Creative SXFI Gamer im Test: Fortschritt beim Mikrofon, Stillstand beim (Raum-)Klang

Michael Schäfer 28 Kommentare
Creative SXFI Gamer im Test: Fortschritt beim Mikrofon, Stillstand beim (Raum-)Klang

tl;dr: Mit dem SXFI Gamer veröffentlicht Creative ein neues Headset inklusive der zweiten Generation seiner Raumklang-Technologie. Die steht im Test nichtsdestoweniger weiterhin auf wackeligen Beinen und ist in ihrer Wirkung stark von der Qualität der Inhalte abhängig. Eine deutliche Verbesserung gibt es hingegen beim Mikrofon.

Design und Verarbeitung

Bei der äußerlichen Gestaltung orientiert sich Creative beim neuen SXFI Gamer erkennbar am Anfang des letzten Jahres veröffentlichten Creative SXFI Air (C) (Test). Die optische Umsetzung erfolgt somit auch dieses Mal eher nüchtern als spektakulär. Dies ist nicht zuletzt auf die Materialwahl zurückzuführen, denn auch beim SXFI Gamer setzt das Unternehmen vornehmlich auf Kunststoff. Lediglich der Kopfbügel ist aus Metall gefertigt. Zwar hinterlässt das neue Headset einen qualitativ guten Eindruck, andere Hersteller bieten hier für einen UVP von 130 Euro jedoch mehr.

Der mit Kunstleder überzogene Kopfbügel des 349 g schweren Headsets ist nur dürftig gepolstert und kann nach einiger Zeit auf dem Kopf drücken. Gegenüber dem Air (C) ist das SXFI Gamer ein bisschen schwergängiger an den Kopf anpassbar, was es jedoch auch ein wenig stabiler und mit etwas mehr Druck auf selbigen sitzen lässt. Dies wirkt sich ebenso positiver bei schnellen und plötzlichen Bewegungen aus.

Die Polster lassen das Creative SXFI Gamer bequem auf dem Kopf sitzen
Die Polster lassen das Creative SXFI Gamer bequem auf dem Kopf sitzen

Im Gegensatz zur Air-Variante besitzen die Ohrmuscheln des SXFI Gamer keine Stoff-, sondern Kunstlederüberzüge. Diese können besonders bei wärmeren Temperaturen leicht für schwitzende Ohren sorgen. Genauso wie beim Air lassen sich die Polster einfach per leichter Drehung lösen und damit schnell wechseln. Sie selbst hätten gerne etwas fester ausfallen können und sorgen zwar für einen komfortableren Sitz auch über einen längeren Zeitraum hinweg, im Laufe ihres Lebens dürften sie aber schneller weicher werden, womit der bequeme Halt dann nicht mehr gewährleistet wäre. Die Aufhängungen der Ohrmuscheln erlauben nur einen geringen Bewegungsspielraum, womit die Anpassung an die jeweiligen Ohren und die Kopfform hauptsächlich über die Polster erfolgt.

Creative Technology SXFI Gamer Creative Technology SXFI Air C
Bauform: Over Ear, geschlossen
Treiber: Neodymium, 50 mm
Anschlüsse: 3,5 mm Klinke, USB, Per USB C an Mobilgeräten nutzbar, Kabel am Headset abnehmbar
Drahtlose Verbindungen:
Frequenzbereich Kopfhörer: Klinke: 20 Hz – 20.000 Hz
USB: 20 Hz – 20.000 Hz
Laufzeit bei drahtloser Verbindung:
Entfernung bei drahtloser Verbindung:
Drahtloses Laden: Nein
Bedienelemente am Headset: Ja
Kabelfernbedienung: Nein
Integrierte Soundkarte: Ja
Raumklang: Ja
Frequenzbereich Mikrofon: Klinke: 100 Hz – 16.000 Hz
USB :100 Hz – 16.000 Hz
Klinke: 50 Hz – 15.000 Hz
USB :50 Hz – 15.000 Hz
Mikrofon Eigenschaften: abnehmbar, stummschaltbar, justierbar
RGB-Beleuchtung: Ja
Kühlung:
Vibrationsfunktion: Nein
Gewicht: 349 g 318 g

Kurze und dünne Kabel

Über eine Kabelfernbedienung verfügt das SXFI Gamer nicht, was aber den Vorteil bietet, jederzeit ein normales USB-C-Kabel an das Headset anschließen zu können. Dafür gibt Creative dem Nutzer alle nötigen Funktionen direkt am Headset selbst an die Hand, die in der linken Ohrmuschel untergebracht sind. Dort befinden sich neben dem USB-C-, Klinke- und Mikrofonanschluss der Lautstärkeregler, die Stummschaltung für das Mikrofon sowie der Wahlschalter für die SXFI-Funktion und die Aktivierung der LED-Ringe an den Außenseiten der Ohrmuscheln. Letztere bieten mit der Darstellung von 16,7 Millionen Farben den einzigen farblichen Akzent beim neuen Creative-Headset.

Das mitgelieferte, 1,80 m lange USB-C-Kabel ist mit einem Kevlar-Mantel sowie zusätzlich mit einer Aluminium- und Kupferabschirmung versehen, die diesem eine hohe Flexibilität und Widerstandsfähigkeit verleihen sollen. Die geringe Dicke des Kabels lässt aber Zweifel aufkommen, dass es wirklich gut gegen Kabelbrüche geschützt ist. Das Kabel besitzt auf beiden Seiten einen USB-C-Stecker und wird mittels eines Adapters an den heimischen Rechner angeschlossen. Diese Lösung besitzt den Vorteil, dass das Headset auch an Android-Geräten mit entsprechendem Steckeranschluss verwendet werden kann. Dazu später mehr.

Das Creative SXFI Gamer lässt sich sowohl an einem PC wie auch mobilen Geräten anschließen
Das Creative SXFI Gamer lässt sich sowohl an einem PC wie auch mobilen Geräten anschließen

Das für den analogen Betrieb beigelegte Klinkenkabel ist sogar nur 1,60 m lang, lediglich mit einem Gummischutz ausgestattet und ebenfalls recht dünn. Darüber hinaus besitzt es nur einen vierpoligen Anschluss, einen Adapter für Soundkarten mit getrennten Ein- und Ausgängen legt Creative nicht bei. Generell zeigt sich der Hersteller beim Kabelangebot recht kniepig – sollte der Rechner unter dem Schreibtisch stehen, könnte es mit der Länge bereits in Bezug auf die Bewegungsfreiheit knapp werden. Es ist daher, und diese Kritik richtet sich im Grunde an alle Hersteller von Headsets, unverständlich, warum diese ihren Produkten keine längeren Kabel beigelegen.

Holographic Audio: Für jedes Ohr angepasst

Auch die neue Headset-Generation von Creative verfügt über die Super-X-FI-Funktion, kurz SXFI, die für einen natürlichen Raumklang sorgen soll. Dabei soll sich der Zuhörer fühlen, als würde er mitten in einem Raum stehen und dabei die aufgesetzten Kopfhörer vergessen. Dies soll nicht nur bei Spielen, sondern ebenso bei Musik und Filmen funktionieren.

Das SXFI Gamer bietet alle nötigen Bedienelemente am Headset
Das SXFI Gamer bietet alle nötigen Bedienelemente am Headset

Während andere Hersteller jedoch die räumliche Darstellung über einen sturen Algorithmus berechnen lassen, bezieht Creative sowohl die Ohr- wie auch die Kopfform des jeweiligen Nutzers mittels eines persönlich berechneten Klangprofils mit ein. Um dieses zu erstellen, muss zunächst die für Android und iOS erhältliche SXFI-App installiert und ein Konto bei Creative eingerichtet werden. Zur Authentifizierung stehen zusätzlich die Dienste von Google und Facebook zur Verfügung.

Ist das Konto angelegt, kann mit dem Einrichtungsvorgang begonnen werden. Für die Erfassung der benötigten Daten müssen von beiden Ohren und vom Gesicht über die jeweilige Kamera Bilder erstellt werden, welche die Grundlage für das jeweilige Klangprofil bilden. Am einfachsten gelingt dies mit einer helfenden Hand. Ist eine solche nicht zugegen, kann sich auch mit der Frontkamera und einem Spiegel beholfen werden – was aber ein wenig Übung bedarf. Wichtig ist jedoch, dass das Ohr gut ausgeleuchtet ist; eventuelle Schatten können hörbare klangliche Unterschiede nach sich ziehen. Dies bestätigte sich im Test mit verschiedenen Aufnahmen. Daher ist es empfehlenswert, direkt mehrere Aufnahmen zu erstellen, daraus verschiedene Profile zu generieren und am Ende das am angenehmsten klingende zu verwenden.

Der Kopfbügel könnte beim SXFI Gamer besser gepolstert sein
Der Kopfbügel könnte beim SXFI Gamer besser gepolstert sein

Die erstellten Klangprofile werden anschließend zu Creative übertragen und mit dem eigenen Account verknüpft. Auf Nachfrage bestätigte der Hersteller, dass nur die errechneten Profile transferiert werden – kein Bild verlässt das Mobilgerät. Danach müssen die gewünschten Vorgaben lediglich ausgewählt werden. Eine Möglichkeit, die Profile lokal zu speichern und selbst auf den Rechner zu laden, wird nicht geboten.

Software mit nach wie vor geringem Funktionsumfang

Die von Creative für Windows-PCs und Macs zur Verfügung gestellte Software hält sich mit möglichen Funktionen stark zurück. Neben dem bereits von vorherigen Modellen bekannten äußerlichen Erscheinungsbild gibt es nun eine angenehmere dunklere Variante. Diese dient hauptsächlich zur Übertragung der erstellten Profile auf das Headset. Die weiteren Bereiche wie die Art des Quellmaterials (Stereo-, 5.1- oder 7.1-Ton), der Equalizer, der nur wenig Einfluss auf den Klang bietet, sowie die Farbeinstellungen für den Lichtkranz auf den Ohrmuscheln dürften eher als Dreingaben angesehen werden.

Creative SXFI Gamer im Test – Screenshots

Bei der mobilen App sieht es ebenfalls nicht viel anders aus. Diese bietet neben den oben aufgeführten Funktionen einen rudimentären Audio-Player, der jedoch ebenso recht funktionsarm daherkommt und zudem bei der Erkennung der sich auf dem Gerät befindlichen Musikstücke nicht allzu zuverlässig agiert. Für die Wiedergabe lässt sich jedoch jede andere Player-App verwenden, die SXFI-Applikation übernimmt dann nur die klangliche Komponente.

Auf der nächsten Seite: Klang und Mikrofon