Razer Opus im Test: ANC-THX-Kopfhörer bietet klaren, druckvollen Klang

Frank Hüber
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Razer Opus im Test: ANC-THX-Kopfhörer bietet klaren, druckvollen Klang

Der Razer Opus beweist erneut, dass Razer im Audiobereich ernst zu nehmen ist und eine Alternative zu etablierten Namen darstellt. Mit aktiver Geräuschunterdrückung und THX-Zertifizierung bietet der überraschend schlichte Over-Ear-Kopfhörer einen klaren Klang, dem es nur etwas an Breite fehlt.

Mit dem Opus bringt Razer einen kabellosen ANC-Over-Ear-Kopfhörer, der auch audiophilen Ansprüchen genügen soll. Mit einem THX-Zertifikat ausgestattet, wirbt Razer mit einem unverfälschten Klang und hohem Komfort, weshalb man auch die Zielgruppe der Computer-affinen Nutzer im Sinn hat, die ihn beim Streaming nutzen sollen. Audio-Produkte sind für Razer keine Neuheit mehr. Schon 2006 hat das Unternehmen mit dem Barracuda HP-1 ein Gaming-Headset auf den Markt gebracht und auch die kabellosen In-Ear-Kopfhörer Razer Hammerhead TWS Pro (Test) und Razer Hammerhead TWS (Test) zeigten eine überzeugende Leistung.

Bei der THX-Zertifizierung des Opus legt Razer Wert darauf, dass die eigenen Produkte denselben Anforderungen unterliegen wie alle Produkte anderer Hersteller, die eine THX-Zertifizierung beantragen. Denn Razer hat THX im Jahr 2016 übernommen und setzt verstärkt auf eine Zertifizierung der eigenen Produkte. Für den Opus seien im Zertifizierungsprozess deshalb auch mehrere Anpassungen und der Austausch einzelner Komponenten notwendig gewesen, um den Anforderungen zu entsprechen.

Die unverbindliche Preisempfehlung des Razer Opus liegt bei 209,99 Euro. Nach einer Verzögerung von einem halben Jahr kommt der Over-Ear-Kopfhörer nun langsam in den deutschen Handel. Er ist in den Farben Schwarz und Blau verfügbar. Im Lieferumfang sind neben dem Kopfhörer und einem passenden Reise-Etui ein Flugzeug-Adapter, ein USB-A-auf-USB-C-Ladekabel und ein vierpoliges Klinkenkabel enthalten.

Razer Opus
Razer Opus
Razer Opus
Razer Opus

Die Technik im Razer Opus

40-mm-Treiber und AAC

Die dynamischen Treiber im Razer Opus haben einen Durchmesser von 40 mm – eine Größe, auf die derzeit die meisten Kopfhörer setzen. Der Frequenzgang der Treiber liegt bei den üblichen 20 bis 20.000 Hz. Mit einer Nennimpedanz von 12 Ohm kann er auch an schwächeren Geräten laut werden. Als Audio-Codec kommt neben dem obligatorischen SBC zusätzlich AAC zum Zuge. Ein HD-Codec für die drahtlose Übertragung fehlt dem Razer Opus somit.

Razer hat den Opus in zwei Varianten gefertigt, die sich nicht nur bei den Tasten und deren Platzierung unterschieden, sondern auch bei den Codecs. Das inzwischen aktuelle und in Deutschland verkaufte Modell aus dem Seriennummernbereich INxxx hat kein aptX mehr. Die letztes Jahr zunächst in den USA vertriebene Variante aus dem Seriennummernbereich TIxxx mit einer anderen Bedienung beherrscht neben SBC und AAC hingegen auch aptX. Razer vertreibt nun aber nur noch das neue Modell, bei dem alle Tasten an der rechten Ohrmuschel platziert sind und das diesem Test zugrundeliegt.

Für die Funkübertragung setzt Razer bei der angepassten Version auf Bluetooth 5.0 statt 4.2. Alternativ kann der Opus aber auch über ein 3,5-mm-Klinkenkabel mit analogen Signalen genutzt werden. Ist der Kopfhörer eingeschaltet und per Kabel verbunden, kann auch weiterhin ANC genutzt werden. Mit einem Gewicht von 265 g gehört der Opus zu den angenehm leichteren Vertretern im Testfeld, wobei Sony WH-1000XM3 (Test) und WH-1000XM4 (Test) etwas leichter sind.

Kein Bluetooth Multi-Connect

„Bluetooth Multi-Connect“, bei dem zwei Bluetooth-Endgeräte gleichzeitig mit dem Kopfhörer verbunden werden können, um nahtlos die Wiedergabequelle wechseln zu können, ohne zunächst eine Verbindung trennen und eine zweite initiieren zu müssen, unterstützt der Razer Opus nicht.

Hybrides ANC mit vier Mikrofonen

Der Razer Opus nutzt eine Advanced-Hybrid-ANC-Technologie, um Geräusche von außen zusätzlich zur passiven Isolierung durch die Ohrmuscheln abzuschirmen. Dabei werden sowohl nach innen als auch nach außen gerichtete Mikrofone eingesetzt, um das Gegensignal optimal anzupassen. Insgesamt vier Mikrofone kommen für das ANC beim Razer Opus zum Einsatz. Zwei weitere Mikrofone dienen der Sprachübertragung etwa bei Anrufen.

Darüber hinaus bietet Razer einen Transparenzmodus, der beim Opus „Quick-Attention-Modus“ genannt wird. Wird der Power-Knopf am Kopfhörer kurz gedrückt, wird zwischen den Modi durchgeschaltet und so auch der Transparenzmodus aktiviert und die Umgebungsgeräusche werden verstärkt ans Ohr des Trägers durchgeleitet.

Bis zu 25 Stunden Akkulaufzeit mit ANC

Die Akkulaufzeit gibt Razer bei vollständig aufgeladenem Akku mit bis zu 25 Stunden an – bei aktiviertem ANC wohlgemerkt. Ohne die aktive Geräuschunterdrückung soll die Akkulaufzeit laut Hersteller bei bis zu 32 Stunden liegen. Aufgeladen wird der Kopfhörer über USB-C, was mit rund 4 Stunden vergleichsweise lange dauert.

Im Test konnte mit aktiviertem ANC bei mittlerer Lautstärke eine Akkulaufzeit von 29 Stunden erreicht werden. Ein guter Wert, der auch auf langen Flugreisen ein Aufladen überflüssig macht.

Technische Daten des Razer Opus im Vergleich
Razer Opus Anker Soundcore Life Q30 JBL Club One JBL Club 950NC Jabra Evolve2 85 Sony WH-1000XM4 Sony WH-1000XM3 Montblanc MB 01 Sennheiser Momentum 3 Wireless beyerdynamic Amiron wireless copper
Wandlerprinzip dynamisch, 40 mm dynamisch, 40 mm dynamisch, 42 mm Tesla, dynamisch
Bauform Geschlossen
Frequenzgang 20–20.000 Hz ?–40.000 Hz (aktiv) 10–40.000 Hz (passiv), 20–20.000 Hz (aktiv) 16–40.000 Hz (passiv), 16–22.000 Hz (aktiv) 20–20.000 Hz 4–40.000 Hz (Kabel), 20–40.000 Hz (Bluetooth, LDAC) 10–20.000 Hz 6–22.000 Hz 5–40.000 Hz (Kabelbetrieb)
Nennimpedanz 12 Ohm k. A. 32 Ohm k. A. 16 Ohm passiv, 47 Ohm aktiv 32 Ohm 100 Ohm passiv, 470 Ohm aktiv 32 Ohm
Kennschalldruck 105 dB k. A. 95 dB 105 dB k. A. 101 dB (Kabel, passiv), 105 dB (Kabel, aktiv) 101 dB 100 dB 99 dB 100 dB
Klirrfaktor k. A. < 1 % < 0,3 % (1 kHz, 100 dB SPL) < 0,05 % bei 500 Hz
Kabel 3,5-mm-Klinke 2,5-mm-Klinke 3,5-mm-Klinke, 1,2 m 3,5-mm-Klinke, 1,2 m 3,5-mm-Klinke auf USB-C 3,5-mm-Klinke 3,5-mm-Klinke, 4-polig, 1,2 m
Bluetooth 5.0 4.2 5.0 4.2
Unterstützte Codecs SBC, AAC SBC, AAC, LDAC SBC, AAC, aptX, aptX HD, LDAC SBC, aptX Adaptive, AAC SBC, aptX, aptX LL, AAC SBC, aptX, aptX HD, aptX LL, AAC
Akkulaufzeit 25 Stunden (mit ANC), 32 Stunden (ohne ANC) 40 Stunden (mit ANC), 60 Stunden (ohne ANC) 23 Stunden (mit ANC), 45 Stunden (ohne ANC) 22 Stunden (mit ANC), 55 Stunden (ohne ANC) 32 Stunden (mit ANC) 30 Stunden (mit ANC) 20 Stunden (ohne ANC) 17 Stunden (mit ANC) 30 Stunden
Ladezeit 4 Stunden 2 Stunden 2 Stunden 1,5 Stunden 2,5 Stunden 3 Stunden 2 Stunden 3 Stunden 2 Stunden
Akkukapazität k. A. 730 mAh k. A. 730 mAh 330 mAh 1.050 mAh
Ladebuchse USB-C
Gewicht (ohne Kabel) 265 g 263 g 378,5 g 372 g 284 g 251 g 255 g 280 g 306 g 400 g

Steuerung über Tasten mit Auto-Play und -Pause

Zeigten die Bilder des Opus zur Ankündigung im Mai 2020 noch Bedienelemente an beiden Ohrmuscheln, hat Razer diese nun wie bereits erwähnt zusammen mit dem USB-C-Anschluss und dem Klinkeneingang an der rechten Ohrmuschel vereint und reduziert. Nach hinten sind die Tasten für lauter und leiser sowie ein in der Mitte platzierter, etwas eingelassener Multifunktionsknopf gewandert. Dieser dient beim einfachen Drücken zum Starten und Pausieren der Wiedergabe, zum Annehmen von Anrufen und zum Beenden aktueller Anrufe. Wird er zwei Sekunden gedrückt gehalten, wird hingegen der Sprachassistent des Smartphones aufgerufen oder ein eingehender Anruf abgelehnt. Zweifaches Drücken springt einen Track vor, dreifaches Drücken einen Track zurück.

Gaming-Mode für niedrige Latenzen

Wird der Multifunktionsknopf fünf Sekunden lang gedrückt, wird der Gaming-Mode aktiviert, der eine kürzere Latenz bieten soll. Razer empfiehlt, den Abstand zwischen Opus und Wiedergabegerät bei maximal 60 cm zu halten, um eine störungsfreie Wiedergabe zu gewährleisten.

Nach unten ausgeführt sind der Ein-/Ausschalter und der Klinkeneingang. Leicht nach vorne ist der USB-C-Anschluss verbaut, vor dem schräg nach vorne gerichtet das Mikrofon sitzt.

ANC wird über die Power-Taste gesteuert

Über die Power-Taste wird der Razer Opus nicht nur ein- und ausgeschaltet, denn sie dient bei Modellen mit einer Seriennummer beginnend mit INxxx auch zur Steuerung des ANCs. Durch kurzes Drücken der Power-Taste wird durch die drei Modi „ANC an“, „Transparenzmodus“ und „ANC aus“ geschaltet. Eine Ansage verdeutlicht das jeweils akustisch.

Eine eigene ANC-Taste bietet das neue Modell nicht mehr. Zuvor wurde diese Taste für das Aktivieren der aktiven Geräuschunterdrückung und des Quick-Attention-Modus genutzt. Dieser wurde aktiviert, indem die Taste gedrückt gehalten wurde – also nicht dauerhaft. Beim getesteten Modell wird der Transparenzmodus hingegen dauerhaft aktiviert.

Die Steuerung reagiert im Alltag zuverlässig und schnell. Die Tasten weisen klare Druckpunkte auf und ihre Abgrenzung ist durch die vertiefte mittlere Taste gut zu erfühlen, so dass man nach wenigen Versuchen sicher die einzelnen Tasten trifft.

Wiedergabe stoppt beim Absetzen

Darüber hinaus bietet der Razer Opus eine Auto-Pause- und Auto-Play-Funktion, die dafür sorgen, dass die Musikwiedergabe automatisch pausiert wird, wenn der Kopfhörer abgenommen oder in den Nacken gelegt wird, und fortgesetzt wird, wenn man den Kopfhörer wieder aufsetzt. Über die App können diese Funktionen auf Wunsch deaktiviert werden. In der Praxis funktioniert das Fortsetzen schneller als das Pausieren, aber Auto-Play und Auto-Pause wurden im Test zuverlässig umgesetzt. Ungewollt wurde die Musik auch bei Bewegung nicht pausiert.

Eigene Razer-Opus-App

Über eine App von Razer lassen sich Equalizer-Presets laden, Einstellungen anpassen, die Akkukapazität einsehen und Firmware-Updates einspielen. Als Equalizer-Presets stehen dabei „THX“, „Verstärkt“, „Gesang“, „Verbesserter Bass“ und „Klarer“ („Enhanced Clarity“) zur Wahl. Bei den Einstellungen kann neben dem Deaktivieren der Auto-Pause-/Resume-Funktion auch eingestellt werden, ob und nach welcher Zeit der Kopfhörer sich ohne Musikwiedergabe automatisch ausschalten soll.

Razer-Opus-App

Die Möglichkeiten in der App sind somit begrenzt. Neben einer Anpassung der Intensität für den Transparenzmodus und das ANC fehlt die Möglichkeit, einen oder mehrere eigene Equalizer-Presets zu erstellen und zu speichern oder vorhandene Presets anzupassen.

Verarbeitung und Tragekomfort

Der Opus tritt für Razers Verhältnisse vergleichsweise schlicht in Erscheinung. Die Ohrmuscheln ziert nur das THX-Logo, der Razer-Schriftzug ist in Silber an beiden Seiten des Kopfbandes eingraviert. Das typische Grün und die dreiköpfige Schlange sucht man hingegen vergebens. So erweist sich das Modell als uneingeschränkt alltagstauglich.

Als Material überwiegt Kunststoff, was der Verarbeitung und dem hochwertigen Eindruck aber nicht abträglich ist. An wichtigen Stellen wie im Inneren des Kopfbandes und der Gelenke kommt zudem Metall zum Einsatz. Die Ohrpolster und das Kopfband sind mit Kunstleder überzogen und sehr weich ausgeführt. Nach längerem Tragen wird es unter den dicht abschließenden Ohrpolstern allerdings warm und man schwitzt leicht.

Die Ohrpolster lassen sich an den Gelenken nach innen klappen, um den Kopfhörer für unterwegs klein zu verstauen. Zudem können sie um 90 Grad nach hinten gedreht werden, etwa wenn der Kopfhörer um den Hals gelegt und die Ohrmuscheln vor dem Körper getragen werden. So liegen sie mit der Innenseite zum Körper auf. In die andere Richtung lassen sich die Ohrmuscheln hingegen nur ein paar Grad drehen. Die Ohrmuscheln selbst sind leicht abgewinkelt zum Kopfband positioniert und bilden keine gerade Linie mit diesem. Im Alltag führt dies zu einer angenehmen Position des Kopfbandes auf dem Kopf. Aufgrund seines leichten Gewichts ist der Razer Opus im Alltag sehr angenehm zu tragen. Der Druck auf den Ohren ist dabei nicht zu hoch, aber auch nicht so gering, dass der Kopfhörer nicht fest sitzt. Die Abstimmung ist Razer gut gelungen. Gleiches gilt für die klare und feste Rasterung der Kopfbandeinstellung. Kein zu leichtgängiger Schiebemechanismus, sondern klare Raster, in die das Kopfband auch hörbar einrastet – der Razer Opus hält seine Größeneinstellung problemlos.

Sollten die Ohrpolster verschlissen sein, lassen sie sich gegen neue austauschen, da sie lediglich geclipt sind und mit etwas Fingerspitzengefühl selbst abgenommen und wieder eingesetzt werden können.

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