Datenschutz: Facebook soll Kartellklage gegen Apple anstreben

Michael Schäfer
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Datenschutz: Facebook soll Kartellklage gegen Apple anstreben
Bild: mkhmarketing | CC BY 2.0

Die aufgrund der neuen Datenschutzbedingungen aufgetretene Auseinandersetzung zwischen Apple und Facebook geht in die nächste Runde: Informationen zufolge soll das Soziale Netzwerk eine Kartellklage gegen den iOS-Entwickler in Erwägung ziehen. Kritik an der Gangart kommt vor allem aus eigenen Reihen.

Facebook soll dabei als vordersten Grund den Missbrauch der eigenen Marktmacht durch Apple anführen, wie „The Information“ unter Berufung auf informierte Personen aktuell berichtet. Durch die neuen Regeln zum Datenschutz würde es Apple anderen Unternehmen deutlich schwieriger machen, ihr Werbegeschäft zu betreiben, so Facebook.

Welt für Werbende bis iOS 13 noch in Ordnung

Noch bis zu iOS 13 hat Apple Apps den freien Zugriff auf den Identifier for Advertising (IDFA) gewährt, welcher eine dem jeweiligen Mobilgerät eindeutige zugeteilte Werbe-ID darstellt und die von den Nutzern, ähnlich wie bei Android, auf Wunsch deaktiviert werden kann. Die für Anfang dieses Jahres angesetzte neue Schutzfunktionen „App Tracking Transparency“ geht jedoch den genau umgekehrten Weg und sieht vor, dass Nutzer per Opt-in explizit ihre Einwilligung zu einem Tracking durch Apps erteilen müssen. Neben Facebook gehen auch Entwickler davon aus, dass rund zwei Drittel der Nutzer diese Erlaubnis nicht erteilen werden und dadurch erhebliche Einbußen aus Werbeeinnahmen zu erwarten sind – Facebook spricht sogar von einer Halbierung.

Bevorzugung eigener Dienste

Da der iPhone-Hersteller jedoch dem Vorwurf nach das Vorgehen auf seine Dienste zuschneiden und diese dadurch bevorzugen könnte, sieht Facebook es als schwierig an, in Zukunft mit Apples Diensten konkurrieren zu können. Ebenso stört sich das Portal an die neuen Vorgaben rund um In-App-Käufe.

Wenig Rückhalt in eigenen Reihen

Laut den Informationen soll die Klage jedoch keine spontan getroffene Reaktion darstellen, sondern sich bereits seit mehreren Monaten mit juristischer Unterstützung in der Planung befunden haben. Doch auch wenn Facebook dem Anschein nach an der Auseinandersetzung festzuhalten scheint, wächst intern der Widerstand gegen das Vorhaben. So soll das Soziale Netzwerk Mitarbeitern zufolge nicht unbedingt das beste Opfer abgeben, da es sowohl in der Vergangenheit wie auch aktuell selbst einige juristische Streitigkeiten sowie Datenschutzskandale aufzuweisen hat.

Neuer größter Konkurrent

Gleichzeitig scheint Facebook weiter auf Konfrontation zu setzen, in dem es Apple „verstärkt als einen der größten Konkurrenten “ ansieht. Vor Finanzanalysten gab CEO Mark Zuckerberg an, dass Apple jeden Anreiz habe, durch seine Position „in die Arbeitsweise unserer und anderer Apps einzugreifen“. In der jüngsten Vergangenheit hatte Facebook deswegen versucht, auch öffentlich den Druck auf Apple zu erhöhen, in dem es in Zeitungen Anzeigen schaltete, um auf die unfaire Behandlung und deren Auswirkungen aufmerksam zu machen.

Für Apple ist das Problem dagegen nicht ersichtlich: Gegenüber US-Medien betonte das Unternehmen bereits Mitte Dezember, dass Facebook durch die Einwilligung gar nichts an seinem Modell für gezielte Werbung ändern müsse. Die neue Umsetzung setze lediglich voraus, dass Nutzer die Wahl bezüglich des Trackings besitzen und dieses auf Wunsch auch ablehnen können.