SteelSeries Apex Pro im Test: Praxiserfahrungen und Fazit

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Max Doll 59 Kommentare

Chassis und Layout

Gute Taster sind nur ein Baustein einer gelungenen Tastatur. Dass sich die Apex Pro dem bewusst ist, macht sie deutlich – auch in Bereichen, die sich nicht als Feature auf die Verpackung schreiben lassen. Da wäre etwa der kompakte Bau, das an den Seiten mit Mulden versehene Chassis, die das Versetzen der Apex Pro kinderleicht machen, oder die Kabelkanäle, die die USB-Leitung allerdings nicht stark genug fixieren. Außerdem der ohne Hinsehen erreichbare, wohlbedacht platzierte Pass-Through-Port, die gute Ausleuchtung der Tasten oder die große Handballenauflage mit ihrer angenehmen Oberfläche. Alles andere wäre einer mehr als 200 Euro teuren Tastatur aber auch nicht angemessen.

Ein gemischtes Bild geben weitere Ausstattungsmerkmale ab. Eine Doppelfunktion von Makro- als Funktionstasten erscheint für Spiele kaum sinnvoll, sie sind aber immerhin gut im FN-Klammergriff erreichbar und damit eine Option, um beispielsweise Medientasten zu erzeugen. Bei der Anordnung des Scrollrads hat SteelSeries erneut mitgedacht, die darunter angeordnete Multifunktionstaste allerdings ist wesentlich tiefer als die davor liegenden Tasten. Sie könnte besser erreichbar sein. Als wider Erwarten praktisch erweist sich die Belegung. Abhängig von der Anzahl der aufeinanderfolgenden Auslösungen wird ein Lied zurückgegangen, vorgesprungen oder abgespielt. Der angenommene Mehraufwand bleibt aus, die Apex Pro beweist praktisch die Gangbarkeit dieses Ansatzes.

OLED-Display

Ein langer Druck der Taste führt außerdem in das Konfigurationsmenü am OLED-Display, über das die gesamte Tastatur (vereinfacht) programmiert werden kann. Das klappt erstaunlich gut, kann aber mit dem Komfort der guten Software nicht mithalten, die intuitiv schnelle Änderungen an Tastenbelegungen und Effekten erlaubt. Hierin liegt aber der fast einzige Nutzen des Anzeigeelements, der zweite ist in seiner Fähigkeit zur Ausgabe von eigenen Schwarz-Weiß-Bildern im Format 128 × 40 Pixel zur Individualisierung der Tastatur zu sehen.

Dass darüber auch Informationen aus Spielen oder Programmen angegeben werden können, teils inklusive passender RGB-Effekte, hat hingegen keinerlei Wert, der über den Spielzeugfaktor hinausgeht. Zugpferde sind Discord, Spotify, CS: GO und Dota 2 – die Auswahl unterstützter Spiele und Programme ist aktuell aber überschaubar und wird es auch bleiben. Das zeigt die Erfahrung mit anderen Features wie adaptiven Lichteffekten und Displays, die keine herstellerübergreifende Schnittstelle besitzen und mangels Verbreitung in der Versenkung verschwunden sind. Dieses Schicksal steht dem OLED-Display diesbezüglich auch bevor, das keinesfalls kaufentscheidend sein darf.

Fazit

Variable Taster sind – zumindest im Premiumsegment – klar die Zukunft linearer Abstimmungen, und zwar Anbieter- wie Käufer-seitig, weil ein Taster eine Vielzahl Wünsche abdecken kann, die ansonsten verschiedene Produktversionen erfordern. Ihre Flexibilität bietet tatsächlich einen praktischen, individuellen Mehrwert und lässt klassische mechanische Modelle alt aussehen. Neben „flacher“ ist durchaus noch Raum für sinnvolle Neuerungen abseits des Buzzword-Bingos am Tastaturmarkt.

Die Zukunft ist aber noch nicht ganz jetzt, obwohl die Technik nun am Großserienmarkt angekommen ist. Denn prinzipiell kann sie noch mehr, als SteelSeries in der Apex Pro zeigt. Grobe Abstufungen des Auslösepunktes, der Verzicht auf analoge Signale oder eine Option zum Einsatz mehrerer Signalpunkte – das geht anderswo schon besser. Das nicht realisierte Potential wirft damit einen Schatten voraus. Jetzt zu kaufen bedeutet, eine „Early-Adopter-Gebühr“ zu zahlen und einen beträchtlichen Mehrwert, aber noch nicht allen Mehrwert zu erhalten.

Die SteelSeries Apex Pro ist eine gute, aber teure Tastatur
Die SteelSeries Apex Pro ist eine gute, aber teure Tastatur

Nimmt man in Kauf, nicht alles sofort zu bekommen, dann ist die Apex Pro eine gute Wahl im Luxussegment. Das OLED-Display fällt zwar klar in die Kategorie einer Spielerei, ansonsten merkt man der Tastatur ihr in fast allen Punkten wohldurchdachtes Design an. Ihre Ausstattung hat im Allgemeinen einen Nutzen, die Bedienung geht leicht von der Hand. Deutlich aufwerten ließe sich das Gesamtpaket lediglich durch höherwertige Tastenkappen und eine einheitliche Tasterbestückung. Auch so aber kann sich die Tastatur im High-End-Segment positiv hervortun und ist gegenüber Modellen mit festem Signalpunkt die bessere Wahl.

SteelSeries Apex Pro
Produktgruppe Tastaturen, 28.10.2019
  • Gehäuse
    +
  • Tasten & Beschriftung
    +
  • Layout
    ++
  • Ausstattung & Extras
    +
  • Software
    ++
  • Flexible Taster
  • Große Handballenauflage
  • Sinnvolle Anordnung von Zusatzfunktionen
  • Mächtige und übersichtliche Software
  • Taster-Mischbestückung
  • Praxisnutzen des OLED-Displays gering
  • Erreichbarkeit Zusatztaste suboptimal

ComputerBase hat die SteelSeries Apex Pro vom Hersteller zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

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