AW: Cannabis Legalisierung
Seppuku schrieb:
In wie weit ist das Verhalten der Katze anders als beim Menschen?
Bisher war die Wirkung bei ALLEN Katzen, die ich beobachten konnte exakt die gleiche. Auch bei Katzen, die seit Jahren relativ regelmäßig Haschisch essen (wie mir von den Besitzern berichtet wurde). Natürlich kommt das nicht so oft vor, schließlich wollen die Leute ihr Hasch lieber selbst rauchen.
Du findest bestimmt auch einen Artikel, der behauptet, dass Mariuana im Prinzip bei allen Nutzern zu Panikattacken führt, Gewohnheitskiffer aber einfach gelernt haben, das auszublenden oder zu unterdrücken.
Panik durch Mariuana ist hinreichend belegt, meist für Erstkonsumenten, und recht selten für Langzeitkonsumenten. Noch viel seltener wird es bei Leuten nachgewiesen, die ab und zu mal kiffen.
Meinen ersten Alk-Rausch fand ich auch nicht gerade angenehm, allerdings gab es da etwas, wovor ich noch mehr Angst hatte, als vor der Wirkung (die ich bis daher so nicht kannte). Das Schlapppschwanz-Image, dass mir meine Schulkameraden und Freunde dann sehr wahrscheinlich zugeschrieben hätten - also habe ich eben die Klaoppe gehalten und versucht cool zu bleiben.
Die Aggression bei Katzen auf THC passt wunderbar zur Panik-These, diese Reaktion ist mir allerdings nur bei "Erstkonsum" bekannt. Das übrige Verhalten (Auspowern) war jedoch scheinbar obligatorisch. Für so doof, dass sie aus reiner Gewohnheit wiederholt nutzloses Fluchtverhalten zeigen, halte ich Katzen eben nicht. Vor allem Frage ich mich, warum frisst eine Katze zum zweiten mal freiwillig dieses Zeug, wenn sie beim ersten mal davon einfach nur Panik hatte?
Hast du dafür auch ein logische Erklärung?
Ach ja ich hab mich ja auch recht kurz danach zum zweiten mal besoffen. Vielleicht gibt es ja bei Katzen auch Gesetze, die alles ausser Haschisch verbieten, und ein soziales Miteinander, welches Verweigerer gerne mal als "Pussies" bezeichnet.
Seppuku schrieb:
Und zu den Pferden: Wenn ich dir Stechapfelblätter in den Hintern stecke, dann kannst du dir einmal überlegen, ob du eher unruhig oder einschlafen würdest...
Sicher, es ist aber hoch wahrscheinlich, dass ich dabei einschlafe.

Und wenn ich dann aus dieser Schlafphase erwache, werde ich ganz sicher keinen Weltrekord brechen (höchstens einen im leise und undeutlich Sprechen, unkontrolliertem Stolpern oder anderen motorischen Störungen).
Pferde schlafen davon einfach NICHT ein und auch von motorischen Störungen kann man bei diesen Tieren nicht wirklich sprechen. Egal ob Panik oder nicht, hier sehe ich andere Wirkungen des Stoffes auf den Organismus als beim Menschen, denn ob ein Mensch von Stechapfel nun panisch wird oder nicht, das schützt ihn NICHT vor den übrigen Wirkungen dieser Pflanze.
Auch wenn es manchmal behauptet wurde, bei Panik handelt es sich nicht um eine normale Folge von Drogen sondern um eine erlernte bzw. genetisch programmierte Reaktion auf unbekanntes, nicht einschätzbares - lieber flüchten, als nicht zu wissen was passiert. Normalerweise lässt diese Panik nach, wenn der Nutzer den Stoff, seine Wirkung und vor allem den Umstand, dass sie nicht ewig hält, kennengelernt hat, und einschätzen kann.
Panik im Umgang mit bewusstseinverändernden Drogen ist meist kein Dauerzustand und bei zumindest einer Droge (LSD - "oh mein Gott, bin ich jetzt hängengeblieben?" ) ist die Panik Mediengemacht - unterirdische Aufklärung über die Droge selbst, bei absoluter Konzentration auf wenige krasse Negativbeispiele. Man weiß genau (oder bildet es sich zumindest ein), wie diese Droge wirken kann, man kennt die Bilder von Verrückten, der Realität vollkommen Entflohenen LSD-Opfer.
Wer das Zeug mal genommen hat (vielleicht auch nicht nur einmal) der weiß, dass diese Droge einfach absolut unberechenbar ist, dass jeder Trip einen an den Rand des Wahnsinns treiben kann - dass aber die wenigsten Konsumenten davon tatsächlich Wahnsinnig werden. Der Anfang des Rausches ist scheinbar immer gleich (Euphorie, Lachflash) aber was dann kommt, kann man vorher nicht genau sagen.
Aber wir entfernen uns immer weiter vom Thema. Vielleicht reicht es ja aus, wenn ich dir sage, dass mMn für die meisten Drogen nicht prognostiziert werden kann, wie sie auf einen Organismus wirken, bis er sie zum ersten, zweiten und dritten mal zu sich genommen hat. Vor allem kann man nicht von der Wirkung auf Menschen auf die Wirkung auf Katzen oder Pferde schließen - andersrum genauso. Unterschiedliche Organismen unterschiedliche Wirkungen. Das einzige was bei nahezu allen gleich sein sollte, ist die Wirkung der Substanz als Gift.
Ich denke ebenfalls, dass jahrelange Negativpropagansda im Bezug auf Drogen vor allem eines erreicht hat: Desinformation und Abschreckung der ängstlichen. Bei Erstkonsumenten ist der Effekt oft eher "Ach, so schlimm ist das ja garnicht" - und in diesem Fall geht der Schuss einfach total nach hinten los, denn bei diesen Leuten zerstört es eigentlich zunächst das Vertrauen in öffentliche Informationakanäle.
Ich habe gestern eine Interessante Doku über die Geschichte des Drogenkonsums gesehen ("Im Rausch - die Geschichte der Drogen" ). Darin wurde die These aufgestellt, dass letztlich vor allem religiöse Gründe Rauschzustände aus unserem spirituellen Alltag verbannt haben. Niemand darf zu Gott gelangen, ausser durch Jesus (i.e. die Kirche) also haben die frühen Christen systematisch die Tempel der alten Mysterienglauben geschändet (als sie dann im 5.Jahrhundert endlich mächtig genug waren) und bis auf die Grundmauern niedergerissen. Bis zu diesen religiösen Fanatikern und der daran anschließenden Wirtschaftsmacht Kirche waren Drogen fester Betstandteil eigentlich jeder Hochkultur, als Medizin und als Rauschmittel - vor allem um mit den göttlichen Elementen in Kontakt zu kommen. Ein solcher Alltagsgebrauch hätte die Kirche daran gehindert, ihr absolutes "Seelenheil-Monopol" zu errichten. Also musste die ehemalige Drogenkultur komplett ausgelöscht werden - nur beim Alkohol und dem Weihrauch haben sie es nicht geschafft, das mussten sie dann in ihren Ritus einbauen (z.B. Messwein als als Blut Christi), genau wie das mit vielen anderen heidnischen Bräuchen geschah (als Bsp. Weihnachten = Wintersonnenwende, da hat sich sogar die Symbolik nicht groß geändert, das ganze ist noch immer ein billiger Ersatz für rauschende Wintersonnenwendfeiern). Die Geburtsgesschenke an Jesus (Weihrauch, Myrrhe, Salbei), enthalten bewusstseinsverändernde Substanzen - das sind Drogen gewesen, und es machte damals wohl auch einfach keinen Sinn, einer spirituellen Führerfigur (als die Jesus in der eigentlich einzigen Quelle über sein Leben, in der Bibel aufgebaut wurde) andere Sachen zu schenken. Drogen waren damals ein direkter Draht zu den Göttern.
Unsere heutigen Drogenprobleme sind nach dieser Doku vor allem einem global agierenden Wirtschaftssystem zu verdanken, welches z.B. mit Opium Millionen verdiente (dafür wurden sogar Kriege geführt aber nicht um die Anbaugebiete, sondern um den Absatzmarkt China), sowie einer aufkeimenden unkontrollierten Pharma-Industie, die unsere heutigen "bösen" Drogen als "cure-it-all" vemarktet hat - mit ähnlichen Intentionen die den Drogenmarkt noch heute am Leben erhalten - viel Geld für möglichst wenig Leistung.
Bei mir hinterließ diese Doku das Gefühl: Als religiöse Utensilie waren Drogen in fast allen Hochkulturen verteten und kontrollierbar, damit hat das Christentum gründlich aufgeräumt. Als Drogen dann in Form von nichtmal verschreibungspflichtigen Medikamenten wieder auf den Markt kamen war eine Abhängigkeitsproblematik kaum zu vermeiden - vor allem weil Drogen ja tatsächlich zunächst etwas Erleichterung bringen, bis es dann eben nicht mehr reicht, man aber ohne das "Medikament" (i.e. das in ihm enthaltene Rauschmittel) nicht mehr zufrieden ist.
Bei seiner Markteinführung wurde Coca-Cola in Apotheken als "Dope" verkauft - es bestand zum Großteil aus mit Kokain versetztem Rotwein war also genaugenommen nichts weiter als ein "belebender Drogencocktail". Heroin wurde zunächst unter anderem als "Morphium-Substitut" vermarktet.
Coca-Cola ist laut dieser Doku eines der ersten global vermarkteten Produkte (das erste war "Patna-Opium", welches von der British Eastindia-Company vertrieben wurde). Drogen wurden schon im Kolonialzeitalter global gehandelt - mit staatlicher Duldung und unter staatlichem Schutz.
Was ist davon zu halten? Bei mir fiel das auf fruchtbaren Boden, da ich Kirche und Pharmaindustrie ohnehin nicht besonders mag, aber wie sieht das jemand, der diesen Institutionen weniger kritisch gegenübersteht?
Hat die Geschichte am ende nicht nur dafür gesorgt, dass wir Drogen heute entweder als Medikamente oder zum Spass nehmen? Die ehemalige spiriituelle Bedeutung haben sie jedenfalls für die wenigsten heutigen Konsumenten. Die nehmen Drogen gegen Kopfschmerzen, Fieber oder andere Krankheitssymptome, zur Entspannung, als "un poco energia" oder einfach weil sie ohne nicht gut klarkommen (z.B. weil sie abhängig sind oder weil ihr Arbeits- und Biorhythmus nicht zusammenpassen KÖNNEN - z.B. Valium zum Einschlafen und Kaptagon zum Wachwerden, damit das auch am hellichten Tag problemlos klappt, weil man in der Nacht schon wieder im Flieger nach "wasweißichwo" sitzen muss).
@dacapo + diRAM
Kriminalsistisch betrachtet ist das Cannabisverbot ohenhin ein Flop, wie fast jedes Verbot.
Allerdings fühle ich mich zu dem Hinweis angehalten, dass die Zahlen kriminalistischer Untersuchungen (v.A. Statistiken zu Anzeigen und Inhaftierungen) zweierlei Dinge bedeuten können:
1. Einen tatsächlichen Anstieg der Vergehen, und
2. Eine gestiegene Sensibilität in der Öffentlichkeit, sowie die in den letzten Jahren stark ausgebauten Überwachungsmechanismen und Techniken.
Vor allem letzteres macht aus diesen Statstiken ein unzuverlässiges Messinstrument für den tatsächlichen Konsum. Eigentlich sagen diese Statstiken nicht mehr, als dass mehr Leute sich haben erwischen lassen ... ob man daran tatsächlich ein gesteigertes Konsumverhalten sehen kann, ist mMn reine Spekulation, denn dieses Bild kann auch dadurch entstehen, dass die Dunkelziffern gesunken sind, sich also nur die Sichtbarkeit des Konsumverhaltens geändert hat.
Die, die diese Statistiken anfertigen, gehören ganz sicher zu der Gruppe Menschen, vor denen man illegales Verhalten besser verstecken sollte, zumindest solange sie in offizieller Funktion agieren.