AMD Ryzen „Matisse 2“ im Test: Benchmarks in Spielen

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Wolfgang Andermahr et al. 491 Kommentare

Testsystem und Testmethodik

Für Spiele hat die Redaktion ein etwas anderes Testsystem verwendet, um die anfallende Arbeitslast parallel abarbeiten zu können. Darüber hinaus wurden keine bereits bestehenden Ergebnisse herangezogen – alle Benchmarks wurden neu erstellt.

In diesem Fall wurden sämtliche Ryzen-CPUs auf einem Asus ROG Strix B550-E Gaming (BIOS 0802) mit dem neuen B550-Chipsatz getestet. Der Core i5-10400K wurde dagegen auf einem Asus Maximus XII mit X490-Chipsatz und der Core i9-9900K auf einem Asus Z390-F Gaming betrieben. Alle Prozessoren wurden von einem Noctua NH-D15S mit zentral installiertem 140-mm-Lüfter gekühlt. 32 GB Speicher (4 × 8 GB, Single-Rank, DDR4-3200, 14-14-14-32-1T, Intel mit DDR4-2666) standen den CPUs zur Verfügung. Ein frisch aufgespieltes Windows 10 2004 mit sämtlichen Updates war auf einer NVMe-M.2-SSD mit PCIe 3.0 installiert, dasselbe galt für AMDs aktuellen Chipsatztreiber. Als Grafikkarte wurde eine GeForce RTX 2080 Ti FE mit maximiertem Power- und Temperatur-Limit eingesetzt. Als Treiber war der GeForce 451.48 aufgespielt.

Bei den sechs genutzten Spielen kamen durchweg die maximalen Grafikdetails in der Auflösung 1.280 × 720 Pixel zum Einsatz. In Borderlands 3 sowie F1 2020 wird als API DirectX 12 genutzt, in Fortnite, Kingdom Come: Deliverance, PUBG sowie Valorant dagegen DirectX 11.

FPS und Frametimes in 720p

Die neuen XT-Prozessoren bringen in Spielen einen größeren Leistungsschub als in (Single-Core-)Anwendungen, der Zuwachs bleibt aber klein: Sowohl Ryzen 5 3600XT als auch Ryzen 7 3800XT und Ryzen 9 3900XT erreichen eine um 3 Prozent höhere Framerate als die Quasi-Vorgänger Ryzen 5 3600X, Ryzen 7 3800X und Ryzen 9 3900X.

Dadurch arbeitet der Ryzen 5 3600XT in Spielen nun nicht nur so schnell wie der Ryzen 7 3800X, er kann sich auch minimal vom Intel Core i5-10400F (Test) „absetzen“. Der Ryzen 7 3800XT setzt sich derweil knapp vor den Ryzen 9 3900X, während sich der Ryzen 9 3900XT immer noch die Zähne am Core i9-9900K ausbeißt. Letzterer bleibt um 4 Prozent vorne.

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Performancerating – Spiele, FPS
Einheit: Prozent
    • Intel Core i9-9900K
      99,7
    • AMD Ryzen 9 3900XT
      95,9
    • AMD Ryzen 7 3800XT
      93,8
    • AMD Ryzen 9 3900X
      92,7
    • AMD Ryzen 5 3600XT
      91,2
    • AMD Ryzen 7 3800X
      90,8
    • AMD Ryzen 5 3600X
      88,2
    • Intel Core i5-10400F
      87,8
    • AMD Ryzen 5 3600
      87,7

Etwas größere Unterschiede bei den Frametimes

Bei den Frametimes fallen die Unterschiede wie gewohnt etwas größer aus. Vor allem der Ryzen 5 3600XT kann sich deutlicher vom Ryzen 5 3600X absetzen und liegt in dieser Disziplin um 6 Prozent vorne. Damit ist die CPU im Parcours auf dem Niveau des Ryzen 7 3800X. Der Ryzen 7 3800XT und der Ryzen 9 3900XT schneiden noch um 4 Prozent besser als der jeweilige Namenskollege ohne „T“ ab. Der neue Ryzen 7 platziert sich dadurch 2 Prozent vor dem Ryzen 9 3900X, während der Ryzen 9 3900XT auf bis zu 2 Prozent an den Core i9-9900K heranrückt.

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Performancerating – Spiele, Frametimes
Einheit: Prozent
    • Intel Core i9-9900K
      99,2
    • AMD Ryzen 9 3900XT
      97,0
    • AMD Ryzen 7 3800XT
      95,2
    • AMD Ryzen 9 3900X
      93,7
    • AMD Ryzen 7 3800X
      91,6
    • AMD Ryzen 5 3600XT
      91,3
    • Intel Core i5-10400F
      86,7
    • AMD Ryzen 5 3600X
      86,5
    • AMD Ryzen 5 3600
      85,4

Die Spiele im Detail

Die Testergebnisse der einzelnen Spiele zeigen dann wie gewohnt unterschiedliche Werte. So ist Borderlands 3 zum Beispiel kein großer Freund von zwölf Kernen, CPUs mit acht Kernen bieten leicht höhere FPS.

Kingdom Come: Deliverance und PUBG sind zwei Spiele, in denen sich die XT-Modelle etwas mehr in Szene setzen können. Vor allem in PlayerUnknown's Battlegrounds gibt es verhältnismäßig große Unterschiede. So liefert der Ryzen 5 3600XT 5 Prozent mehr FPS und gleich 10 Prozent bessere Frametimes als der Ryzen 5 3600X – für PUBG hatte auch AMD den größten Zuwachs genannt. Beim Ryzen 7 3800XT liegen die Sprünge bei je 5 Prozent, beim Ryzen 9 3900XT sind es 6 und 8 Prozent. F1 2020 zeigt sich von den Änderungen dagegen unbeeindruckt. Je nach Modell liefert das Rennspiel nur eine um 1 bis 2 Prozent höhere Framerate.

Takt, Temperatur und Stromverbrauch in Spielen

Die leicht höhere Spieleleistung der XT-Prozessoren wird ausschließlich durch einen höheren Takt erreicht. AMD spricht offiziell von 100 bis 200 MHz mehr maximalem Boost-Takt, doch sagt dieser Wert nur wenig aus. Vor allem nicht in Spielen, die meist zwischen vier und acht Kerne mehr oder weniger stark auslasten. Um dem Verhalten der neuen CPUs in diesem Szenario genauer nachzugehen, hat die Redaktion einen zweiten Testdurchlauf gestartet, um weitere Informationen zu erhalten. Im Fokus standen dabei Takt, Temperatur und die vom Prozessor gemeldete Package-Power. Geloggt wurden die Werte mit Hilfe des Tools CapFrameX.

Dabei zeigt sich, dass in Kingdom Come: Deliverance der Ryzen 5 3600XT im Durchschnitt mit 4.380 MHz arbeitet, was etwa 115 MHz mehr als beim Ryzen 5 3600X ist. Beim Ryzen 7 3800XT liegen im Mittel etwas höhere 4.420 MHz an. Damit beträgt das Plus zum Ryzen 7 3800X jedoch nur 75 MHz. Und der Ryzen 9 3900XT arbeitet im Schnitt mit 4.342 MHz. Das ist zwar weniger als bei den beiden kleineren Modellen, aber genau 100 MHz mehr als beim Ryzen 9 3900X.

Auffällig bei den Verlaufsdiagrammen ist der Ryzen 7 3800X. Während alle anderen Kandidaten quasi durchweg leicht beim Takt schwanken, arbeitet der 8-Kern-Prozessor mit fast permanent demselben Takt – kleine Sprünge nach oben und unten gibt es nur wenige. Das liegt vermutlich daran, dass der Ryzen 7 3800X das vorkonfigurierte Energiemaximum nur selten erreicht und dies in Kombination mit einer geringen Temperatur dafür sorgt, dass ein gleichmäßiger, hoher Takt gehalten werden kann.

Die Leistungsaufnahme steigt auch beim Spielen leicht an

Die Unterschiede sind nicht groß, aber beim Spielen brauchen die neuen Prozessoren etwas mehr Energie als die alten Modelle. Jedoch sind die Unterschiede gering und schwanken auch von Spiel zu Spiel. Für die in Kingdom Come: Deliverance gebrachte Leistung benötigt der Ryzen 5 3600X eine angezeigte Package-Power von 60 Watt, beim Ryzen 5 3600XT sind es mit 67 Watt 7 Watt mehr – und das ist zugleich der größte Unterschied. Beim Ryzen 7 3800XT beträgt das Plus zum X-Modell hingegen nur 1 Watt und beim Ryzen 9 3900XT sind es mit 83 Watt 3 Watt mehr. Hier zeigt sich dann, dass die 12-Kern-CPU auch für einen leicht geringeren Takt mehr Energie benötigt als die 6-Kern- und 8-Kern-Modelle. Hier ist wohlmöglich das zweite Chiplet ausschlaggebend.

Anderes Spiel, andere Messwerte. Was für Kingdom Come: Deliverance gilt, gilt nicht für PUBG. Denn sowohl die Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen als auch die Werte an sich schwanken. In dem Battle-Royale-Spiel benötigt der Ryzen 5 3600XT zum Beispiel trotz höherem Takt nur 58 Watt, zudem ist das Plus zum Ryzen 5 3600X mit 2 Watt deutlich kleiner. Ryzen 7 3800XT und Ryzen 9 3900XT genehmigen sich mit 66 Watt beziehungsweise 85 Watt dagegen etwas mehr als beim Ritterspiel und auch das Plus zu den X-CPUs ist minimal größer.

Die Temperaturen steigen teils deutlich

PUBG ist wortwörtlich in den meisten Fällen der „heißere Kandidat“ als Kingdom Come: Deliverance. In dem Spiel arbeiten die XT-Modelle deutlich wärmer als die X-Kollegen. Den geringsten Sprung zeigt der Ryzen 9 3900XT, der mit 67 °C aber immer noch 10 °C wärmer als der Ryzen 9 3900X wird. Ryzen 5 3600XT und Ryzen 7 3800XT bleiben dann zwar kühler als der größere Bruder, der Temperaturanstieg zu den X-Versionen ist jedoch größer. Der Ryzen 5 3600XT wird 11 °C wärmer, der Ryzen 7 3800XT gar 13 °C. Das ist zwar für den kleinen Taktanstieg bemerkenswert viel, hat im Betrieb bei einem ausreichend dimensionierten Kühler schlussendlich aber keine Auswirkungen.

Bei den Temperaturmessungen zeigen alle sechs Ryzen-Modelle das für Zen 2 typische Verhalten, bei Teillast (und im Idle) immer mal wieder einen plötzlichen, sprunghaften Temperaturanstieg zu zeigen. Die Temperatur fällt dann, um irgendwann plötzlich erneut anzusteigen. Das passiert, wenn der Prozessor kurzzeitig höhere Taktraten nutzen kann, was in den Taktverlaufsdiagrammen aber nicht unbedingt zu sehen ist (da die Messung zu langsam ist).

Die Unterschiede im Durchschnitt

Die Liniendiagramme gehen ins Detail, aber auch eine Zusammenfassung der ermittelten Werte kann weitere Fakten liefern. Aus diesem Grund hier nochmal sämtliche Ergebnisse bei dem Takt, der Temperatur und der Package-Power als Durchschnitt zusammengefasst.

Takt (⌀) Package-Power (⌀) Temperatur (⌀)
Kingdom Come Deliverance
Ryzen 5 3600 4.192 MHz 52 Watt 50 °C
Ryzen 5 3600X 4.267 MHz 60 Watt 54 °C
Ryzen 5 3600XT 4.380 MHz 67 Watt 60 °C
Ryzen 7 3800X 4.342 MHz 62 Watt 53 °C
Ryzen 7 3800XT 4.417 MHz 63 Watt 60 °C
Ryzen 9 3900X 4.242 MHz 80 Watt 61 °C
Ryzen 9 3900XT 4.342 MHz 83 Watt 64 °C
PUBG
Ryzen 5 3600 4.192 MHz 50 Watt 50 °C
Ryzen 5 3600X 4.292 MHz 56 Watt 53 °C
Ryzen 5 3600XT 4.392 MHz 58 Watt 64 °C
Ryzen 7 3800X 4.342 MHz 61 Watt 51 °C
Ryzen 7 3800XT 4.405 MHz 66 Watt 64 °C
Ryzen 9 3900X 4.242 MHz 80 Watt 57 °C
Ryzen 9 3900XT 4.317 MHz 85 Watt 67 °C

Spiele-Leistungsaufnahme an der Steckdose

Auch wenn die Strommessung an der Steckdose aufgrund der eingebauten und maximierten GeForce RTX 2080 Ti FE die Ergebnisse verzerrt, bestätigen diese die vorher ausgelesenen Werte der Package-Power auch bei Spielen. So schneiden Ryzen 5 3600X, Ryzen 5 3600XT, Ryzen 7 3800X sowie Ryzen 7 3800XT sehr ähnlich ab und unterscheiden sich in Kingdom Come: Deliverance um gerade einmal 9 Watt. Ryzen 9 3900X und Ryzen 9 3900XT benötigen mit dem zweiten Chiplet auch in Spielen einen guten Batzen mehr Energie, sodass sich X und XT rund 20 Watt mehr als die kleineren Varianten mit acht anstatt zwölf CPU-Kernen genehmigen.

Leistungsaufnahme Spiele (Steckdose)
Einheit: Watt (W)
  • Kingdom Come Deliverance – 1.280 × 720 auf RTX 2080 Ti FE:
    • AMD Ryzen 5 3600
      268
    • AMD Ryzen 5 3600X
      285
    • AMD Ryzen 5 3600XT
      290
    • AMD Ryzen 7 3800X
      290
    • AMD Ryzen 7 3800XT
      294
    • AMD Ryzen 9 3900X
      312
    • AMD Ryzen 9 3900XT
      315

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