Oppo Find X2 Pro im Test: SoC, Benchmarks, Laufzeit und Laden

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Nicolas La Rocco
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Snapdragon 865 schlägt Exynos 990

Oppo ist hierzulande einer der ersten Smartphone-Hersteller mit Qualcomm Snapdragon 865 im Sortiment. Zwar kommt das 7-nm-SoC in den US-Varianten der Galaxy-S20-Serie zum Einsatz, hierzulande nutzt Samsung aber den eigenen Exynos 990. Qualcomm vertraut im Wesentlichen auf ein Octa-Core-Setup aus vier Cortex-A77 und vier Cortex-A55, wobei die Ausgliederung eines sogenannten Prime-Cores zur eigenen Namensgebung Kryo 585 für die CPU-Kerne führt. Der Prime-Core darf mit bis zu 2,84 GHz takten, während maximal 2,42 GHz für die drei weiteren Kerne erlaubt sind. Die Kryo 585 Silver übernehmen 1,80 GHz vom älteren Snapdragon 855.

Die Single-Core-Leistung ist mit den eigenes entwickelten M5-Kernen (fünfte Generation Mongoose) von Samsung vergleichbar, liegt aber hinter den Lightning-Kernen von Apples A13 Bionic. In den Multi-Core-Benchmarks zieht Qualcomm wenig überraschend dann aber klar an Samsung vorbei. Denn abseits der zwei eigenen M5-Kerne setzt Samsung auf zwei Cortex-A76, während Qualcomm vier Cortex-A77 verwendet. Damit kommt Qualcomm selbst dem A13 Bionic gefährlich nahe.

Qualcomm bietet im Snapdragon 865 Speicherinterfaces für LPDDR4X und LPDDR5 an. Oppo setzt in der Find-X2-Serie durchweg auf 12 Gigabyte des neueren Standards.

Adreno 650 landet vor Mali G77 MP11

Bei annähernd unverändertem Takt von 587 MHz soll die Adreno-650-GPU laut Qualcomm durch mehr Ausführungseinheiten eine rund 20 Prozent höhere Leistung als die Adreno 640 des Snapdragon 855 liefern. In fordernden Benchmarks wie dem GFXBench Aztec Ruins liegt das Plus je nach Auflösung und Qualitätsstufe bei 31 Prozent (1440p/High) und 29 Prozent (1080p/Normal). Der Vorsprung zum höher getakteten Adreno 640 im Snapdragon 855 Plus fällt merklich geringer aus.

Doch auch in diesem Benchmark sowie im 3DMark wird der Exynos 990 mit dessen Mali G77 MP11 aus der europäischen Galaxy-S20-Serie geschlagen, was Leser in der vielfach geübten Kritik bestätigen dürfte, dass der Snapdragon 865 auch für die hierzulande angebotenen Samsung-Smartphones die bessere Wahl gewesen wäre.

512 GB sehr schneller UFS 3.0

Oppo bietet das Find X2 Pro mit nur einer einzigen Speichervariante an: 512 GB UFS 3.0, der nicht erweiterbar ist. Dass bei Oppo keine Speichererweiterung zu erwarten war, haben in der Vergangenheit frühere Smartphones des Mutterkonzern BBK Electronics gezeigt. Das Find X2 Pro dürfte zudem als Blaupause für das kommende OnePlus 8 (Pro) dienen, dessen Vorgänger ebenfalls alle keinen microSD-Slot bieten. Die 512 GB sind immerhin üppig bemessen und dürften vorerst keinen Engpass darstellen.

Hervorragend fallen die Messwerte des UFS 3.0 aus. 1.800 MB/s für das sequentielle Lesen sowie 750 MB/s für das sequentielle Schreiben stellen die gesamte Konkurrenz in den Schatten. Die Galaxy-S20-Serie hält am ehesten mit und würde mit größerem Speicherausbau (getestet mit 128 GB) vermutlich ähnliche Werte wie Oppo erreichen.

Android 10 mit ColorOS 7.1

Die Leistung des Snapdragon 865 macht sich im Alltag vor allem dann bemerkbar, wenn das Smartphone im 120-Hz-Modus bei voller Auflösung betrieben wird und selbst dann keine Aussetzer festzustellen sind. Die 12 GB RAM sorgen dafür, dass Anwendungen nur selten neu laden müssen, auch wenn zahlreiche davon im Hintergrund geöffnet bleiben. Der schnelle Speicher hilft zudem beim Übertragen größerer Datenmengen.

Mit zahlreichen der bekannten Apps des Alltags wird der Prozessor des Smartphones zugegebenermaßen aber nur unzureichend ausgereizt. Für den Browser, Social Media, Messenger oder YouTube braucht es einen Snapdragon 865 eigentlich nicht, erst bei aufwendigen Spielen oder AR-Anwendungen kommt der Leistung ein höherer Stellenwert zu.

Als Betriebssystem setzt Oppo Android 10 mit allen Google-Diensten ein. Darauf installiert Oppo das eigene ColorOS in der neuen Version 7.1, die für das zuletzt getestete Reno2 noch nicht angeboten wird. Bei ColorOS 7.1 hat sich Oppo dem einen Kritikpunkt der teils viel zu großen Schaltflächen etwa in den Schnelleinstellungen angenommen und diese auf ein vernünftiges Maß reduziert, sodass mehr davon dargestellt werden können und diese dennoch insgesamt weniger Fläche einnehmen, sodass deutlich mehr Platz für Benachrichtigungen entsteht.

Android 10 mit ColorOS 7.1
Android 10 mit ColorOS 7.1

Akkulaufzeiten mit QHD+ und 120 Hz

Wie gut die Akkulaufzeiten des Find X2 Pro ausfallen, hängt davon ab, ob das Display mit voller Auflösung und hoher Bildwiederholrate oder ausschließlich im Automatikmodus mit dynamischen Parametern betrieben wird. Das Spektrum reicht von guten Laufzeiten bei Werksteinstellungen bis zu mittelmäßigen Laufzeiten bei Nutzung aller Fähigkeiten.

15:23 Stunden YouTube-Streaming (720p) waren bei kalibrierten 200 cd/m² ab Werk möglich, dieser Wert reduziert sich auf knapp über zwölf Stunden bei QHD+ mit 120 Hz – ein Minus von 21 Prozent. Das Galaxy S20+ schafft mit 4.500 statt 4260 mAh 12 Prozent mehr. Im PCMark stehen elf Stunden mit Werksteinstellungen neuneinhalb mit höherer Auflösung und Bildwiederholrate gegenüber – ein Minus von 13 Prozent.

Schnelles Laden mit bis zu 65 Watt

Den Akku lädt Oppo mit der eigenen SuperVOOC-Technik in zweiter Generation mit bis zu 65 Watt (10 V/6,5 A). Oppo teilt den Akku in zwei Zellen auf und lädt (und entlädt bei Nutzung) beide Einheiten parallel. Das Find X2 Pro lässt sich mit SuperVOOC 2.0 innerhalb von rund 40 Minuten vollständig aufladen. SuperVOOC 2.0 umfasst das ältere SuperVOOC 1.0 und lädt mit diesen Netzteilen mit noch 20 Watt. Bei Anschluss eines Quick-Charge- oder USB-Power-Delivery-Netzteils sind maximal 18 Watt möglich.

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