RAM- und SSD-Preise steigen: Streit zwischen Japan und Südkorea zeigt Auswirkungen

Volker Rißka 331 Kommentare
RAM- und SSD-Preise steigen: Streit zwischen Japan und Südkorea zeigt Auswirkungen
Bild: SK Hynix

Die heile Welt der niedrigen RAM-Preise wird bereits in Kürze Geschichte sein. Schuld daran ist aber keine normale Entwicklung, sondern der Handelsstreit zwischen Japan und Südkorea, der zu einer Verknappung führt. Die Lager werden schneller leer als gedacht, in den Distributionen kommen die ersten Preissteigerungen an.

Während es TrendForce und der Ableger, die Speicherbörse DRAMeXchange, noch relativ vorsichtig mit Fokus auf den Spot-Markt der RAM-Preise formuliert, ist es an anderer Stelle bereits Realität: die RAM-Preise steigen wieder. Viele Shops haben sich in letzter Minute noch mit Speicher und SSDs eingedeckt, bei vielen Distributionen werden neue Chargen aber erst geordert – und diese kosten unter Umständen gleich bis zu 20 Prozent mehr, erklärten Händler gegenüber ComputerBase. Aktuell sind deshalb noch niedrige Preise im Handel anzutreffen, doch vermutlich nicht mehr lange. Sich nun noch mit Speicher beispielsweise für einen neuen AMD Ryzen 3000 (Test) auszustatten, könnte sich deshalb rechnen – günstiger konnte es ohnehin kaum mehr werden.

An der Speicherbörse DRAMeXchange sind einige der Anpassungen bereits sichtbar. Nicht nur steigt der globale Index seit exakt einer Woche steil an, auch die Spot-Preise in den unterschiedlichen Bereichen offenbaren extreme Sprünge nach oben. Während sie bei DRAM mit 3 Prozent bis 6 Prozent Plus am heutigen Tage noch relativ gering ausfallen, ist eMMC- und TLC-Speicher um bis zu 10 Prozent teurer geworden. Das ist ein starkes Indiz dafür, dass neben RAM in Zukunft auch Flash und damit SSD-Massenspeicher teurer wird.

Tendenz am Speichermarkt
Tendenz am Speichermarkt (Bild: DRAMeXchange)

Nur die saisonal bedingt geringe Nachfrage führt unterm Strich zu keiner echten Preisexplosion. Auch seien 90 Prozent der RAM-Preise durch feste Verträge und Abnehmer geregelt, der Spot-Preis nur für 10 Prozent des Marktes relevant – allen voran aber das DIY-Geschäft. Je nach Lagerbestand der Hersteller, die im Optimum bis zu 90 Tage vorhalten, kann sich die Lage jedoch schnell ändern. Denn seit diesem Monat gelten die Regelungen der japanischen Regierung, vor allem chemische Substanzen nicht mehr nach Südkorea zu liefern.

Japan beliefert Südkorea (nicht mehr) mit Chemikalien

Japan sorgt unterschiedlichen Berichten zufolge für über 70 Prozent der genutzten Chemikalien – in einigen Teilbereichen sogar über 90 Prozent – von südkoreanischen Chip-Fertigern. Medienberichten zufolge hat Samsung beispielsweise von Fluorwasserstoff nur einen Vorrat von einem Monat, und japanische Firmen sind der nahezu einzige Lieferant. Da südkoreanische Firmen aber für über 70 Prozent der DRAM- und Flash-Produktion verantwortlich sind, werden Engpässe in der Produktion sehr schnell im Handel sichtbar.

Wie gravierend das ausfallen wird, sollten die kommenden Wochen zeigen. Dann dürften auch die Prognosen, die bisher einen weiteren Preisverfall von DRAM-Chips im dritten Quartal vorhergesagt haben, angepasst werden.