Novar schrieb:
Du solltest schon etwas weiter denken als 2 Meter Feldweg...

Es ging um die "Sorge", eine Legalisierung würde zu einem Konsumanstieg führen - und das ist falsch, wie man in sämtlichen Ländern weltweit beobachten kann, in denen es bereits zur Legalisierung kam.
Nun, die Sache ist die:
Jedem, der weiter als 2m Feldweg denken kann, und sich halbwegs bemüht seriös zu sein, ist von vorneherein klar, das solche absoluten Aussagen, wie in deinem obigen Zitat, niemals haltbar sind oder überhaupt wahr sein können.
https://www.bundestag.de/resource/b...9633685a1cdc2d823525/WD-9-072-19-pdf-data.pdf
Auszüge:
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Belgien:
So ist der Wert zwischen
den Jahren 2003 und 2011 von 31 Prozent auf 24 Prozent gesunken; im Jahr 2013 lag dieser bei
18 Prozent und damit erneut auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Diese Entwicklung wird als
Zeichen dafür gewertet, dass die Entkriminalisierung von Cannabis keinen negativen Einfluss auf
das Konsumverhalten von Jugendlichen hatte.
Kanada:
Im ersten Quartal 2019 stieg danach die Zahl der neuen Cannabiskonsumenten im Vergleich zum
selben Zeitraum im Vorjahr deutlich an. Bei einem Teil der neuen Cannabiskonsumenten handelt
es sich um Erstkonsumenten, andere hingegen hatten bereits zu einem früheren Zeitpunkt Canna-
bis konsumiert und nunmehr nach der Legalisierung erneut Cannabis ausprobiert. Die Anzahl
der Erstkonsumenten hat sich von 327.000 im ersten Quartal 2018 auf 646.000 im ersten Quartal
2019 nahezu verdoppelt. Nach Angabe von SC hätten im ersten Quartal des Jahres 2019 insge-
samt circa 5,3 Millionen Kanadier im Alter von mindestens 15 Jahren Cannabis konsumiert. Dies
entspricht 18 Prozent der Bevölkerung. Der Wert liegt damit vier Prozent über dem ein Jahr zuvor
(und damit vor der Legalisierung) ermittelten Wert, der bei 14 Prozent lag.
Niederlande:
Die Ermittlung der Auswirkungen der niederländischen Drogenpolitik im Vergleich zu anderen
europäischen Ländern und den USA war Gegenstand einer weiteren Studie23, die im Jahr 2011
veröffentlicht wurde. Ausgangspunkt der Untersuchung waren Daten, die vom EMCDDA sowie
dem European School Survey Project on Alcohol and Other Drugs (ESPAD) gesammelt wurden;
für den Vergleich mit den USA wurde u. a. auf Daten des Monitoring the Future (MTF) zurückge-
griffen. Die Auswertung der verfügbaren Daten zeigte nach Ansicht der Autoren, dass die Anzahl
der Coffeeshops in den Niederlanden einen moderaten Einfluss auf die Prävalenzraten gehabt
habe, jedoch nicht zu einer Eskalation des Drogenkonsums geführt hätten – im Hinblick auf die
Dauer und Intensität des Konsums. Lediglich die Behandlungsraten von Cannabiskonsumenten
seien höher als in den übrigen Ländern Europas. Insgesamt entsprächen die für die Niederlande
ermittelten Werte denen anderer europäischer Länder. Die Trennung der Drogenmärkte könnte
tatsächlich zu einer Schwächung der Verbindung zwischen dem Konsum von Cannabis und dem
Konsum von Kokain oder Amphetaminen geführt haben. Die Autoren kommen insgesamt zu dem
Schluss, dass der Cannabiskonsum in den Niederlanden auf einem niedrigeren Niveau liege, als
der liberale Markt habe erwarten lassen
Ich hab jetzt mal zwei Beispiele rausgepickt, die sich widersprechen. In Kanada ist z.b. der Anteil an Cannabiskonsumenten seit der Legalisierung angestiegen.
In den Niederlanden sind die Prävalenzdaten auch gestiegen, was auf die steigende Anzahl an Coffeeshops zurückgeführt wurde, die überall in den Niederlanden entstanden sind, und damit quasi einen Werbung für Cannabiskonsum machten.
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Aber es gibt noch weitere Aspekte, bzgl. einer liberalen Drogenpolitik:
In den Niederlanden haben sich dort z.b. massiv kriminelle Strukturen eingenistet, die u.a. öffentlich Morde begehen, und die Gesellschaft insgesamt bedrohen, indem die horrenden Gewinne des Drogengeschäftes dazu benutzt werden Immobilien zu erwerben, oder sich in die Wirtschaft und Unternehmen einzukaufen, also reinvestiert werden. Dadurch wird das Fundament der Gesellschaft unterminiert.
https://www.dw.com/de/niederlande-liberale-drogenpolitik-mit-folgen/a-51443345
Ursächlich dafür ist einerseits der Zustand, das man in den Niederlanden in Coffeeshop Cannabis an Kunden abgeben darf, aber diese Coffeeshops dieses Cannbis nicht legal erwerben können und diese Lücke von Illegalen Banden gefüllt wurde.
Ein anderer Grund ist aber auch "die tolerante Haltung der Regierung und der Gesellschaft gegenüber Drogen und deren Konsum. 'Infolgedessen investieren wir nicht in starke Strafverfolgungsbehörden, um die Illegalität zu bekämpfen. In den Niederlanden sterben derzeit nur relativ wenige Menschen an einer Überdosis Drogen: Im Jahr 2016 waren es 250. "In einem Land mit 17 Millionen Einwohnern ist das fast nichts'"
Und Drogenanbau/Drogenverarbeitungs-Experten werden auch in den legalen Bereich vordringen und dort massiv investieren, denn das Kapital und die Expertise ist vorhanden.
Wir sollten es uns als Gesellschaft gut überlegen, ob wir uns gegenüber Drogenkonsum wirklich ein tolerantes Mindset nach dem Motto "Kiffen ist Gesund" zulegen, denn dies hätte mit Sicherheit katastrophale Folgen -
in Portugal hingegen wurde die Straffreiheit für Konsumenten mit einer massiven Aufklärungskampagne gekoppelt, das Ziel war es nicht Drogenmißbrauch gesellschaftsfähig zu machen, wie es die aktuelle Agenda bestimmter Kreise in D vermuten lässt, sondern dem massiven Mißbrauch etwas entgegenzusetzen und Drogenabhängige zu entkriminalisieren.
Das müsste man erstmal klären, mit welcher Zielsetzung und welchen Informationen eine etwaige Legalisierungskampagne versehen wird.
Aus dem Boden schießende Coffeeshops würden mit ziemlicher Sicherheit zu einem Anstieg der Prävalenzdaten führen. Und bis dahin kriminelle Strukturen würden ganz sicher in diesen Bereich hineinstoßen, gedeckt von Milliarden, stammend aus dem Verkauf anderer illegaler Substanzen.
MIt illegalem Drogenhandel werden Miliarden weltweit verdient und wenn man sich diesen Geschäft gegenüber ein positives Mindset zulegt, und dieses Millieu azkeptiert, dann kauft sich dieses Klientel überall ein, dann arbeiten wir bald alle für Drogenbarone und rauchen unser täglich Gras und schauen zu wie unsere Kinder verblöden.
Ist halt letzlich die Frage nach der Motivation:
Wollen wir die Legalisierung, weil wir ungeniert Drogen nehmen wollen, oder wollen wir dem Drogenmißbrauch etwas entgegensetzen?
Beides erfordert völlig andere Kampagnen, aber vor allen Dingen sollten wir bedenken das gut gemeint nicht immer gut gemacht ist.