AMD Ryzen 3 4350G im Test: Die kleinste Zen-2-APU mit größter Effizienz­steigerung

Volker Rißka 173 Kommentare
AMD Ryzen 3 4350G im Test: Die kleinste Zen-2-APU mit größter Effizienz­steigerung

tl;dr: Picasso war gestern, Renoir übernimmt. Die kleinste der neuen APUs, der AMD Ryzen 3 4350G, entpuppt sich als sehr effiziente Lösung, die dem Vorgänger mit vier Kernen und acht Threads keine Chance lässt: Bis zu 20 Prozent schneller bei halbiertem Verbrauch ist keine Seltenheit.

Der AMD Ryzen 3 4350G in der regulären als auch in der Pro-Variante ist die kleinste Renoir-Lösung im Desktop-Portfolio des Herstellers. Mit der Nutzung von rund zwei Drittel des CPU-Dies, nämlich vier Kernen und Vega6 statt der maximal möglichen acht Kerne und Vega8-GPU, bleibt den Lösungen immerhin noch das komplette Drumherum erhalten. Denn im Gegensatz zu Intel kastriert AMD kleine CPUs nicht beispielsweise beim Speichercontroller und den unterstützten Taktraten – auch die kleinste APU darf DDR4-3200 aufbieten.

Die Handbremse legt AMD jedoch beim Takt an. 3,8 GHz Basistakt entsprechen dem Durchschnitt bei vielen AMD-Modellen. Doch nur 200 MHz mehr, sprich 4,0 GHz, für den maximal möglichen Turbo sind die Bremse durch den Hersteller: Hier bekommt nur derjenige mehr, der ein höherklassiges Modell kauft. Das gilt auch für den Takt der integrierten Grafikeinheit.

Modellübersicht von Renoir im Desktop

Renoir im Desktop gibt es in Form von Modellen mit vier, sechs und acht Kernen. Aufgeschlüsselt sind sie nochmal als Pro-Version oder reguläres Modell, auch gibt es 35-Watt-Varianten: die GE-Serie.

AMD Renoir im Desktop bei 65 Watt
Kerne/Threads CPU-Takt (Basis/max. Turbo) Cache GPU-Einheiten (CU) GPU-Takt TDP
AMD Ryzen 7 Pro 4750G 8/16 3,6/4,4 GHz 12 MB 8 2.100 MHz 65 W
AMD Ryzen 7 4700G 8/16 3,6/4,4 GHz 12 MB 8 2.100 MHz 65 W
AMD Ryzen 5 Pro 4650G 6/12 3,7/4,2 GHz 11 MB 7 1.900 MHz 65 W
AMD Ryzen 5 4600G 6/12 3,7/4,2 GHz 11 MB 7 1.900 MHz 65 W
AMD Ryzen 3 Pro 4350G 4/8 3,8/4,0 GHz 6 MB 6 1.700 MHz 65 W
AMD Ryzen 3 4300G 4/8 3,8/4,0 GHz 6 MB 6 1.700 MHz 65 W
AMD Ryzen 3 4350G Pro
AMD Ryzen 3 4350G Pro

Die Krux mit den Mainboards

Renoir muss auf ein Mainboard der 500er-Serie, eine andere Wahl auch für die Ausgabe der integrierten Grafik gibt es offiziell nicht. Umgekehrt passt beispielsweise auf das dafür prädestinierte B550-Mainboard jedoch offiziell keiner der Vorgänger. Diese neuen Platinen unterstützen Picasso und Raven Ridge nicht – damit wird sogar groß sichtbar auf der Oberseite des Mainboard-Kartons „geworben“.

Die Krux mit der theoretischen Langlebigkeit des Sockels AM4 hat AMD zuletzt mehrfach eingeholt, erst nach einem Aufschrei der Community wollte das Unternehmen an einer Beta-BIOS-Unterstützung für die 400er-Serie und Zen 3 arbeiten. Zen 3 für 400er-Boards stellt AMD frühestens für Januar 2021 in Aussicht. Die passenden BIOS-Updates für Renoir auf der 400er-Serie wird es ebenfalls erst nach Zen-3-Start geben – vermutlich kaum eher, als es mit Zen 3 der Fall ist.

Im Verkauf offiziell nur als Bundle

AMD weiß um die Probleme und hat deshalb Vorgaben gemacht: Renoir im Desktop gibt es nur für OEMs und Systemintegratoren, diese könnten die neuen Lösungen jedoch als Bundles verkaufen. Das ComputerBase-Sample stammt vom Onlineshop Arlt, der es genau so anbietet. Dort gibt es unter anderen das Kit AMD Ryzen 3 4350G Pro plus Mainboard, RAM und Kühler für 249 Euro. Ab 362 Euro ist der zuletzt bereits getestete AMD Ryzen 5 4650G Pro mit doppelter RAM-Menge und besserem Board erhältlich. Das Flaggschiff AMD Ryzen 7 4750G Pro kostet im Kit 523 Euro.

Testergebnisse und Benchmarks

Für den Test der kleinsten Lösung kam einmal mehr das ComputerBase-Testsystem inklusive aller Anwendungen zum Einsatz. Inbegriffen sind somit unzählige Vergleichsmodelle, allen voran die Vorgänger der Picasso-Familie. Durch die Mainboard-Beschränkung konnten die Lösungen aber nicht auf derselben Platine betrieben werden. Traditionell hat das allerdings nur einen Einfluss auf die Leistungsaufnahme, nicht aber auf die Leistung selbst.

In Anwendungen ein großer Schritt

Den Vergleich mit dem direkten Vorgänger Ryzen 5 3400G mit ebenfalls vier Kernen und acht Threads muss der kleinste Renoir-Spross nicht fürchten. In Mehrkern-Lasten hängt er diesen um im Durchschnitt 15 Prozent ab, Single Core sind es noch 12 Prozent. Am Ende steht auch die Erkenntnis des letzten Renoir-Tests: Die APUs sind so schnell wie Matisse-CPUs aus der regulären Ryzen-3000-Familie. Der aktuelle Proband ist auf Augenhöhe mit dem Ryzen 3 3100, der ebenfalls vier Kerne besitzt.

Vier Kerne (und acht Threads) dürften die Zukunft in allen Einsteiger-CPUs werden. Intel hatte im vergangenen Jahr mit dem Quad-Core-Prozessor Core i3-9100F für 66 Euro im Handel vorgelegt, jetzt den Core i3-10100F nachgeschoben, der zusätzlich Hyper-Threading spendiert bekommt und somit acht Threads zu gleichem Preis bietet. Die Leistung des Ryzen 3 4350G und des Ryzen 3 3100 ist plötzlich für deutlich unter 100 Euro möglich, Intel macht dabei aber jede andere CPU im Einstieg wie unter anderem die eigenen Pentiums fast komplett überflüssig.

AMD steht im Einstieg nun ebenfalls unter Zugzwang. Gegen Acht-Thread-Comet-Lake zu dem Preis kann noch kein Athlon, sondern nur ein Ryzen 3 mit entsprechender Ausstattung bestehen. Um gegen den 9100F etwas aufzubieten, hatte AMD bereits erste Athlon als Vierkerner veröffentlicht, bislang ebenfalls nur für OEMs.

Spieleleistung ist Renoir-typisch

Immerhin bietet AMDs Lösung aber eine Grafikeinheit auf. Vega6 statt Vega7 und Vega8 – die Leistung der integrierten Grafikeinheit bei Renoir im Desktop unterschiedet sich auf dem Papier bereits minimal, im Alltag zeigt sich das dann kaum noch. Wie zuletzt bereits bei den beiden größeren Modellen mit ähnlicher Leistung, knüpft hier auch das kleinste an. Wie erwartet ist es jedoch das schwächste Modell, was auch an der Taktbegrenzung liegt.

Leistungsaufnahme: Der Kleine ganz groß in Form

Bei der Leistungsaufnahme gibt es keine bösen Überraschungen. Im Gegenteil: Im Leerlauf unter Windows sind es rund 25 Watt Leistungsaufnahme, erst unter voller Last geht es ans Eingemachte. Dabei dürfen auch AMDs APUs die per TDP definierte Langzeitleistungsaufnahme überschreiten, aber in deutlich festeren Grenzen als Intels Lösungen.

So lässt der Ryzen 7 4750G Pro unter voller Last auf 16 Threads bis zu 128 Watt auf der Anzeige stehen, die Differenz zum Leerlauf liegt also bei etwas über 100 Watt. Der 4650G Pro gibt sich mit 102 Watt im Maximum zufrieden, das entspricht einer Differenz von rund 78 Watt. In Single-Thread-Tests sind es nur rund 15 Watt Delta.

Der Ryzen 3 4350G als kleinster Vertreter überzeugt, vor allem auch bei Last auf allen Kernen. Mit nur 74 Watt und damit einem Delta von lediglich 48 Watt arbeiten die acht Threads relativ stromsparend unter voller Belastung. Das Bild wird bei 1-Kern-Last bestätigt, durch den geringeren Takt verbraucht die APU auch das Wenigste.

Leistungsaufnahme (komplettes System)
Leerlauf in Windows 10 Single-Core-Last Last auf allen Threads
AMD Ryzen 3 Pro 4350G 26 Watt* 38 Watt* 74 Watt*
AMD Ryzen 5 Pro 4650G 24 Watt 39 Watt 102 Watt
AMD Ryzen 7 Pro 4750G 24 Watt 41 Watt 128 Watt
AMD Ryzen 5 3400G 25 Watt 50 Watt 112 Watt
*auf MSI B550 statt Asus B550

Zum Vergleich: Der etwas über ein Jahr alte AMD Ryzen 5 3400G zieht unter gleicher maximaler Last 112 Watt bei gleichem Verbrauch von rund 25 Watt im Leerlauf, in Single-Core-Anwendungen sind es 50 Watt. Hier sind die Fortschritte sehr deutlich erkennbar, denn für einen teilweise viel geringeren Verbrauch gibt es im Gegenzug viel mehr Leistung. Darf die neue APU noch mehr aufnehmen, geht Leistung mit.

Hier treffen sich AMDs erste und zweite Zen-Generation und machen den Effizienzsprung sichtbar: 48 zu 87 Watt unter Last beträgt der Unterschied zwischen 4350G und 3400G bei gleicher Anzahl an Threads, während der Neuling im Cinebench-Test für die Ermittlung des Verbrauchs noch 22 Prozent schneller ist. Der Blick zum Single-Core-Test bestätigt es: mindestens der doppelte Verbrauch für weniger Leistung.

Tuning-Optionen bei CPU und RAM möglich

AMDs CPUs können übertaktet werden, das gilt fast durch die Bank für jedes Modell. Auch die kleinste neue APU ist davon nicht ausgenommen, wie der kurze Versuch zeigt. Sowohl der Takt ließ sich dabei erhöhen als auch schnellerer Speicher einsetzen. So lässt sich aus dem Modell noch etwas mehr Leistung herauskitzeln.

AMD Ryzen 3 4350G Pro übertaktet
AMD Ryzen 3 4350G Pro übertaktet

Fazit und Empfehlung

Wer einen AMD-Prozessor samt integrierter Grafik kaufen will, muss zu Renoir greifen. Problematisch ist nur, an diese Lösungen zu gelangen – der offiziell abgesegnete Weg geht über Bundles. Stellenweise tauchen sie aber auch als Tray-Variante auf. Da ein Board mit 500er-Chipsatz aktuell aber die Voraussetzung für die Unterstützung ist, muss ohnehin häufig beides neu erworben werden.

Was der Kunde dann bekommt, ist die Ablösung der Vorgängergeneration Picasso. Bis zu 15 Prozent mehr CPU-Leistung bieten die neuen Modelle. Die integrierte Grafik ist einen Hauch schlechter als zuvor. Aber alles, was bisher damit funktionierte, klappt auch heute noch. Der Einsatzbereich der integrierten Grafik erweitert sich so nicht.

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Einen riesigen Satz nach vorn machen die kleinen APUs bei der Effizienz. Mit 48 Watt Differenz von voller Last zum Leerlauf verbraucht der neue Ryzen 3 4350G Pro nur noch knapp über die Hälfte des Ryzen 5 3400G, leistet in der Messung unter voller Last in CB20 nT aber sogar noch deutlich mehr. Im Single-Core-Test ist es noch gravierender. Der Faktor 2 bei der Effizienz wird in allen Fällen mehr als erreicht.

Am Ende bleibt die Empfehlung aus dem ersten Renoir-Test: „AMDs Renoir-APU macht schnellen CPUs Beine“. Wer immer eine APU braucht, greift zu Renoir. Die Vorgänger Picasso sind Geschichte. Jeder, der ohnehin eine zusätzliche Grafikeinheit verbauen will, greift zur klassischen CPU. Dort stehen die Matisse weiter im Programm. Ab 5. November, jedoch deutlich in einer Preisklasse darüber, auch die ersten Zen-3-CPUs.

ComputerBase hat den AMD Ryzen 3 4350G Pro vom Onlineshop Arlt leihweise zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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