Einplatinencomputer: Neuer Bootloader für den Raspberry Pi 4 und 400

Update 2 Sven Bauduin
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Einplatinencomputer: Neuer Bootloader für den Raspberry Pi 4 und 400
Bild: Raspberry Pi Foundation

Das freie Betriebssystem Raspberry Pi OS – ehemals Raspbian – für Mini-PCs und Einplatinencomputer wie den Raspberry Pi Zero 2, Raspberry Pi 3 und Raspberry Pi 4 basiert auf Debian GNU/Linux und bietet auf Basis des aktuellen Debian 11 jetzt auch erstmals einen offiziellen 64-Bit-Support für Systems-on-a-Chip auf ARM-Basis.

Raspberry Pi OS für die ARM64-Architektur

Nachdem Raspberry Pi OS, das als ressourcensparende Benutzungsoberfläche auf den hauseigenen PIXEL-Desktop auf Basis der freien Desktop-Umgebung LXDE setzt und erst im November des vergangenen Jahres auf das neueste Debian 11 („Bullseye“) sowie Linux 5.10 LTS gewechselt ist, reichen die Entwickler jetzt erstmals den offiziellen Support für die 64-Bit-Architektur ARM64 nach.

Hiervon profitieren die folgenden Einplatinencomputer aus der Raspberry-Pi-Serie:

  • Raspberry Pi 4
  • Raspberry Pi 400
  • Raspberry Pi Compute Module 3 (CM3)
  • Raspberry Pi Compute Module 3+ (CM3+)
  • Raspberry Pi Compute Module 4 (CM4)
  • Raspberry Pi Zero 2 W
  • Raspberry Pi 3A+
  • Raspberry Pi 3B+
  • Raspberry Pi 3B

Während der Raspberry Pi Zero 2 W und der Raspberry Pi 3 sowie dessen Derivate auf das BCM2710-SoC mit ARM Cortex-A53 setzen, basiert das BCM2711-SoC des leistungsstärkeren Raspberry Pi 4 auf dem ARM Cortex-A72.

Raspberry Pi OS mit PIXEL-Desktop auf LXDE-Basis
Raspberry Pi OS mit PIXEL-Desktop auf LXDE-Basis (Bild: Raspberry Pi Foundation)

Neben der Tatsache, dass erst mit einem 64-Bit-Betriebssystem die 8-GB-Versionen des Raspberry Pi 4 ihren Arbeitsspeicher voll ausnutzen können, führen die Entwickler auch die „Leistungsvorteile, welche dem ARM64-Befehlssatz innewohnen“ als Begründung für die 64-Bit-Version von Raspberry Pi OS an.

Die 32-Bit-Version nutzt aktuell ARM LPAE („Large Physical Address Extension“) um auf die bis zu 8 Gigabyte LPDDR4 zuzugreifen, was aber unter Umständen auch gewisse Geschwindigkeitsnachteile mit sich bringen kann.

Download ab sofort verfügbar

Das rund 1,2 GB große Systemabbild Raspberry Pi OS 64-Bit (ZIP) steht ab sofort auf der Website der Raspberry Pi Foundation zum Download bereit.

Auch das mit rund 430 MB sehr kompakte Raspberry Pi OS Lite (ZIP) ist bereits als 64-Bit-Ableger erhältlich.

Weitere Informationen liefern wie gewohnt die offiziellen Release Notes sowie die Ankündigung der Entwickler.

Update

Raspberry Pi Imager 1.7 erschienen

In der Zwischenzeit haben die Entwickler der Raspberry Pi Foundation auch den Raspberry Pi Imager 1.7 veröffentlicht, wie der auch von ComputerBase bestens bekannte Linux-Redakteur Ferdinand Thommes auf seiner Website linuxnews.de zuerst berichtet hat.

Mit dem Raspberry Pi Imager lassen sich mit nur wenigen Klicks Abbilder auswählen, herunterladen und auf eine SD-Karte oder ein USB-Speichermedium schreiben.

Darüber hinaus bietet das kleine System-Tool entsprechende Zusatzfunktionen, wie die Aktivierung von SSH, die Konfiguration der WLAN-Verbindung sowie die Auswahl der Lokalisierung, die ansonsten zum Teil erst später über den Einstellungsdialog raspi-config vorgenommen werden können.

Erstmals werden mit der Version 1.7 das Cloud-Init-Format von Ubuntu Server sowie versteckte SSIDs und die Kompression mittels Z-Standardformat (Zstd) unterstützt.

Der Raspberry Pi Imager steht bereits in einer fehlerbereinigten Version 1.7.1 zum Download bereit.

Update

Neuer Bootloader für den Raspberry Pi 4 und 400

Wie Ferdinand Thommes von linuxnews.de zuerst berichtet hat, arbeitet die Raspberry Pi Foundation an einem neuen Bootloader, welcher die unterstützten Betriebssysteme wie Raspberry Pi OS direkt aus dem Internet lädt und auf die SD-Speicherkarte schreibt.

Während Anwender zuvor zwingend auf ein zweites Computersystem angewiesen waren, von dem das entsprechende Systemabbild auf die SD-Speicherkarte des Raspberry Pi übertragen wurde, soll der neue Bootloader mit dieser äußerst umständlichen Prozedur aufräumen.

Der neue Bootloader, der sich aktuell noch in der Beta-Phase befindet und vorerst Nutzern des Raspberry Pi 4 und des Tastaturcomputers Raspberry Pi 400 vorbehalten bleibt, findet sich am einfachsten über den Raspberry Pi Imager in der Version 1.7.1.

Der neue Bootloader (Beta) im Raspberry Pi Imager 1.7.1
Der neue Bootloader (Beta) im Raspberry Pi Imager 1.7.1 (Bild: linuxnews.de)

Unter BetriebssystemMisc utility imagesBeta Test Bootloader lässt sich der neue Bootloader auswählen und auf den Raspberry Pi 4 oder 400 flashen.

Neuer Bootloader kommt „out of the box“

Insbesondere für Einsteiger und Anwender, die kein zweites Computersystem zur Hand haben, wird der neue Bootloader, der nach Abschluss der Beta-Phase mit jedem neuen Raspberry Pi ausgeliefert werden soll, zukünftig doch eine erhebliche Erleichterung darstellen.

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