Hunsrücker schrieb:
Die aktuelle Umfrage zeigt ein erschreckendes Bild: Wir diskutieren über „Bequemlichkeit“, während wir faktisch unsere existenzielle Handlungsfähigkeit abtreten. Wer heute noch glaubt, er sei „Nutzer“ eines Systems, hat nicht verstanden, dass er nur noch ein steuerbarer Datenpunkt in einer fremden Bilanz ist. Und diese Scharade der Freiheit: Der Mieter im eigenen Leben. Hören wir doch auf, von „Wahlfreiheit“ zu sprechen. Wir sitzen in einem digitalen Mietwagen, bei dem der Vermieter jederzeit den Motor abstellen kann. Dass wir die Farbe der Sitze wählen dürfen, ist der Knochen den man dem Hund zuwirft. Dabei ist es so einfach zu verstehen. Wer keine Kontrolle über den Quellcode und die physischen Server seiner Lebensgrundlagen hat, ist kein freier Bürger, sondern ein digitaler Leibeigener auf Abruf.
Da ist es nur eine bittere Ironie unserer Zeit, dass Deutschland mit seiner Steinzeit-Technik als letztes Bollwerk gegen dieses System steht. Dieses feststecken im digitalen Mittelalter, ist aktuell unser einziges (unfreiwilliges) Sicherheitsfeature. Das Faxgerät und der staubige Aktenordner sind ein „Air Gap“ gegen globale Systemausfälle. Während durchdigitalisierte Nationen bei einem Cloud-Blackout oder geopolitischen Sanktionen sofort kollabieren, können wir hier zumindest noch Formulare stempeln.
Aber Vorsicht: Wir digitalisieren gerade nicht, um souverän zu werden, sondern um diese analoge Resilienz gegen totale Abhängigkeit einzutauschen. Wir werfen das Fax weg und ersetzen es durch US-Monopole, ohne einen einzigen Gedanken an eine nationale oder europäische Krisenfestigkeit zu verschwenden. Das ist kein Fortschritt, das ist infrastrukturelle Selbstaufgabe aus purer Faulheit.
Wir reden hier nicht über TikTok-Sperren. Wir reden über den Verlust der Identität. Wenn dein Zugang zu Banken, Behörden und Kommunikation an einer privaten Cloud-ID hängt, bist du im Falle einer algorithmischen Fehlentscheidung oder einer politischen Eskalation gesellschaftlich tot. Wir haben die Grundversorgung gegen Komfort getauscht und besitzen im Ernstfall kein einziges Rettungsboot.
Also wahre Souveränität bedeutet heute, die eigene Bequemlichkeit zu hassen oder sie zumindest immer wieder in Frage zu stellen. Wir brauchen keine „smarten“ Lösungen, die uns entmündigen, sondern ein digitales Fundament, das uns gehört. Entweder wir akzeptieren die Schmerzen der Unbequemlichkeit und bauen eigene, dezentrale Schutzzonen auf, oder wir hören auf, uns über Überwachung und Bevormundung zu beschweren. Wir haben es so bestellt.
Ich möchte dazu anregen, die eigene digitale Existenz wieder kritischer und bewusster zu hinterfragen. Wir sollten uns fragen: Wo ziehe ich persönlich die Grenze zwischen Komfort und Selbstbestimmung? Es geht nicht darum, die Technik zu verteufeln, sondern darum, vom passiven Passagier wieder zum nachdenklichen Gestalter des eigenen Systems zu werden.
Schöner Text 🫶🏼. Sehe einiges Anders aber darauf will ich nicht eingehen, legitimer verständlicher Standpunkt.
Ich habe vor ein paar Tagen ein Manifest geschrieben. Das möchte ich hier ergänzen als das grösste Problem welches ich glaube zu erkennen.
Manifest gegen geistigen Verfall
Hört auf, nach dem neuesten Hype zu fragen.
Hört auf, Meinungen zu Dingen zu sammeln, die morgen irrelevant sind.
Der permanente Strom aus Trends, Hot Takes und Klatsch ist kein Wissen.
Er ist geistige Junk-Nahrung.
Was nur einen Tag oder eine Woche wichtig ist, ist per Definition unwichtig.
Wer daraus seine Gedanken formt, verlernt, tief zu denken.
Kurze Aufmerksamkeitsspannen erzeugen keine Kompetenz.
Kompetenz entsteht durch Dauer, Wiederholung und Anstrengung.
Schwere Probleme lassen sich nicht im Modus ständiger Ablenkung lösen.
Das Internet trainiert Oberflächlichkeit.
Nicht metaphorisch. Biologisch.
Es macht Lesen anstrengend, Denken mühsam und Tiefe unattraktiv.
Intelligenz ist wertlos, wenn man nicht gelernt hat, sie zu benutzen.
Wer seine Aufmerksamkeit zerstört, zerstört seine Intelligenz in der Praxis.
Klatsch ist Klatsch.
Er dient nicht dem Lernen, sondern dem Ego.
Er produziert Lärm, keine Einsicht.
Gefühle sind kein Argument und kein Befehl.
Unmotiviert sein ist kein Grund, nichts zu tun.
Akzeptiere den Zustand. Arbeite trotzdem.
Gesellschaftlicher Stillstand ist kein Zufall.
Er ist die Summe individueller Ablenkung.
Man bekommt keine Brücken, Dämme oder Durchbrüche aus TikTok-Gehirnen.
Fast alles, was online diskutiert wird, ist falsch, veraltet oder agenda-getrieben.
Wahrheit ist nebensächlich geworden.
Wichtig ist nur noch, ob es Punkte fürs eigene Team bringt.
Hochwertige Gedanken entstehen langsam.
Hochwertige Diskussionen erfordern Jahre echter Arbeit.
Alles andere ist Müll.
Und genau darin schwimmen wir.