Snapdragon 690: Qualcomm bringt 5G und Cortex-A77 in die Mittelklasse

Nicolas La Rocco 15 Kommentare
Snapdragon 690: Qualcomm bringt 5G und Cortex-A77 in die Mittelklasse
Bild: Qualcomm

Qualcomm bietet 5G mit dem Snapdragon 690 erstmals in einem für die Mittelklasse bestimmten System-on-a-Chip der 600er Baureihe an. Der neue Chip bringt aber auch in puncto Leistung eine Überraschung mit, denn zwei der insgesamt acht CPU-Kerne basieren auf dem ARM Cortex-A77, den es selbst in der 700er Baureihe nicht gibt.

Nach dem Snapdragon 865 und zuvor 855 sowie dem Snapdragon 765(G) und Snapdragon 768G zieht der Mobilfunkstandard 5G nun in die 600er Baureihe von Qualcomm ein. Der Snapdragon 690 bietet ein in das SoC integriertes Multi-Mode-Modem namens Snapdragon X51, das alle Standards von 2G bis 5G abdeckt.

5G im Sub-6-GHz-Spektrum mit DSS-Support

Im Unterschied zum Snapdragon X52, das in den Snapdragon 765(G) und Snapdragon 768G integriert ist, verzichtet Qualcomm auf den mmWave-Support und aggregiert für 5G stattdessen maximal 100 MHz Bandbreite im Sub-6-GHz-Spektrum mit 4×4-MIMO-Unterstützung, sodass eine Spitzengeschwindigkeit von 2,5 Gbit/s im Downlink und 660 Mbit/s im Uplink möglich ist. Das ist der einzige Unterschied zwischen Snapdragon X51 und X52, die ansonsten beide Technologien wie Dynamic Spectrum Sharing (DSS) etwa bei der Deutschen Telekom und Vodafone sowie 5G nach aktuellem Non-Standalone- (NSA) und späterem Standalone-Standard (SA) unterstützen. Für den Einsatz im LTE-Netz liegen die Spitzenwerte bei 1,2 Gbit/s und 210 Mbit/s.

Smartphones für das zweite Halbjahr erwartet

Der Snapdragon 690 läuft bei Samsung Foundry in 8LPP vom Band und entspricht damit dem Snapdragon 720G und 730(G). TSMCs N7 und N7P sind der 800er Baureihe vorbehalten. Qualcomm zufolge sollen erste Smartphones mit dem Chip ab dem zweiten Halbjahr auf den Markt kommen. Zusagen hat der Chip-Entwickler bereits von HMD Global (Nokia), LG, Motorola, Sharp, TCL und Wingtech erhalten. Qualcomm geht davon aus, dass Smartphones mit Snapdragon 690 je nach Hersteller im Bereich rund um 400 Euro zu erwarten seien. Mittelfristig soll der Snapdragon 690 den Snapdragon 675 ablösen, neue Smartphones mit dem älteren Chip seien dennoch weiterhin zu erwarten.

ARM Cortex-A77 zieht in die Mittelklasse ein

Qualcomm bewirbt den Snapdragon 690 mit einer 20 Prozent höheren CPU-Leistung im Vergleich zum Snapdragon 675. Überraschenderweise ist dafür nicht mehr Takt, sondern ein Wechsel zum derzeitigen ARM-Flaggschiff Cortex-A77 verantwortlich, der bislang einzig und allein im Snapdragon 865 verwendet wurde. Mit Cortex-A78 und Cortex-X1 steht für Top-SoCs des kommenden Jahres eine Ablösung an der Spitze an. Insgesamt bietet der Snapdragon 690 acht CPU-Kerne des Typs Kryo 560, wovon zwei auf dem Cortex-A77 mit maximal 2,0 GHz und sechs auf dem Cortex-A55 mit maximal 1,7 GHz basieren. Das Dual-Channel-Speicherinterface bleibt bei LPDDR4X mit 1.866 MHz.

Snapdragon 690 Product Brief
Snapdragon 690 Product Brief (Bild: Qualcomm)
Snapdragon 690 Product Brief
Snapdragon 690 Product Brief (Bild: Qualcomm)

60 Prozent schnellere GPU

Einen deutlich größeren Sprung macht die GPU, die unter der Bezeichnung Adreno 619L satte 60 Prozent mehr Leistung als die Adreno 612 liefern soll. Vom Namen her sortiert sich die Grafikeinheit knapp hinter der Adreno 620 des Snapdragon 765 ein. Da sich Qualcomm in puncto GPU stets in Schweigen hüllt, ist zum genauen Aufbau nichts weiter bekannt, Snapdragon 720G und 730(G) werden aber klar geschlagen. Die Adreno 619L kann FHD+-Bildschirme mit einer Bildwiederholfrequenz von 120 Hz ansteuern.

Neuer ISP unterstützt 4K HDR

Mit dem Spectra 355L zieht auch ein neuer Image Signal Processor (ISP) in den Chip ein, der Anleihen bei den größeren Bildprozessoren der 700er Baureihe nimmt. Dazu gehört unter anderem die erstmalige Unterstützung von 4K-HDR-Videoaufnahmen mit bis zu 30 FPS in einem SoC der 600er Baureihe. Gesteigerte KI-Fähigkeiten ermöglichen Funktionen wie eine dynamische Bandbreitenzuweisung, um bei Videoaufnahmen zum Beispiel Bereiche mit feiner Texturierung zu erkennen und weniger stark zu komprimieren oder einen fließenden Übergang zwischen einzelnen Kameralinsen zu ermöglichen. Die KI-Engine der 5. Generation bietet Qualcomm zufolge eine 70 Prozent höhere Leistung und ist erstmals in der 600er Baureihe mit Hexagon-Tensor-Beschleunigern (HTA) für TensorFlow Lite von Google ausgerüstet, das in Google-Produkten wie der Spracherkennung, Gmail oder Google Fotos verwendet wird.

ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel von Qualcomm unter NDA erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.