Zunächst muss mal eine Ent-Stigmatisierung in unserer Gesellschaft greifen ... und so leid es mir tut, das schafft man nicht mit Gesetzen.
Da muss Aufklärung her ... z.B. in Form von Aufklärungsfilmen a la Oswald Kolle (bloß eben mit tatsächlicher Aufklärugsintention und nicht einfach als abendprogrammtaugliche Soft-Pornos). "Der Junkie - das unbekannte Wesen".
Ich glaube die große Mehrheit hat ein stark verzerrtes Bild von Drogenkonsumenten, da ja die einzigen Vertreter dieser Kategoprien, die sie live erleben eben die Junks m Bahnhof (oder wo die entsprechende Szene halöt sitzt) sind, bei denen sich ganz sicher alle Negativfolgen von Drogenkonsum UND Kriminalisierung/Stigmnatisierung vereinen ... das ist allerdings nicht representativ für die Gruppe der Drogenabhängigen, die ist viel größer und besteht zu einem bedeutenden Teil aus Menschen, die trotz Drogen Jobs nachgehen (teilweise sogar gut bezahlten und sehr stressigen) Leute wie Du und Ich, die eben nach Feierabend nicht Bier oder Wein trinken, sondern Hasch rauchen, Koks sniffen oder Heroin spritzen.
Es muss einfach aufgeräumt werden mit der Mär von Haschischspritzer, der ausgemergelt kleine Kinder belästigt. Es geht nicht an, dass man alle Drogen in einen Topf wirft, weil sie eben illegal sind. Es gibt Unterschiede, und ehrlich gesagt, ist die Hemmschwelle nicht nur gesunken ... sie ist einfach WEG wenn man nach dem ersten Konsum dann doch nicht gleich abhängig ist, wie einem das seit Kindheit immer wieder erzählt wurde ... und das gilt eben nicht nur für die Drogen, mit denen man DIESE Erfahrung gemacht hat, das gilt für alle Drogen, denen nachgesagt wird, dass einmaliger Konsum (zwingend) abhängig machen würde. Denn nichts wird einem beim Umgang mit Drogen schneller bewusst, als dass DAS absoluter Käse ist. Mit solchen Überzeugungen und Märchen wird der verzweifelte versuch gemacht, junge Leute von Drogen fernzuhalten ... das ist OK, wenns klappt, aber wenn es aus irgendeinem Grund nicht klappt (und Widersprüche zu diesen Thesen findet man überall, weswegen das so gut wie nie wirklich klappt) geht der Schuss gleich doppelt nach hinten los.
Ich wusste bei meinen ersten Kontakten mit Heroin (ich habs nie genommen) ganz genau, was das fürn Zeug ist, und was das mit Menschen anstellen kann ... ich habe es in meinem Umfeld beobachten können (siehe "Feldversuch" weiter oben). Das gleiche Bei Koks, Speed, MDMA. Mir war schon vor der Entscheidung für/gegen Konsum klar, was diese Substanzen aus einzelnen Pesonen meines Umfeldes gemacht hatten, und mir war klar, dass ich SO nicht leben möchte ... also habe ich die Finger davon gelassen. Unter diesen Leuten waren Bahnhofs-Junkies genauso vertreten, wie Kokainabhängige Workaholics und dauerbekiffte "Aussteiger", deren Leben sich eigentlich nur noch um den Stoff drehte. Der eine ging z.B. eigentlich nur arbeiten, um seinen Koks-Konsum zu finanzieren ... und seinen königlichen Lebensstil mitsamt 100m²-Loft und dickem Benz ... Koks macht größenwahnsinnig ... das weiß auch nicht jeder Erstkonsument, aber im Umgang mit Koksern wird genau das eigentlich zu ihrer abstoßendsten Eigenschaft ... was mich davor bewahrt hat, dieses Zeug mehr als nur zu probieren (war eh nichts für mich, bin wohl eher der psychedelische Downer-typ), ausserdem gilt bei eigentlich fast allen Drogen: "je höher das high, desto tiefer das down danach". Wodurch sich mir Stimmungsaufheller schon automatisch verbieten - die machen am ende ja doch nur schlechte Laune.
Aufklärung ist mMn der Schlüssel zu einem Rückgang der Konsumentenzahlen, denn es ist tatsächlich so, dass viele Drogenabhängige von ihrer eigenen Sucht fast überrascht wurden ... "Ich hatte ja keine Ahnung, wie hart und sinnlos das tatsäclich ist" ... diesen Satz habe ich von recht vielen Junkies gehört ... einige geben sich dann als letzten Ausweg absichtlich eine Überdosis.
Aber ... um gegen diese Ahnungslosigkeit vorzugehen, muss es eben möglich sein, schwer Drogenabhängige in ihre "natürlichen Umgebung zu beobachten" (klingt jetzt fies, aber trifft) ... und diese natürliche Umgebung ist eben NICHT eine Suchtklinik, wie ich sie mit der Schule besucht habe, diese natürliche Umgebung ist der ganz normale Alltag, den jeder in DE kennt ... er stellt sich für Drogenkonsumenten momentan durch die Illegalität nur sehr anders dar, als für den Otto-Normal-Verbraucher ... und das schafft eine Kluft zwischen den Konsumenten und Nichtkonsumenten ... Verbrechern kann man doch nicht einfach glauben, und wer illegales tut, ist ein Verbrecher ... dabei sind die Erfahrungen von Drogenabhängigen letztlich das beste Abschreckungsmittel, was man sich vorstellen kann, denn das ist realistisch - und nichts ist brutaler als die Realität.
Wer einen guten Freund "live" im Drogensumpf versinken sieht, sich dabei nicht abwendet und viel Energie darauf verwendet, einen lieben Menschen aus dieser Scheiße herauszuhelfen ... der braucht auch keine Abschreckung durch Gesetze/Strafen oder Gesundheitsrisiken ... dieser Film reicht als Abschreckung ein paar Leben lang.
Und auch das ist meine persönliche Erfahrung und basiert auf einem Einzelfall (meine erste große Liebe), ich komme noch heute nicht gut auf diese Erinnerungen klar, und auf der Szene in meiner Hemat halte ich es genau deswegen nicht lange aus ... obwohl es da viele Menschen gibt, die ich echt mag (das liegt insgesamt schon über 16 jahre zurück).
Ich habe nicht TROTZ meines Umgangs mit Drogenkonsumenten ein mMn unbedenkliches und stabiles Konsumverhalten entwickelt, sondern gerade DURCH diesen Umgang.
Das Netz bietet Informationen ... sehr viel Informationen ... die meisten sind nicht wirklich glaubwürdig, schlecht recherchiert oder schlicht falsch. Das bedeutet, dass jeder Netz-nutzer filtern MUSS ... und wonach wird gefiltert? Ganz klar, wer Argumente für seinen Standpunkt sucht, der wird nach "passt/passt nicht" filtern ... ob dabei dann etwas herauskommt, was mit einer Buch- oder Zeitschriften-Recherche mithalten kann, das muss stark bezweifelt werden.
In knapp 20 Jahren Internet wurden weit mehr "Seiten" veröffentlicht, als in 400 Jahren Buchdruck zusammen, ich fänds mehr als verständlich wenn die Qualität unter dieser Massenproduktion leidet. Man findet Information von und zu allem möglichen, aus allen möglichen Perspektiven ... das ist nicht schlecht, erfordert aber von dem, der Information sucht eine Selektion ... und es ist bei der Fülle von verschiedenen Informationen auch problemlos möglich JEDES Argument zu stützen, wodurch Argumentatonen im Netz grundsätzlich einer gewissen Beliebigkeit ausgesetzt sind. Alle Standpunkte sind begründbar, und das bedeutet für mich nichts anderes, als das die Frage nach "gut/schlecht" im Bezug auf Informationen aus dem Netz im Prinzip eine fast metaphysische Frage ist.
Mich störts nicht, denn ich nehme es als Beweis für die Beliebigkeit der Begriffe Wahrheit, Wirklichkeit und Realität, denn letztlich entspringt jede Information einer Wahrheit, Wirklichkeit und Realität, vor dessen Hintergrund sie plausibel erscheint ... niemand postet Informationen, von deren Falschheit er selbst überzeugt ist ... aber das ist echt ein ganz anderes Thema.