Turtle Beach Stealth 600 G2 im Test: Stabiles Funk-Headset für 100 Euro

Michael Schäfer
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Turtle Beach Stealth 600 G2 im Test: Stabiles Funk-Headset für 100 Euro

tl;dr: Mit dem Stealth 600 der zweiten Generation will Turtle Beach mit einem UVP von unter 100 Euro einen günstigen Einstieg in die Welt der Funk-Headsets bieten, erkauft sich den Preis aber mit Kompromissen bei der Materialwahl, dem Klang und vor allem der Mikrofonqualität.

Design und Verarbeitung

Optisch hat sich beim neuen Headset von Turtle Beach gegenüber dem Vorgänger nicht viel verändert. Bügel und Ohrmuscheln sind etwas anders geformt und erscheinen wuchtiger, lassen aber die Zugehörigkeit zur Geräte-Serie nicht verkennen. So ist auch der neue Vertreter vollkommen in Schwarz gehüllt, lediglich an den Ohrmuscheln setzen auch in der neuen Version blaue Streifen Akzente. Deren glänzendes Äußeres hebt sich derart von der ansonsten matten Gestaltung des Headsets ab, dass die Verzierungen in ihrer Art und Gestaltung auch für eine Schutzfolie gehalten werden können.

Kunststoff ist bei der zweiten Generation des Stealth 600 ebenso erneut das vorherrschende Material, Metall wird vergebens gesucht. Es darf davon ausgegangen werden, dass nur so der UVP von rund 100 Euro für das Funk-Headset möglich ist. Nicht das Material als solches, sondern in erster Linie die Werkzeugkosten in der Fertigung machen hier einen großen Unterschied.

Trotz Kunststoff sehr stabil: Die Gelenke des neuen Stealth 600
Trotz Kunststoff sehr stabil: Die Gelenke des neuen Stealth 600

Die Materialwahl sollte jedoch keine voreiligen Schlüsse in Richtung Verarbeitung ziehen lassen, denn diese fällt beim neuen Stealth 600 gut aus. An dem Headset klappert nichts, lediglich der Bügel ist etwas locker. Der Sitz ist straff, aber bequem. Durch die Drehgelenke mit einem Winkel von 90 Grad passen sich die Ohrmuscheln optimal der jeweiligen Kopfform an. Schnelle und plötzliche Bewegungen können das Headset nicht aus der Ruhe bringen, es verweilt selbst dabei sicher auf dem Kopf. Darüber hinaus haben die Entwickler die zur Verbindung der beiden Treiber immer noch notwendigen Kabel in die Drehgelenke gelegt, wo sie vor Beschädigungen beim Transport gut geschützt sind.

Turtle Beach Stealth 600 Gen 2 SteelSeries Arctis 1 Wireless HyperX Cloud Flight S Cooler Master MH-670
Bauform: Over Ear, geschlossen
Treiber: Neodymium, 50 mm Neodymium, 40 mm Neodymium, 50 mm
Anschlüsse: Kabel am Headset abnehmbar 3,5 mm Klinke, Per USB C an Mobilgeräten nutzbar, Kabel am Headset abnehmbar Kabel am Headset abnehmbar 3,5 mm Klinke, Kabel am Headset abnehmbar
Drahtlose Verbindungen: Funk
Frequenzbereich Kopfhörer: Funk: 20 Hz – 20.000 Hz Klinke: 20 Hz – 20.000 Hz
Funk: 20 Hz – 20.000 Hz
Klinke: 10 Hz – 20.000 Hz
Funk: 10 Hz – 20.000 Hz
Klinke: 15 Hz – 25.000 Hz
Funk: 20 Hz – 20.000 Hz
Laufzeit bei drahtloser Verbindung: 15 Std 20 Std 30 Std 24 Std
Entfernung bei drahtloser Verbindung: ? 10 m 20 m 10 m
Drahtloses Laden: Nein Ja Nein
Bedienelemente am Headset: Ja
Kabelfernbedienung: Nein
Integrierte Soundkarte: Ja
Raumklang: Nein Ja
Frequenzbereich Mikrofon: ? Klinke: 100 Hz – 6.500 Hz
Funk: 100 Hz – 6.500 Hz
Klinke: 50 Hz – 18.000 Hz
Funk: 50 Hz – 18.000 Hz
Mikrofon Eigenschaften: hochklappbar, stummschaltbar, justierbar abnehmbar, stummschaltbar, justierbar
RGB-Beleuchtung: Nein Ja Nein
Kühlung:
Vibrationsfunktion: Nein
Gewicht: ? 263 g 320 g 373 g
Preis: ab 80 € ab 105 € ab 145 € ab 103 €

Kleine Ohrmuscheln schmälern den Komfort

Trotz der verbauten 50-mm-Treiber hat Turtle Beach die Möglichkeit ungenutzt gelassen, die Ohrmuscheln der zweiten Generation des Stealth 600 etwas zu vergrößern, damit diese auch größere Ohren umschließen können. Die mit Stoff überzogenen Polster sind dabei fest, aber weich genug für einen guten Tragekomfort und sorgen auch bei längerer Nutzung nicht für schwitzende Ohren.

Das Stealth 600 Gen 2 bietet einige Bedienelemente direkt am Headset
Das Stealth 600 Gen 2 bietet einige Bedienelemente direkt am Headset

Neben dem einklappbaren Mikrofon offeriert das neue Stealth 600 eine Reihe an direkten Bedienelementen direkt am Headset. So kann nicht nur die Lautstärke, sondern auch das Monitoring des eigenen Mikrofons eingestellt werden. Hier hätte Turtle Beach die beiden Drehregler jedoch etwas weiter auseinander oder generell an getrennten Ohrmuscheln positionieren sollen – die Gefahr, im Eifer des Gefechtes den falschen Regler zu erwischen oder diesen zumindest zu berühren, ist nicht unbegründet. Neben den genannten Bedienelementen finden sich auf derselben Seite zudem der Ein-/Ausschalter und der Wahlschalter für die voreingestellten Audio-Profile.

Inhalte nur per Funk übertragbar, dafür akzeptable Laufzeiten

Käufer der PC- beziehungsweise PlayStation-4-Variante erhalten zusätzlich zum Headset einen USB-Sender, der laut Hersteller auch mit der Switch von Nintendo funktionieren soll. Die Xbox-Version benötigt dagegen den Dongle nicht, hier wird das Headset sofort mit der Konsole verbunden. Der nicht im Gehäuse verstaubare Adapter stellt bei der vorliegenden Variante die einzige Verbindungsmöglichkeit zum jeweiligen Quellgerät dar, auf einen analogen Anschluss muss generell verzichtet werden, Bluetooth ist dagegen dem größeren Bruder Stealth 700 vorbehalten. Auch eine Nutzung des Dongles per USB-C-Adapter an mobilen Android-Geräten, wie es unter anderem beim MH670 von Cooler Master (Test) möglich ist, ist nicht vorgesehen.

Der kleine Funksender kann schnell verloren gehen
Der kleine Funksender kann schnell verloren gehen

In Sachen Reichweite liefert das Stealth 600 Gen 2 eher durchschnittliche Werte. Auf freier Strecke ist eine Entfernung von 12 bis 13 m kein Problem. Liegt aber bereits eine normale Wand zwischen Sender und Empfänger, machen sich schon nach 5 bis 6 m erste Aussetzer bemerkbar. Bricht das Signal vollends ab, braucht das Headset ein paar längere Sekunden, um wieder eine Verbindung herzustellen und die Wiedergabe fortzuführen. Störende Latenzen sind während des Tests nicht aufgetreten.

Mit kleinem Akku hinter der Konkurrenz zurück

Der unten angebrachte USB-C-Stecker dient lediglich zum Laden des nicht wechselbaren Akkus. Dessen Kapazität fällt mit gerade einmal 900 mAh nicht gerade üppig aus, aber auch der große Bruder bringt mit 1.000 mAh nur wenig mehr auf die Waage. Zum Vergleich: Cooler Master spendiert dem MH670 einen Akku von 1.500 mAh, der mit vom Hersteller angegebenen 24 Stunden und im Test gemessenen 20 Stunden auch die höhere Laufzeit bietet.

Blaue Zierstreifen, keine Schutzfolie
Blaue Zierstreifen, keine Schutzfolie

Laut Turtle Beach soll der Akku des Stealth 600 Gen 2 dagegen lediglich rund 15 Stunden Energie liefern. Diese Werte sind aber wie gewohnt nicht nur von der Qualität der Funkverbindung, sondern auch von der Art der eingespeisten Inhalte und der Lautstärke abhängig. Im Test lag das Headset bei mittlerer Lautstärke knapp unter der vom Hersteller angegebenen Zeit, bei anderen Szenarien könnte die Laufzeit etwas länger werden. Sollte einmal vergessen worden sein, den Akku zu laden, und der Energievorrat während einer Spiel-Session zur Neige gehen, kann das Headset im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern während des Auffüllvorganges weiter genutzt werden und wird somit quasi kabelgebunden.

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