AMD Ryzen 7 5800X3D im Test: Fazit und Empfehlung

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Update 2 Volker Rißka
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Der AMD Ryzen 7 5800X3D ist ein technisch extrem interessantes Produkt, das im Test für den ein oder anderen Wow-Moment gesorgt hat. Was der Hersteller aus einem zugrundeliegenden Produkt aus dem Jahr 2020 auf der bekannten Plattform geschaffen hat, kann beeindrucken. Nichtsdestoweniger ist der Ryzen 7 5800X3D keine eierlegende Wollmilchsau. Er ist ein Spezialist mit Fokus auf Gaming – in Anwendungen sind deutlich günstigere Modelle mitunter viel schneller.

Was der Ryzen 7 5800X3D im Gaming abliefert, ist wiederum nichts Geringeres als ein kompletter Architektursprung – realisiert durch den aufgesetzten L3-Cache. Im Schnitt 15 Prozent mehr Leistung gegenüber allen anderen Ryzen 5000 werden über diesen Kniff trotz gleichzeitig um 300 MHz gefallener Taktraten erzielt, was einen Gleichstand mit Intels Topmodell Core i9-12900K bedeutet – sofern die Spieleauswahl stimmt. Mehr denn je kann sie über Sieg oder Niederlage entscheiden. Je größer die Auswahl, desto eindeutiger dürfte das Ergebnis aber sein: Der neue Ryzen und Intels Core i9 nehmen sich nichts. Auf Einzelspiel-Ebene sind die Unterschiede wiederum schnell eklatant.

AMD Ryzen 7 5800X3D und Intel Core i9-12900KS im Test
AMD Ryzen 7 5800X3D und Intel Core i9-12900KS im Test

Für den, der eine neue Gaming-CPU am oberen Leistungsende sucht, hat der Ryzen 7 5800X3D allerdings weitere handfeste Argumente auf seiner Seite. Da wäre zum einen die Plattform: Altbekannte Boards mit 400er- und 500er-Chipsatz samt klassischem DDR4-Speicher nehmen das Produkt im Sockel AM4 problemlos auf. Letztlich reicht ein BIOS-Update, das schon seit Wochen zur Verfügung steht. Fertig ist das lauffähige System. Als i-Tüpfelchen wird AMD in den kommenden Wochen mit AGESA 1.2.0.7 darüber hinaus auch Boards mit X370- und B350-Chipsatz fit für den AMD Ryzen 7 5800X3D machen – wer hätte das vor fünf Jahren zum Start der ersten AMD Ryzen (Test) gedacht?

Punkten kann die X3D-CPU auch beim Verbrauch, erst recht nach der Vorstellung des Konkurrenten eine Woche zuvor. Intel hat mit dem Core i9-12900KS (Test) das eigentlich sehr gute Bild der Alder-Lake-Prozessoren mit der Verbrauchs-Brechstange endgültig angekratzt, in diese Wunde streut der Ryzen jede Menge Salz: Für de facto die gleiche Leistung in Spielen wird oft nicht einmal die Hälfte der Energie benötigt. Dabei geht es um bis zu 100 Watt Unterschied. Im Vergleich zum Ryzen 7 5800X sind es gut 20 Watt Differenz, die sich nicht nur unter Teillast in Spielen, sondern auch unter Vollast in Anwendungen zeigen. Nur wenn AVX zum Einsatz kommt, reizt auch der Ryzen 7 5800X seine TDP voll aus. Der AMD Ryzen 7 5800X3D ist damit auch das erste grüne Zeichen seit langer Zeit in einer IT-Welt, die zuletzt nur noch Höchstleistungen mit höchstem Verbrauch erkauft hat.

AMD Ryzen 7 5800X3D und 5800X im Test
AMD Ryzen 7 5800X3D und 5800X im Test

Vermutlich wäre der im Mai des vergangenen Jahres angedeutete AMD Ryzen 9 5900X3D mit zwölf Kernen der noch eindeutigere Sieger gewesen, der zugleich in Sachen Anwendungsleistung noch stärker dagestanden hätte – doch AMD hätte ihn teurer machen müssen. Der 5800X3D sitzt am Ende eher am Sweetspot aus Leistung, Kosten und Nutzen. Hier hat das Unternehmen letztlich eine gute Entscheidung getroffen.

Natürlich lädt das Modell zu Spekulationen über die Zukunft ein. Das Stacking ist gekommen, um zu bleiben – das steht fest. Erste Zen-4-Prozessoren alias Ryzen 7000 werden allerdings ohne diesen Zusatz-Cache den Markt betreten. Mit der typischen Mehrleistung eines Architektursprungs landen sie im Gaming dann vielleicht nur knapp vor dem X3D, gewinnen dafür aber in allen anderen Bereichen ebenfalls hinzu, sodass sie Gesamtsieger werden.

Die 3D-V-Cache-Option für Zen 4 wird AMD allerdings stets in der Hinterhand haben und kann damit nach bisherigem Stand de facto jeden Intel-Prozessor in diesem und vielleicht sogar nächstem Jahr kontern. Und dann dürften auch bei AMD mehr als acht Kerne plus Stapelcache drin sein, die die letzten Problemstellen des aktuellen „Testlaufs“ ausräumen. Hier muss sich Intel definitiv etwas einfallen lassen.

Zum Nulltarif gibt es den Aufschlag in der Gaming-Leistung am Ende nicht. AMD wird für den Ryzen 7 5800X3D ab dem 20. April offiziell 489 Euro verlangen. Der Aufpreis gegenüber einem Ryzen 7 5800X, den es im Handel derzeit bereits für 330 Euro gibt, ist dementsprechend groß. Selbst ein Ryzen 9 5900X ist mittlerweile günstiger zu bekommen. In Spielen ist diese CPU unterlegen, in Multi-Core-Lasten hingegen über 40 Prozent voraus.

Kerne/Threads Takt Basis/Turbo L3 TDP Preis Kaufen
UVP Marktpreis*
AMD Ryzen 9 5950X 16/32 3,4/4,9 GHz 64 MB 105 W 799 Euro ab 326 Euro Bestpreis*
AMD Ryzen 9 5900X 12/24 3,7/4,8 GHz 64 MB 105 W 549 Euro ab 219 Euro Bestpreis*
AMD Ryzen 7 5800X3D 8/16 3,4/4,5 GHz 32+64 MB 105 W 489 Euro ab 295 Euro Bestpreis*
AMD Ryzen 7 5800X 8/16 3,8/4,7 GHz 32 MB 105 W 449 Euro ab 155 Euro Bestpreis*
AMD Ryzen 7 5700X 8/16 3,4/4,6 GHz 32 MB 65 W 299 USD ab 153 Euro Bestpreis*
AMD Ryzen 5 5600X 6/12 3,7/4,6 GHz 32 MB 65 W 299 Euro ab 115 Euro Bestpreis*
AMD Ryzen 5 5600 6/12 3,5/4,4 GHz 32 MB 65 W 199 USD ab 103 Euro Bestpreis*
AMD Ryzen 5 5500 6/12 3,6/4,2 GHz 16 MB 65 W 159 USD ab 94 Euro Bestpreis*
fett = Neuvorstellungen im April 2022
* Kleinster Preis im Preisvergleich

Im Vergleich zum Intel Core i9-12900K ist der X3D günstiger unterwegs: Der Handel will für Intels CPUs derzeit rund 580 Euro haben. In Anwendungen erhalten Kunden dafür unter Inkaufnahme eines deutlichen Mehrverbrauchs sogar 55 Prozent mehr Multi-Core-Leistung.

Mehr Spiele-Benchmarks

ComputerBase hat den Ryzen 7 5800X3D von AMD zum Testen erhalten. Der Prozessor wurde unter NDA zur Verfügung gestellt. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

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