AW: Cannabis Legalisierung
Seppuku schrieb:
Was sind denn in deinen Augen die Gründe für diese Entwicklung?
Welche Variante willste denn hören?
1.) "Kulturelle Verrwurzelung". Blabla ... verweigert man revisionistische Geschichtsschreibung (was wahrscheinlich unmöglich ist), sollte einem aus der Quellenlage eigentlich klarwerden, dass auch Cannabis zu fast allen Zeiten zu fast jeder Kultur irgendwie dazugehört hat (sei es zu medizinischen Zwecken, als natürlicher Rohstoff, als spirituelle Erfahrung, rituelles Hilfsmittel oder einfach als Genussmittel).
2.) "Alkoholkonsum ist aufgrund seiner gesellschaftlichen Akzeptanz kontrollierbar" - Das ist ein klassischer Selbstläufer, denn das gleiche könnte man von jeder ähnlich akzeptierten Droge auch behaupten. Hier liegt der einzige Unterschied also in der gesellschaftlichen Akzeptanz. Diese hat im Fall Alkohol zwar durch das Cannabisverbot nicht zugenommen, aber die Akzeptanz illegalisierter Verhaltensweisen ist allgemein selten besonders hoch. Vor allem sinkt die Akzeptanz dieser Handlung schon durch ihre Illegalisierung an sich - denn sie ist nun strafbar, und damit ist es zumindest schon mal "schön blöd", sich dabei erwischen zu lassen.
3.) "Der menschliche Körper kann mit Alkohol umgehen" auch das trifft auf alle nicht vollsynthetischen Rauschmittel zu.
Der Umgang mit natürlich vorkommenen Giften ist fester Bestandteil des Evolutionsprozesses jeder Spezies.
Wir können noch mit viel mehr gut umgehen - über eine ganze Weile kommt der menschliche Körper sogar mit Heroin irgendwie zurecht, kann sich an winzige Mengen Arsen gewöhnen (das wird dann erst böse, wenn der Körper davon entgiftet), und hat immer noch genug Nervenzellen übrig, wenn er sich über Jahre hinweg regelmäßig ins Koma säuft.
4.) Eher unbeliebt, aber mMn nicht weniger realistisch sind wirtschaftliche Interessen. Zum Beispiel die Interessen der Alkoholindustrie, die zwar nicht direkt Interesse daran hat, Cannabis zu verbieten, für die aber klar sein dürfte: solange Cannabis Illegal ist, stellt mein Produkt das einzige legal zugängliche Rauschmittel dar, und ist damit die erste Wahl für viele Bürger des Landes, das fast alle Alternativen verbietet. Oder für die Baumwoll-Industrie (tatsächlich einer der Hauptprofiteure der Cannabisprohibition und der Anti-Hanf-Kampagnen), die durch ein simples Verbot fast konkurenzlos wurde.
5.) Meine Lieblingsvariante. Die Akzeprtanz für Alkohol und viele andere Substanzen war einfach da. Es geht also nicht um die Frage, warum Alkohol akzeptiert ist, sondern eher, warum es viele andere Substanzen nicht mehr sind. Ich denke dabei nur an Substanzen, die schon vor Jahrtausenden ohne großen Aufwand zubereitet werden konnten (Pflanze -> konsumfertige Droge), dazu zählen z.B. Cannabis, Rohopium, Qat, Tees oder sonstige Aufguß-Extrakte u.Ä. aber NICHT LSD, Kokain, Speed, MDMA, Heroin oder ähnlich aufgearbeitetes.
...
Warum ist Qat im Jemen nicht illegal bzw. warum wird sein Konsum dort breit akzeptiert?
Genau, weil es für die meisten Jemeniten offensichtlich keine "Droge" ist.
Mit Alkohol verhält es sich in unserem Kulturkreis mMn ganz ähnlich. Nicht umsonst ist die Alkoholsucht etwas, wofür wir einen eigenen Begriff haben (Alkoholismus), bei den meisten anderen Süchten entsteht der Terminus erst durch das Suffix "-sucht" in Verbindung mit dem "Suchtstoff".
Sogar an dieser Stelle geben wir uns größte Mühe, Alkohol von den "Drogen" zu trennen, und ihn dadurch möglichst aus der "böööse"-Propaganda herauszuhalten (Zur sprachsymbolischen Dimension kann ich gerne noch ein paar Textwände schreiben).
Nicht zuletzt: Wo kam das "beste" Bier und der "beste" Wein im Mittelalter her? Zum Beispiel aus Klöstern, oder von kirchlichen Lehen. Damit gab es über mind. 500 Jahre hinweg eine übermächtige Institution, die kein Interesse daran hatte sich dieser Einnahmequelle zu berauben, und nahezu überall Gesetze diktieren konnte (z.B. die deutschen Reinheitsgebote, mit denen vor allem bis dahin beliebte leicht halluzinogene Kräuterbiere vom Markt verbannt wurden).
-> Die Alk.-Akzeptanz erscheint mir damit als Teil der "gottgewollten Ordnung".
Prost ... ähh ... Amen!
Ganz allgemein denke ich mir, dass sich die Diskussion von ihrer fixierung auf Rauschzustände verabschieden sollte. Diese Pflanze kann noch einige andere Vorteile aufbringen ... es gibt medizinische Anwendungen, im Bezug auf ökologische Nachhaltigkeit ist eine einjährige Pflanze ohnehin besser, als Bäume, die 10-100jährige "Erntezyklen" besitzen, Hanf kann als Baustoff, für Möbel, Haüser und sogar für Autoteile genutzt werden, er dient als Futterpflanze, die Samen können zu Mehl verarbeitet werden, aus Hanf kann man Getränke herstellen, genauso wie Schmerzlindernde Salben - Hanf ist eine Pionierpflanze, kann also in der Landwirtschaft als regenerative Ressource genutzt werden.
Nebenbei gibt es Sorten, die Bewusstseinsverändernde Wirkungen haben - Leider hatte das Verbot genau dieser Verwendung (rauschorientierter Konsum) die Nebenwirkung, viele alternative Verwendungen in Vergessenheit geraten zu lassen. Die müssen wir heute wieder neu entdecken, obwohl sie Jahrtausende alt sind.
Da sich die Verbotsdiskussion zu sehr auf die Drogenproblematik konzentriert, erscheint diese Verwendung als der "Hauptzweck" dieser Pflanze.
Eigentlich ist das voll das universell einsetzbare "Superkraut", das viel mehr zu bieten hat, als ein bisschen Harz an und in den unbestäubten weiblichen Blüten.