CES 2020

Notebooks mit Ryzen: Schenker wagt sich nach 10 Jahren wieder an AMD

Volker Rißka et al. 204 Kommentare
Notebooks mit Ryzen: Schenker wagt sich nach 10 Jahren wieder an AMD
Bild: Schenker Technologies

Schenker Technologies setzt nach 10 Jahren erstmals wieder auf CPUs von AMD im Notebook. Das noch namenlose XMG-Modell und das VIA 15 verfolgen dabei grundverschiedene Ansätze: Bei XMG nutzt Schenker den Desktop-Prozessor Ryzen 7 3700X, bei VIA die mobile 15-Watt-Plattform – allerdings noch die aus dem Vorjahr.

Schenker VIA 15 mit Ryzen 5 3500U

Das schnörkellose, in Schwarz gehaltene Schenker VIA 15 setzt auf den Ryzen 5 3500U mit vier Kernen und SMT bei 15 Watt TDP, der von AMD bereits vor einem Jahr präsentiert wurde und in wenigen Wochen durch Ryzen 4000(U) alias Renoir abgelöst werden wird. Mit Renoir gibt es in derselben TDP-Klasse dann nicht nur bis zu doppelt so viele Kerne, sondern auch schnelleren RAM, die Zen-2-IPC und neue Stromsparmechanismen.

Dank 91-Wattstunden-Akku soll das Business-Notebook allerdings auch auf der alten Basis und dank mattem Full-HD-IPS-Display zwischen bis zu 12 Stunden (Video WLAN) und bis zu 16 Stunden (Office) durchhalten, verspricht der Hersteller. Nichtsdestoweniger verspricht Schenker unter Last vergleichsweise viel Leistung, weil die CPU dauerhaft mit einer TDP von 23 Watt operieren können soll.

Trotz 15,6 Zoll großem Display und dem voluminösen Akku wiegt das VIA 15 bei Abmessungen von 356,4 × 233,7 × 16,8 mm nur 1,4 Kilogramm und ist damit das leichteste AMD-Notebook seiner Klasse. Verantwortlich zeichnet dafür auch die für einige Gehäuseteile verwendete Magnesiumlegierung AZ91D, die zuletzt auch beim XMG Fusion 15 (Test) Verwendung fand.

Das Schenker VIA 15 wird ab Mitte Januar ab 829 Euro verfügbar sein, kann aber schon jetzt konfiguriert und vorbestellt werden. Neben dem Ryzen 5 3500U bietet die Basiskonfiguration 8 GB RAM und eine 250 GB große SATA-SSD von Typ Samsung 860 EVO (M.2, SATA). Bis zu 32 GB DDR4 und zwei 2-TB-SSDs (M.2, NVMe) sind möglich. CPU und Display können hingegen nicht geändert werden. Über Bestware.com gibt der Hersteller drei Jahre Garantie.

Immer mit Single-Channel-RAM

Egal welche Arbeitsspeicherkapazität der Kunde wählt, er wird immer nur ein Modul und damit Single-Channel-RAM erhalten. Das sei dem niedrigen Preispunkt geschuldet, auf den in der Vergangenheit AMD-Notebook-Plattformen hin entwickelt wurden.

Hintergrund für diese Entscheidung war hier wieder der Anspruch an geringe Komplexität und geringen Preis des Mainboards und eine klare Zielgruppenausrichtung als Consumer-Notebook und Alltagsbegleitung. [...] Laut Informationen unseres ODMs hätte man für einen Dual Channel Betrieb von DDR4 auf LPDDR3 ausweichen müssen, wodurch die Gesamtkosten sich signifikant erhöht hätten.

Der Grundsatz, dass AMD-Lösungen aufgrund des guten Preis-/Leistungs-Verhältnisses zuerst als Preisbrecher konzipiert werden (anstatt als High-end-Luxusgerät) zeigt leider auch hier seine Wirkung. Uns möge das für die aktuelle Generation verziehen werden. Falls das Schenker VIA 15 erfolgreich ist, wird es irgendwann mal einen Nachfolger mit AMD Renoir geben, welcher dann auch Dual Channel Memory erhalten soll.

Tom Fichtner, Product Manager, Taiwan Office

Schenker Technologies ist sich darüber hinaus bewusst, dass die Präsentation eines Ryzen-3000U-Notebooks zu diesem Zeitpunkt nicht die glücklichste ist. Dafür sei das Notebook binnen Tagen verfügbar und ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zur engeren Kooperation mit AMD nach über zehn Jahren getan. Sollte das Modell angenommen werden, kommt auch Renoir, so Schenker. Und ein Notebook mit Zen 2 gibt es auch ohne die neue mobile APU schon zur CES 2020 zu sehen.

Schenker XMG (Ultra?) mit Ryzen 7 3700X

Der Hintergrund: Das als Prototyp ausgestellte, noch namenlose XMG-Gaming-Modell greift auf die effiziente AM4-CPU AMD Ryzen 7 3700X zurück und paart diese mit einer GeForce-Grafikkarte von Nvidia. Schon in der Vergangenheit hat Schenker in der XMG-Ultra-Serie immer wieder Desktop-CPUs von Intel ins Notebook versetzt.

Dass die Kühlung einer Desktop-CPU im Notebook Platz benötigt, lässt sich auch bei diesem Produkt nicht abstreiten. Für ein 15,6-Zoll-Gaming-Notebook fällt die Gehäusehöhe überraschend gering aus – es gibt dünnere Design, doch an die Leistung eines Ryzen 7 3700X kommen diese nicht heran. Die CPU operiert allerdings auch im Desktop „nur“ mit einer TDP von 65 Watt, während die zuletzt genutzten Intel-CPUs mit 95 Watt operieren und bei Nutzung des Turbos unter Mehrkernlast deutlicher als die aktuellem AMD-Prozessoren davon abweichen.

Auf der GPU-Seite wird im Einstieg eine mobile GeForce GTX 1660 Ti verbaut, eine Klasse höher gibt es die mobile RTX 2060, die in diesem Notebook über 100 Watt verbrauchen darf. Das matte Display ist mit 144 Hz für Gaming ausgelegt. Über weitere Ausstattungsmerkmale gibt es noch keine exakten Details, aber der Markstart ist für das Frühjahr gesetzt. Auch einen Preis bleibt Schenker noch schuldig und nennt lediglich das Schlagwort „affordable gaming“.

Es tut sich was

Dass der für zehn Jahre exklusiv mit Intel verbundene Hersteller Schenker Technologies aus Deutschland zur CES 2020 gleich zwei Modelle mit AMD ankündigt, unterstreicht den zur Messe in Las Vegas zu beobachtenden Trend. Und offensichtlich kann AMD mittlerweile nicht nur mit besseren Produkten neue Partner für sich gewinnen. Denn insbesondere für die kleineren Unternehmen war bisher auch die fehlende Unterstützung bei der Produktentwicklung ein Grund, weiterhin auf die seit Jahren eingeschwungene Beziehung zu Intel zu setzen, die mehr als nur den Verkauf der Hardware zum Inhalt hatte.

Tom Fichtner, Product Manager, Taiwan Office, erklärt in diesem Zusammenhang: „Der Wille [ein System mit AMD zu entwickeln, Anm.d.Red] war stets vorhanden. Aber in den Jahren vor dem Release der Zen-Architektur hat sich AMD immer weiter aus dem Laptop-Geschäft zurückgezogen. Es bedarf einer langen Kette an Support und Logistik, um einen solchen Laptop zu entwerfen und zu bauen – es ist nicht allein mit der Lieferung einer CPU getan.“ Büros in Taiwan wurden Fichtner zufolge zwischenzeitlich geschlossen, Support erhielten im wesentlichen strategische Großkunden wie auch Microsoft und Sony – mit Erfolg, seit Xbox One und PlayStation 4 kommt hier AMD-Technik zum Einsatz und die Nachfolger bleiben dabei.

Mit den neuen Produkten habe sich das Blatt wieder gewendet. „Nun hat sich endlich die Gelegenheit für unser erstes AMD-Notebook seit 10 Jahren ergeben,“ erklärt Fichtner. Und auch wenn Schenker die Entwicklung eines Nachfolgers mit Renoir heute an den Erfolg des VIA 15 knüpft, dürfte der Hersteller das Thema nach diesem Auftakt und der ersten sehr positiven Resonanz auf Ryzen 4000 sicherlich auch dann im Auge behalten, wenn die alte Plattform dem Modell keinen riesigen Absatz mehr beschert.