Bemerkenswert, wie viel Missgunst und Unwissen dieser CPU und den Nachfolgern bis heute gegönnt wird. Ich habe meinen FX-8370 geliebt, der lief bis vor einem Jahr auch sehr zuverlässig bei einem Freund der nur auf neue Hardware gewechselt hat weil die alte Plattform kein für Windows 11 nötiges TPM konnte.
Piledriver war meine erste AMD-Architektur, der A8-5600K meine erste AMD CPU überhaupt. Damals flüchteten gefühlt alle vor AMD, ich aber hatte mich für sie entschieden weil Intel einfach ein Arschlochunternehmen war (und auch lange geblieben ist). Ich kam als bis dahin überzeugter Intel-Jünger von einem Core2Quad 8400 und der Unterschied war gewaltig, der AMD war gefühlt viel schneller (mit diversen Benchmarks 60-80%) und brauchte trotzdem etwas weniger Strom. Ersetzt wurde er nach 2 Jahren durch besagten FX-8370 auf einem Asus Sabertooth (2nd Gen), bis heute das stabilste Mainboard was ich je hatte, damit konnte man alles machen.
War auch bislang meine einzige intensive OC-Erfahrung. Extrem viel gelesen, getestet, verworfen, wieder getestet, monatelang. Warum hab ich so lang gebraucht? Ich wollte alles auf einmal: übertakten, Turbo sollte aktiv bleiben, gleichzeitig undervolten und alles sollte 100% stabil laufen, 24/7, mit allen Stromsparmaßnahmen und AVX aktiv (brauche ich für DAW). Am Ende hatte ich einen Basistakt von 4.2 und Boosttakt von 4.7 (damit war der 8370 fast so schnell wie ein 9590) und einen Stromverbrauch von maximal ca. 245 Watt für den gesamten PC (an der Steckdose gemessen, damals noch ohne Gaming Ambitionen und deshalb mit passiv gekühlter AMD R7-250). Der größte Geschwindkeitsvorteil kam meiner Erfahrung nach nicht durch den reinen CPU-Takt sondern durch den erhöhten Systemtakt, der sorgte für den sehr viel schnelleren Cache und damit systemweit für geringere Latenzen.
Weitere (messbare) Geschwindigkeitsvorteile kamen durch Windows 10 (8 hatte ich übersprungen), nach allem was ich weiß, war Windows 8 das erste MS-OS welches die CPUs vollständig korrekt ansprechen konnte (trotz nachgereichter Patches für Windows 7).
Im Audio-Bereich macht man als Mastering-Engineer häufig genug Batch-Conversions, mit bestimmten Programmen erfolgt die Bearbeitung der Dateien parallel was CPU und Festplatteninterfaces gleichzeitig belastet. Ein paar Jahre nach dem FX-8370 kaufte ich ein (großartiges) gebrauchtes Dell Precision M6800 mit Intel i7-4800MQ. Obwohl generell ein schnelles System, konnte man das Intel Laptop nicht benutzen während die Batch Conversion lief, selbst etwas einfaches wie surfen geriet zur Geduldsprobe. Der FX-8370? Überhaupt kein Problem, der AMD-PC zog einfach stoisch seine Bahnen, langsamer aber komplett benutzbar.
Bis heute empfinde ich eine gewisse Genugtuung wenn ich lese, dass viele moderne Spiele mit den FX-CPUs laufen während sie auf einem der zahllosen Intel 4-Core nicht mal starten wollen oder schlechter laufen. AMDs Strategie der Mehrkernprozessoren war richtig, kam nur zu früh und der Erfolg wurde beeinträchtigt durch auf ausschließlich Intel-optimierte Software, unfaire, auf Intel ausgerichtete Reviews (looking at you, Anandtech) und durch schlechter-als-erwartete Strukturbreiten und einem damit zu kleinen L1-Cache. Das sich Fließkomma-Einheiten Ressourcen teilen mussten, war - im Gegensatz zur landläufigen Meinung - kein großes Problem.
P.S.: Hitze war bei meinem FX nie ein Problem, im Idle war er kühl und unter Vollast blieb er ca. 7-10 Grad unter der erlaubten Maximaltemperatur (IIRC 72 Grad) mit meinem Noctua (siehe Signatur)