt hier das Gleiche wie für den Laptop: Eine starke und stabile Verbindung ist vonnöten. Hinzu kommt in diesem Fall allerdings noch, dass die Bedienung auf dem Smartphone eher schlecht als recht ist, da ein eigens angepasstes Interface fehlt. Viele Gesten, die das Bedienen der Menüs vereinfachen sollen, funktionieren schlicht nicht. So ist ein Doppelklick meistens nicht möglich und beim Zoomen kommt es nicht selten vor, dass ungewollt etwas angeklickt wird.

Eine kleine Menüführung unter dem Shadow-Symbol auf dem Bildschirm ermöglicht immerhin das Nutzen von Tastenkombinationen, das Aufrufen der Tastatur oder das Herunterfahren des Systems. Ist der Weg zum Spiel durch die Anwendungen geschafft und der Xbox-Controller mit dem Handy verbunden, legen sich die Probleme. Latenz und Qualität der Verbindung befinden sich auf dem Niveau eines PCs und unterscheiden sich hauptsächlich in der Größe des Bildschirms. Eine stabile Nutzung unter der Voraussetzung einer 5-GHz-WLAN-Verbindung ist möglich und liefert ein passables Ergebnis.

Shadow am Mac nutzen

Gerade für Anwender von MacOS ist Shadow eine Alternative, wenn Windows-Anwendungen genutzt werden müssen oder Spiele gespielt werden sollen. Solange eine entsprechende Internetverbindung verfügbar ist, kann so auf Bootcamp-Partitionen und regelmäßige Neustarts verzichtet werden.

Insbesondere für grafik- und festplattenspeicher-lastige Anwendungen ist die Streaming-Lösung dem eigenen Notebook oft überlegen. Und während man bei Windows-Notebooks, das nötige Kleingeld vorausgesetzt, zumindest die Wahl hat, eine Gaming-taugliche GPU zu nutzen, ist dies bei den aktuellen MacBooks nur sehr beschränkt möglich und Shadow damit umso mehr eine nützliche Option. Dass diese sich im Zweifelsfall nicht auf Gaming beschränkt, sondern auch für andere Anwendungen wie Machine-Learning, wo schwache Notebook-Grafikkarten potentiell bremsen, eine Lösung ist, verdeutlicht den Unterschied zu Gaming-fokussierten Konkurrenten wie GeForce Now.

(Spezielle) Alltagsprobleme

Shadow macht im Großen und Ganzen einen soliden Eindruck, dennoch hat der Service regelmäßig auftretende Probleme, die für ein nahtloses Erlebnis gelöst werden sollten. Unter anderem ruckelt der Stream in regelmäßigen Abständen. Dies kann an einer nicht stabilen Internetverbindung liegen, da der H.265-Modus diese Probleme reduziert, aber nicht komplett löst. Ebenfalls ist das unscharfe Bild ein Störfaktor, der vor allem bei sehr detailreichen Spielen nervig wird. Eine höhere Bitrate könnte dieses Problem lösen, dafür wäre aber eine schnellere Internetverbindung vonnöten. Eine Erweiterung der maximal nutzbaren Bandbreite für die Kunden, die eine solche Leitung haben, wäre aber in jedem Fall wünschenswert.

Mit den auftauchenden Aussetzern des Streams geht ein Knacken des Tons einher. Dies taucht vor allem dann auf, wenn das eingesetzte Gerät nicht über die maximale Bandbreite verfügt. Da eine Internetgeschwindigkeit von 50 Mbit/s nicht der Regelfall ist, kann dies für viele ein großes Problem werden – oder ein Einzelfall bleiben. Hier muss gezielt die benutzte Bandbreite reduziert werden, um das Problem zu lösen.

Manchmal klappt es einfach nicht

Nicht immer sind manuelle Eingriffe allerdings von Erfolg gekrönt. An einem von insgesamt sechs getesteten Internetanschlüssen war der Streamingdienst praktisch überhaupt nicht nutzbar, die Ursache für das Problem blieb allerdings auch nach Rücksprache mit dem Anbieter unbekannt.

Das erste Indiz dafür, dass irgendetwas nicht stimmt, lieferte der eingebaute Speedtest von Shadow. Dieser gab nämlich zuverlässig stark schwankende Ergebnisse aus, die alle deutlich unter der üblicherweise verfügbaren Bandbreite des genutzten Anschlusses lagen. Die genutzte DSL-Verbindung bot in allen anderen Situationen 90 Mbit/s bei einem Ping von circa 30 ms. Im Speedtest von Shadow schwankten die Ergebnisse zwischen 20 und 50 Mbit/s.

Dies war ein Vorbote dafür, dass das Streaming später unter Problemen leiden sollte. Sobald nämlich manuell oder nach einem der „schnelleren““ Speedtests die Verbindungsgeschwindigkeit auf über 40 Mbit/s gesetzt wurde, scheiterte der Stream komplett. Nur eine Reduzierung der Geschwindigkeit ermöglichte überhaupt eine Nutzung, wobei auch hier ein Paketverlust von bis zu 20 Prozent anfiel und das Erlebnis stark beeinträchtigte.

In der folgenden Diagnose, bei der der technische Support kompetent zur Seite stand, aber im Endeffekt nicht helfen konnte, fiel auf, dass der Service versuchte, die vollen 90 Mbit/s der Verbindung zu nutzen, sobald als Verbindungsgeschwindigkeit mehr als die genannten 40 Mbit/s eingestellt wurden. Die interne Messung von Shadow zeigte dabei zwar weiterhin ungefähr die eingestellte Geschwindigkeit, doch das „echte“ Windows (oder auch MacOS) drum herum registrierte einen eingehenden Datenstrom von bis zu 90 Mbit/s bei Paketverlustraten von bis zu 100 Prozent.

Ungeklärte Streamingprobleme bei Shadow
Ungeklärte Streamingprobleme bei Shadow

Da das Problem auf mindestens drei verschiedenen Endsystemen mit drei unterschiedlichen Betriebssystemen und sowohl über LAN als auch über WLAN auftrat, lag das Problem potentiell beim Router (TP-Link Archer VR200v), beim Internetprovider (Vodafone), am Ort (Jena), an der speziellen Adresse, an den gewählten Einstellungen oder an einer von Millionen anderen möglichen Ursachen. In Rücksprache mit den Entwicklern konnte im weitesten Sinne nur festgestellt werden, dass es sich um ein mehr oder weniger einzigartiges Problem handle.

Fazit

Bis auf den einen Aussetzer hat Shadow by Blade im Test am Desktop-PC und über die Streaming-Box Shadow Ghost sehr gut funktioniert. Eine dauerhafte Verbindung wird aufrechterhalten und liefert ein jeweils angemessenes Bild, während die Latenz auf ein Minimum reduziert wird. Was „angemessen“ bedeutet, variiert allerdings stark mit der Breitbandverbindung, dem gewählten Modus und dem Spiel. Die Einstellungen erlauben dem Nutzer aber, dies nach den eigenen Wünschen anzupassen.

Weniger leistungsstark als von GeForce Now (Test) bekannt ist hingegen das in der Cloud verfügbare System. Sollen die aktuellen AAA-Titel mit den höchsten Einstellungen flüssig gespielt werden, dann ist Full HD die Auflösung der Wahl. In Anbetracht der Komprimierung bietet sich in der Regel allerdings eh ein niedrigeres Preset an. Nicht umgangen werden kann damit allerdings die Tatsache, dass die CPU in Spielen, die den Prozessor stark fordern, bremsen kann. Dennoch: Nutzer, die sich in den einzelnen Spielen mit den gegebenen Einstellungen beschäftigen und für die Bildqualität nicht die höchste Priorität genießt, werden ein flüssiges Erlebnis geliefert bekommen.

Gegenüber GeForce Now absetzen kann sich Shadow abseits der Spiele. Durch den Einsatz eines voll zugänglichen Windows 10 Home bieten sich dem Nutzer viele Anwendungsmöglichkeiten, die auch über das eigene Smartphone verrichtet werden können.

Alles in allem hat Shadow die Redaktion so am Ende überzeugt. Je nach persönlichen Präferenzen und Anwendungsszenarien kann dieses Urteil allerdings auch anders ausfallen. Shadow kostet aktuell 360 Euro im Jahresabo (29,95 Euro im Monat), ohne Vertragslaufzeit fallen monatlich 39,95 Euro an. Der erste Monat kostet in beiden Fällen 29,95 Euro und im Laufe der ersten 30 Tage kann auch das Jahresabo jederzeit gekündigt werden.

ComputerBase wurden der Zugang zu Shadow sowie Shadow Ghost von Blade zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme seitens des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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