Das Erbe von Windows 7: PC-Markt nach 7 Jahren erstmals wieder mit Wachstum

Frank Hüber et al. 49 Kommentare
Das Erbe von Windows 7: PC-Markt nach 7 Jahren erstmals wieder mit Wachstum
Bild: Intel

Die weltweiten PC-Auslieferungen beliefen sich im vierten Quartal 2019 auf 70,6 Millionen Einheiten, ein Anstieg um 2,3 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2018, so die vorläufigen Ergebnisse des Research- und Beratungsunternehmens Gartner. Für 2019 verzeichnet Gartner das erste Mal seit sieben Jahren wieder ein Wachstum.

Demnach lag die Zahl der ausgelieferten PCs im Jahr 2019 insgesamt bei über 261 Millionen Einheiten, was einen Zuwachs von 0,6 Prozent gegenüber dem Jahr 2018 darstellt. Somit erlebt der PC-Markt das erste Mal seit 2011 überhaupt wieder ein Wachstum, wenn auch ein kleines. Angetrieben sei dieses Wachstum durch eine erhöhte Nachfrage nach Windows-10-Upgrades alter PC-Systeme in den USA, EMEA und Japan. Grund für die erhöhte Nachfrage ist das heutige Support-Ende für Windows 7.

Dementsprechend wird sich das Wachstum vor allem in diesem Monat weiter fortsetzen, wenn viele Unternehmen und Privatnutzer, die bis zuletzt auf Windows 7 gesetzt haben, doch noch auf Windows 10 und in diesem Rahmen einen neuen PC umsteigen. Gerade auch in China, Eurasien und dem Asien-Pazifik-Raum hätten viele Unternehmen noch nicht aufgerüstet, was nun noch bevorstehe, so Gartner. Die Nachfrage bei Privatanwendern nach PC-Systemen ist allerdings weiterhin verhalten und nimmt stetig ab.

PC-Auslieferungen weltweit im 4. Quartal 2019 nach Hersteller (in 1.000 Stück), Gartner
Hersteller Auslieferungen Q4 2019 Marktanteil (%) Q4 2019 Auslieferungen Q4 2018 Marktanteil (%) Q4 2018 Wachstum (%) Q4 2019-Q4 2018
Lenovo 17.498 24,8 16.418 23,8 6,6
HP 16.129 22,8 15.301 22,2 5,4
Dell 12.114 17,2 10.805 15,7 12,1
Apple 5.262 7,5 5.425 7,9 -3,0
Asus 4.062 5,8 4.100 5,9 -0,9
Acer 3.994 5,7 3.861 5,6 3,5
Andere 11.553 16,4 13.104 19,0 -11,8
Gesamt 70.612 100 69.014 100 2,3

Intels Lieferprobleme verhindern stärkeres Wachstum

Einem größeren Wachstum sollen die anhaltenden Lieferprobleme bei Intel im Weg gestanden haben. Insbesondere Lenovo, HP und Dell haben unter diesen Problemen zu leiden, da sie die Nachfrage von Unternehmenskunden nicht befriedigen können. Dell musste zuletzt die eigenen Prognosen nach unten korrigieren, die Aktie brach ein. Lenovo, HP und Dell vereinen inzwischen 65 Prozent des globalen PC-Geschäfts auf sich, Ende 2018 waren es noch 61 Prozent. Lenovo liegt dabei weiterhin vor HP und Dell. Dell verzeichnete mit 12,1 Prozent im vierten Quartal 2019 aber das größte Wachstum, während Lenovo auf das Gesamtjahr 2019 mit 8,1 Prozent am stärksten zulegen konnte.

Update 14.01.2020 12:46 Uhr

Anders als Gartners Analysen zum PC-Markt sieht IDC den PC-Markt als robuster an und in den vergangenen Monaten gar ein „beeindruckendes Wachstum“ von 4,8 Prozent. Mit knapp 72 Millionen ausgelieferten Einheiten ist das vierte Quartal 2019 laut ihren Analysen so auch „nur“ der höchste Absatz binnen vier Jahren.

Die Umstellung vieler Systeme zum Ende von Windows 7 half in gewissen Teilen dabei, sind letztlich aber keine pauschal gültige Aussage, wie selbst die Marktforscher von IDC erkennen mussten. Wie sie beispielsweise an Kanada zeigen, legte der PC-Markt dort 14 Quartale in Folge zu und brach nicht einmal ein. Für andere westliche Staaten, unter anderem Japan, wird für 2020 noch ein größeres Wachstum vorhergesagt. Regional sind es demnach sehr unterschiedliche Ergebnisse.

Mit Pauschalaussagen ist IDC auch im Hinblick auf Intels Lieferprobleme vorsichtiger, denn Hersteller hatten sich zuletzt um mehr Alternativen von AMD bemüht. Auch im Handelsstreit zwischen den USA und China, der im Jahr 2019 noch große Auswirkungen hatte, ist zuletzt etwas Ruhe eingekehrt, sogar versöhnliche Töne wurden angeschlagen.