Skype und Cortana: Auch Microsoft lässt Audio von Menschen auswerten

Jan-Frederik Timm 69 Kommentare
Skype und Cortana: Auch Microsoft lässt Audio von Menschen auswerten
Bild: Harman Kardon

Nach Amazon, Apple und Google steht jetzt auch Microsoft dafür in der Kritik, Spracheingaben von Nutzern von Menschen analysieren zu lassen. Neben Anfragen an den Sprachassistenten Cortana soll das auch für Unterhaltungen auf Skype gelten, wenn sie mit dem KI-Übersetzer geführt werden.

Audiomitschnitte werden von Menschen abgehört

Das berichtet Vice und beruft sich auf Gespräche mit einem Dienstleister, der Audiomitschnitte von Microsoft zur Analyse bereitgestellt bekommt. Die Behauptungen seien glaubhaft, weil sie umfassend anhand von Screenshots und Mitschnitten belegt werden können, so Vice.

Wie die anderen Tech-Konzerne stellt zwar auch Microsoft dem Dienstleister keine Daten zur Person zur Verfügung, es finden sich aber auch in diesem Fall mitunter Namen, Adressen oder anderweitige personenbezogene Informationen in den Aufnahmen. Die Vice zugänglichen Aufnahmen seien in der Regel zwischen fünf und zehn Sekunden lang, es gäbe aber auch längere Mitschnitte, so der Dienstleister.

Dass Microsoft Gespräche über den Skype Translator mitschneidet und analysieren lässt, ist den FAQ zum Angebot zu entnehmen, die es allerdings auf Deutsch nur als sehr schlechte maschinelle Übersetzung gibt.

Bei Verwendung Skypes Übersetzungsfeatures Skype sammelt und Ihre Unterhaltung zur Verbesserung von Microsoft-Produkten und Diensten verwendet. Mit denen die Übersetzung und Speech Recognition Technologie Hier erfahren Sie, und wachsen, Sätze und automatische Protokolle analysiert und alle Korrekturen in unserem System, um weitere leistungsfähige Dienste erstellen eingegeben werden. Um Ihre Privatsphäre zu schützen, sind die Gespräche, die zur Verbesserung des Produkts verwendet werden durch alphanumerische Bezeichner indiziert, die Teilnehmer zur Unterhaltung nicht identifizieren.

Gespräche werden nur aufgezeichnet, wenn Übersetzungsfeatures von einem Benutzer ausgewählt werden.

Dass Microsoft diese Mitschnitte nicht von Maschinen sondern Menschen analysieren lässt, ist den FAQ nicht zu entnehmen – ausgeschlossen wird es aber auch nicht.

Auch bei Cortana verschweigt Microsoft nicht, dass die eingegebenen Sprachbefehle zur Verbesserung des Dienstes „verwendet“ werden, lässt den konkreten Ablauf inklusive der Weitergabe der Mitschnitte an Dienstleister aber im Dunkeln.

Wenn Sie mit Cortana sprechen, um etwas zu fragen, mitzuteilen oder um Skills zu aktivieren, verwendet Microsoft Ihre Sprachdaten, um Cortanas Verständnis für Ihre Sprache sowie die Antworten zu verbessern. Das gilt auch für andere Microsoft-Produkte und Dienste, die Spracherkennung nutzen.

In den Datenschutzeinstellungen für den Microsoft-Account spricht Microsoft dann immerhin vom Sammeln und Speichern von Audioaufzeichnungen und ermöglicht es Anwendern den Verlauf einzusehen und zu löschen.

Microsoft hält den Prozess (noch) für transparent

Microsoft bezeichnet das eigene Vorgehen gegenüber Vice als transparent, die Privatsphäre des Anwenders stehe jederzeit im Vordergrund und nur mit seiner Zustimmung fände die Speicherung und Analyse statt. Der Konzern werde den Prozess aber weiterhin kontinuierlich prüfen um Anwendern einen starken Datenschutz bieten zu können. Das Microsoft bei dem aktuellen Ansatz bleibt, dürfte dabei ausgeschlossen sein.

Google hat die menschliche Auswertung von Mitschnitten des Google Assistant, die bei Anfragen an den Sprachassistenten auf Smartphones oder über Google Home aufgezeichnet werden, vorerst gestoppt, dasselbe gilt für die menschliche Auswertung von Befehlen an Apple Siri. Und bei Amazon lässt sich der menschlichen Auswertung der Alexa-Eingaben in Zukunft in den Einstellungen widersprechen.