FireCuda 520 SSD im Test: Seagates PCIe-4.0-Premiere trägt ab Werk keinen Kühler

Michael Günsch et al. 94 Kommentare
FireCuda 520 SSD im Test: Seagates PCIe-4.0-Premiere trägt ab Werk keinen Kühler

tl;dr: FireCuda 520 lautet das neue SSD-Flaggschiff von Seagate. Dank PCIe 4.0 steigen die Transferraten auf bis zu 5.000 MB/s und die IOPS auf 760.000 in der Spitze. Im M.2-Format werden 500 GB, 1 TB und 2 TB Speichervolumen geboten. Auf einen Kühler verzichtet Seagate ab Werk, was nicht ohne Konsequenzen bleibt.

Update 21.11.2019 14:52 Uhr

Seagate hat die Redaktion informiert, dass die zuvor kommunizierten Preisempfehlungen nicht stimmen. Die jetzt genannten unverbindlichen Preisempfehlungen (UVP) des Herstellers liegen mit 149,90 Euro (500 GB), 274,90 Euro (1 TB) und 459,90 Euro (2 TB) deutlich unter den vorherigen Angaben, was sich inzwischen auch im Handel zeigt. Die Preistabelle am Ende des Artikels wurde entsprechend angepasst. Am Fazit der Redaktion ändert dies aktuell aber nichts, denn weiterhin bietet die Konkurrenz die gleiche Leistung mit zusätzlichem Kühler zum ähnlichen oder sogar niedrigeren Preis.

Bis zu 5 GB/s über PCIe 4.0

Gegenüber der Seagate FireCuda 510 (Test) mit PCIe 3.0 x4 liefert die neue FireCuda 520 mit PCIe 4.0 x4 insbesondere höhere sequenzielle Datentransferraten. Rund 5.000 MB/s beim Lesen und 4.400 MB/s beim Schreiben sollen die Modelle mit 1 TB und 2 TB erreichen, die Version mit 500 GB schreibt mit bis zu 2.500 MB/s deutlich langsamer. Die IOPS liegen bei bis zu 760.000 lesend und 700.000 schreibend, was ebenfalls eine Steigerung zur FireCuda 510 mit maximal 3.450 MB/s und 620.000 IOPS bedeutet.

Phison E16 als gängige Basis

Die Leistungswerte erreichen noch lange nicht das Limit von PCIe 4.0 x4 und werden durch den Controller limitiert. Seagate vertraut auf die bisher einzige für Drittanbieter verfügbare PCIe-4.0-SSD-Plattform mit dem Phison-E16-Controller, der mit nicht näher spezifiziertem 3D-TLC-NAND kombiniert wird. Die technische Basis ist damit identisch zu SSDs wie Corsair MP600, Gigabyte Aorus NVMe Gen4 oder Patriot Viper VP4100.

Seagate FireCuda 520 SSD Seagate FireCuda 510 SSD Corsair Force MP600
Controller: Phison PS5016-E16, 8 NAND-Channel Phison PS5012-E12, 8 NAND-Channel Phison PS5016-E16
DRAM-Cache: ? vorhanden ?
1.024 MB DDR4
Variante
2.048 MB DDR4
Speicherkapazität: 500 / 1.000 / 2.000 GB 1.000 / 2.000 GB 1.000 / 2.000 GB
Speicherchips: ? ? ? TLC (3D) NAND, ? Toshiba ? ? TLC (3D, 64 Lagen) NAND, ? Toshiba ? ? TLC (3D, 96 Lagen) NAND, ?
Formfaktor: M.2 (80 mm)
Interface: PCIe 4.0 x4 PCIe 3.0 x4 PCIe 4.0 x4
seq. Lesen: 5.000 MB/s 3.450 MB/s 4.950 MB/s
seq. Schreiben:
2.500 MB/s
Variante
4.400 MB/s
3.200 MB/s 4.250 MB/s
4K Random Read:
430.000 IOPS
Variante
760.000 IOPS
Variante
750.000 IOPS
620.000 IOPS
Variante
485.000 IOPS
680.000 IOPS
4K Random Write:
630.000 IOPS
Variante
700.000 IOPS
600.000 IOPS
Leistungsaufnahme Aktivität (typ.):
4,600 W
Variante
5,600 W
Variante
6,000 W
5,300 W
Variante
6,000 W
?
Leistungsaufnahme Aktivität (max.): ?
Leistungsaufnahme Leerlauf:
12,0 mW
Variante
15,0 mW
Variante
25,0 mW
20,0 mW ?
Leistungsaufnahme DevSleep: kein DevSleep ?
Leistungsaufnahme L1.2: 2,0 mW ?
Funktionen: NVMe, NCQ, TRIM, SMART, Garbage Collection NVMe, TRIM, SMART, Garbage Collection
Verschlüsselung: keine optional?
Total Bytes Written (TBW):
850 Terabyte
Variante
1.800 Terabyte
Variante
3.600 Terabyte
1.300 Terabyte
Variante
2.600 Terabyte
1.800 Terabyte
Variante
3.600 Terabyte
Garantie: 5 Jahre
Preis: ab 136 € / ab 260 € / ab 439 € ab 190 € / ab 349 € ab 181 € / ab 370 €
Preis je GB: € 0,27 / € 0,26 / € 0,22 € 0,19 / € 0,17 € 0,18

Seagate verzichtet auf notwendigen Kühler

Schon bei SSDs mit PCIe 3.0 x4 wird ein Kühler für die maximale Dauerleistung zur Pflicht, nicht minder gilt dies für die schnelleren PCIe-4.0-SSDs. Auf einen Kühlkörper, wie ihn zum Beispiel Corsair oder Gigabyte einsetzen, verzichtet Seagate allerdings ab Werk und verweist auf externe Lösungen, die heute in der Tat auf vielen Mainboards zu finden sind, alternativ aber auch separat erworben werden können.

Ohne Kühlung droht unter Dauerlast ein Leistungseinbruch, denn der Controller wird zum Schutz vor Überhitzung heruntergetaktet. Im Review-Guide weist Seagate wenig überraschend darauf hin, dass für eine ausreichende Kühlung der SSD zu sorgen ist.

FireCuda 520 im Benchmark

Testbedingungen

Die SSDs wurden im unteren M.2-Slot des Gigabyte Aorus X570 Master betrieben. Für direkte Belüftung sorgte der 140-mm-Lüfter in der Front des Gehäuses Phanteks Eclipse P400S. Als CPU diente ein Ryzen 7 3800X.

CrystalDiskMark

In kurzen Tests mit dem CrystalDiskMark werden die Temperaturen noch nicht zum Problem und die versprochenen Leistungswerte zumindest fast erreicht, doch zeigten sich im direkten Vergleich mit der Corsair MP600 mit Kühler bereits deutlich höhere Temperaturen. Die Leistung der FireCuda 520 liegt in diesen Tests auf gleichem Niveau wie bei der Corsair MP600.

Temperaturen bei Dauertransfer

Anschließende Dauertransfers führten schließlich aber doch zur erwarteten Drosselung durch zu hohe Temperaturen. Die FireCuda 520 im Auslieferungszustand ohne Kühlkörper erreicht beim sequenziellen Lesen bereits nach etwa 75 Sekunden die Temperaturschwelle von 83 °C, ab der die Leistung zum Schutz vor Überhitzung gedrosselt wird. Statt der gut 4.700 MB/s fällt die Transferrate kurzzeitig auf unter 200 MB/s und steigert sich bei Abkühlung stufenweise wieder auf das Normalniveau, bis erneut die Temperaturgrenze erreicht wird. Beim sequenziellen Schreiben ist der Verlauf ähnlich, doch das Drosseln beginnt bereits bei 82 °C.

Im gleichen Szenario haben die Corsair MP600 mit PCIe 4.0 und Kühler sowie die Samsung 970 Pro mit PCIe 3.0 und ohne Kühler nicht mit Leistungseinbrüchen zu kämpfen. Als Gegenprobe wurde die Seagate-SSD mit dem M.2-Kühler des Mainboards erneut geprüft. Das Kühlblech begünstigt die Wärmeabfuhr und hilft, das Drosseln der FireCuda 520 zu verhindern.

Fazit

Schon vor dem Test war für die Redaktion klar, wo sich die Seagate FireCuda 520 in etwa einordnen wird. Mit der gleichen Technik wie alle bisherigen PCIe-4.0-SSDs für Verbraucher liegt auch die Leistung auf gleichem Niveau mit sehr hohen Transferraten von fast 5.000 MB/s. Da Seagate auf einen Kühler ab Werk verzichtet, war ebenfalls zu vermuten, dass es unter Dauerlast zu einer Leistungsdrosselung durch hohe Temperaturen kommen wird. Auch diese Vermutung bestätigte sich in den Benchmarks. Allerdings sorgt bereits ein den meisten X570-Mainboards (in dem Fall Gigabyte Aorus X570 Master) beiliegendes M.2-Kühlblech für Abhilfe.

500 GB 1.000 GB 2.000 GB
UVP 149,90 Euro 274,90 Euro 459,90 Euro

Durch die nahezu identische Technik der bisherigen PCIe-4.0-SSDs sind Leistungsunterschiede praktisch nicht gegeben. Nur dann, wenn die Kühlung nicht ausreicht, können die Abweichungen sehr groß sein. Bei der FireCuda 520 muss der Anwender selbst auf ausreichende Kühlung achten, während Konkurrenzprodukte teils potente Kühllösungen gleich mitliefern. Weil es die Mitbewerber aktuell bereits zum kleineren Preis gibt, fehlt es der FireCuda 520 zum Marktstart an handfesten Argumenten.

ComputerBase wurde die FireCuda 520 mit 1 TB von Seagate leihweise zum Testen unter NDA zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.

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