DerOlf
Admiral
- Registriert
- März 2010
- Beiträge
- 9.524
AW: Cannabis Legalisierung
Die hiesige Diskussion ist allerdings auch stark emotional aufgeladen. Da paaren sich u.U. "Evidenzerlebnisse" mit Frustrationen - beides nicht besonders wissenschaftlich, in der Mischung aber je nach Charakter recht explosiv.
Ich für meinen Teil habe z.B. die Erfahrungen aus zwei Jahrzehnten Leben in einem "verdrogten" Umfeld, mit entsprechenden Wahrnehmungsverschiebungen. Da gab es Ex-Junkies, die über hier schon sehr oft erwähnte Mechanismen im "Sumpf" versunken sind, teilweise aber Jahre später wieder auftauchten und anderen Entzugswilligen um einiges mehr an Hilfe und Unterstützung geben konnten, als jeder ausgebildete, staatlich zertifizierte und finanzierte Sozialarbeiter OHNE jede art von inside-view. Kiffer waren sie allerdings durch die Bank noch immer - es war für einige (ganz sicher nicht alle) recht einfach, zu kiffen aber eben nicht rückfällig (Opiate) zu werden. Andere wiederum konsultierten wegen einer aufgequatschten Hasch-Psychose einen Arzt und mussten dann schnell feststellen, dass sie mit den verschriebenen Psychopharmaka noch viel weniger gut zurechtkamen. Substituierte, die nach einem halben Jahr Methadon schlimmer aussahen, als irgendwann in ihrer mehrjährigen Opiat-Karriere. Kleinkinder auf Methadonentzug (zusätzlich zur Entwöhnung von der Mutterbrust), weil Mama eben nach 10 Jahren den Stoff noch immer brauchte. Der erste, der dieser konkreten Frau einen Ausstieg aus dem Methadonprogramm nahegelegt hat, war ihr Zahnarzt - der war der Meinung, dass nach ein paar mehr Jahren Methadon gar keine Zähne mehr zu retten seien.
Diese Erinnerungen sind alle zusammen plötzlich wieder da, wenn jemand z.B. das deutsche Methadonprogramm als "Schritt in die richtige Richtung" bezeichnet.
Ich habe da (leider) Erfahrungen und Informationen, die das alles etwas kritischer erscheinen lassen.
Wie gesagt, meine Erfahrungen und die mir zugänglichen Informationen stellen die Folie dar, auf der ich neue Beobachtungen oder Argumente bewerte - ich glaube es geht nicht anders. Ich gebe mir Mühe, nicht zu emotional zu reagieren (obwohl ich gerade bei Themen rund um Drogen durch z.B. Erinnerungen an Menschen u. Situationen emotional belastet bin), wenn ich Argumente höre, die mMn keine andere Reaktion verdient hätten, als ein Kraftvolles "du hohle Nuss". Es fordert mir immer wieder höchste Selbstbeherrschung ab, auch bei der mMn dümmsten Argumentation auf die suche nach ihren Legitimationsfiguren zu gehen, um diese dann evtl. sachlich widerlegen zu können (oder wenigstens zu verstehen). Das bin ich dem Gegenüber mMn schuldig, denn auch der hat sich seine Meinung zu dem Thema aufgrund seiner Erfahrungen und Informationen gebildet - es waren nur andere als bei mir (mMn in sehr vielen Fällen der Kern von Dissens).
Nicht zuletzt gibt es auch in mir ein starkes Misstrauen gegenüber Meldungen a la "Haschisch bald legal?". Das habe ich in den letzten 20 Jahren einfach zu oft gesehen, gehört und zu gerne dran geglaubt - und bin bisher immer zuverlässig enttäuscht worden, da die Contra-Argumente (nach denen dann entschieden wurde) von den Entscheidungsträgern als stichhaltiger bezeichnet wurden, obwohl sie bei genauerer Betrachtung keinen feuchten Furz wert gewesen wären oder sogar eher Argumente FÜR die Legalisierung sind.
Die Wissenschaftswelt schüttelt dann müde den Kopf und begibt sich wieder in die Labore, um eben diese "stichhaltigen" Argumente NOCH stichhaltiger zu widerlegen (schon wieder) oder die eigenen Argumente so zu formulieren, dass auch der ausgebuffteste Rhetoriker daran nichts mehr verdrehen KANN.
Und der Zirkus läuft jetzt seit Jahrzehnten ... da kann man schonmal leicht aus der Haut fahren - wenn man sich nicht zusammenreißt und die Debatte wie ich seit den 90ern verfolgt (vorher hatte ich mit "Drogen" nix am Hut
, hab' nur gesoffen, geraucht, Kaffee getrunken, viel Zucker gegessen, ferngesehen und mich noch gegen einige andere gesellschaftlich akzeptierte Suchtmittel immunisiert).
Ich finde es verständlich und auch durchaus OK, wenn sich hier Leute auch einfach mal den angesammelten Frust von der Seele schreiben können - selbst wenn das nur selten Zielführend ist. Es schafft auch Möglichkeiten und belebt die Diskussion. Nur sachlich ist auf die dauer nämlich ein wenig fad.
Ganz nebenbei kann angesammelter Frust auch blockieren. Wenn der ein Ventil gefunden hat, ist auch wieder mehr Ruhe da, um sich mit dem Thema sachlich zu beschäftigen.
Für mich sehen die vielen roten Tücher viel freundlicher aus, wenn ich ab und zu mal betont unsachlich daherpoltere. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nur mir so geht.
Nichts desto Trotz sollte man sich stehts um eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema bemühen - nicht nur weil das so in den PuG-Regeln steht, sondern weil man es sich Selbst, dem Thema und den anderen um Sachlichkeit Bemühten schuldig ist.
Trollen und sich dabei gehörig auskotzen kann man auf Facebook ohnehin besser. Zwischen dem ganzen social-media-garbage fällt das auch nicht so auf.
Die hiesige Diskussion ist allerdings auch stark emotional aufgeladen. Da paaren sich u.U. "Evidenzerlebnisse" mit Frustrationen - beides nicht besonders wissenschaftlich, in der Mischung aber je nach Charakter recht explosiv.
Ich für meinen Teil habe z.B. die Erfahrungen aus zwei Jahrzehnten Leben in einem "verdrogten" Umfeld, mit entsprechenden Wahrnehmungsverschiebungen. Da gab es Ex-Junkies, die über hier schon sehr oft erwähnte Mechanismen im "Sumpf" versunken sind, teilweise aber Jahre später wieder auftauchten und anderen Entzugswilligen um einiges mehr an Hilfe und Unterstützung geben konnten, als jeder ausgebildete, staatlich zertifizierte und finanzierte Sozialarbeiter OHNE jede art von inside-view. Kiffer waren sie allerdings durch die Bank noch immer - es war für einige (ganz sicher nicht alle) recht einfach, zu kiffen aber eben nicht rückfällig (Opiate) zu werden. Andere wiederum konsultierten wegen einer aufgequatschten Hasch-Psychose einen Arzt und mussten dann schnell feststellen, dass sie mit den verschriebenen Psychopharmaka noch viel weniger gut zurechtkamen. Substituierte, die nach einem halben Jahr Methadon schlimmer aussahen, als irgendwann in ihrer mehrjährigen Opiat-Karriere. Kleinkinder auf Methadonentzug (zusätzlich zur Entwöhnung von der Mutterbrust), weil Mama eben nach 10 Jahren den Stoff noch immer brauchte. Der erste, der dieser konkreten Frau einen Ausstieg aus dem Methadonprogramm nahegelegt hat, war ihr Zahnarzt - der war der Meinung, dass nach ein paar mehr Jahren Methadon gar keine Zähne mehr zu retten seien.
Diese Erinnerungen sind alle zusammen plötzlich wieder da, wenn jemand z.B. das deutsche Methadonprogramm als "Schritt in die richtige Richtung" bezeichnet.
Ich habe da (leider) Erfahrungen und Informationen, die das alles etwas kritischer erscheinen lassen.
Wie gesagt, meine Erfahrungen und die mir zugänglichen Informationen stellen die Folie dar, auf der ich neue Beobachtungen oder Argumente bewerte - ich glaube es geht nicht anders. Ich gebe mir Mühe, nicht zu emotional zu reagieren (obwohl ich gerade bei Themen rund um Drogen durch z.B. Erinnerungen an Menschen u. Situationen emotional belastet bin), wenn ich Argumente höre, die mMn keine andere Reaktion verdient hätten, als ein Kraftvolles "du hohle Nuss". Es fordert mir immer wieder höchste Selbstbeherrschung ab, auch bei der mMn dümmsten Argumentation auf die suche nach ihren Legitimationsfiguren zu gehen, um diese dann evtl. sachlich widerlegen zu können (oder wenigstens zu verstehen). Das bin ich dem Gegenüber mMn schuldig, denn auch der hat sich seine Meinung zu dem Thema aufgrund seiner Erfahrungen und Informationen gebildet - es waren nur andere als bei mir (mMn in sehr vielen Fällen der Kern von Dissens).
Nicht zuletzt gibt es auch in mir ein starkes Misstrauen gegenüber Meldungen a la "Haschisch bald legal?". Das habe ich in den letzten 20 Jahren einfach zu oft gesehen, gehört und zu gerne dran geglaubt - und bin bisher immer zuverlässig enttäuscht worden, da die Contra-Argumente (nach denen dann entschieden wurde) von den Entscheidungsträgern als stichhaltiger bezeichnet wurden, obwohl sie bei genauerer Betrachtung keinen feuchten Furz wert gewesen wären oder sogar eher Argumente FÜR die Legalisierung sind.
Die Wissenschaftswelt schüttelt dann müde den Kopf und begibt sich wieder in die Labore, um eben diese "stichhaltigen" Argumente NOCH stichhaltiger zu widerlegen (schon wieder) oder die eigenen Argumente so zu formulieren, dass auch der ausgebuffteste Rhetoriker daran nichts mehr verdrehen KANN.
Und der Zirkus läuft jetzt seit Jahrzehnten ... da kann man schonmal leicht aus der Haut fahren - wenn man sich nicht zusammenreißt und die Debatte wie ich seit den 90ern verfolgt (vorher hatte ich mit "Drogen" nix am Hut
Ich finde es verständlich und auch durchaus OK, wenn sich hier Leute auch einfach mal den angesammelten Frust von der Seele schreiben können - selbst wenn das nur selten Zielführend ist. Es schafft auch Möglichkeiten und belebt die Diskussion. Nur sachlich ist auf die dauer nämlich ein wenig fad.
Ganz nebenbei kann angesammelter Frust auch blockieren. Wenn der ein Ventil gefunden hat, ist auch wieder mehr Ruhe da, um sich mit dem Thema sachlich zu beschäftigen.
Für mich sehen die vielen roten Tücher viel freundlicher aus, wenn ich ab und zu mal betont unsachlich daherpoltere. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nur mir so geht.
Nichts desto Trotz sollte man sich stehts um eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema bemühen - nicht nur weil das so in den PuG-Regeln steht, sondern weil man es sich Selbst, dem Thema und den anderen um Sachlichkeit Bemühten schuldig ist.
Trollen und sich dabei gehörig auskotzen kann man auf Facebook ohnehin besser. Zwischen dem ganzen social-media-garbage fällt das auch nicht so auf.
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