Schwinn IC8 im Test: Die Apps für das Spinning-Bike

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Frank Hüber 68 Kommentare

Freie Wahl statt zentraler App

Während es beim Bowflex Max Trainer M8 die JRNY-App gibt, die das Display ersetzt und speziell für die Max-Trainer-Geräte entwickelt wurde, gibt es beim Schwinn IC8 nicht die eine App, die als Schaltzentrale fungieren soll. Stattdessen können mehrere Indoor-Cycle-Apps genutzt werden, wenn sie das IC8 unterstützen. Diese können ihre Daten dann jeweils auch an andere Plattformen weitergeben, die meisten nutzen Strava und TrainingPeaks. ComputerBase gibt deshalb an dieser Stelle nur eine Auswahl bekannter Apps, die mit dem IC8 genutzt werden können, aber keinen vollständigen Überblick.

Während ein kurzer Druck auf die Bluetooth-Taste des Schwinn IC8 einen Herzfrequenzsensor koppelt, können über einen langen Druck von rund drei Sekunden Tablets oder Smartphones gekoppelt werden. Wenn das Bluetooth-Symbol dauerhaft leuchtet, zeigt dies die erfolgreiche Verbindung zwischen App und IC8 an. Die Verbindung mit den unterstützten Apps und den Tablets funktionierte im Test reibungslos.

Die Apps beeinflussen den Widerstand nicht

Wer allerdings darauf gehofft hat, dass Daten aus den Apps direkten Einfluss auf die Einstellungen des Schwinn IC8 haben, also beispielsweise den Widerstand anpassen, wenn es bergauf geht, wird enttäuscht. Da das IC8 eine manuelle Widerstandsverstellung besitzt, kann es nicht über die Apps gesteuert werden. Etwaige Anpassungen müssen immer vom Nutzer durchgeführt werden, das IC8 ist kein Smart-Trainer.

Apple Health und Google Fit abhängig von der App

Ob Apple Health und Google Fit unterstützt werden, hängt deshalb auch nicht vom IC8 selbst ab, sondern von der App, die man nutzt. Kostenpflichtige Apps mit Abo bieten häufig, aber nicht immer eine Anbindung an die Dienste der Smartphone-Hersteller.

Explore the World und RideSocial

Bereits beim Bowflex Max Trainer M8 konnte die RunSocial-App genutzt werden, allerdings zum Laufen. Mit dem Schwinn IC8 können nun fremde, reale Orte mit dem Fahrrad in der RideSocial-App erkundet werden. Die App ist kostenlos erhältlich und steht für Android und iOS zur Verfügung. Die Karten passen sich dabei der Trainingsgeschwindigkeit des Nutzers an. Neben Metropolen lassen sich so auch Wüsten in den USA durchqueren.

RideSocial mit dem Schwinn IC8

Die Streckenvideos müssen vor dem Training heruntergeladen werden. In der App werden die gefahrene Geschwindigkeit, die Trittfrequenz und die Steigung angezeigt, wobei die angezeigten Werte mit denen auf dem Display des IC8 übereinstimmen. Die Werte zum aktuellen Widerstand, der Leistung in Watt und dem Puls, sofern ein Pulsmesser eingesetzt wird, werden in der App aber nicht angezeigt.

RideSocial und RunSocial sind zudem beide in der App „Explore the World“ zusammengefasst. Um darin alle Strecken nutzen zu können, ist ein Abonnement notwendig, das 59,99 Euro im Jahr kostet. Alternativ ist auch ein deutlich teureres Monatsabo für 9,99 Euro verfügbar.

Erneut positiv für die Motivation ist die Echtzeit-Einblendung anderer Fahrer in der RideSocial-App, die auch mit ihrem Profil hinterlegt werden, was das Ganze persönlicher werden lässt. Weniger positiv fällt hingegen nach wie vor das Videomaterial der App auf. Denn was als hochauflösende HD-Inhalte angepriesen wird, sieht häufig verwaschen und pixelig aus. Einige Strecken in der App bieten aber 360-Grad-Ansichten und VR-Headset-Unterstützung an, so dass man sich theoretisch mit einem VR-Headset auf das IC8 begeben und während des Fahrens umsehen und sogar umdrehen kann. Nutzt man das Tablet ohne VR-Headset, kann man sich ebenfalls umsehen, wenn man das Tablet bewegt. Stellt man es dann aber auf das IC8, um zu trainieren, guckt man immer nach unten auf die Straße und kann diesen Winkel nicht verändern.

Streckenabschnitte, in denen auch Passanten zu sehen sind, zeigen zudem die falsche Geschwindigkeit der Wiedergabe, denn diese laufen viel zu schnell. Zudem springt das Bild immer wieder auf der Strecke etwas vor, weil einzelne Abschnitte fehlen. Damit die App überzeugt, müsste sie deutlich überarbeitet und verbessert werden.

Zwift: Radprofi mit dem IC8

In Zwift kann man alleine oder gegen andere Fahrer virtuelle Radrennen bestreiten. Anders als bei RideSocial fährt man hier aber nicht durch echte Landschaften, sondern über ausgedachte Strecken. Zwift ähnelt deshalb mehr einem Computerspiel, ist aber eine sehr gute Trainingsmethode. Es zeigt beim Fahren Geschwindigkeit, Trittfrequenz, Puls und Leistung in Watt an. Anders als bei RideSocial stimmt die Geschwindigkeit des IC8-Displays und der App nicht überein, da die Zwift-App bei den Daten berücksichtigt, wie das aktuelle Streckenprofil aussieht. Geht es bergauf, fällt die Geschwindigkeit, während sie auf dem Display konstant bleibt. Bei gleicher Trittfrequenz muss nun der Widerstand manuell angepasst werden, um den Berg schneller zu erklimmen. Entsprechend stimmt auch die in der App und auf dem Display zurückgelegte Strecke nicht überein.

Dabei errechnet die Zwift-App aus dem auf dem IC8 eingestellten Widerstand und der Trittfrequenz den Leistungswert in Watt, womit es aber Probleme geben kann, da dieser nicht für das IC8 kalibriert ist. Dabei muss erwähnt werden, dass das Spinning-Bike laut Zwift offiziell nicht unterstützt wird, während Schwinn ihm eine Unterstützung für Zwift zuspricht.

So erreicht man in Zwift Leistungswerte, die viel zu hoch sind und dem Nutzer einen deutlichen Vorteil vor der Konkurrenz verschaffen. Ob dies der Fall ist, muss vom Nutzer abgeschätzt werden. Als Vergleich lässt sich festhalten, dass man auf einem normalen Fahrrad bei ebener Strecke rund 210 Watt aufbringen muss, um 35 km/h zu fahren. Dies kann als Vergleich zu den Werten in Zwift dienen. Wer über einen längeren Zeitraum mehr als 300 Watt in Zwift erreicht, kann von falschen Angaben ausgehen.

Der Support von Schwinn hat Nutzern gegenüber mitgeteilt, dass der Fehler nur bei den ersten Auslieferungen des IC8 mit Firmware 1.2 auf der Konsole vorliegt und sie ihre Konsole gegen ein Modell mit firmware 1.3 austauschen lassen können – der Nutzer selbst kann die neue Firmware nicht einfach aufsapielen. Auch gegenüber ComputerBase hat Schwinn die anfänglichen Probleme bestätigt und nach eigenen Angaben die Konsolen bei allen Nutzern mit Problemen kostenlos ausgetauscht. Im Test war die Firmware 1.2 auf der Konsole des IC8 aufgespielt und es zeigten sich die oben genannten, zu hohen Leistungswerte in Zwift.

Zwift mit dem Schwinn IC8

Kalibrierung der Magnetbremse

Wer nicht auf den Austausch der Konsole warten möchte, kann sich zwischenzeitlich auch mit einer manuellen Kalibrierung der Magnetbremse behelfen – ComputerBase rät jedoch zum Austausch der Konsole über den Support. Als die Probleme auftraten, hatte Schwinn als erste Lösung einzelnen Anwendern von Zwift bereits vorab eine Anleitung zukommen lassen, wie die Magnetbremse des IC8 kalibriert werden kann, um realistischere Werte in Zwift zu liefern, die ein Messen mit der Konkurrenz sinnvoll machen. Geeichte Werte lassen sich so zwar nicht erreichen, aber das Training mit Zwift wird sehr viel realistischer. Nutzer im Forum von Zwift bestätigen, dass diese Kalibrierung die Watt-Ausgabe in der App deutlich senkt und treffendere Werte liefert. Für Enthusiasten ist die Anleitung deshalb nachfolgend als Bild eingebunden – mit dem Hinweis, dass sich nur drei Kalibrierungen durchführen lassen, bevor dieser Vorgang gesperrt wird.

Anleitung zum Kalibrieren des Widerstandes des Schwinn IC8
Anleitung zum Kalibrieren des Widerstandes des Schwinn IC8

Die Daten aus Zwift lassen sich beispielsweise an Strava übertragen. Die App kann 25 virtuelle Kilometer lang ausprobiert werden, bevor ein Abonnement abgeschlossen werden muss. Dieses kostet monatlich 14,99 Euro.

Kinomap noch mit Problemen

Kinomap ist ebenfalls eine Video-App, die fast 250.000 Kilometer Strecke rund um die Welt zum Erkunden bereitstellt. Sie ist dabei nicht nur auf das Cycling beschränkt, sondern unterstützt auch das Laufen und Rudern. Ein „Mehrspielermodus“ erlaubt das gleichzeitige Trainieren mit anderen Nutzern aus der App. Neu sind Intervalltrainings und Videos mit einem Coach.

Kinomap mit dem Schwinn IC8

Kinomap unterstützt inzwischen offiziell das Schwinn IC8, wobei dies eine einseitige Unterstützung durch Kinomap ist, denn Schwinn kooperiert nach eigenen Angaben nicht mit Kinomap, weshalb der Hersteller bei Problemen auch an die Entwickler verweist. Denn diese gibt es in der Praxis durchaus. Das IC8 wird in der iOS-App von Kinomap über Bluetooth nämlich gar nicht gefunden, wenn man es in der Liste der unterstützten Geräte auswählt. Wählt man stattdessen das Upright Bike 131 aus, wird die Bluetooth-Verbindung zum IC Bike angezeigt und kann genutzt werden. Selbst wenn ein Gerät von Kinomap gar nicht unterstützt wird, kann mit Hilfe der Frontkamera des Smartphones oder Tablets die Trittfrequenz ermittelt werden.

Der Widerstand muss auch bei der Kinomap-App selbst am IC8 eingestellt werden, wobei in den Videos eine Einblendung den empfohlenen Widerstand anzeigt. Kinomap hat mit dem IC8 derzeit – mit der Auswahl des Upright Bike 131 – aber das Problem, dass die Leistung des IC8 viel zu gering interpretiert wird. Selbst bei schnellem Treten von 80 U/min bei hohem Widerstand ist es so kaum möglich, über 10 km/h zu kommen, weshalb man in den Videos, wenn man sie an die eigene Trittgeschwindigkeit anpasst, nur so dahinschleicht.

Android übermittelt keine Drehzahl

Unter Android wird das IC8 in der App bei der Auswahl des Modells aus der Geräteliste erkannt, aber beim Training wird keine Drehzahl an die App übermittelt, weshalb sie nicht genutzt werden kann. Ob oder wann diese Probleme gelöst werden, ist nicht bekannt. Schwinn verweist hier an Kinomap, da man die App offiziell nicht unterstützt.

Die Auswahl und Qualität der Strecken und Videos und die zusätzlichen (englischsprachigen) Trainings in Kinomap sind aber sehr viel besser als in RideSocial.

Die App ist sowohl für Android als auch iOS verfügbar. Es gibt aber aufgrund der Bestimmungen des App-Stores keine kostenfreie, eingeschränkte Version von Kinomap mehr, sondern lediglich eine kostenlose, uneingeschränkte, siebentägige Testversion, bevor zwingend ein Abo notwendig ist. Letzteres kostet monatlich 9,99 Euro oder jährlich 79,99 Euro. Wer kein Abo abschließen möchte, kann für 229 Euro zeitlich unbegrenzten Zugriff auf alle Funktionen der App kaufen.

Peloton: Umfangreiche Trainings-App für das IC8

Mit Peloton ist einer der größten Fitnesstrends aus den USA nun auch in Deutschland gestartet. Nachdem die Plattform zunächst nur für das eigene, rund 2.300 Euro teure Peloton Bike mit integriertem Touchscreen geeignet war, öffnet sie sich in diesem Jahr auch anderen Indoor-Bikes.

Peloton bietet mehr als 1.000 Cycling-Kurse zum On-Demand-Abruf und zahlreiche Live-Kurse für Abonnenten. Der Anbieter beschränkt sich dabei nicht mehr auf das Indoor-Cycling, sondern bietet auch ein Laufband an und mit Yoga, Kräftigungsübungen und Bodyweight-Trainings stehen inzwischen mehrere hundert andere Workouts zur Verfügung. Hierfür werden Studios in New York und London betrieben, von denen aus die Live-Kurse gestreamt werden. In der App fehlen allerdings noch die deutschsprachigen Live-Kurse, die auf der Website bereits verfügbar sind. Dennoch ist das Angebot enorm.

Peloton mit dem Schwinn IC8

Erst seit 3 Wochen in Deutschland und mit dem IC8 nutzbar

Erst seit drei Wochen kann Peloton in der US-Version auch in Deutschland genutzt werden und ist im deutschen App Store verfügbar. Das Milliarden-Startup aus den USA will nun auch in Deutschland durchstarten – und irgendwann aus der Verlustzone kommen. Seitdem kann auch das Schwinn IC8 mit Peloton genutzt werden. Während das Abo beim Kauf eines Peloton Bike 39 Euro im Monat kostet und zwingend notwendig ist, kostet das Abo der App ohne Peloton Bike derzeit nur 12,99 Euro im Monat und kann unabhängig vom Peloton Bike auf drei iOS-Geräten genutzt werden. Wer sich die gebotenen Inhalte zunächst ansehen möchte, erhält einen kostenfreien Testmonat. Dabei können auch alle anderen Angebote genutzt werden, nicht nur auf das Cycling bezogene Trainings und Videos. Diese können vorab heruntergeladen werden, etwa um das Inklusivvolumen zu schonen; zum Starten einer Trainingseinheit ist aber eine Internetverbindung nötig.

Das IC8 überträgt die Drehzahl an Peloton

Das Schwinn IC8 kann in der Peloton-App als Zuspieler für die Drehzahl verbunden werden, was auf Anhieb problemlos und zuverlässig funktioniert. Daraufhin wird die eigene Drehzahl beim Training in der Peloton-App angezeigt und im Trainingsverlauf fortlaufend festgehalten. Die Drehzahl stimmt mit den Angaben auf dem Display des IC8 überein. Der enorme Vorteil im Vergleich zu Zwift und Kinomap ist hierbei, dass Peloton rein auf die Drehzahl und den Widerstand setzt, da das Peloton Bike nach demselben Prinzip funktioniert – auch wenn das Peloton Bike zusätzlich den eingestellten Widerstand und eine Leistung in Watt auf dem Display anzeigt, was beim IC8 nicht übermittelt wird, aber ohnehin nicht erforderlich ist. Auch wenn der Widerstand zwischen dem Peloton Bike und dem IC8 nicht 1:1 vergleichbar ist, obwohl beide im Bereich von 1 bis 100 liegen, ist das IC8 deshalb bestens geeignet, um mit der Peloton-App zu trainieren.

Während des Trainings ist in der Peloton-App zu sehen, welche anderen Teilnehmer zur selben Zeit trainieren. Diesen kann auch gefolgt werden, wobei bislang durch die Nutzung der US-Version der App für den deutschen Markt noch keine deutsche Community entstanden ist. Der Inhalt der App lässt sich vom Tablet per AirPlay oder Chromecast auch auf einen Fernseher übertragen, so dass vor diesem trainiert werden kann.

Neben angeleiteten, mit Musik unterlegten Trainings mit einem Coach, der die Widerstandseinstellungen und Drehzahlen vorgibt und den Nutzer motivieren soll, gibt es Videos, die durch unterschiedlichste Landschaften führen. Diese sind allerdings ebenfalls nicht alle hochauflösend und auch in diesen gibt es wie bei anderen Video-Trainingsprogrammen immer wieder Sprünge in den Videos, die den Nutzer plötzlich an eine etwas andere Stelle im Video versetzen. Fehlerfrei ist auch Peloton nicht.

Die derzeit beste App für das IC8

Die Peloton-App ist deshalb quasi das, was die JRNY-App für den Bowflex Max Trainer M8 ist. Sie synchronisiert die Leistungswerte des IC8 beim Training, bietet umfangreiche Trainingspläne, hält die Trainingserfolge übersichtlich fest und schlüsselt dabei sogar die jeweils gefahrenen Drehzahlen über den Verlauf jedes Trainings auf. Die Trainingseinheiten und geführten mehrwöchigen Kurse sind motivierend, wenn man sich für überschwängliche Coaches begeistern kann. Es gibt eine große Community, mit der man sich vernetzen kann, und die Musikuntermalung wird auch mitgeliefert und von den Coaches in das Training eingebunden.

Die Peloton-App ist derzeit die beste Training-App für das Schwinn IC8. Auch hier gilt aber, dass Trainingseinheiten, die nur auf dem IC8 durchgeführt werden, nicht im Nachhinein mit der App synchronisiert werden können. Wer seinen Trainingsverlauf lückenlos aufzeichnen möchte, muss die App nutzen.

YouTube als unverbundene Alternative

Wer auf all diese Vernetzung und ein Tracking seines Trainings mit einer Übersicht über etwaige Verbesserungen verzichten kann, kann aber auch einfach sein Tablet auf das Schwinn IC8 stellen und ein kostenloses Trainingsvideo auf YouTube starten, an dem man sich orientiert. Selbst dies ist die deutlich motivierendere Variante, als einfach nur die Zeit auf dem Display des IC8 herunterzählen zu lassen.

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