Roccat Kone Pro und Air im Test: Sensorik, Software und Verarbeitung

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Fabian Vecellio del Monego
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Roccat Kone Pro und Kone Pro Air gemein sind der interne ARM-Prozessor und der interne Speicher mit Platz für bis zu fünf Profile. Die kabelgebundene Maus bietet eine maximale USB-Abfragerate von 1.000 Hertz, wobei die minimale theoretische Latenz folglich 1 ms beträgt. Gleiches gilt für die kabellose Kone, sofern sie per 2,4-GHz-Funk angebunden wird. Bei beiden Mäusen ist überdies eine Herabsetzung der Polling-Rate auf 500, 250 oder 125 Hertz möglich – die Verzögerung steigt entsprechend antiproportional auf bis zu 8 ms. Eben jene 8 ms liegen im alternativen Bluetooth-Modus der Kone Pro Air minimal an. Es gilt also weiterhin, für den Einsatz in Spielen nach Möglichkeit 1.000 Hertz und entsprechend 2,4-GHz-Funk zu wählen. Dann bietet die Kone Pro Air eine sehr gute Sensorik – auch kabellos.

Präzise Sensorik dank PixArts PAW-3370

Das wiederum kommt in keinster Weise überraschend. Einerseits boten schon Roccats zuletzt veröffentlichte Kain- und Burst-Mäuse, zumindest in der jeweils teureren Variante auf Basis des PMW-3381, eine erstklassige Sensorik. Andererseits ist der nun verbaute PAW-3370 schon aus einigen Mäusen – beispielsweise Mountains Makalu 67 (Test) oder Endgame Gears XM1R – bekannt, wenngleich der deklarierte Nachfolger noch recht neu ist. Auch Cooler Masters MM730 und MM731 werden auf den energieeffizienteren Neuling setzen. Andersherum gibt es allerdings auch keine spürbaren Vorteile zu älteren High-End-Sensoren: Der PAW-3370 bietet Nutzern letztlich die gleiche Präzision wie der genannte PMW-3381 oder der ältere PMW-3360.

PixArt PMW-3331 PixArt PMW-3360 PixArt PAW-3370 PixArt PMW-3399 Logitech Hero 16K
Sensorik Optisch
Auflösung 100–8.500 CPI 200–12.000 CPI 100–19.000 CPI 100–20.000 CPI 100–16.000 CPI
Geschwindigkeit 7,6 m/s 6,3 m/s 10,2 m/s 16,5 m/s 10,2 m/s
Beschleunigung 343 m/s² 490 m/s² > 392 m/s²
Lift-off-Distance ~ 2,8 mm ~ 1,2 mm ~ 1,5 mm ~ 1 mm

Und ebenso ist im Rahmen menschlicher Wahrnehmung kein Unterschied zum exklusiv von Razer genutzten und in Messungen überlegenen PMW-3399 spürbar – Gleiches gilt für Logitechs Hero-Sensor. Die höheren maximalen Sensorauflösungen letztgenannter Sensoren sind derweil völlig unerheblich. Nach wie vor empfiehlt es sich zugunsten der Präzision auf CPI-Werte im Bereich von 400 bis circa 4.000 zu setzen. Vor Glättung oder anderweitiger Software-Verfälschung der Eingaben müssen sich Nutzer der Kone Pro respektive Kone Pro Air indes nicht fürchten, sodass durchaus zu einer höheren Mindestauflösung von 1.200 CPI geraten werden kann.

Folglich bleibt abermals die Erkenntnis, dass die Präzision einer Gaming-Maus im Jahr 2021 zumeist kein kaufentscheidendes Kriterium mehr ist. Einzig erwähnenswert ist die Änderung der minimalen Lift-off-Distance: Der PAW-3370 schneidet bereits beim Anheben um gut 1 mm ab, während ein PMW-3381, der in der kabellosen Kain 200 verwendete PMW-3335 und viele weitere Sensoren in der Regel erst bei 1,5 bis 2 mm aufhören, die Bewegungen zu messen. Insofern ist es zu begrüßen, dass Roccat diesmal den PAW-3370 für die kabellose – und auch die kabelgebundene – Version gewählt hat: Der neuere Sensor verbraucht ebenso wie der PMW-3335 verhältnismäßig wenig Strom, bietet aber letztlich die angenehmere Erfahrung.

Latenz und Akkulaufzeit der Kone Pro Air

Eine bei kabellosen Gaming-Mäusen nach wie vor häufig aufkommende Sorge ist der Umstand, durch eine unzureichende Signalübertragung per Funk hohe Latenzen oder gar Mauszeiger-Aussetzer zu erhalten, die im Spiel maßgeblich beeinträchtigen können. Glücklicherweise ist diese Befürchtung bei modernen 2,4-GHz-Mäusen nahezu unbegründet, sofern auf 1.000 Hertz zurückgegriffen werden. Und die Kone Pro Air schafft es auch, eben diese Frequenz durchweg zu halten.

Kabellos ist wie kabelgebunden

Die approximierte zusätzliche 2,4-GHz-Funk-Latenz gegenüber der Anbindung per Kabel liegt derweil bei rund 1 bis 2 ms – ein bei High-End-Mäusen üblicher Wert, der in der Praxis selbst empfindlichen Spielern nicht negativ auffallen wird, auch nicht im direkten Vergleich zu kabelgebundenen Pendants. Zwar reagierten einige funkende Razer-Mäuse, die ebenfalls über optomechanische Tasten verfügen, konsistent rund 1 ms früher auf Links- oder Rechtsklicks, doch liegt das abermals außerhalb des menschlichen Wahrnehmungs­spektrums. Lediglich 8.000-Hertz-Mäuse – wie beispeilsweise Razers Viper 8KHz (Test) oder Corsairs Sabre RGB Pro (Test) – bieten einen potentiell spürbaren Vorteil. Dies gilt aber auch im Vergleich mit kabelgebundenen 1.000-Hertz-Modellen.

Hohe Akkulaufzeit – trotz geringen Gewichts

Angesichts der Masse von gerade einmal 73 g erscheint die Akkulaufzeit der Kone Pro Air durchaus erstaunlich: Mit 1.000 Hertz per 2,4-GHz-Funk und bei deaktivierter Beleuchtung erreicht die Maus rund 100 Stunden Laufzeit. Zum Vergleich: Die 88 g schwere DeathAdder V2 Pro kommt bei gleicher Konfiguration auf rund 70 Stunden – der energieeffiziente PMW-3370 erweist sich folglich erneut als exzellente Wahl. Bei aktivierter RGB-Beleuchtung sinkt der Wert, allerdings je nach Effekt und Helligkeit der LEDs. So beläuft sich die Laufzeit bei klassischem „Atmung“-Effekt und 70 Prozent Helligkeit noch auf gut 60 Stunden.

Andersherum steigt der Wert bei Reduktion der USB-Abfragerate oder aber beim Wechsel auf Bluetooth-Funk – angesichts der ohnehin hohen Laufzeit sollte darauf allerdings nur in Notsituationen zurückgegriffen werden. Aber apropos Notsituation: Entgegen der Erwartung, lange vor der vollständigen Entladung des Akkus gewarnt zu werden, ging die Kone Pro Air ohne jegliche Vorwarnung plötzlich aus. Sofern die Beleuchtung der Maus nicht bewusst zur Indikation des Ladestands konfiguriert wurde, blinkt sie nämlich nicht – wie von anderen Mäusen gewohnt – rot, sobald beispielsweise 20 oder 10 Prozent erreicht werden.

Auf diesen Sachverhalt angesprochen, gab Roccat zu verstehen, dass eine solche Funktion „in der Zukunft ebenfalls eine Standardeinstellung sein wird, die nicht vom User selbst vorgenommen werden muss“. Ob – und wenn ja, wann – es ein entsprechendes Firmware-Update für die Kone Pro Air geben wird, bleibt jedoch offen. Allerdings ist es bereits möglich, den Akkustand der Maus auszugeben – dafür bedarf es aber einer aktiven Konfiguration seitens des Nutzers. Mehr dazu im nachfolgenden Software-Abschnitt.

Roccat Swarm bietet viel Spielraum

Auch wenn Nutzer der Kone Pro oder Kone Pro Air zum Betrieb keine dedizierten Treiber benötigen, kann es sich dennoch lohnen, zusätzliche Software zu installieren. Roccat bietet ein eigenes Programm an, um beispielsweise die Sensorauflösung oder Tastenbelegung der Maus nach eigenem Belieben zu konfigurieren. Der Download ist über die Website des Herstellers möglich.

Umfangreiche Software ist mächtig und teils kompliziert

Hinsichtlich der Vielfalt an Optionen und Konfigurationsmöglichkeiten zeigt sich Roccats Swarm-Software vorbildlich: Sowohl die Sensorik als auch die Tasten lassen sich umfangreich kalibrieren und belegen. Im Fall letzterer ist dabei nicht nur eine vollständige Programmierbarkeit, sondern auch die Möglichkeit einer Sekundärbelegung gegeben, wofür der Nutzer eine Taste seiner Wahl als Shift-Taste festlegen muss. Und neben zahlreichen vordefinierten Tastenbelegungen für Windows oder Spiele findet sich auch ein Makro-Editor.

Die Nutzung der letztgenannten beiden Funktionen gestaltet sich jedoch oftmals umständlicher als nötig. Da sie im besten Fall aber nur einmal verwendet werden müssen, ist das nicht weiter tragisch. Gespeichert werden die Einstellungen auf bis zu fünf Profilen, die sich manuell oder im Zuge des Starts eines Spiels aufrufen lassen.

Selbstredend lässt sich ebenfalls die Beleuchtung beider Kone-Mäuse einstellen. Es finden sich als vordefinierte Modi eine RGB-Welle sowie „Atmend“, „Herzschlag“, „Blinken“ und überdies die Möglichkeit, per Farbverlauf von Hellblau über Grün und Gelb nach Rot den aktuellen Akkustand der Maus ausgeben zu lassen. Andere Farben lassen sich zu diesem Zweck jedoch nicht konfigurieren. Alternativ ist es möglich, statische Farben oder Farbschemata auszuwählen.

Nahezu vollständige Funktionalität bei beendeter Software

Standardmäßig minimiert sich Swarm beim Schließen in die Taskleiste und will im Zuge des Windows-Starts mitladen. Das ist aber einerseits deaktivierbar und andererseits gar nicht notwendig, denn die vollständige Funktionalität beider Mäuse ist auch ohne aktive Software gegeben. Ein laufendes Programm im Hintergrund bietet lediglich den – mit Verlaub ambivalenten – Mehrwert einer gesprochenen Mitteilung über erfolgte Auflösungs- oder Profilwechsel sowie die Möglichkeit, den Akkustand der Kone Pro Air in der Taskleiste anzeigen zu lassen.

Verarbeitung ohne Auffälligkeiten

Hinsichtlich der Verarbeitung können sowohl Kone Pro als auch Kone Pro Air überzeugen. Es finden sich zwar kleinste Kritikpunkte, darunter beispielsweise ein leises Klackern der Primärtasten des vorliegenden Musters der Kone Pro Air beim Schütteln der Maus, doch insgesamt machen beide Eingabegeräte einen positiven Eindruck: Die Spaltmaße sind durchweg akkurat und eindellen lassen sich die Gehäuse nirgends, wenngleich bei hohem Druck ein Knarzen zu vernehmen ist. Positiv anzumerken ist derweil, dass durch den Verzicht auf unebene Oberflächen und gummierte Elemente einerseits Verunreinigungen, andererseits Materialabrieb vorgebeugt wird. Besonders das Aluminium-Mausrad sticht in diesem Kontext heraus.

Allerdings sollte der Vollständigkeit halber angemerkt werden, dass Käufer diverser Roccat-Mäuse in letzter Zeit des Öfteren von Fehlfunktionen des Mausrads berichten, sei es in Rezensionen oder Forenbeiträgen. ComputerBase bat Roccat in diesem Zusammenhang um eine Stellungnahme, doch auch nach einer zweiten Nachfrage konnte respektive wollte sich der Hersteller nicht konkret äußern. Roccat gab lediglich zu verstehen, dass die Aluminiumkonstruktion „besonders solide“ sei und es „keine Gummieinsätze oder ähnliches [gäbe], die sich mit der Zeit lösen könnten“, das Rad aber technisch „nicht anders aufgebaut“ sei als bisherige Mausräder.

Da die vorliegenden beiden Kone-Muster einen hochwertigen Eindruck hinterlassen, die Mausräder einwandfrei funktionieren und keine Probleme absehbar sind, wird dieser Sachverhalt das nachfolgende Fazit jedoch nicht beeinflussen.

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