AW: Cannabis Legalisierung
tao te schrieb:
Hast du belastbare Betrachtungen oder Quellen zu deiner NSA-setting-Theorie? Oder ist es ein Gefühl, deine Meinung, die du auf einen großen Teil der Teilnehmer projizierst?
lies es selbst nach:
http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Erwünschtheit
Das hat sich einfach immer wieder als Problem (Störfaktor) erwiesen, natürlich wird es brav reflektiert und es gibt obligatorische Kontrollversuche - ob es allerdings funktioniert, kann man nur an der konkreten Studie, bzw. ihrem Design zeigen.
Der Rest ist tatsächlich nur meine bescheidene Meinung. Ich kenne eine Menge Leute, die zwar FÜR eine Cannabis-Legalisierung sind, dies aber nie öffentlich zugeben würden. Damit reduziert sich das ganze auf die Frage, ob für den Befragten die Beantwortung eines Fragebogens einer "öffentlichen" Aussage gleichkommt. Ob und wie ich das einschätze, hängt mMn primär mit der Transparenz der Anonymisierungs- und Datenverarbeitungsverfahren zusammen. Ich denke aber, dass sich gerade da durch den NSA-Skandal einiges verschoben haben könnte.
tao te schrieb:
Und könntest du das zweite Problem, das forschungstheoretische (was auch immer deine eigene Wortneubildung bedeuten soll), genauer spezifizieren und formulieren? Ich lese nur ein nebulöses Beispiel, das sich pseudophilosophisch mit extremen Realisationen von Zufallsprozessen beschäftigt und auf eine Quelle verweist, die das nur am Rand betrachtet (sondern her Induktion).
Das ganze hat mit Stochastik zu tun, und stellt lediglich eine (von Spencer-Brown formulierte) Überzeichnung ganz normaler Auswahlkriterien dar. Tatsächlich muss ein Zufallsgenerator keine unendlichen Reihen generieren, aber von der Theorie her sollte er es eben können - allerdings kann es eben sein, dass diese unendliche Rehe, selbst wenn sie absolut zufällig zustande kam, einem Operator nicht zufällig erscheint. Das bedeutet - wiederum im Extremfall - dass wir keine Zufallsgeneratoren bauen oder programmieren, sondern nur Geräte, die kontrolliert Reihen produzieren, die unseren Kriterien für "Zufall" entsprechen.
Aber ist das dann wirklich Zufall? Am Ende kommt es darauf nicht so sehr an. Ich finde nur, dass man mit "PC-generiertem Zufall" etwas vorsichtig sein sollte, statt ihn einfach als"zufällig" hinzustellen, denn das ist er sehr wahrscheinlich gerade nicht.
Mal als Frage: Wäre dir ein Link zum Script einer Stochastik-Vorlesung lieber gewesen, aus dem du dir dann all das selbst hättest zusammenreimen müssen?
Kann ich noch nachreichen, das Script müsste eig. noch online sein.
tao te schrieb:
Dein sogannten "Induktionsproblem" ist ein Extrapoltionsproblem, dessen Unsicherheiten quantifiziert werden können und werden.
Auch das ist ohne den konkreten Forschungsbericht nicht bewertbar, denn es hängt an der Form der darin getrooffenen Aussagen.
Ansonsten: K. Popper: "Logik der Forschung". Das Induktionsproblem ist keineswegs nur ein Extrapolationsproblem.
tao te schrieb:
Ich finde es auch recht anmaßend, dass du im Vorhinein meinst einen Bericht durch den Kakao ziehen zu können, von dem fast nichts weißt.
Das ist einfach ein Gefühl - sicherlich. Vielleicht ist es anmaßend, aber die letzten 10-20 Forschungsberichte, die ich lesen musste, waren einfach unter aller Kanone (und da waren viele von renomierten Meinungsforschungsinstituten dabei).
Das wichtigste ist allerdings nicht, dass ich meine, den Bericht durch den Kakao ziehen zu können (oder zu müssen). Ich kann die Qualität der Forschung anhand der rudimentären Informationen der Presse überhaupt nicht bewerten, denn das was BILD oder MZ oder ähnliche da schreiben, kann sich auch Lieschen Müller ausgedacht haben. Eigentlich geht daraus nichtmal hervor, was die "+/-3 Prozentpunkte statistische Fehlertoleranz" in diesem Fall bedeuten. Im Forschungsbericht müsste das aber recht detailliert drinstehen. Bisher kann ich nur Vermuten, dass es sich dabei um das Signifikanzniveau handelt (was allerdings in dem Falll schon recht ordentlich wäre), kann es vielleicht hoffen oder mich drauf verlassen aber eben nicht sicher wissen.
Du hast recht, ich kann es momentan nicht bewerten, denn ich weiß nichts über diese Studie ausser ein paar medienwirksamen Zahlen - ich kenne nicht den Fragebogen, ich weiß nicht welche Algorithmen der Datensatz durchlaufen hat, ich kenne die Transformationen nicht, die evtl. durchgeführt wurden und so weiter. Zu all dem kann ich nur Vermutungen anstellen - und die fallen auf Basis meiner bisherigen Erfahrungen mit quantitativen Studien eben nicht besonders positiv aus.
Sozialwissenschaftler sehen das evtl. nicht so eng, aber wenn ich mathematische Sachverhalte bewerte, dann tue ich das als Mathematiker, denn die Grundlage quantitativer Sozialforschung ist nunmal Mathematik und da gibt es ziemlich harte Kriterien für eine "richtige" oder "falsche" Anwendung. In einem BILD-Artikel haben die für diese Entscheidung nötigen Infos aber eben nichts zu suchen, das würde den Leser sehr wahrscheinlich überfordern oder langweilen (wirklich spannend finde ich das auch nicht).
tao te schrieb:
Vermutlich werden auch, wie vielen fundierten Berichten, methodische Schwierigkeiten, Deutungen, etc. selbst diskutiert.
Na hoffentlich, sonst ist die ganze Studie nämlich das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurde.
Auch da hab ich schon unglaubliche Dinge gesehen - allerdings eher von Studenten, die es einfach nicht besser wussten (leider).
Ob man die Studie nun verteidigen will oder nicht, sollte man ganz allgemein nicht entscheiden, bevor man die Studie kennt. Man sollte sie genausowenig pauschal ablehnen, wie pauschal annehmen. Sie ist eine Studie - das allein macht über ihre qualität keine Aussage. Sie ist eine Forsa-Studie - da kann man schon geneigt sein, von Qualität auszugehen - wenn man nicht meine Erfahrungen hat sammeln müssen.
Ich für meinen Teil würde den Bericht jedenfalls gerne mal lesen. Vielleicht haben die ja tatsächlich saubere Arbeit geleistet. Aber bis ich den Bericht gelesen habe, kann ich über die Ergebnisse nicht mehr sagen, als über die Gäste auf dem Konzert heute abend.
Gegen den Bias, den @diRAM (letzter Absatz in Post 2482) ins Rennen, warf hast du nichts einzuwenden? Immerhin forscht Forsa nicht auf eigene Kappe, da lauert also u.U. auch noch Kritik.
Egal wie, am Bericht kommt man für eine Bewertung (und gegebenenfalls Kritik) einfach nicht vorbei. Bis der Vorliegt ist die Studie per se indiskutabel.