Nvidia GeForce Now (Beta) im Test: PC-Spiele-Streaming mit geringer Latenz

David Pertzborn 236 Kommentare
Nvidia GeForce Now (Beta) im Test: PC-Spiele-Streaming mit geringer Latenz
Bild: Nvidia

tl;dr: Spiele-Streaming über Nvidia GeForce Now auf den PC gibt es jetzt auch als Beta für Windows. Im Test überraschen die geringe Latenz und die riesige Spieleauswahl. Nur bei der Bildqualität hakt es immer mal wieder. Kurios: Mit dem Tool EVGA Precision X lässt sich die Tesla P40 in der Cloud einbremsen.

Nvidia GeForce Now: Überblick, Termin und Preise

Während Serien, Filme oder Musik heute von vielen Anwendern bereits aus der Cloud gestreamt werden und Netflix gerade zum zweitwertvollsten Medienkonzern aufgestiegen ist, steckt das Streaming von Videospielen aus der Cloud noch in den Kinderschuhen. Als Hürde gelten insbesondere auf dem PC auch die Berührungsängste der potentiellen Kundschaft, die vor allem eine zu hohe Latenz zwischen Eingabe von Befehlen und Ausgabe am Monitor befürchtet.

Vor über einem Jahr hatte auch Nvidia angekündigt, mit Nvidia GeForce Now in das Spiele-Streaming-Geschäft auf dem Desktop-PC einzusteigen, zuvor gab es den Service nur für die Konsole Shield. Ende 2017 erschien eine offene Beta für macOS, zur CES 2018 die offene Beta für Windows-PCs. Offene Beta bedeutet allerdings nicht, dass jeder, der will, gleich loslegen kann. Interessenten müssen sich auf eine Warteliste setzen, aktuell soll die Wartezeit mehrere Monate betragen. ComputerBase hat den Dienst über die letzten zwei Wochen allerdings mit einem von Nvidia bereitgestellten Zugang testen können.

Your reservation to join the free GeForce NOW PC and Mac beta is confirmed. Many of your fellow gamers across North America and Europe are chomping at the bit to join the GFN movement as well, and we’re adding capacity as fast as we can. It may take up to a few months to receive your activation code.

Preise für Europa und einen Termin gibt es noch nicht

Genaue Daten dazu, wann die Beta endet und der Regelbetrieb beginnt, gibt es noch nicht und auch das genaue Bezahlmodell für Europa ist noch nicht bekannt. Nvidia sprach zur Vorstellung Anfang 2017 von 25 US-Dollar pro 20 Stunden Spielzeit, wenn in der Cloud die Leistung einer GeForce GTX 1060 bereitgestellt wird. Soll es eine GTX 1080 sein, steigt der angepeilte Preis auf 25 US Dollar pro 10 Stunden Spielzeit. Mittlerweile betont Nvidia Deutschland allerdings, dass das nur ein erster Fingerzeig war und die abschließenden Preise nicht feststehen.

Preise, Stand CES 2017
Leistungsklasse Kosten pro Stunde
GeForce GTX 1080 2,50 US-Dollar
GeForce GTX 1060 1,25 US-Dollar
Anpassungen bis zum Start wahrscheinlich

Nvidia vermietet Rechenleistung, keine Spiele

Auch wenn sich der Vergleich mit Spotify, Netflix und anderen Streaminganbietern geradezu aufdrängt, Nvidia vermietet über GeForce Now für den PC und Mac Rechenleistung, keinen Inhalt – die angebotenen Spiele kann nur der abrufen, der sie über Steam, uPlay oder Battle.net selber erworben hat. Die Kosten für den Dienst müssen also mit den Kosten oder dem Aufwand für leistungsfähigere Hardware abgeglichen werden, die Spieler durch die Nutzung von GeForce Now einsparen. Damit unterscheidet sich GeForce Now für den PC oder Mac auch von GeForce Now für Shield – hier gibt es zur Pauschale von knapp 10 Euro ausgewählte Spiele und die Spielzeit inklusive.

Technische Details: Tesla P40 und 18-Kern-Xeon

In der Beta steht jedem freigeschalteten Teilnehmer die Rechenleistung einer GeForce GTX 1080 zur Verfügung, er spielt also im teureren der beiden Tarife. Was hinter diesem Versprechen tatsächlich für Hardware steckt, lässt sich zum Beispiel mit Hilfe des SteamVR Performance Tests herausfinden. Weitere Informationen offenbart die Eingabeaufforderung der virtuellen Maschine – diese Option dürfte Nvidia aber in der finalen Version noch schließen.

Die Tools offenbaren, dass der Rechner in der Cloud auf eine Nvidia Tesla P40 (Pascal) mit 24 GB RAM und einen Intel Xeon E5-2697 v4 (Broadwell-EP) setzt.

Hardwarekomponenten
Grafikkarte CPU Arbeitsspeicher
Nvidia Tesla P40
(24 GB)
Intel Xeon E5-2697 v4
18 Kerne, HT
15 GB

Interessant ist, dass von den 18 Kernen des Prozessors nur 8 zur Verfügung stehen und kein Hyperthreading möglich ist, obwohl der Prozessor dies grundsätzlich unterstützt – Hintergrund dürften mehrere virtuelle Maschinen auf einem Rechner sein.

Bei der Grafikkarte handelt es sich um das professionelle Gegenstück zur Titan Xp, also keine echte GeForce GTX 1080. Die Anzahl der Shader Einheiten liegt mit 3.840 auf dem Niveau der Titan Xp und entspricht dem GP102-Vollausbau, der offizielle Boost liegt mit 1.531 MHz aber rund 50 MHz darunter. Der VRAM ist mit 24 GB hingegen doppelt so groß, mit einer Speicherbandbreite von 346 GB/s aber deutlich langsamer. Hintergrund dürfte auch hier die Virtualisierung sein: Die Tesla P40 erlaubt GPU-Virtualisierung, zwei Spieler im Tarif GeForce GTX 1060 könnten also über eine Grafikkarte beliefert werden.

msinfo32.exe
msinfo32.exe

Welche Leistung am Ende von diesem System zu erwarten ist, wird im Abschnitt Benchmarks geklärt.

Latenzen und Bildqualität

Um GeForce Now überhaupt nutzen zu können, wird laut Nvidia mindestens eine 25 Mbit/s schnelle Leitung benötigt. Empfohlen wird aber die doppelte Geschwindigkeit. Der Laptop oder der PC, auf den gestreamt wird, sollte darüber hinaus per LAN oder 5-GHz-WLAN verbunden sein. Im Laufe des Tests wurden ein Desktop-PC im LAN sowie ein MacBook im 5-GHz-Netz verwendet. Beide kommunizierten über eine 100-Mbit/s-Verbindung ins Internet, die konstant 90 Mbit/s liefert. Der Ping zu Google und ComputerBase liegt bei circa 35 ms.

Die Latenz ist unerwartet gering

Das größte Problem beim Streaming sehen viele Nutzer in der zusätzlichen Latenz, die dadurch zustande kommt, dass das Bild auf Basis der in die Cloud geschickten Eingaben des Spielers zunächst auf einem Server berechnet, dann kodiert, dann versendet und anschließend dekodiert werden muss. Damit kommt es zwangsläufig zu einem größeren Zeitversatz zwischen Eingabe und Ausführung des Befehls. Die Frage ist: Fällt das auf?

Um das zu beurteilen, wurde zum einen das subjektive Empfinden des Testers und zum anderen eine Zeitlupenaufnahme herangezogen – in genau dieser Reihenfolge.

Spürbar? Nein. Messbar? Ja.

Das Ergebnis: Spürbar war die zusätzliche Latenz für den Tester nicht. Gespielt wurden zwei Shooter (Wolfenstein II: The New Colossus und Doom) sowie League of Legends. Auch wenn es insbesondere bei LoL verlockend gewesen wäre, jeden verfehlten Skillshot und jede zu langsame Reaktion auf die Latenz zu schieben, war auch hier eher das Können des Testers im Weg. Und bei Doom stellt sich – egal ob im Stream oder lokal – genau der gleiche rasante Spielfluss ein. Anderen Personen mag es anders ergehen und die Messwerte bestätigen: natürlich steigt die Latenz.

Um den Effekt zu ermitteln, wurde das Steam-Menü in der Cloud in 240-FPS-Zeitlupe aufgenommen und anschließend ermittelt, wie viele Bilder (ein Bild entspricht 4 ms) zwischen Rechtsklick auf die Maus und dem Öffnen des Dropdown-Menüs vergingen. Da in dieser Kette von der Latenz der Maus bis zur Reaktionszeit des Bildschirm aber auch lokal anzutreffende Verzögerungen enthalten sind, wurde nicht die absolute Latenz gemessen, sondern der Unterschied zwischen der Latenz beim Streaming und der bei lokaler Ausführung. Aus zehn Messungen wurde einmal der mittlere Unterschied, der Unterschied zwischen den beiden schnellsten und der Unterschied zwischen den beiden langsamsten Durchläufen ermittelt.

Zeitdifferenz
Durchschnitt Schnellster Durchlauf Langsamster Durchlauf
18,0 ms 12,5 ms 21,0 ms

Schön schnell, aber nicht immer schön

Der Latenz muss der Test also ein positives Zeugnis ausstellen. Für die Bildqualität gilt das aber nicht immer. Denn ähnlich wie beim Streamen von Filmen oder Serien auf Netflix wird die Bildqualität dynamisch an die Übertragungsgeschwindigkeiten angepasst. Und während das im (schnellen) Spielfluss und wenn alles gut läuft nicht auffällt, kommt es stellenweise trotzdem zu einem sichtbaren Qualitätsverlust. Der Effekt kommt dem Umschalten von HD auf SD gleich.

Im Allgemeinen bleibt der Spielspaß davon unbeeinflusst, aber wer in der Regel UHD braucht, um keine Pixel zählen zu können, wird sich daran stören. Wenn alles problemlos läuft, liefert der Service mit 1080p60 hingegen mehr als auf Xbox One und PlayStation 4 zur Verfügung steht.

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