Smarte WLAN-Kameras im Test: Fazit

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Frank Hüber
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Die drei getesteten Außenkameras verfolgen mitunter einen gänzlich anderen Ansatz. Während die Yale Wi-Fi Außenkamera Pro dauerhaft verkabelt mit lokaler Speicherung der Aufnahmen auf einer microSD-Karte in erster Linie eine klassische Sicherheitskamera darstellt, die kein Zwei-Wege-Audio und kein LED-Flutlicht bietet, verfügen die Arlo Pro 4 und die Reolink Argus 3 Pro nicht nur über die genannten Features, sondern sind mit einem Akku auch flexibler einsetzbar. Während Arlo auf ein Abonnement mit zusätzlichen Funktionen und einer Speicherung in der Cloud setzt, die nur durch zusätzliche Hardware auch lokal ermöglicht werden kann, kommt bei Reolink eine lokale Speicherung mit microSD-Karte zum Einsatz.

Bei den Möglichkeiten, Videos auf Netzwerkspeichern oder Clouds von Drittanbietern hochzuladen, enttäuschen alle drei Modelle, denn sie ermöglichen dies nicht. Ob man auf eine Cloud setzen oder Aufnahmen auf keinen Fall auf fremden Servern speichern möchte, darüber entbrennen immer wieder hitzige Diskussionen. Unstrittig ist, dass man auf Aufnahmen in der Cloud auch dann noch zugreifen kann, wenn die Kamera entwendet wird. Werden die Modelle von Yale oder Reolink zerstört oder geklaut, sind auch alle Aufnahmen nutzlos. Eine Montage an einem möglichst unerreichbaren Ort unter Beachtung des Datenschutzes ist somit Pflicht.

Bei der Videoqualität überzeugen hingegen alle Modelle, wobei die Arlo Pro 4 mit dem einstellbaren Sichtfeld am flexibelsten ist und das Sichtfeld der Yale Wi-Fi Außenkamera Pro deutlich enger ausfällt als bei den Konkurrenten. Dafür wird dank der ständigen Stromversorgung die Aufnahme schon vor der erkannten Bewegung aufgezeichnet, während die Arlo Pro 4 zügiger mit der Erkennung ist als Reolink, die als letzte mit der Videoaufzeichnung startet. Die Akkulaufzeit der beiden drahtlosen Modelle ist gut, wenn man sich die Zeit nimmt, die Systeme so zu konfigurieren, dass ungewollte Aufnahmen bei Wind oder häufigem Sonne-Wolken-Wechsel weitgehend vermieden werden. Das ebenfalls zum Test zur Verfügung stehende Solarpanel von Reolink, das auch bei Arlo als Zubehör verfügbar ist, erweist sich jedoch als bequeme und nützliche Erweiterung, die Käufer in jedem Fall in Betracht ziehen sollten.

Aufnahmen auf das Smartphone herunterzuladen oder über Apps zu teilen, ist bei Arlo am einfachsten. Bei Yale gibt es zwar eine Schaltfläche zum Herunterladen und Teilen, sie ist aber bei allen Videos auf der microSD-Karte ausgegraut. Die Aufnahme muss in der App noch einmal aufgenommen werden, damit sie als lokale Datei gespeichert und dann geteilt werden kann. Das ist im Alltag umständlich. Ähnlich ist es bei Reolink, wobei hier eine Datei ausgewählt wird, die daraufhin abgespielt wird, damit man sie vor dem Herunterladen zuschneiden kann. Beim eigentlichen Herunterladen im nächsten Schritt darf der Bildschirm dann nicht gesperrt werden.

Während die Arlo Pro 4 mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 249,99 Euro derzeit ab rund 243 Euro (Bestpreis*) erhältlich ist, fällt die Reolink Argus 3 Pro mit 144,99 Euro deutlich günstiger aus. Die Yale Wi-Fi Außenkamera Pro kostet hingegen offiziell 139,99 Euro und ist im Handel derzeit für rund 128 Euro (Bestpreis*) erhältlich.

Die Reolink Argus 3 Pro bietet somit die beste Mischung aus Preis und Funktionen, wenn man eine lokale Speicherung favorisiert und Daten nicht auf einem entfernten Server gespeichert haben möchte. Die microSD-Karte muss jedoch wie bei der Yale Wi-Fi Außenkamera Pro zusätzlich erworben werden. Wichtiger als bei den beiden anderen Modellen ist bei der Reolink Argus 3 Pro eine schnelle WLAN-Anbindung, denn die App reagiert mitunter etwas träge und die Verbindung schlägt mitunter fehl. Zudem ist nicht vorgesehen, dass der Nutzer den Akku alleine auswechselt, wenn er defekt ist. Wer sich um die Akkulaufzeit keine Gedanken machen möchte, sollte das preislich attraktive Solarpanel kaufen.

Yales Konzept hat noch Potenzial

Die Yale Wi-Fi Außenkamera Pro verrichtet ihren Dienst im Testzeitraum von über 2 Monaten ohne Probleme und Aussetzer, bietet aber die wenigsten Funktionen im Testfeld und muss zwingend mit Strom versorgt werden. Das Metallgehäuse kann sich hingegen positiv von der Kunststoff-Konkurrenz absetzen. Dies erwies sich auch im Test als Herausforderung, da zwar die Kamera, nicht jedoch die Kabelverbindungen wasserdicht sind. Werden sie nicht direkt durchs Mauerwerk geführt, muss der Nutzer selbst nachhelfen. Wird kein LAN-Kabel genutzt, muss schon dieser Anschluss wenige Zentimeter von der Kamera entfernt selbst abgedichtet werden. An diesem Punkt erscheint das Konzept der Yale-Kamera nicht ganz schlüssig, ebenso wie bei der aktuell noch fehlenden direkten Verbindung zu den Smart-Home-Produkten des Herstellers. Bei Benachrichtigungen wird zudem zunächst in den Livestream und nicht in die Aufnahme gesprungen, da sie mitunter erst etwas verzögert wiedergegeben werden kann.

Arlo bietet am meisten – zum höchsten Preis

Die Arlo Pro 4 ist die teuerste Außenkamera im Testfeld, bietet dafür aber auch die meisten Funktionen und eine stets schnell reagierende App. Mit 24 FPS weist sie obendrein die höchste Bildwiederholrate auf, während Reolink auf 15 und Yale auf 20 FPS setzt. Aber auch Kleinigkeiten wie das Vorschaubild in den Benachrichtigungen und die Möglichkeit, sich in der Benachrichtigung schon eine animierte Vorschau der Bewegung anzusehen, machen dabei den Unterschied. Zudem ist nur bei der Arlo Pro 4 vorgesehen, dass der Akku vom Nutzer selbst getauscht werden kann. Ist er nach mehreren Jahren im Freien unter Umständen defekt, bedeutet das nicht das Aus für die Kamera, sondern der Akku kann einfach gegen einen neuen ausgetauscht werden.

Alle Funktionen und vor allem eine Speicherung der Aufnahmen sind bei Arlo nach einem dreimonatigen, kostenlosen Testzeitraum aber an ein Abonnement mit Kosten von mindestens 2,99 Euro pro Monat gekoppelt. Aufnahmen landen dann auf Wunsch in der Cloud, lokal lassen sie sich nur mit der zusätzlich erhältlichen Basisstation speichern. Wer die europäische Cloud und das Abo scheut, erhält beispielsweise keine Objekterkennung, keine Aktivitätszonen und keine Videoaufzeichnung. Die beste Wahl ist somit nicht nur eine Frage des Geldbeutels, sondern auch der eigenen Auffassung zur sinnvollsten beziehungsweise akzeptablen Datenspeicherung.

Datenschutz und Privatsphäre

Bei allen drei Kameras müssen die lokalen Datenschutzbestimmungen vom Nutzer beachtet werden. Unter anderem ist darauf zu achten, dass keine öffentlichen Bereiche und keine Nachbargrundstücke gefilmt werden. Zudem müssen Personen, die das Grundstück betreten, mit einem gut sichtbaren Hinweis darauf aufmerksam gemacht werden, dass eine Videoüberwachung vorgenommen wird. Details zu den Bestimmungen und Möglichkeiten, diese einzuhalten, hat ComputerBase in den letzten Tests bereits ausführlich dargelegt, weshalb an dieser Stelle noch einmal auf sie verwiesen und explizit aufmerksam gemacht werden soll.

ComputerBase wurden die Pro 4, Argus 3 Pro und Wi-Fi Außenkamera Pro leihweise von Arlo, Reolink und Yale zum Testen zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme der Hersteller auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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