AMD Ryzen „Matisse 2“ im Test: Fazit

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Wolfgang Andermahr et al. 491 Kommentare

Zum ersten Jahrestag der 7-nm-Architektur Zen 2 gibt es von AMD nicht Zen 3, sondern drei leicht optimierte Zen-2-CPUs. Alle drei liefern im Test eine geringfügig höhere Leistung ab, in neue Leistungsregionen vorstoßen kann aber keine Variante. Viel teurer als die X-Varianten dürfen diese CPUs nicht sein.

Vernachlässigbar ist der Leistungszuwachs in Multi-Core-Anwendungen. Der Ryzen 9 3900XT tritt in diesem Parcours sogar auf der Stelle, weil er wie der Ryzen 9 3900X durch den maximalen Verbrauch gedeckelt wird. Größer sind da schon die Zuschläge in Single-Core-Szenarien, die von AMD über die neuen maximalen Turbo-Taktraten versprochenen Zugewinne sind auch in der Praxis sichtbar – 2 (3600XT), 3 (3900XT) und 4 (3800XT) Prozent höher fallen die Ergebnisse aus.

AMD Ryzen 9 3900XT, 7 3800XT und 5 3600XT im Test
AMD Ryzen 9 3900XT, 7 3800XT und 5 3600XT im Test

Den größten Leistungszuwachs zeigt Ryzen 3000 XT in der Tat in Spielen, die in der Regel mehrere Kerne nutzen, diese aber nicht voll auslasten. Gemessen in FPS sind es im Parcours bei allen drei CPUs 3 Prozent mehr Leistung, bei den Frametimes hingegen 4 (3800XT und 3900XT) respektive 6 (3600XT) Prozent. Allerdings hat ComputerBase die Benchmarks in 720p auf einer GeForce RTX 2080 Ti durchgeführt, um den Prozessor bestmöglich zu isolieren – die Ergebnisse stellen also bereits einen Optimalfall dar.

Leistungszuwachs im Testparcours
Kontrahenten Apps (Single-Core) Apps (Multi-Core) Spiele (FPS) Spiele (Frametimes)
3900XT vs. 3900X +3 % ±0 % +3 % +4 %
3800XT vs. 3800X +4 % +1 % +3 % +4 %
3600XT vs. 3600X +2 % +1 % +3 % +6 %

Dass AMD alle drei CPUs mit unveränderter TDP ins Rennen schickt, bedeutet derweil nicht, dass sie unter Last und sofern es die Temperaturen zulassen nicht mehr elektrische Leistung aufnehmen als die Vorgänger. In fast allen Tests liegt die Package-Power der neuen XT-Prozessoren deutlich höher als die der X-Modelle – 10 Prozent sind eher die Regel denn eine Ausnahme. Nur der Ryzen 9 3900XT macht davon in Apps eine Ausnahme: Weil er bei Volllast auf allen Kernen wie sein Vorgänger am 142-Watt-Limit hängt, ist sein Verbrauch in diesen Szenarien identisch geblieben – die Leistung allerdings auch.

Mit den höheren Verbräuchen, die von Messungen an der Steckdose bestätigt werden, gehen auch höhere Temperaturen einher – 10 °C Unterschied wurden für alle drei Modelle in vielen Szenarien ermittelt. Interessanterweise betraf das den Ryzen 9 3900XT auch in App-Benchmarks, in denen er wie der Vorgänger bei gleichem Takt im Power-Limit hing. Weil auch die ausgelesenen Spannungen auf gleichem Niveau lagen, konnte für das reproduzierbare Verhalten bisher keine Erklärung gefunden werden.

Als problematisch erwiesen haben sich die höheren Temperaturen hingegen nicht. Alle drei Prozessoren durften den von AMD bei ausreichend „niedriger“ Temperatur gewährten zusätzlichen Spielraum beim Verbrauch auch weiterhin dauerhaft ausnutzen.

Der entscheidende Faktor, der über die Wahl zwischen X- und XT-Modell entscheidet, ist damit am Ende der Preis. Zum Marktstart – bereits ab heute sollen die CPUs im Handel sein – sind die Aufschläge zweifelsohne zu groß. Der UVP von Ryzen 9 3900XT und Ryzen 7 3800XT liegt über 100 Euro, die des Ryzen 5 3600XT gut 80 Euro über dem Marktpreis der jeweiligen X-Variante. Das ist in Anbetracht des Leistungszugewinns viel zu viel.

Wie schnell die XT-Modelle im Handel nachgeben, bleibt indes abzuwarten. Neben PR um Ryzen 3000 zum einjährigen Jubiläum dürfte es AMD bei den CPUs schließlich auch darum gehen, den kontinuierlichen Preisverfall bis zur Vorstellung von AMD Ryzen 4000 mit Zen 3 gegen Ende 2020 abzubremsen.

AMD Ryzen 9 3900XT, 7 3800XT und 5 3600XT im Test
AMD Ryzen 9 3900XT, 7 3800XT und 5 3600XT im Test

Selbst wenn sich X- und XT-Varianten preislich angeglichen haben, darf ein Aspekt allerdings nicht außer Acht gelassen werden: Schon bisher waren Ryzen 5 3600 und Ryzen 7 3700X für die meisten Anwender in der Regel die deutlich bessere Wahl als Ryzen 5 3600X und Ryzen 7 3800X. Die XT-Varianten können sich mit größeren Leistungszuwächsen jetzt zwar besser empfehlen, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis der kleineren Modelle sollten Kunden auch weiterhin im Auge behalten.

Ryzen 9, Ryzen 7, Ryzen 5 und Ryzen 3 mit Zen 2
Kerne/Threads Takt
Basis/Turbo
L3-Cache TDP UVP Marktpreis
Ryzen 9 3950X 16/32 3,5/4,7 64 MB 105 W 819 Euro 735 Euro
Ryzen 9 3900XT 12/24 3,8/4,7 64 MB 105 W 529 Euro
Ryzen 9 3900X 12/24 3,8/4,6 64 MB 105 W 529 Euro 409 Euro
Ryzen 7 3800XT 8/16 3,9/4,7 32 MB 105 W 419 Euro
Ryzen 7 3800X 8/16 3,9/4,5 32 MB 105 W 429 Euro 309 Euro
Ryzen 7 3700X 8/16 3,6/4,4 32 MB 65 W 349 Euro 285 Euro
Ryzen 5 3600XT 6/12 3,8/4,5 32 MB 95 W 259 Euro
Ryzen 5 3600X 6/12 3,8/4,4 32 MB 95 W 265 Euro 183 Euro
Ryzen 5 3600 6/12 3,6/4,2 32 MB 65 W 209 Euro 163 Euro
Ryzen 3 3300X 4/8 3,8/4,3 16 MB 65 W 129 Euro 132 Euro
Ryzen 3 3100 4/8 3,6/3,9 16 MB 65 W 109 Euro 101 Euro

ComputerBase wurden die drei Ryzen 3000XT von AMD leihweise zum Testen unter NDA zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.

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