Retro Games TheC64 im Test: Eigene Einstellungen, Joystick, Spielgefühl und Fazit

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Michael Schäfer 128 Kommentare

Große Möglichkeiten durch eigene Einstellungen

Um Programme mit individuellen Einstellungen laden zu können, geben die Entwickler dem Anwender ein mächtiges Werkzeug in Form von Flags an die Hand, die unter anderem mit im Dateinamen angegeben werden können. Die jeweiligen Anweisungen sind im sehr ausführlichen Handbuch des TheC64 gut beschrieben.

Der neue Joystick des TheC64 (links) und mit dem Competition Pro das Original (rechts)
Der neue Joystick des TheC64 (links) und mit dem Competition Pro das Original (rechts)

Verbesserter, aber noch nicht perfekter Joystick

Wie bereits erwähnt, ist der neue Joystick im Gegensatz zum mitgelieferten Controller des TheC64 Mini mit Mikroschaltern ausgestattet. Dieser liegt gut in der Hand und lässt sich ebenso gut bedienen. Am unteren Ende befinden sich vier weitere Knöpfe zur generellen Steuerung des Computers.

Guter Joystick, aber kein Vergleich zum Original

Auch wenn der neue Joystick gut funktioniert, kann er im direkten Vergleich nicht mithalten. So verfügt ein rund 35 Jahre alter Competition Pro über einen spürbar kürzeren Weg und eine somit deutlich schneller reagierende und genauere Steuerung. Darüber hinaus zeigen die zwei großen Feuerknöpfe, dass Mikroschalter nicht immer das Mittel der Wahl sind. Bei den im Original lediglich mit zwei Metallzungen ausgestatteten Knöpfen fällt der Hub deutlich kürzer aus, sodass wesentlich höhere Feuerraten möglich sind.

Der Joystick des TheC64 (links) besitzt nun auch Mikroschalter
Der Joystick des TheC64 (links) besitzt nun auch Mikroschalter

Ein originaler Competition Pro mit USB-Dongle wird im Übrigen bisher nicht vom C64-Nachbau unterstützt. Ob sich daran in naher Zukunft etwas ändern wird, ist nicht bekannt.

Gutes Spielgefühl

In Bezug auf das Spielgefühl hat Retro Games beim TheC64 ganze Arbeit geleistet. Im Gegensatz zur Mini-Variante konnten verschiedenen Messungen zufolge alleine die Audio-Latenzen um rund zwei Drittel reduziert werden, was sich gerade bei Spielen schnell bemerkbar macht.

Viele Spiele heute noch faszinierend

Spielstörende Verzögerungen oder gar Grafik- und Tonfehler konnten während des ganzen Tests nicht ausgemacht werden. Als Spieler ist man immer wieder erstaunt, was damals mit der eigentlich schwachen Hardware (ein durchschnittliches Smartphone von 2012 rechnete bereits 15.000 Mal schneller), aber mit viel Programmierwissen und Experimentierfreudigkeit machbar war. Auch in Sachen Ton sind keine Auffälligkeiten zu erkennen, im direkten Vergleich keine Unterschiede zu hören. Der berühmte SID 6581 (in späteren C64-Revisionen kam die Version 8580 zum Einsatz) wird sehr gut nachgebildet. Das bedeutet jedoch nicht, dass Experten, besonders jene, die den C64 in der Audio-Produktion einsetzen, keine Unterschiede hören könnten.

Fazit

Der Preis des TheC64 fällt mit rund 120 Euro zwar mehr als doppelt so hoch wie beim Vorgänger in seiner Mini-Version aus, dafür bietet der neue Sprössling von Retro Games aber einiges mehr. Das kann ihn am Ende zu einem weitestgehend vollkommenen C64-Ersatz machen.

Das äußere Erscheinungsbild ist dem Original sehr gut nachempfunden, Unterschiede in Sachen Gehäuse und Tastatur dürften – wenn überhaupt – für viele erst auf dem zweiten Blick sichtbar werden. Die Tastatur bietet ein recht gutes Abbild des Originals, auch wenn diese einen Tick straffer hätte sein können.

Dass der C64-Nachbau nun über vier USB-Schnittstellen verfügt, ist ebenso positiv zu bewerten. Nicht vorhanden sind dagegen alle anderen Anschlüsse des Originals. Bild und Ton werden per HDMI direkt ausgeben, eine separate Tonübertragung ist nicht möglich.

TheC64 im Test

Die Emulation ist, soweit das in dem kurzen Test beurteilt werden kann, sehr gut getroffen. Es darf aber ebenso wenig vergessen werden, dass die Entwickler keinen 100-prozentigen Nachbau des originalen C64 versprochen haben – eine Gewährleistung, dass alle alten Programme funktionieren, kann also nicht gegeben werden. Neben dem C64 wird zudem der VC20 emuliert, die Unterstützung weiterer Commodore-Computer der C-Familie (etwa C16 oder C128) wäre das berühmte Tüpfelchen auf dem „i“ gewesen.

Die 64 mitgelieferten Spiele lassen sich einfach über die eigene Oberfläche auswählen, die Auswahl der Titel ist sehr familienfreundlich ausgelegt. Auch eigene Programme lassen sich in Form von Images nutzen. Wer es puristischer mag, kann auf die alte C64-Oberfläche zurückgreifen. Über diese lässt sich der Computer wie sein Vorbild bedienen, selbst das Programmieren ist möglich. Das Spielgefühl kommt dabei dem Original ebenfalls sehr nahe. Spiele laufen weitestgehend flüssig und wenn doch einmal Probleme auftreten sollten, geben die Entwickler dem Nutzer mit den sogenannten Flags ein mächtiges Werkzeug an die Hand, um solche Fehler ebenfalls in den Griff zu bekommen.

Der erneut im Stil des Competition Pro gehaltene Joystick ist nun mit Mikroschalter ausgestattet und hinterlässt ein gutes Gefühl samt guter Reaktionsfreudigkeit. An das bekannte Original kommt der Nachbau jedoch nicht heran.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass der TheC64 einfach nur Spaß macht und es faszinierend ist, wie viele Emotionen ein fast 40 Jahre alter Computer bei manchen Menschen heute noch auslösen kann.

Retro Games TheC64
  • sehr gute Nachbildung
  • gute Tastatur
  • Joystick mit Mikroschaltern
  • vier USB-Anschlüsse
  • eigene Spiele ladbar
  • volle Emulation des C64 und VC20
  • Wechsel des Joystickports umständlich
  • Kabel zu kurz
  • Spieleauswahl könnte etwas besser sein

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