Ich möchte noch mal einen Absatz aus dem Vice Interview zitieren, das drückt meine Grundhaltung ganz gut aus:
Nach 50 Jahren und buchstäblichen Billionen, die auf die Polizeiarbeit im Zusammenhang mit Drogen ausgegeben worden sind, gibt es mehr Drogenkonsumenten als je zuvor und Drogen sind billiger und leichter zu beschaffen als je zuvor. Die Kriminalisierung hat also auch an ihren eigenen Zielen gemessen versagt. Doch was sie erreicht hat, ist die Förderung eines riesigen, von Gewalt beherrschten, illegalen Marktes, der Chaos und Leid auf der ganzen Welt verursacht. Die Reaktion der Gesetzeshüter darauf hat wiederum schreckliche Menschenrechtsverletzungen und Masseninhaftierung nach sich gezogen sowie Millionen Menschen vorbestraft werden lassen. Sie hat dafür gesorgt, dass Drogen ein größeres Risiko darstellen, die Therapie und Schadensbegrenzung behindert und die HIV- und Hepatitis-C-Epidemie unter intravenösen Drogenkonsumenten vorangetrieben. [Die Drogenprohibition] ist eine der großen Katastrophen der Gesellschaftspolitik des 20. Jahrhunderts. Der Alternative World Drug Report, den wir gerade veröffentlicht haben, erzählt die ganze Geschichte mit all ihren furchtbaren Details.
Drogen muss oder besser sollte man nicht gut finden, tu ich auch nicht, aber Drogenpolitik ist nun mal keine Frage des Geschmacks.
Ob mir Drogen nicht gefallen oder nur ein Teil oder alle spielt keine Rolle, da darf man sich nicht von beeinflussen lassen.
Wenn man sich mal alte Zeitungsberichte aus den fünfziger und sechziger Jahre anschaut, dann sieht man sehr deutlich die damalige Grundhaltung zu Drogen:
Das böse Syndikat vergiftet unsere Bürger mit Drogen. Also muss nur mehr Bestrafung her, um die Bürger vor Drogen zu schützen. Aus diesem Hintergrund formierte sich 1961 die UNO Drogenkonvention, die in den siebzigern und achtziger Jahren bekräftigt wurde.
Aber und das muss jeder zugeben, hat die rigorose Bekämpfung von Drogen weder zu einem Rückgang oder Eindämmung geführt. Wenn man auf dieser Basis wenigstens diskutieren könnte, dann wäre schon viel erreicht.
Leider sind noch viele Staaten nicht dazu bereit, und ich denke im Falle von Singapore auch zu recht. Denn Singapore hat so gut wie keine Drogenprobleme, jährlich werden ungefähr nur 3000 Menschen wegen Drogenbesitz oder Schmuggel verhaftet (bei über 5 Millionen Einwohner).
Aber was vielleicht in Asien funktioniert, wird in Europa oder Südamerika nicht klappen. Hängt aber auch von der Grundhaltung der Menschen ab, in Asien ist Respekt und Demut (auch vor staatlichen Autoritäten) anders ausgeprägt wie in Kolumbien. Deswegen muss das Problem global angegangen werden, allerdings müssten regionale Unterschiede mit in die jeweilige Drogenpolitik einfließen.
Mittlerweile ist in Deutschland in der Bevölkerung weitgehend erkannt worden, dass Cannabis neben Alkohol und Tabak gesellschaftsfähig geworden ist. Cannabis ist voll integriert, verursacht aber auch Probleme die nun wirksam angegangen werden müssen.
Das Cannabiskontrollgesetz ist eine gute Grundlage ein Gesetz zu diskutieren und auszuarbeiten.
Zum Thema Kolumbien geht der Anbau hauptsächlich auf die massiven Anstrengungen der Regierung zurück. Das reicht aber schon bis in die neunziger Jahre, als Pablo Escobar noch lebte. Ich glaube 1993 wurde er gefasst, bzw. starb bei der Festnahme.
Was die wenigsten wissen:
In Kolumbien ist heute schon 20gr Marihuana und 1gr Kokain für den eigenen Bedarf legal.
Hier zeigt sich das Paradoxe das aber alle Länder irgendwie haben, man Entkriminalisiert aber regelt dann nicht die Produktion, die weiterhin in der Hand von Kriminellen bleibt!
Ich bin immer gegen Entkriminalisierung gewesen, denn ich bin der Meinung entweder ganz oder gar nicht. Nur ein Bisschen bringt uns nicht weiter sondern im Gegenteil nützt nur der Mafia( kann man gut in den Niederlanden mit den Coffeeshops sehen).
"Maßnahmen der Regierung / Kooperationen mit anderen Staaten
Die Strategie der kolumbianischen Regierung setzt bei zwei Punkten an: Einerseits bei der Vernichtung illegaler Kokafelder und der Beschlagnahme von Kokain und andererseits beim Einsatz von institutionellen, wirtschaftlichen und sozialen Maßnahmen. Bei der Zerstörung von Anbaufläche konnte die Regierung im Zeitraum von 1999 bis 2010 beachtliche Erfolge vorweisen. Zusätzlich gelangen ihr einige entscheidende Schläge gegen die bewaffneten Gruppen des Binnenkonflikts. Dennoch zählt Kolumbien weiterhin zu den größten Kokainherstellern der Welt. Es bilden sich neue, vor allem im Drogenhandel aktive kriminelle Gruppen, die teilweise alte Strukturen von demobilisierten Paramilitärs nutzen und es entstehen neue Anbauflächen in entlegenen und schwerer zugänglichen Dschungelgebieten."
http://www.drogenmachtweltschmerz.de/welt/lateinamerika/kolumbien/
Hier hast du in kurzen Sätzen deine Antwort gaunt
