ArchLabs 2020: Linux pur ohne Desktop und Dekorationen

Sven Bauduin
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ArchLabs 2020: Linux pur ohne Desktop und Dekorationen
Bild: ArchLabs

Die aktuelle Linux-Distribution ArchLabs 2020 (ISO) basiert auf Arch Linux und verspricht mit seinem leichten Fenstermanager Openbox das pure Linux ganz ohne einen aufgeblähten Desktop und überflüssige Dekorationen. Als Rolling Release konzipiert, folgt ArchLabs dem KISS-Prinzip der möglichst einfachen Lösungen: Linux.

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Eleganz braucht keinen Desktop

Inspiriert von den minimalistischen Vorbildern CrunchBang Linux und BunsenLabs, zweier Debian-Derivate, die sich ebenfalls auf das Wesentliche konzentrieren, haben die Entwickler hinter dem erstmals 2017 erschienenen ArchLabs ein freies Betriebssystem geschaffen, das ganz ohne schweren Desktop auskommt und dennoch schick ist.

Der unter GPL-Lizenz für freie Software stehende Fenstermanager Openbox 3.6.1 ist ursprünglich aus dem Quellcode von Blackbox 0.65.0 hervorgegangen, basiert aber seit Version 3 auf einem eigenständigen Code. Dennoch lehnt sich Openbox optisch weiterhin an seinen Urahnen an, so beinhaltet die Umgebung weder Paneele noch einen eigenständigen Dateimanager.

Das seit Anfang dieses Jahres standardmäßige Dark-Theme verleiht der Arbeitsumgebung von ArchLabs ein elegantes und stimmiges Aussehen und schont gleichzeitig die Ressourcen des Systems – was sich deutlich bemerkbar macht.

Nach der Erstinstallation beansprucht die Linux-Distribution im Leerlauf lediglich 250 bis 300 MB Arbeitsspeicher für sich und Bootzeiten von 6 bis 8 Sekunden auf modernen Systemen sind durchaus Argumente für ein solches Leichtgewicht als Arbeitstier.

ArchLabs mit dem Fenstermanager Openbox v3.6.1 nach der Installation
ArchLabs mit dem Fenstermanager Openbox v3.6.1 nach der Installation (Bild: ArchLabs)

Durch einen Klick auf die rechte Maustaste öffnet sich ein Auswahlmenü, ähnlich dem, das die meisten Desktopumgebungen beim Klick auf die Taskleiste zu Verfügung stellen, mit dessen Hilfe Openbox die nach Gruppen sortierten Programme starten und das Betriebssystem neu starten oder herunterfahren kann.

Zudem lassen sich mit Shell-Skripten und den sogenannten Pipe-Menüs dynamische Menüs erstellen, die erst zur Laufzeit generiert werden. Durchaus ungewöhnlich ist die Konfiguration des Fenstermanagers durch XML-Dateien.

Rolling Release mit aktueller Software

Ganz dem populären Vorbild Arch Linux folgend, verfügt auch ArchLabs über dessen bekannten Paketmanager Pacman und dessen interaktives Bash-Frontend Pacli, das die Funktionen durch die Eingabe von Zahlen umsetzt.

Damit erhalten Anwender Zugang zu den aktuellsten Softwarepaketen wie den bekannten Browsern Firefox 82.0.2 und Chromium 86.0.4, den Mail-Client Thunderbird 78.4.0 sowie die freie Office-Suite LibreOffice 7.0.3.

Wer in den Genuss solcher Software kommen möchte, muss diese allerdings händisch installieren, denn das gerade einmal 790 MB große Systemabbild von ArchLabs wird erst einmal als Minimalinstallation eingerichtet, weshalb Benutzer sich das Betriebssystem im Anschluss nach dem DIY-Prinzip vollständig selber konfigurieren müssen.

Nach der Installation können weitere Fenstermanager installiert werden: Awesome 4.3 und das vom ebenfalls spartanischen ArchBang Linux favorisierte i3 in der Version 4.18.3 sowie die vollwertige Desktop-Umgebung Xfce 4.14 stehen zur Auswahl.

Für fortgeschrittene Anwender

Die eigentliche Installation des Betriebssystems erfolgt über den puristischen AL-Installer auf der Kommandozeile und zudem mit englischem Tastaturlayout. ArchLabs adressiert damit eher fortgeschrittene Anwender und eignet sich nur bedingt für Linux-Einsteiger. Hierzu bieten sich das flexible und einfacher einzurichtende EndeavourOS aus den Niederlanden oder das belgische ArcoLinux von Erik Dubois deutlich besser an.

Für Anwender, die sich bereits etwas ausführlicher mit Arch Linux beschäftigt haben und den Aufwand nicht scheuen, kann ArchLabs aber durchaus eine interessante Alternative sein. Mit einem entsprechenden Tool wie Ventoy oder Rufus lässt sich das Live-ISO unkompliziert auf einen USB-Datenträger schreiben und ohne Risiko testen.

Wie die Installation des Lightweight-Linux per AL-Installer funktioniert, demonstriert der auf Linux-Distributionen spezialisierte YouTube-Kanal Primal Penguin im folgenden Video. Bei Fragen hilft das ArchLabs-Forum, in dem auch die Macher aktiv sind.