Threadripper 3970X & 3960X im Test: Multi-Tasking mit 24 und 32 Kernen

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Volker Rißka et al. 1.004 Kommentare

Während immer mehr Anwendungen auch mit 32 Kernen zurecht kommen, geben sich die meisten Spiele noch mit vier zufrieden, nur wenige skalieren noch mit sechs oder acht Kernen, einige machen mit mehr sogar Probleme. Mit acht Kernen ist man in Spielen also meistens auf der sicheren Seite, das haben die vorangegangenen Benchmarks abermals gezeigt.

Damit steht die Frage im Raum, ob eine CPU mit 24 oder sogar 32 Kernen nicht parallel zur Berechnung von Spielen auf acht Kernen noch problemlos stark parallelisierte Anwendungen berechnen kann.

Spielen beim Rendern ist kein Problem

ComputerBase hat das sowohl mit dem AMD Ryzen Threadripper 3960X als auch dem Ryzen Threadripper 3970X und im Vergleich auch mit dem Ryzen 9 3950X (Test) und dem Intel Core i9-10980XE (Test) getestet. Über den Windows Explorer wurden den Spielen F1 2019 und Shadow of the Tomb Raider zu diesem Zweck die Threads 0 bis 15 zugewiesen, der parallel ausgeführten App Blender die verbleibenden Threads 16 bis 47 (3960X) respektive 16 bis 63 (3970X), 16 bis 35 (10980XE) und 16 bis 31 (3950X).

Der Ryzen Threadripper 3970X auf ASUS ROG Zenith II Extreme
Der Ryzen Threadripper 3970X auf ASUS ROG Zenith II Extreme

Die Tests wurden auf Windows 10 Version 1903 mit allen aktuellen Updates mit einer Titan RTX (GeForce 441.20) durchgeführt. 32 GB RAM (4 × 8 GB DDR4-3200, CL14, 1T) waren installiert. Die Spiele wurden in WQHD bei maximalen Details (kein RTX) ausgeführt.

In F1 2019 zeigt keine der getesteten CPUs einen relevanten Leistungsverlust (FPS und Frametimes), wenn nur noch 16 Threads dem Spiel und der Rest der CPU dem Blender Benchmark zur Verfügung stehen. Bei den drei Ryzen ist interessant zu beobachten, dass die Leistung in Blender kaum niedriger ausfällt als würde F1 nicht laufen. Beim Core X ist das nicht der Fall: Hier fällt die Leistung in Blender um 17 Prozent, wenn Blender mit 20 Threads nicht allein auf der CPU läuft, sondern auch noch mit 16 Threads F1 2019 ausgeführt wird.

Wird statt F1 2019 das Spiel Shadow of the Tomb Raider ausgeführt, verlieren die Zen-2-CPUs hingegen leicht an Leistung. Ryzen Threadripper verliert bei den FPS elf (3970X), sechs (3950X) und fünf (3960X) Prozent, während der Core X weiterhin unbeeindruckt ist. Bei Blender bleibt das Bild hingegen gleich: Die Ryzen liefern im rahmen der Messungenauigkeit zu F1 vergleichbare Ergebnisse und zeigen sich kaum vom parallel ausgeführten Spiel beeindruckt, der Core X hingegen schon.

Auch bei den Frametimes zeigt sich der 32-Kern-Threadripper am „anfälligsten“, wobei am Fazit für alle CPUs nichts zu rütteln ist: Beide CPUs können eine Titan RTX auf nur 16 Threads ausreichend schnell mit Daten versorgen, selbst wenn auf allen verbleibenden Threads Blender läuft. Und die Ryzen können Blender sogar ohne nennenswerten Leistungsverlust berechnen, während der Core X deutlicher nachlässt.

Massive Parallelisierung ohne Leistungsverlust

Auch ein anderer Vergleich zeigt, welche Rechenleistung mit Threadripper 3000 zur Verfügung steht. Auf dem Ryzen Threadripper 3970X mit 32 Kernen wurden zu diesem Zweck abermals Kerne gezielt Anwendungen zugewiesen. In diesem Fall sollten Blender Benchmark, der Benchmark Corona 1.3 und POV-Ray parallel ausgeführt werden. Jeder Anwendung wurden 8 Kerne und 16 Threads zugewiesen, acht Kerne und 16 Threads blieben also noch frei. Als Vergleich wurde der Ryzen 7 3700X mit „nur“ acht Kernen und 16 Threads herangezogen. Er musste alle Benchmark nacheinander ausführen.

Blender, Corona und POV-Ray parallel auf dem Threadripper 3970X mit je 16 Threads
Blender, Corona und POV-Ray parallel auf dem Threadripper 3970X mit je 16 Threads

Die Ergebnisse sprechen abermals für sich: Der Threadripper schließt Blender Benchmark und POV-Ray trotz paralleler Ausführung nur um fünf respektive drei Prozent langsamer ab als der Ryzen 3000, wenn er sie nacheinander einzeln ausführt. Nur Corona zeigt 23 Prozent Abweichung.

Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der 3970X POV-Ray und Corona aber ein paar Mal hintereinander ausführen kann, bevor er Blender quasi in der zeit des 3700X abschließt, ist das Ergebnis dennoch beachtlich.

Ryzen 7 3700X (8K/16T) Ryzen Threadripper 3970X (32K/64T)
Kerne/Threads 8K/16T 8K/16T 8K/16T 8K/16T 8K/16T
Lasten 1 × Blender 1 × Blender 17 × POV-Ray 8 × Corona frei
1 × POV-Ray
1 × Corona
Gesamtlaufzeit 19:10 Minuten 17:11 Minuten 17:34 Minuten 18:24 Minuten
3700X: Blender 16:18, POV-Ray 1:00, Corona 1:52, 3970X: Blender 17:11, POV-Ray 1:02, Corona 2:18

In den 19 Minuten und 10 Sekunden, die der Ryzen 7 3700X für den Parcours benötigt, schließt der Ryzen Threadripper einmal Blender, siebzehn Mal POV-Ray und acht Mal Corona ab – und hat noch einen kompletten Ryzen 7 3700X quasi frei zur Verfügung.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Aussagen zum Preis-Leistungs-Verhältnis sind im HEDT-Segment eine schwierige Angelegenheit. Sie müssen zweigeteilt getroffen werden. Klar ist: Für den normalen Anwender und Gamer daheim ist die Plattform nichts, diese Kundschaft ist im „Mainstream“ perfekt aufgehoben, zumal sie mit dem Ryzen 9 3950X selbst dort schon eine CPU findet, die den herkömmlichen Privatbedarf an CPU-Leistung deutlich übersteigt. Die neuen Threadripper 3000 richten sich hingegen ganz klar an die Kundschaft, die wissen, wie solche CPUs möglichst häufig voll ausgelastet werden.

Und in diesem HEDT- und Workstation-Bereich (auch wenn AMD die neuen CPUs nicht mehr explizit dafür bewirbt) geht es am Ende primär nach der gebotenen (Mehr-)Leistung, die Kosten für die Anschaffung rücken in den Hintergrund. Denn wo Zeit Geld ist, sind Mehrkosten für einen viel schnelleren Prozessor bei der Anschaffung schnell wieder rein.

So verwies auch Intel in den Hochzeiten ihrer HEDT-CPUs zurecht darauf, dass in erster Linie doch die eingesparte Zeit in Anwendungen ins Gewicht fallen sollte, wenn diese Prozessoren bewertet werden. Diesem Ansatz folgend, führt an den Modellen von AMD Ende 2019 eigentlich kein Weg vorbei, auch wenn sie teuer sind. In Multi-Core-Anwendungen sinkt die Zeit zur Bearbeitung um gut ein Drittel, schnell sind so Stunden pro Woche eingespart bzw. mit zusätzlicher Auftragsarbeit belegt.

Das Testkit von AMD mit ASUS ROG Zenith II Extreme und MSI Creator TRX40
Das Testkit von AMD mit ASUS ROG Zenith II Extreme und MSI Creator TRX40

Doch auch Prosumer, Freischaffende oder wie immer sie die Industrie noch nennt könnten mit der neuen Plattform glücklich werden, wenn sie viel Arbeit „wegzurechnen“ haben. Der Multitasking-Test zeigt eindrucksvoll, dass neben dem Maximum an Leistung in einer App auch die Parallelisierung von Aufgaben bei anhaltend hoher Leistung ein Argument für Threadripper 3000 ist. 16 von 32 Kernen können beispielsweise im Hintergrund am eigenen Projekt arbeiten, während am Feierabend ohne Probleme ein Spiel auf dem Bildschirm läuft. So ackert unterm Tisch quasi noch ein vollwertiger Ryzen 9 3950X, während ein zweiter Prozessor gleicher Art für das Spiel bereitsteht. Zwei komplette Systeme wären mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Anschaffung teurer.

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