Troy: A Total War Saga im Test: Spielkritik und das Fazit

 3/3
Wolfgang Andermahr et al.
447 Kommentare

Wie gut ist A Total War Saga: Troy?

„Saga“ bedeutet in der Total-War-Reihe „Freiheit“, denn die etwas kompakteren Ableger der großen Titel sind als eine Art Labor für neue Ideen gedacht, die aus dem bewährten Mainstream-Format ausbrechen. Troy denkt das Format, ausgehend vom trojanischen Krieg, um den bekannten Kern herum etwas anders. Rezensionen zufolge ist aber nicht jede Änderung zu Ende gedacht worden.

Grundgerüst für Troy sind die in Homers Ilias geschilderten Ereignisse. Die antike Erzählung von der Eroberung Trojas durch griechische Heerführer bringt acht Fraktionen sowie ihre Anführer und Helden hervor, die in zwei Lagern die untergegangene Stadt verteidigen oder erobern. Diese prägen das Geschehen durch ihre Boni. Achilles etwa stelle sein Königreich dar, weshalb seine Stimmung stets die all seiner Untertanen widerspiegle, bemerkt Destructoid. Seine Stimmungswechsel und Impulsivität seien gleichzeitig ein Malus bei diplomatischen Kontakten.

Abhängig vom Anführer ist zudem eine zweite Siegbedingung, die neben totale Dominanz tritt. Der „homerische Sieg“ ist dabei eine fraktionsspezifische Aufgabe, die sich aus Homers Werk speist, fügt IGN an. Diese Konzeption verleiht dem Spiel wie die visuelle Präsentation Charme. Nicht immer berücksichtigt der Total-War-Bausatz aber den Mythos: GameStar stellte beispielsweise fest, dass Troja längst Opfer einer anderen Fraktion und kaum verteidigt wurde, die Eroberung als Fraktionsziel aber blieb und wurde trivial. Ähnliches berichtet PCGamesN.

Im Kern läuft Troy stets auf Krieg hinaus. Die entschlackte Vorbereitung reduziere sich aber auf wirklich Wesentliches, schreibt 4Players, und mache gerade dadurch Spaß – zu tun gebe es genug. Die vielleicht wichtigste Neuerung betrifft aber die Strategien. Anstelle von einem gebe es nun fünf zunächst knappe Rohstoffe, die für unterschiedliche Zwecke benötigt würden und Handel sowie gezielte Eroberung von Provinzen lohnenswert machen. Zur Spielmitte werde aus Mangel aber ein Überfluss, schreiben Tester einstimmig, was das System entwerte und Spannung stehle.

Diplomatie eröffne eher wenig Möglichkeiten, unter anderem IGN wurde zudem von permanenten und schlechten Handelsangeboten oder geschenkten Rohstoffen genervt, selbst wenn die anfragende Fraktion diese gar nicht benötigte. Weitere typische Total-War-Schwächen führt 4Players auf, in dieser Hinsicht habe sich Saga nicht weiterentwickelt. An der Front stünden KI-Aussetzer in Kämpfen.

Das Setting ändert auch die Schlachten: Mangels Kavallerie und Belagerungswaffen finden sich überwiegend Fußsoldaten im Krieg. In Feldschlachten komme es nun auf Manöver und das Ausnutzen von Terrain an, sagt IGN, die ebenfalls auftretenden Sagengestalten blieben aber eher verkleidete Menschen, die sich einen stärkeren Schritt in die Sagenwelt wünschen würden, ergänzt GameStar. Für Eurogamer liegt im Versuch, auf diese Art Wahrheit hinter den Mythen zu finden, wiederum ein Reiz. Raum für dynamische Wendungen und Taktik gebe es genug, trotz kleinerer Macken können mit Ausnahme der Belagerungen die Schlachten überzeugen, sie werden als frischer Impuls bewertet.

Troy entpuppt sich damit als ein gutes, aber schwerlich überragendes Total War. Die Revolution bleibt aus, ein bewährter Kern trifft auf Anpassungen für das Setting und einen Umfang, der laut den Berichten fast an ein echtes Total War herankommt. Ungeachtet des nötigen Feintunings macht der Titel aber offenbar stets Spaß. Am Ende stellt sich dennoch die Frage, warum es dieses Total War sein soll. Geringe Veränderungen heißen schließlich auch, dass genauso gut zu einem älteren Teil gegriffen werden kann, der für weniger Geld erhältlich ist. In diesem Fall liegt die Antwort im Setting.

Wertungsüberblick für A Total War Saga: Troy
Publikation Wertung
4Players 72/100
Destructoid w.i.p.
Eurogamer Empfehlung
GameStar 79/100
IGN 8/10
PC Gamer 75/100
PC Games N 8/10
The Sixth Axis 8/10
Metacritic (PC) Presse: 75/100
Nutzer: -/10 (~0 Wertungen)

Fazit

Troy: A Total War Saga ist ein ordentliches Strategiespiel geworden, kann mit den Total-War-Vorgängern aber nicht ganz mithalten. Das trifft auch auf die Technik zu, der man immer deutlicher anmerkt, dass die hauseigene Engine am Ende ihrer Lebensspanne angelangt ist – sowohl was die Grafikqualität als auch was die Leistung angeht.

Die optische Qualität schwankt in dem Spiel ordentlich und reicht von ganz nett bis hin zu wenig schön. Das ist bei einem Strategietitel eventuell noch hinnehmbar, die schlechte Performance hingegen nicht. Sowohl die Anforderungen an die Grafikkarte als auch an den Prozessor sind für das Gebotene zu hoch. Zwar lässt sich erstaunlich viel Performance mit den Grafik-Presets aus Troy quetschen, doch leidet die Grafikqualität auch genauso darunter. Einen rekordverdächtigen Einfluss auf die Leistung haben die CPU und eine ganz bestimmte Grafikeinstellung.

Troy ist ein CPU-Fresser, der seinesgleichen sucht

Bei vollen Details ist Troy: A Total War Saga für die CPU der derzeit wohl mit Abstand anspruchsvollste Titel, insbesondere Kerne kann es gar nicht genug geben. Mit einer 4-Kern-CPU muss man es im höchsten Preset gar nicht erst versuchen, SMT hin oder her. 6 Kerne mit SMT sind quasi das Minimum und auch 12 nicht zu viel. Im Preset „Extrem“ schneiden AMDs Ryzen-Ableger dann auch deutlich besser ab als Intels Core-Produkte – Kerne sind in Troy durch nichts zu ersetzen. Die Gier nach Kernen lässt sich allerdings einbremsen, denn das Problem liegt in einer einzigen Grafikoption: den Grasdetails. Wird diese Einstellung reduziert, sinkt der CPU-Hunger massiv. Dann ist auch ein 4-Kern-Ableger mitsamt SMT ausreichend, um Troy ohne Ruckeln zu spielen.

Troy: A Total War Saga im Technik-Test

Im Grafikkarten-Duell gibt es einen klaren Sieger. Modelle von Nvidia sind denen von AMD klar voraus. Das gilt vor allem im Vergleich der letzten Generationen, in dem die GeForce-GTX-1000-Riege regelrecht Kreise um Radeon RX 500 und vor allem Radeon RX Vega dreht. Verglichen mit der aktuellen Generation sieht es für RDNA (Radeon RX 5000) deutlich besser aus, Turing (GeForce RTX 2000) ist aber auch hier unangefochten vorn.

ComputerBase hat Troy: A Total War Saga vom Publisher Sega zum Testen erhalten. Das Spiel wurde unter NDA zur Verfügung gestellt. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme des Entwicklers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

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