BMW OS 7: Kostenloses Software-Update mit neuen Diensten ist fertig

Nicolas La Rocco 77 Kommentare
BMW OS 7: Kostenloses Software-Update mit neuen Diensten ist fertig
Bild: BMW

BMW bietet die mit dem neuen 5er eingeführten digitalen Dienste in weiteren Baureihen mit BMW Operating System 7 an. Dafür ist ein kostenfreies OTA-Update im Laufe des dritten Quartals geplant. Künftig will BMW mehr Fahrzeugfunktionen direkt ab Werk verbauen und Kunden die Möglichkeit bieten, diese nachträglich freizuschalten.

Das Update nutzt die erstmals 2018 im damals neuen X5 eingeführte Funktion „Remote Software Upgrade“, die Bestandteil von BMW OS 7 ist. Updates können damit entweder über die integrierte SIM-Karte des Autos heruntergeladen und installiert oder aber zunächst auf dem Smartphone in die BMW-Connected-App geladen und von dort aus nach dem Einstieg an das Fahrzeug übertragen werden. Die Installation der Updates ist ausschließlich im Stand möglich und benötigt laut BMW etwa 20 Minuten.

BMW Maps mit schnellerer Routenberechnung

Mit dem Update erhalten Fahrzeuge mit BMW OS 7 das neue, erstmals mit dem aktuellen 5er vorgestellte Navigationssystem BMW Maps, das eine signifikant gesteigerte Leistung mit deutlich schnellerer, dynamischer Routenberechnung, die kontinuierlich auf Basis von Echtzeit-Verkehrsdaten aktualisiert wird, bieten soll. Das zukünftige Verkehrsaufkommen entlang der gesamten Route wird in die Kalkulation der voraussichtlichen Ankunftszeit einbezogen, wobei die Verkehrsdaten nun auch für kleinere Straßen vorliegen sollen. Schneller soll ebenso die Gefahrenwarnung über gesammelte Daten aus der BMW-Flotte ablaufen, die aus mittlerweile 14 Millionen Fahrzeugen besteht, die laut BMW alle 24 Stunden 98,5 Prozent des gesamten deutschen Autobahnnetzes befahren. Die Flottendaten verarbeitet BMW in anonymisierter Form. Points of Interest entlang der Strecke werden detaillierter mit Bewertungen, Öffnungszeiten oder Fotos beschrieben.

BMW Maps
BMW Maps (Bild: BMW)

Mit BMW Maps geht die Integration weiterer Cloud-basierter Dienste wie „Connected Parking“, „On-Street Parking Information“ und „ParkNow“ einher. Bereits bei der Auswahl des Ziels gibt das Navigationssystem eine Indikation zur erwarteten Parkplatzsituation am Zielort aus. Kurz vor der Ankunft folgen Informationen zu nächstgelegenen Parkhäusern und Vorschläge für eine Route, auf der die Wahrscheinlichkeit, einen freien Parkplatz in der Nähe des Ziels zu finden, besonders hoch ist.

Automatischer Wechsel zum E-Antrieb

Neu sind zudem Funktionen speziell für elektrifizierte Fahrzeuge wie die Hybrid-Flotte von BMW und künftig auch vollelektrische Fahrzeuge wie der iNEXT. Durch das Update wird das Auto um die eDrive Zones ergänzt, die bei Plug-In-Hybriden einen automatischen Wechsel zum elektrischen Antrieb auslösen. Das Auto ist so lange lokal emissionsfrei unterwegs, wie es der Ladezustand der Batterie zulässt. Auf der Navigationskarte des Control Displays werden eDrive Zones hervorgehoben, zudem erscheint auf dem Bildschirm ein Hinweis beim Umschalten zum elektrischen Antrieb sowie bei Rückkehr zum Verbrennungsmotor. Der Dienst steht in rund 80 Städten Europas zur Verfügung, in Deutschland zählen die Umweltzonen zu den eDrive Zones.

Bei dem Dienst Connected Charging zeigt BMW zusätzliche Detailinformation zu einzelnen Ladestationen im Control Display an, darunter zum Beispiel Öffnungszeiten, Anbieter oder Authentifizierungsoptionen. Zusätzlich wird die Verfügbarkeit freier Ladestationen schon auf den ersten Blick im Control Display angezeigt, ohne zunächst in tiefere Menüebenen vordringen zu müssen. Das Navigationssystem zeigt zudem Points of Interest in der Nähe von Ladestationen an, um die Wartezeit zu überbrücken. Vollelektrische Fahrzeuge stellen künftig über einen blauen Kreis auf der Kartenübersicht dar, welchen Radius sie mit der aktuellen Ladung abdecken.

Kabelloses Android Auto auf bis zu drei Displays

Android Auto in der kabellosen Variante ist ebenfalls Bestandteil des Updates. Ab Juli dieses Jahres mit kleinem sowie großem Navigationssystem auf Basis von BMW Operating System 7 ausgelieferte Fahrzeuge werden Android Auto neben dem bereits angebotenen Apple CarPlay kostenfrei unterstützen. Im Laufe des dritten Quartals wird es den Dienst dann auch für vor Juli ausgelieferte Fahrzeuge geben. Android Auto wird dabei kabellos via WLAN und Bluetooth mit dem Auto verbunden und projiziert seine Inhalte – abhängig von der Sonderausstattung des Autos – auf alle drei Bildschirme: Control Display (Mittelkonsole), Info Display (Instrumente) und Head-up-Display.

Android Auto
Android Auto (Bild: BMW)

Routinen für den Intelligent Personal Assistant

Ein Update erhält zudem der BMW Intelligent Personal Assistant. Dazu zählt zunächst einmal ein überarbeitetes Erscheinungsbild auf dem Control Display, da der virtuelle Assistent sich neuerdings dem jeweiligen Gesprächspartner zuneigt und besser zwischen der Ansprache des Fahrers und des Beifahrers unterscheiden können soll. Ein neu gestaltetes Widget zeigt in Abhängigkeit zur aktuellen Fahrsituation mögliche Sprachkommandos an, um die natürliche Interaktion zu verbessern. Nach dem Update kann der Assistent das Auto per Sprachbefehl in einen anderen Fahrmodus versetzen und erlaubt jetzt auch die Steuerung von Fensterhebern sowie Sitzbeheizung und Sitzbelüftung in Abhängigkeit von GPS-Informationen. Mit Hilfe dieser Routinen lässt sich zum Beispiel automatisch das Fahrerfenster bei der Einfahrt in Tiefgaragen und Parkhäuser öffnen oder die Sitzheizung bei der Fahrt in kalte Regionen aktivieren.

Teil des Funktionsumfangs der neuen Software-Version ist auch der BMW Digital Key für virtuelle Autoschlüssel in der Apple Wallet von iOS 13.6 und iOS 14, wobei dieses Features nicht in vor Juli 2020 produzierte Fahrzeuge integriert werden kann, da die benötigte NFC-Hardware in der Fahrertür erst seit dem 1. Juli von BMW verbaut wird.

Künftig mehr Funktionen im Nachhinein buchbar

BMW versteht das Automobil als Plattform für digitale Inhalte, so wie es etwa Apple für das iPhone und andere Geräte sieht. Mercedes-Benz hat ähnliche Pläne. Das Remote Software Upgrade soll künftig verstärkt auch dafür genutzt werden können, um bereits ab Werk verbaute Hardware und die zur Ansteuerung benötigte Software im Nachhinein erst bei Bedarf über den ConnectedDrive Store zu aktivieren. BMW sieht darin auch Potenzial für den Gebrauchtwagenmarkt, da ein zweiter Eigentümer das Fahrzeug so mit Optionen ausstatten könne, die der erste Eigentümer nicht benötigte.

Für Neuvorstellungen wie den aktuellen 5er lassen sich nachträglich der Fernlichtassistent, der Drive Recorder oder auch die Geräuschkulisse „IconicSounds Sport“ des Antriebsstrangs freischalten. Beim neuen 4er Coupé kann im Nachhinein das adaptive M-Fahrwerk, der aktive Tempomat und das Starten des Motors aus der Ferne gebucht werden.

Künftig sollen weitere Fahrerassistenzsysteme und auch Funktionen wie die Sitzheizung nachträglich bestellbar sein. Dabei setzt BMW auf flexible Buchungsoptionen mit einmonatiger Testphase. Features sollen im Anschluss für mehrere Monate, ein Jahr, drei Jahre und teils auch dauerhaft aktiviert werden können. Mit der für das nächste Jahr geplanten Einführung des BMW iNEXT sollen die Möglichkeiten der Personalisierung erweitert werden.