Hallo @ all,
obwohl "Raubkopierer aus Überzeugung", halte ich die vorgebrachten Forderungen teils als sehr naiv und weltfremd. In den Posts habe ich mehrfach die Begriffe
Rechtstaatlichkeit,
Moral und
Diebstahl aufgenommen. Dazu möchte ich mich gerne äußern.
Das Urheberrecht bzw der Begriff des "geistigen Eigentums" ist ehemals entstanden um Autoren bzw. deren Werke zu schützen und das ist durchaus nachvollziehbar. Für mich nicht nachvollziehbar ist aber eine Übetragungsmöglichkeit dieses Rechtes. Dies hat zu einer Machtverlagerung schlimmsten Ausmaßes geführt, die von der Allgemeinheit als Unrecht empfunden wird, auch wenn sie gesetzeskonform ist. Eine Folge davon ist, daß sowohl in der Musik- wie auch in der Filmindustrie eine handvoll Konzerne den ganzen Markt eisern beherrschen und daher Preise nach eigenem Ermessen festsetzen können.
Zugegeben ein guter Sänger oder ein genialer Schauspieler ist etwas besonderes und verdiehnt auch Anerkennung auch in finanzieller Hinsicht. Doch wenn ein Sänger oder Schauspieler plötzlich 3-stellige Millionenbeträge verdient, darf es nicht verwundern wenn beim "gewöhnlichen Volk" sich das Gefühl von Unrecht breitmacht. Meiner Meinung nach sollte kein Mensch so viel besitzen dürfen - nicht weil ich es ihm neide (OK wenn ich ehrlich bin, doch ein klein wenig) sondern weil ich es als Unrecht und Ausbeutung empfinde. Der Staat, zumindestens in einer "sozialen Marktwirtschaft" in der wir angeblich leben, hat eigentlich die Verpflichtung seine Bürger vor Monopolen zu schützen, doch unsere Gesetzgebung dahingehend ist einerseits nur mangelhaft, andererseits wird nicht einmal das Mangelhafte ernsthaft umgesetzt.
Ich kann mich noch an die Umstellung von LP auf CD errinern. Eine aktuelle LP kostete damals ~20DM, eine CD obwohl sie viel billiger zu produzieren war ~35DM. Das gleiche Spiel mit der DVD und der Blu-Ray. Am schlimmsten ist aber der offiziele MP3-Handel. Hier werden die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft am deutlichsten verletzt. Während physikalische Medien (CDs/DVDs/Blu-Rays) pro (erstellte) Kopie Geld kosten entstehen bei Downloads nur im Vergleich unbedeutende Kosten entstehen sind letzlich die Downloads sogar teilweise viel teuerer in der Summe als ihre physischen Pendants die teilweise nach ein paar Monaten/Jahren nur noch für 2-3€ verramscht werden. MP3s kosten dagegen alle gleich viel, auch für Ladenhüter soll man 1€ berappen. Der Staat unternimmt zwar etwas um den Urheberrechtschutz zu gewährleisten, nichts aber gegen solche Machenschaften.
Daher stelle ich die
Rechtsstaatlichkeit von Medien-Monopolen in Frage.
Weiterhin wird moniert, daß viele Leute Raubkopien konsumieren aus niederen Bewegründen und fehlender
Moral. Sie würden egal bei welchen Bedienungen illegal downloaden. Aus eigener Erfahrung muß ich diesem Argument zustimmen. Unsere Gesellschaft krankt an fehlenden Werten und fast nicht vorhandenen Moralvorstellungen. Egoismus ist nicht nur groß geschrieben, er wird in unserer Gesellschaft lauthals propagiert. Doch Moral ist nicht irgendetwas was vom Nichts kommt. Es war schon immer so, daß nur sehr wenige Menschen nach moralischen und anderen ideelen Werten lebten und sich der Großteil nur fügte wenn er dazu genötigt wurde.
Damit
Moral auch vom Großteil einer Gesellschaft angenommen wird, muß sie von ihren Vorbildern und Vorreitern "vorgelebt" werden. Wenn aber von den Medien-Konzernen fast unendlicher Egoismus vorgelebt wird, darf man sich dann wundern, daß deren Konsumenten sich ebenfalls so verhalten? Klar die Medienkonzerne haben das juristische Recht auf ihrer Seite, doch davon
Moral abzuleiten ist mehr als nur scheinheilig.
Daher stelle ich die
Moral der Medienindustrie in Frage.
Diebstahl wiederum beinhaltet in seiner eigentlichen Definition die Wegnahme einer Sache. Daher auch einen Mangel beim Besitzer. Die Befürworter des Urheberrechts versuchen den bei Raubkopien nicht vorhandenen Mangel an einer Sache durch einen Mangel in Form von entgangenem Gewinn zu begründen. Was ist aber, wenn der Raubkopierer es sich schlicht niemals leisten könnte das Raubkopierte zu kaufen? Von ihm wird dann einfach Verzicht erwartet. Nicht weil der Besitzer durch den Gebrauch einen Mangel erleiden würde, sondern einfach weil der Besitzer armen Leuten sein Produkt nicht gönnt. Den wenn alle das gleiche hätten, könnten sich Leute mit solchen Bedürfnisse ja nicht von der Masse abheben. Die Besitzer von Urheberrechten versuchen ihre virtuelle Produkte mit physikalischen gleichzustellen. Aber nur was deren Rechte anbelangt. Dagegen wenn es um Pflichten geht, verlangen sie dann eine Sonderbehandlung. So etwas wie Gewährleistung wird geradezu als grotesk abgelehnt. Jahr für Jahr entstehen raffiniertere advokatische Winkelzüge um sich von jeder Verantwortung zu drücken. Jeder der sich das nicht gefallen läßt wird als Dieb und Verbrecher beschimpft, auf sachliche Argumente wird mit persöhnlichen Angriffen unterhalb der Gürtellinie geantwortet. So bin ich schon von einem Vorredner da Raubkopierer indirekt als Ar***ch bezeichnet worden.
Solange das so ist, bleibt den Leuten die nicht ihre Augen verschließen und sich kaufen lassen können, nichts anderes als
Diebstahl übrig.
Was wäre wenn man sowas wie einen Replikator vom Raumschiff Enterprise erfinden würde (ich weiß, physikalisch unmöglich)? Auch wenn für physikalische Dinge unmöglich, können wir das mit virtuellen Dingen heute bereits verwicklichen. Doch im Vordergrund stehen weiterhin eher archaische Probleme der Besitzverhältnisse, den die flächendeckende Stillung von Bedürfnisse aller. Obwohl heute vieles technisch möglich wäre, wird die anwenderfreundliche Implementierung behindert oder blockiert. Stattdessen werden Techniken entwickelt die eindeutig nur dazu da sind, um die Möglichkeiten des Verbrauchers nach Gutdünken beschneiden zu können und ihn so stark wie möglich zu binden.
In der Software-Welt haben zahlreiche Entwicklungen bewiesen, daß es möglich ist auch kostenlose Produkte zu schaffen die nicht nur mit kommerziellen mithalten können, sondern sogar diese in einigen Bereichen übertrumpfen. Ich bin mir sicher, daß dieses auch ein Modell für andere Medienbereiche wäre. Doch dagegen sprechen milliardenschwere Interessen von Großkonzernen, die niemals bereit sein werden ihre Pfründe freiwillig aufzugeben. Man muß sie schon dazu zwingen..., oder sie vernichten.
Mit digitalen Grüßen

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Black Widowmaker 
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