P40 Pro im Hands-On: Huawei bannt 50 Megapixel auf einen riesigen Sensor

Nicolas La Rocco 181 Kommentare
P40 Pro im Hands-On: Huawei bannt 50 Megapixel auf einen riesigen Sensor

tl;dr: Huaweis P-Serie geht mit dem P40, P40 Pro und P40 Pro+ in die nächste Runde. Der Fokus liegt erneut auf der Kamera, die diesmal bis zu 50 Megapixel auf einem abermals größeren Sensor mit vielen Autofokuspunkten bietet. Alle Varianten des P40 unterstützen 5G und kommen mit Huawei AppGallery, da Google weiterhin fehlt.

In Zeiten von Software-Einschränkungen muss Huawei doppelt und dreifach mit Hardware-Innovationen auftrumpfen, um außerhalb Chinas der wachsenden Konkurrenz aus eigenem Lande, darunter Firmen wie Oppo, Vivo und Xiaomi, etwas entgegenzustellen. Das macht Huawei bei der P40-Serie vor allem über die Kamera. Ein „neues Fotowunder“ sei das Smartphone, wie der Hersteller erklärt und dabei nicht nur die Neuerungen der Hauptkamera, sondern aller Linsen in den Fokus stellt.

50 Megapixel auf 1/1,28 Zoll

50 Megapixel bieten P40 und P40 Pro für die Weitwinkelkamera, diesmal aber nicht auf einem 1/1,7 Zoll großen Sensor, wie bei den 40 Megapixeln des P30 und P30 Pro (Test), sondern auf (für Smartphones) gigantischen 1/1,28 Zoll. Das ist noch einmal größer als der 1/1,33 Zoll große 108-Megapixel-Sensor im Samsung Galaxy S20 Ultra (Test). Statt „SuperSensing“ heißt der Sensor jetzt „Ultra Vision“ und nutzt erneut ein von RGGB zu RYYB verändertes Subpixel-Layout, das für einen Tausch von Grün zu Gelb steht. Laut Huawei bietet Gelb eine höhere Lichtdurchlässigkeit als Grün, sodass mehr Licht auf den Sensor treffen kann. Über einen neuen Image Signal Processor (ISP) im Kirin 990 5G macht die Bildverarbeitung aus Gelb wieder Grün, damit es nicht zu Farbverfälschungen kommt. Für Huawei ist es auf Sensorebene wichtig, so viel Licht wie möglich einzufangen, einen hohen Dynamikumfang abzudecken und möglichst wenig Rauschen zu produzieren.

100 Millionen Autofokuspunkte

Bei diesem Vorhaben soll auch ein Pixel-Binning von vier zu eins für Fotos mit letztlich 12,5 Megapixeln sorgen. Jedes Pixel des Sensors besitzt zwei Fotodioden für den Autofokus per Phasenvergleich (PDAF), sodass nach dem Binning acht Dioden pro zusammengefasstes Pixel und insgesamt 100 Millionen Autofokuspunkte dafür zur Verfügung stehen, weshalb Huawei das System „Octa PD AutoFocus“ nennt. Das Unternehmen verspricht einen der Konkurrenz überlegenen Autofokus im Bereich weniger Millisekunden, der auch bei schlechten Lichtbedingungen stabil funktioniere.

Weil der Sensor so groß ist, sei der Wechsel zum „Super Night Mode“ kaum noch notwendig, so Huawei, er wird aber weiterhin angeboten und erlaubt mehrere Sekunden Belichtung ohne Stativ frei in der Hand gehalten. Huaweis dritte Generation „AI Image Engine“ sorgt dafür, dass dennoch scharfe Aufnahmen entstehen. Das Multi-Framing wiederum übernimmt die „XD Fusion Engine“. Multi-Framing ist bei allen Smartphone-Herstellern ein Mittel, um aus mehreren Frames das finale Foto zu generieren.

Teleobjektiv mit Periskop-Zoom und RYYB-Sensor

Für das Teleobjektiv des P40 Pro setzt Huawei erneut auf den Periskop-Aufbau, diesmal aber mit verbessertem OIS und AIS (KI-Stabilisierung) und erstmals auch hier einen RYYB-Sensor, wie er bisher der Hauptkamera vorbehalten war, um mehr Licht einzufangen – Huawei nennt ein Plus von 40 Prozent. Außerdem arbeitet der Sensor mit 12 statt 8 Megapixeln. Die Vergrößerung arbeitet fünffach optisch, zehnfach hybrid und 50-fach digital. Die Brennweite soll 125 mm Kleinbildäquivalent entsprechen. Das P40 kommt mit 8-Megapixel-Sensor und dreifacher optischer Vergrößerung (80 mm).

Ultraweitwinkel mit 40 Megapixeln

Das Ultraweitwinkelobjektiv ist hinsichtlich Auflösung und Blende überarbeitet worden. Statt 20 Megapixeln gibt es nun 40 Megapixel und eine f/1.8- statt f/2.2-Blende. Diese Veränderung hat Huawei auch vorgenommen, da diese Kamera nun wie beim Mate 30 Pro als „Cine Lens“ fungiert, die exklusiv für Videoaufnahmen bis 4K mit 60 FPS zuständig ist. Der zugrundeliegende Sensor hat das Format 2:3 statt 4:3 und soll größer als bisher ausfallen. Beim P40 gibt es stattdessen 16 Megapixel mit f/2.2-Blende und ohne OIS. Dem P40 Pro ist zudem der Time-of-Flight-Sensor für den unscharfen Bokeh-Effekt bei Porträtaufnahmen vorbehalten.

Frontkameras im Display

Beim Wechsel zur Vorderseite fällt die pillenförmige Aussparung im Display beider Geräte auf, die an die Samsung Galaxy-S10-Serie (Test) erinnert. Hier sitzen beim P40 Pro ein 32-Megapixel-Kamera mit erstmals Autofokus sowie eine Bokeh-Linse und ein IR-Sensor für eine bessere Low-Light-Performance des 2D-Gesichtsscanners. Der Sensor erhöht nicht die Sicherheit und ist nicht mit dem 3D-Scanner der Mate-Serie vergleichbar, sondern soll lediglich den 2D-Gesichtsscanner in puncto Leistung aufwerten. Das P40 bietet ebenfalls 32 Megapixel, aber ohne Autofokus und IR-Sensor.

32-MP-Frontkamera in Pillenform mit IR-Sensor
32-MP-Frontkamera in Pillenform mit IR-Sensor

Kamera-KI wählt die besten Momente

Abseits der Veränderungen der Hardware führt Huawei mit „AI Best Moment“ eine neue Funktion aufseiten der Kamera-Software ein, die wiederum mehrere Subfunktionen umfasst. Huaweis KI sei so trainiert worden, dass das Smartphone bereits Sekunden vor und nach Drücken des Auslösers Aufnahmen speichert und die nach eigenem Ermessen besten Momente in einer Serie von Aufnahmen markiert und dem Nutzer zum finalen Speichern vorschlägt. Die KI sei auf verschiedene Sportarten, Gesichtsausdrücke und Posen trainiert worden. „AI Best Moment“ kann darüber hinaus einzelne unerwünschte Personen im Hintergrund sowie Reflexionen beim Fotografieren durch Glas entfernen.

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