Creative Outlier Air V2 im Test: Mehr Akkulaufzeit, Touch und Super X-Fi für 70 Euro

Frank Hüber 12 Kommentare
Creative Outlier Air V2 im Test: Mehr Akkulaufzeit, Touch und Super X-Fi für 70 Euro

tl;dr: Mit den Outlier Air V2 spendiert Creative dem Einsteigermodell mehr Akkulaufzeit, Touch statt Tasten und nun auch Super X-Fi. Beim Klang können sie aber nicht mit den Outlier Gold mithalten und haben es schwer, sich aus der Masse kabelloser In-Ear-Kopfhörer hervorzutun.

Mit den kabellosen In-Ear-Kopfhörern Outlier Air V2 bringt Creative den Nachfolger der Outlier Air, die unterhalb der Outlier Gold (Test) angesiedelt waren, die ihrerseits bald ein Nachfolgemodell erhalten sollen. Für die Outlier Air V2 setzt Creative nicht nur auf eine neue Qualcomm-Plattform, die die Akkulaufzeit im Vergleich zum Vorgänger deutlich verlängert, sondern auch auf eine neue Touchbedienung, die die Tasten der ersten Generation ablöst. Zudem unterstützt der Nachfolger nun auch Creatives Super-X-Fi-Technologie, die über Algorithmen einen Raumklang erzeugt, ohne dass die Musik hierfür speziell abgemischt worden sein muss.

Die unverbindliche Preisempfehlung der Creative Outlier Air V2 beträgt 69,99 Euro. Hierfür erhält der Käufer neben den Ohrhörern und dem Ladecase ein kurzes USB-A-auf-USB-C-Ladekabel und Silikon-Ohrpassstücke in unterschiedlicher Größe.

Technische Daten der Outlier Air V2

Großes Ladecase aus Aluminium

Beim Ladecase vertraut Creative erneut auf die ausladende Bauweise, die auch bei den Outlier Gold zum Einsatz kommt. Das Ladecase der Outlier Air V2 misst 27,0 × 82,0 × 44,0 mm und wiegt 60 g, womit es in Hosentaschen deutlich aufträgt und meist zu groß ist. In der Länge hat es im Vergleich zu den Outlier Gold zudem noch einmal um rund 4 mm zugelegt. Zum Vergleich: Das Ladecase der Apple AirPods misst nur 53,5 × 44,3 × 21,3 mm und das der AirPods Pro 45,2 × 60,6 × 21,7 mm. An der Verarbeitung des aus Aluminium gefertigten Ladecases gibt es allerdings nichts zu kritisieren, zumal Creative die Ladekontakte im Vergleich zu den Outlier Gold überarbeitet hat, so dass diese besser Kontakt mit den Ohrhörern bekommen. Um die Ohrhörer aus dem Ladecase zu entnehmen, wird dieses aufgeschoben und nicht wie sonst üblich aufgeklappt. Seitlich am Ladecase sind neben dem USB-C-Anschluss drei LEDs verbaut, die den Ladezustand der Ohrhörer und des Ladecases anzeigen.

Bis zu 12 Stunden mit einer Akkuladung

Während die erste Generation bis zu 10 Stunden Akkulaufzeit mit einer Ladung und bis zu 30 Stunden Gesamtlaufzeit versprochen hat, liegt diese laut Creative bei der zweiten Generation durch neue Chipsätze bei bis zu 12 Stunden mit einer Akkuladung und bis zu 34 Stunden in Verbindung mit dem Ladecase, das einen Akku mit 450 mAh beherbergt. In den Ohrhörern ist jeweils ein Akku mit 80 mAh verbaut. Technisch entspricht dies somit den Creative Outlier Gold. An die 14 Stunden der genannten Geschwister kommen die Air V2 somit nicht ganz heran. In der Praxis werden bei mittlerer Lautstärke und bunt gemischter Musik 11:50 Stunden erreicht. Das Aufladen der Ohrhörer im Ladecase dauert rund 2,5 Stunden, eine Schnellladefunktion bieten die Air V2 nicht.

Creative Outlier Air V2
Creative Outlier Air V2
Creative Outlier Air V2
Creative Outlier Air V2

IPX5 gegen Regen und Schweiß

Mit rund 6 g je Ohrhörer liegt das Gewicht dieser im normalen Bereich aktueller kabelloser In-Ear-Kopfhörer. Wie die erste Generation und wie auch die Outlier Gold sind die Outlier Air V2 erneut IPX5-zertifiziert, so dass sie auch bei Regen oder bei schweißtreibendem Sport getragen werden können, ohne Schaden zu nehmen.

Creative Technology Outlier Air V2 Creative Technology Outlier Gold Audio-Technica ATH-CK3TW Aukey EP-N5
Bluetooth-Standard: 5.0
Audio-Codecs: SBC, AAC, aptX SBC, aptX SBC, AAC
Bedienung: Touch Tasten Touch
Akkulaufzeit der Ohrhörer: 12,0 h 14,0 h 6,0 h 7,0/4,5 (ANC) h
Akkulaufzeit mit Ladecase: 34 h 39 h 30 h 35 h
Wireless-Charging:
ANC: Ja
Einzelnutzung: Ja
IP-Zertifizierung: IPX5 Keine IPX5
Gewicht je Ohrhörer / nur Ladecase: 6,0/60,0 g 6,0/54,0 g 4,7/50,0 g 5,0/38,0 g
USB-Ladeanschluss: USB-C
Abmessungen Ladecase: 27,0 × 82,0 × 44,0 mm 27,0 × 78,0 × 44,0 mm 58,0 × 53,5 × 32,7 mm 53,8 × 62,1 × 25,4 mm
Preis: 69,99 € ab 88 € ab 88 € 59,99 €

AAC und aptX, kein Multi-Connect

Für die Funkübertragung setzt Creative auf Bluetooth 5.0 und unterstützt neben SBC auch AAC und aptX. Bluetooth-Multi-Connect wird aber nicht unterstützt, so dass immer nur ein Endgerät mit den Ohrhörern verbunden sein kann. Soll ein zweites Endgerät verbunden werden, muss zudem zunächst die aktive Verbindung getrennt werden, damit sich dieses mit den Ohrhörern verbinden kann.

Bei den Treibern setzt Creative erneut auf 5,6 mm große Neodymium-Treiber, die einen Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz bieten. Für die Telefonie und zur Steuerung des Sprachassistenten des Smartphones verbaut der Hersteller zwei omnidirektionale Mikrofone, die einen Frequenzgang von 100 bis 10.000 Hz bieten. Die Qualcomm-Basis liefert Qualcomms cVc 8.0 für die Filterung der Hintergrundgeräusche beim Telefonieren.

Einzelnutzung mit Unterbrechung

Die Ohrhörer der Creative Outlier Air V2 können einzeln genutzt werden, da jedes Exemplar eine eigene Verbindung zum Smartphone aufbauen kann. Allerdings ist der Wechsel nicht in jede Richtung unterbrechungsfrei, da sich in der Praxis immer nur ein Ohrhörer mit dem Smartphone verbindet. Sofern der andere Ohrhörer alleine genutzt werden soll, verbindet sich dieser deshalb beim Wechsel auf den Mono-Betrieb zunächst mit dem Smartphone und setzt dann die Wiedergabe fort.

Gute Touchsteuerung ohne Fehleingaben

Der Wechsel von Tasten zu Touch geht bei den Creative Outlier Air V2 nicht mit steigenden Fehleingaben einher, da Creative das einfache Berühren der Touchflächen ohne Funktion gelassen hat. Für das Starten und Pausieren der Wiedergabe müssen die Touchflächen zwei Mal angetippt werden. Auf dem rechten Ohrhörer kann einen Track vorgesprungen werden, indem er drei Mal angetippt wird, auf dem linken so einen Track zurück. Wird die Fläche rechts gehalten, erhöht dies die Lautstärke, links wird sie reduziert.

Der Sprachassistent des Smartphones lässt sich nur aufrufen, wenn gerade keine Musik wiedergegeben wird, da diese Funktion ebenfalls auf dreimaliges Tippen eines der beiden Ohrhörer gelegt ist. Anrufe werden durch zweimaliges Tippen angenommen und beendet. Um sie abzuweisen, muss ein Ohrhörer rund 3 Sekunden lang gedrückt werden.

Eine Anpassung der Bedienung ist mangels App nicht möglich. Sofern nur ein Ohrhörer genutzt wird, stehen nur die Funktionen dieses Exemplars zur Verfügung.

Keine automatische Pause, kein Transparenzmodus

Eine Funktion zum automatischen Pausieren der Wiedergabe, wenn ein Ohrhörer aus dem Ohr genommen wird, und zum automatischen Fortsetzen der Wiedergabe, wenn der Ohrhörer wieder ins Ohr eingesetzt wird, bieten die Creative Outlier Air V2 nicht. Auch ein Transparenzmodus, mit dem man etwa beim Joggen im Straßenverkehr die Umgebung wahrnehmen kann, fehlt den kabellosen In-Ear-Kopfhörern.

Eine App nur für Super X-Fi

Eine optionale App, mit der Anpassungen an Steuerung oder Klang der Air V2 vorgenommen werden können, bietet Creative nicht an. So können auch keine Firmware-Updates eingespielt werden. Da die Outlier Air V2 aber Super X-Fi für simulierten 3D-Raumklang unterstützen, wird die Super-X-Fi-App unterstützt. Nach Registrierung und Einrichtung kann über diese der Raumklang aktiviert werden. Hierfür werden vom Gesicht und Ohr des Anwenders vor der Nutzung mit dem Smartphone Fotos gemacht, die in einem Kartographierungsprozess mit einem Algorithmus den gewünschten räumlichen Klang an jeden Nutzer und seine persönlichen körperlichen Eigenschaften individuell anpassen. Der sofort hörbare Effekt ist je nach Musikrichtung und persönlichen Vorlieben zu bewerten, kann jedoch den direkt ins Ohr gesetzten Klang der Ohrhörer deutlich räumlicher erscheinen lassen.

In der Praxis ist das größte Manko allerdings, dass Super X-Fi nur für lokal auf dem Gerät gespeicherte Musik oder Musikdienste, die eine offene, lokale Speicherung erlauben, genutzt werden kann. Dies trifft auf Streamingdienste wie Spotify, Tidal, YouTube und Netflix beispielsweise aber nicht zu, so dass der Nutzen in der Praxis sehr eingeschränkt ist, wenn man einen Musik-Streamingdienst und keine lokale Musikbibliothek nutzt.

Fester Halt mit leichtem Druck

Die Creative Outlier Air V2 sitzen sicher und fest im Ohr, was für ein leichtes Druckgefühl sorgt. Die passive Isolierung ist hoch, bei aktiver Musikwiedergabe kann die Umgebung nicht mehr wahrgenommen werden. Die im Test der Outlier Gold festgestellte deutliche Übertragung der Körpergeräusche über die Ohrhörer fällt bei den Outlier Air V2 geringer aus.

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