AW: Cannabis Legalisierung
1g reines Heroin ist NICHT tödlicher als 1g reines Nikotin (soweit ich weiß , sind in dieser Dosierung beide Substanzen absolut tödlich). Letzteres kann man aber ohne Mengenbegrenzung frei kaufen (an jeder beschissenen Ecke), bei Alkohol tötet meist nicht der Stoff, sondern die mit seiner Wirkung zusammenhängende Selbstüberschätzung bei gleichzeitigem Kontrollverlust (z.B. im Bez. auf die Motorik und die Reaktionszeit). Die meisten Todesfälle durch Alkohol sind eher seinen Nebenwirkungen zu verdanken, als der Giftigkeit dieses Stoffes selbst, tödliche Alkoholvergiftungen gibt es trotzdem.
1g reines THC sorgt hingegen mWn nur für einen recht tiefen Schlaf. Würde ich mich vergiften wollen, ich würde es mit diesem Stoff erst gar nicht versuchen, denn die Chancen stehen denkbar schlecht.
Als "Gift" ist THC schlicht untauglich.
Bevor wir uns also auf die Giftigkeit versteifen, sollten wir uns darüber klar werden, bei welchen dieser Substanzen überhaupt eine lineare Korrelation zwischen ihrer Giftigkeit für den menschl. Organismus und ihren beobachtbaren Folgen besteht. Auch hier unterscheiden sich verschiedene Substanzen entscheidend, Alkohol ist aber auch dann wohl noch eine der gefährlicheren.
Meine Evolutions-Bemerkung muss ich ganz offensichtlich nochmal erklären.
Die übelsten Gifte stammen aus der Natur. Vollsynthetische Stoffe hatte ich ausgeklammert, weil die in der natürlichen Evolution allgemein keine besondere Rolle spielen (dafür gibt es sie meist noch nicht lang genug).
In eben dieser Natur hat die GANZE Evolution der menschlichen Spezies stattgefunden.
Viele der Gifte, die z.B. von Pflanzen produziert werden (THC, Opium undandere Alkaloide, sowie Amphetamine) dienen dem Schutz dieser Pflanze vor "Fressfeinden", der Sonneneinstrahlung, Kälteperioden u.Ä. - es gibt also definitiv einen guten Grund, für die Existenz dieser Stoffe.
Anpassung an die Umwelt kann auch beinhalten, dass es von Zeit zu Zeit kaum etwas anderes zu essen gibt, als eben diese Pflanzen mit ihren "unangenehmen" Nebenwirkungen (Ich hab weiter oben schon geschrieben, dass Cannabis eine Pionierpflanze ist, also gut zu den ersten Pflanzenarten gehören kann, die sich in einem unfruchtbaren Landstrich nach einer Naturkatastrophe wieder ausbreiten).
Nicht ganz wenige dieser Planzen sind unter entsprechenden Vorkehrungen essbar. Beispiele sind Mohn - die Samen der Pflanze aus der auch Opium hergestelllt werden kann, Cannabis (Blätter und Samen), Coca-Blätter, die noch heute als Appetitzügler und Durchhaltehilfe gekaut werden, oder Mate - Mate-Tee beinhaltet in der ursprünglichen Zubereitung (Club-Mate hat damit rein garnichts zu tun) z.B. Ephidrin. Alles dies sind Pflanzen, welche einer kleinen Population (uber Jahrtausende der Menschheitsentwicklung gab es scheinbar keine wirklich großen Gruppen) ein überleben in Notzeiten ermöglichen oder erleichtern können.
Damit kann der Umgang (i.e. Abbau von bzw. Umgang mit giftigen Inhaltsstoffen d. Nahrung) für eine solche Population zeitweise zum Evolutionsfaktor werden (wer's nicht verträgt, stirbt z.B. an den Vergiftungserscheinungen oder er verhungert einfach, wenn es sonst eben nix gibt). Im Fall von Alkohol verlängert die Verträglichkeit ganz simpel die Dauer, für die eingelagerte Früchte noch genießbar sind, oder erhöht den essbaren Anteil an Fallobst.
Bei einigen anderen Giften ist eine Anpassung der Körperchemie über Generationen hinweg u.U. notwendig, weil diese Toleranz eben das zeitweise knappe Nahrungsangebot erweitert (z.B. um so leckere Dinge wie Mohnstreifen).
So hatte ich das in etwa gedacht. Dabei ging es nicht mal direkt um die Stoffe, die wir mometan als "Drogen" kennen. Es geht dabei einfach darum, dass jeder Stoff, den der Körper verträgt (i.e. verarbeiten kann) die Nahrungspalette erweitert. Und das es sich beim Aufbau dieser Verträglichkeiten um Entwicklungen handelt, die über Generationen hinweg stattgefunden haben. Auch für alle anderen Nahrungsmittel musste sich irgendwo zwische Einzeller und modernem Menschen ein Organismus entwickeln, der sich eben davon ernähren KANN. Genaugenommen gilt das hier gesagte also nicht mal nur für Drogen sondern für jeden Stoff, der in unserer Nahrung enthalten sein kann.
MAO-Hemmer können z.B. dafür sorgen, das sogar Bananen Rauschzustände hervorrufen, je nach dosierung kann das sogar böse Folgen haben. Zum Glück hat Mensch unter normalen Umständen reichlich Monoaminooxidase, und kann daher gefahrlos Bananen (und viel anderes Obst) essen.
Wäre unsere Evolution (vom Einzeller bis zum modernen Menschen) anders verlaufen, hätten wir heute auch andere Rauschmittel. Vielleicht würden wir dann hier um Bananen und Äpfel diskutieren?
Für sicher halte ich jedoch, dass es Menschen gibt, weil sich Organismen über Jahrmillionen hinweg an verschiedene natürlich vorkommende Nahrungsgifte gewöhnt haben und es dadurch ein ständiges Wettrüsten gab. Ein Gift, welches seine unangenehmen Wirkungen verfehlt, weil der Fressfeind sich einfach dran gewöhnt hat, erfüllt für die Spezies, von der es als Schutz eingesetzt wird nicht mehr seinen Zweck. Diese Spezies muss nun etwas entwickeln, das ihr diesen Schutz wieder bietet oder den Schaden durch den Fressfeind anders minimiert - oder sie stirbt über kurz oder lang aus. Die logische Folge sind immer wirksamere Schutzmechanismen (z.B. potentere Gifte) auf der einen Seite, und (i.d.F.) immer höhere Gift-Toleranzen auf der anderen.
Für Körperpanzerung und Körperwaffen ist dieses Wettrüsten einigermaßen allgemeinverständlich. Die Panzerung wurde dicker, und dementsprechend wurden z.B. die Zähne länger, die Kiefer stärker und andersrum. Auch auf dem Gebiet der "Körpergifte" sind ähnliche Mechanismen mMn einfach logisch.
Es gibt sogar eine altägliche durch Menschen geschaffene Wettrüst-Situation. Resistente Stämme durch Hygienemaßnahmen in Krankenhäusern. Viren, die über die aggressivsten bekannten Desinfektionsmittel nur müde lächeln können, oder Bakterien, die sich in einer Penicilin-Lösung noch viel schneller vermehren, als in der freien Natur. Ganz normale Anpassungen an Stoffe, die in der Lebensumwelt dieser Organismen "natürlich" vorkommen.
In unserer modernen Gesellschaft ist das sicherlich nicht von so großer Bedeutung, man sollte es aber nicht komplett ausblenden (vor allem, wenn man die gleiche evolutionstheoretische Argumentation anderswo gerne mal bemüht, um soziale Ungleichheiten zu legitimieren).
Die Anpassungsfähigkeit an verschiedenste Lebensumwelten ist dafür verantwortlich, dass die Menschen zu den erfolgreichsten Spezies der Erde gehören - und diese Anpassung macht eben keinen Bogen um "böse" Drogen (in der Tat ist es dieser Anpassung scheißegal, was unser Denken oder unsere Gesetze zu einzelnen Stoffen sagen).
Mit dieser Argumentation ist es leider möglich (und eigentlich auch logisch) restlos jede Einnahme dieser Stoffe zu Rauschzwecken als Missbrauch zu verstehen - also auch das "wohlverdiente" Feierabend-Bier.
@Seppuku
Woher hat Mensch etwas, das von Medizinern "Endocannabinoid-System" genannt wird? Und warum kann dieses System nicht nur beim Menschen nachgewiesen werden, sondern bei nahezu allen Säugetieren?
Woher hat Mensch die "passenden" Rezeptoren für eine Vielzahl von "Drogen" oder kann diese innerhalb recht kurzer Zeitspannen generieren bzw. aus existierendem umbauen?
Warum empfinden wir Vergiftungserscheinungen teilweise als "angenehm"? Und warum wirken Drogen auf andere Nervensysteme so komplett anders als beim Menschen?
Warum begegnen einem bei der Suche nach Psylos viel mehr Katzen (zumindest gefühlt), als zu Jahreszeiten, in denen diese Myozäne (?) keine Früchte tragen? Die suchen doch nicht etwa auch nach einem kleinen "Kick".
Du scheinst einiges über Körperchemie zu wissen, dann kannst du sicherlich diese Fragen recht einfach beantworten.
Bei der Verträglichkeit von Alkohol geht es nebenbei bemerkt nur um EIN Gährungsprodukt (Ethanol), in Nahrungsmitteln sind aber alle Gährungsprodukte unter Umständen enthalten, auch solche, die Mensch nur in sehr kleinen Mengen verträgt. Das Rauschmittel Alkohol ist das Produkt einer Jahrtausendelangen Geschichte, die Herstellungsverfahren dahingehend verfeinerte, z.B. keine "Fusel-Öle" in den fertigen Spirituosen zu haben, möglichst nur eine Form von Alkohol zu produzieren usw.
Da muss man nur mal Produktionsstätten für Brennspiritus und Wodka miteinander vergleichen, beides enthält Alkohol, aber beim Letzten kann man sich aber durch das Herstellungsverfahren drauf verlassen, keine besonderen Überaschungen zu erleben.
Und all das war nur möglich, WEIL Alkohol nicht illegal war/ist, seine Herstellung also kontrolliert stattfand.
Ich halte es für durchaus denkbar, dass unsere Ethanol-Toleranz inzwischen das für die Verarbeitung von Lebensmitteln notwendige um ein Vielfaches übersteigt. Da geht es nicht mehr darum, von leicht gegorenem keine Bauchschmerzen zu bekommen, da geht es ausschließlich um den Rausch.