News Software und Dienste: Wie sehr seid ihr von Big Tech abhängig?

R4nd0 schrieb:
Die Welt ist grösser, als es in euren Debatten oft den Anschein hat.
Irgendwas hast du falsch verstanden: Es geht hier doch genau um das Mehr, das in der Welt vorhanden ist. Warum Google Mail, wenn es auch ein kleinerer Mail-Dienst von um die Ecke genauso tut? Warum MS Office, wenn es doch so viele Alternativen gibt?

R4nd0 schrieb:
Nehmt eure Autos: Sie geniessen weltweit höchstes Ansehen, und niemand käme auf die absurde Idee, dies als “Abhängigkeit” von deutschen Herstellern darzustellen. Stattdessen tobt der Wettbewerb auf dem Markt um bessere Produkte und innovative Ideen.
Und das ist in der Computerwelt nicht so. Dort besteht ein Oligopol, falls dir das noch nicht aufgefallen ist.
Betriebssysteme: Microsoft, Apple, "Linux"
Smartphones: Android, Apple, und das, was die Chinesen haben
Cloud: Amazon, Google, Microsoft
Festplatten: Seagate, Toshiba, Western Digital
Grafikkarten: AMD, Nvidia, Intel
usw.
Es sind immer nur 2-3 Anbieter, die mit Abstand das Feld dominieren

Und diese Dominanz wird häufig über Querverbindungen oder einfach nur immense Geldmengen aufrecht erhalten. MS nötigt einem Microsoft 365 und Copilot gerade zu auf. Bei Android und Apple wirst du unter Druck gesetzt in das Ökosystem des jeweiligen Anbieters zu gehen. Usw. RISC-V wird quasi nie aus dem Quark kommen, solange jährlich dutzende Milliarden in x86 und ARM gepumpt werden. Und sollte das doch mal den Anschein erwecken, ein Konkurrent zu werden, dann kommt die Patentklagewelle oder sie werden schlicht aufgekauft oder alle relevanten Unternehmen bekommen "exklusive" Verträge, die den Einsatz zusammen mit RISC-V verbieten.
Kapitalismus halt.
 
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Ich betrachte die aktuelle Lage in den USA mit großer Sorge. Es steht zu befürchten, dass es dort in den kommenden Jahrzehnten keine fairen Wahlen mehr geben wird. Da die Bevölkerung kaum auf den drastischen Widerstand vorbereitet ist, der für den Erhalt der Demokratie nötig wäre, sehe ich eine gefährliche Entwicklung.

Trump hat bereits angedeutet, dass Wahlen nach seinem Sieg an Bedeutung verlieren könnten. Während er solche Pläne in seiner ersten Amtszeit noch nicht offen aussprach, hat er nun die Institutionen, die ihm damals Einhalt geboten, systematisch geschwächt. Es wirkt, als ebne er den Weg für eine dauerhafte autokratische Herrschaft seiner Dynastie.
 
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Punkto KI sieht die momentane Überlegenheit der USA zwar erdrückend aus,
aber der Status quo ist bereits wenn ich das geschrieben habe, wieder Vergangenheit.
Im globalen Wettlauf um den Quantencomputer hätte Europa inkl. Schweiz / GB
theoretisch alles was dafür benötigt wird bzw, die meisten Trümpfe selbst in der Hand um das Rennen mit der USA und China zu gewinnen.

Das Hauptproblem ist das fehlende Venture Capital und Patente, bzw. die noch nicht umgesetzte Kapitalmarktunion lässt grüssen.
Nur 6% aller Patente und nur 15 - 20% des Risikokapitals Weltweit kommen bzw. fließen in Europäische Quanten bezogene Unternehmen. Das ist viel zu wenig. Wenn Europa auch zukünftig technologisch mit den großen mitspielen will muss da viel mehr kommen.

Ein paar Zahlen die verdeutlichen, das Europa wenn alle Länder endlich an einem Strang ziehen würden und das liebe Geld nicht immer aus den USA käme, sondern selbst bereitgestellt würde, dass man selbst die USA und China auf diese Weise beim nächsten großen Technologiesprung abhängen könnte.

Hier ein paar Zahlen die dies verdeutlichen:

Die geschätzte weltweite Verteilung der Quanten-Fachkräfte (basierend auf aktuellen Berichten von McKinsey, dem WEF und EU-Monitoring):

Verteilung der Fachkräfte (Schätzung 2026)
Region Anteil am globalen Talentpool Besonderheit
Europa (EU + UK + CH) ~35% – 40% Weltweit führend bei der Anzahl der Master- und PhD-Absolventen in Quantenphysik.
USA ~25% – 30% Starker Fokus auf Software und kommerzielle Umsetzung; zieht viele Talente aus dem Ausland an.
China ~20% – 25% Massives staatliches Programm; starker Fokus auf Quanten-Kommunikation und Kryptographie.
Rest der Welt ~10% Wachsende Hubs in Indien, Australien und Kanada.

Vorteile Europas:
Technologische Vielfalt & Souveränität:
Während die USA primär auf eine Technologie (Supraleiter) setzen, führt Europa bei Neutralatomen (Pasqal) und Ionenfallen (AQT). Das macht den Kontinent resilienter gegenüber technologischen Sackgassen.

  • Integration in die Industrie-Infrastruktur: Europa integriert Quantenchips direkt in bestehende Supercomputing-Zentren (EuroHPC JU). Das ermöglicht Unternehmen den sofortigen hybriden Einsatz (klassisch + Quanten), was für die industrielle Anwendung effizienter ist als reine Cloud-Lösungen.
  • Weltmarktführer bei Komponenten: Europa kontrolliert die Lieferkette. Ohne die Kühltechnik von Bluefors (Finnland) oder die Lasertechnologie von TOPTICA (Deutschland) könnten auch US-Giganten wie Google oder IBM ihre Rechner kaum betreiben.
  • Grösster Talentpool: Mit rund 35–40 % der weltweiten Fachkräfte und der höchsten Dichte an Top-Universitäten (ETH, TU München, Delft) verfügt Europa über die stärkste wissenschaftliche Basis.
  • Vorsprung bei Quantensicherheit: Durch das Projekt EuroQCI baut Europa das weltweit erste kontinentale Quanten-Kommunikationsnetzwerk auf, was einen enormen Sicherheitsvorteil für Behörden und Banken bedeutet.
  • Stabile staatliche Finanzierung: Im Gegensatz zum volatilen US-Risikokapital bietet Europa durch Programme wie das Quantum Flagship (über 1 Mrd. €) und nationale Pakete (z. B. 3 Mrd. € in Deutschland) eine langfristige Planungssicherheit. (Aber eben noch lange nicht Genug 15-20% reichen einfach nicht)
  • Ethische Standards als Standortvorteil: Europa definiert frühzeitig Regularien für Datensicherheit im Quantenzeitalter. Dies lockt globale Firmen an, die Rechtssicherheit für ihre sensiblen Daten (z. B. Genomforschung) suchen.
 
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Shririnovski schrieb:
PC? Abseits von Gaming kein Problem, Linux & Open Source Software funktionieren hier super. Aber auf Steam und meine Spielesammlung will ich trotzdem nicht verzichten.
Valve hat viel Geld investiert um Linux Spieletauglich zu machen für Steamdeck und SteamMachine.
Wenn man seine Spiele sogar auf Steam besitzt, klappt vieles direkt aus dem Steamclient für Linux heraus.
checkmydeck.ofdgn.com, Protondb.com
helfen da beim Schnelltest.
 
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Schwobaseggl schrieb:
in so manchem Elfenbeinturm ist alles aus den USA/Russland/China/... die Wiedergeburt des Bösen und nur die moralisch überlegenen Europäer können mit ihrer Vollkommenheit die Welt retten. (Achtung Sarkasmus/Ironie)
Kann dir gefallen oder nicht, aber Russland ist ein Land, das Europa aktiv feindsehlich gestimmt ist.
Wollte sicherlich niemand in Europa, kann man sich aber nicht aussuchen.
China ist eine tickende Zeitbombe. Kannst dich 0 darauf verlassen, dass die auch in Zukunft nicht mal doch einen Krieg anzetteln.

Außerdem, USA und China, gehts auch um unseren Wohlstand.
Schau dir mal an, was US Tech-Konzerne für einen Umsatz machen. Und ja, deren Profit ist natürlich Geld, was wir nicht mehr zur Verfügung haben.

Das war tatsächlich die Jahre über weniger ein Problem und hat sich mit Donald Trumps "America First" geändert.
Und ja, wenn du USA nur noch an sich denkt, sollten wir uns sehr gut überlegen ob wir weiter aus Faulheit absurte Summen schicken wollen. Oder nicht doch mal an unseren eigenen Wohlstand denken wollen.
 
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Mailalles wesentliche von Gmail auf Mailbox.org umgestellt (nutze Google aber oft noch für bequeme Authentifizierung)

Client Thunderbird
BrowserFirefox (auch auf Tablet/Smartphone)
MessengerSignal
Social MediaNutze ich nur passiv (Youtube)
OfficeLibre Office
Cloud-Speicherselbstgehostete Nextcloud
Hosting und ServerHomlab mit Proxmox + NAS
BetriebssystemWindows -> Mac + Linux

Ist zwar schon einiges, unabhängig von Big Tech bin ich natürlich noch nicht. Man braucht die Hardware von Apple, AMD, Intel, Nvidia, Qualcomm, Samsung, Google etc. Damit einher geht dann eben auch oft das passende System (macOS/iOS, Android).

Klar kann man, wenn man unbedingt will, Linux auf einem Mac installieren oder ein Custom-ROM auf einem Android-Gerät. Letzteres habe ich in der Vergangenheit auch mal gemacht, dazu bin ich mittlerweile aber zu bequem, bzw. bringt das zu viele Einschränkungen mit sich und es ist auch komplizierter geworden.

Ich persönlich kann damit ganz gut leben, solange ich meine persönlichen Daten (zum größten Teil) selbst in der Hand habe, auch wenn das Mehraufwand insbesondere beim Backup bedeutet.

Weshalb ich mir allerdings wirklich Sorgen mache, sind europäische Regierungen und Behörden, die sich auf Dienste von Microsoft und Co. verlassen. Diese bieten mitunter zwar auch „souverän“ gehostete Varianten an, aber es wurde bereits eingeräumt, dass auch dort das FBI und Co. Zugriff erhalten, wenn sie das wollen. Zudem kann man unter Trump nie sicher sein, ob er nicht einfach mal den Hahn abdreht.

Gleiches gilt für sämtliche IT-Service-Bereiche von Office über Cloud bis KI. Europa muss hier dringend wirklich souverän werden und die eigenen Dienste auch tatsächlich nutzen.

Ganz schwierig wird es beim Thema Hardware. Hier sehe ich eigentlich keine Chance, dass wir selber etwas auf die Beine stellen können, was mit den Großen mithalten könnte. Aber hier sehe ich die Gefahr der Fremdsteuerung nicht ganz so groß wie bei der Software, auch wenn das vermutlich recht naiv ist ...

Was eventuell möglich wäre, wäre ein europäischer ARM-Chip in Kombination mit hiesigen TSMC-Werken ... Aber eventuell ist mir auch eine tolle aktuelle Entwicklung entgangen (RISC-V?).
 
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DerAnnoSiedler schrieb:
Kann dir gefallen oder nicht, aber Russland ist ein Land, das Europa aktiv feindsehlich gestimmt ist.
Die Evidenz deiner Aussage ist gleich NULL
 
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@AYAlf Dann solltest du deine Quellen prüfen. Kannst ja mal zählen wie viele Länder Russland, auch wiederholt, in den letzten 50 Jahren angegriffen hat. Und dass Russland Europa feindlich gesinnt ist, ist ein Fakt. Oder sind Drohungen von Raketenangriffen auf europäische Städte durch den Kremlsprecher etwa keine Evidenz. Wie kann man so unfassbar blind sein und trollen?
 
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Mit fehlt bei "Eine valide Alternative muss für dich zwingend …"

Die Option: "möglichst wenig daten über mich verarbeiten".
 
@Askat86 SailfishOS irgendwann.

@R4nd0 wir müssen in der Schweiz selbst aufpassen, dass wir nicht noch schlimmer als die USA werden, VÜPF Gesetz!

Deutschland kann nicht einfach sagen, BMW und VW, schaltet alles ab.
Die USA können die kompletten Ökosysteme von Microsoft, Alphabet, Amazon, VISA & Mastercard, Valve usw. usf., einfach abschalten lassen.

Vielleicht nicht nur etwas behaupten.
 
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@Syrato Ja die Trends sind auch bei uns Gegeben.

So funktioniert die Welt aber nicht.
Das ist Geschwätz, kein Nuanciertes Verständnis der Welt. Trump ist weder Diktator noch Heilsbringer.

Wie verstehst du Amerikanische Demokratie um auf diese Annahme zu kommen?
 
Die aktuelle Umfrage zeigt ein erschreckendes Bild: Wir diskutieren über „Bequemlichkeit“, während wir faktisch unsere existenzielle Handlungsfähigkeit abtreten. Wer heute noch glaubt, er sei „Nutzer“ eines Systems, hat nicht verstanden, dass er nur noch ein steuerbarer Datenpunkt in einer fremden Bilanz ist. Und diese Scharade der Freiheit: Der Mieter im eigenen Leben. Hören wir doch auf, von „Wahlfreiheit“ zu sprechen. Wir sitzen in einem digitalen Mietwagen, bei dem der Vermieter jederzeit den Motor abstellen kann. Dass wir die Farbe der Sitze wählen dürfen, ist der Knochen den man dem Hund zuwirft. Dabei ist es so einfach zu verstehen. Wer keine Kontrolle über den Quellcode und die physischen Server seiner Lebensgrundlagen hat, ist kein freier Bürger, sondern ein digitaler Leibeigener auf Abruf.

Da ist es nur eine bittere Ironie unserer Zeit, dass Deutschland mit seiner Steinzeit-Technik als letztes Bollwerk gegen dieses System steht. Dieses feststecken im digitalen Mittelalter, ist aktuell unser einziges (unfreiwilliges) Sicherheitsfeature. Das Faxgerät und der staubige Aktenordner sind ein „Air Gap“ gegen globale Systemausfälle. Während durchdigitalisierte Nationen bei einem Cloud-Blackout oder geopolitischen Sanktionen sofort kollabieren, können wir hier zumindest noch Formulare stempeln.

Aber Vorsicht: Wir digitalisieren gerade nicht, um souverän zu werden, sondern um diese analoge Resilienz gegen totale Abhängigkeit einzutauschen. Wir werfen das Fax weg und ersetzen es durch US-Monopole, ohne einen einzigen Gedanken an eine nationale oder europäische Krisenfestigkeit zu verschwenden. Das ist kein Fortschritt, das ist infrastrukturelle Selbstaufgabe aus purer Faulheit.

Wir reden hier nicht über TikTok-Sperren. Wir reden über den Verlust der Identität. Wenn dein Zugang zu Banken, Behörden und Kommunikation an einer privaten Cloud-ID hängt, bist du im Falle einer algorithmischen Fehlentscheidung oder einer politischen Eskalation gesellschaftlich tot. Wir haben die Grundversorgung gegen Komfort getauscht und besitzen im Ernstfall kein einziges Rettungsboot.

Also wahre Souveränität bedeutet heute, die eigene Bequemlichkeit zu hassen oder sie zumindest immer wieder in Frage zu stellen. Wir brauchen keine „smarten“ Lösungen, die uns entmündigen, sondern ein digitales Fundament, das uns gehört. Entweder wir akzeptieren die Schmerzen der Unbequemlichkeit und bauen eigene, dezentrale Schutzzonen auf, oder wir hören auf, uns über Überwachung und Bevormundung zu beschweren. Wir haben es so bestellt.

Ich möchte dazu anregen, die eigene digitale Existenz wieder kritischer und bewusster zu hinterfragen. Wir sollten uns fragen: Wo ziehe ich persönlich die Grenze zwischen Komfort und Selbstbestimmung? Es geht nicht darum, die Technik zu verteufeln, sondern darum, vom passiven Passagier wieder zum nachdenklichen Gestalter des eigenen Systems zu werden.
 
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Ich hab an meinem FTTH Anschluss 5 IPv4 Adressen aus 2 unterschiedlichen Subnetzen, ich hoste alles selbst.
Nicht (nur) wegen Unabhängigkeit mach ich das, sondern aus 'Bastel-drang' und weil es mich interessiert.
 
Wo diese Unternehmen sitzen ist doch völlig egal. Die sind hier genauso schlimm wie in den USA oder irgendwo sonst.
 
dasBaum_CH schrieb:
Ich hab an meinem FTTH Anschluss 5 IPv4 Adressen aus 2 unterschiedlichen Subnetzen, ich hoste alles selbst.
Nicht (nur) wegen Unabhängigkeit mach ich das, sondern aus 'Bastel-drang' und weil es mich interessiert.
Und die Stromkosten? Ich überlege sogar den Großteil in einen rootserver zu schubsen… Mein Rack frisst ordentlich Strom 🙈

@Müslimann
Das ist nur eine faule Ausrede um sich selbst nicht zu hinterfragen, mehr nicht.
 
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Hunsrücker schrieb:
Die aktuelle Umfrage zeigt ein erschreckendes Bild: Wir diskutieren über „Bequemlichkeit“, während wir faktisch unsere existenzielle Handlungsfähigkeit abtreten. Wer heute noch glaubt, er sei „Nutzer“ eines Systems, hat nicht verstanden, dass er nur noch ein steuerbarer Datenpunkt in einer fremden Bilanz ist. Und diese Scharade der Freiheit: Der Mieter im eigenen Leben. Hören wir doch auf, von „Wahlfreiheit“ zu sprechen. Wir sitzen in einem digitalen Mietwagen, bei dem der Vermieter jederzeit den Motor abstellen kann. Dass wir die Farbe der Sitze wählen dürfen, ist der Knochen den man dem Hund zuwirft. Dabei ist es so einfach zu verstehen. Wer keine Kontrolle über den Quellcode und die physischen Server seiner Lebensgrundlagen hat, ist kein freier Bürger, sondern ein digitaler Leibeigener auf Abruf.

Da ist es nur eine bittere Ironie unserer Zeit, dass Deutschland mit seiner Steinzeit-Technik als letztes Bollwerk gegen dieses System steht. Dieses feststecken im digitalen Mittelalter, ist aktuell unser einziges (unfreiwilliges) Sicherheitsfeature. Das Faxgerät und der staubige Aktenordner sind ein „Air Gap“ gegen globale Systemausfälle. Während durchdigitalisierte Nationen bei einem Cloud-Blackout oder geopolitischen Sanktionen sofort kollabieren, können wir hier zumindest noch Formulare stempeln.

Aber Vorsicht: Wir digitalisieren gerade nicht, um souverän zu werden, sondern um diese analoge Resilienz gegen totale Abhängigkeit einzutauschen. Wir werfen das Fax weg und ersetzen es durch US-Monopole, ohne einen einzigen Gedanken an eine nationale oder europäische Krisenfestigkeit zu verschwenden. Das ist kein Fortschritt, das ist infrastrukturelle Selbstaufgabe aus purer Faulheit.

Wir reden hier nicht über TikTok-Sperren. Wir reden über den Verlust der Identität. Wenn dein Zugang zu Banken, Behörden und Kommunikation an einer privaten Cloud-ID hängt, bist du im Falle einer algorithmischen Fehlentscheidung oder einer politischen Eskalation gesellschaftlich tot. Wir haben die Grundversorgung gegen Komfort getauscht und besitzen im Ernstfall kein einziges Rettungsboot.

Also wahre Souveränität bedeutet heute, die eigene Bequemlichkeit zu hassen oder sie zumindest immer wieder in Frage zu stellen. Wir brauchen keine „smarten“ Lösungen, die uns entmündigen, sondern ein digitales Fundament, das uns gehört. Entweder wir akzeptieren die Schmerzen der Unbequemlichkeit und bauen eigene, dezentrale Schutzzonen auf, oder wir hören auf, uns über Überwachung und Bevormundung zu beschweren. Wir haben es so bestellt.

Ich möchte dazu anregen, die eigene digitale Existenz wieder kritischer und bewusster zu hinterfragen. Wir sollten uns fragen: Wo ziehe ich persönlich die Grenze zwischen Komfort und Selbstbestimmung? Es geht nicht darum, die Technik zu verteufeln, sondern darum, vom passiven Passagier wieder zum nachdenklichen Gestalter des eigenen Systems zu werden.
Schöner Text 🫶🏼. Sehe einiges Anders aber darauf will ich nicht eingehen, legitimer verständlicher Standpunkt.
Ich habe vor ein paar Tagen ein Manifest geschrieben. Das möchte ich hier ergänzen als das grösste Problem welches ich glaube zu erkennen.

Manifest gegen geistigen Verfall

Hört auf, nach dem neuesten Hype zu fragen.
Hört auf, Meinungen zu Dingen zu sammeln, die morgen irrelevant sind.
Der permanente Strom aus Trends, Hot Takes und Klatsch ist kein Wissen.
Er ist geistige Junk-Nahrung.
Was nur einen Tag oder eine Woche wichtig ist, ist per Definition unwichtig.
Wer daraus seine Gedanken formt, verlernt, tief zu denken.
Kurze Aufmerksamkeitsspannen erzeugen keine Kompetenz.
Kompetenz entsteht durch Dauer, Wiederholung und Anstrengung.
Schwere Probleme lassen sich nicht im Modus ständiger Ablenkung lösen.
Das Internet trainiert Oberflächlichkeit.
Nicht metaphorisch. Biologisch.
Es macht Lesen anstrengend, Denken mühsam und Tiefe unattraktiv.
Intelligenz ist wertlos, wenn man nicht gelernt hat, sie zu benutzen.
Wer seine Aufmerksamkeit zerstört, zerstört seine Intelligenz in der Praxis.
Klatsch ist Klatsch.
Er dient nicht dem Lernen, sondern dem Ego.
Er produziert Lärm, keine Einsicht.
Gefühle sind kein Argument und kein Befehl.
Unmotiviert sein ist kein Grund, nichts zu tun.
Akzeptiere den Zustand. Arbeite trotzdem.
Gesellschaftlicher Stillstand ist kein Zufall.
Er ist die Summe individueller Ablenkung.
Man bekommt keine Brücken, Dämme oder Durchbrüche aus TikTok-Gehirnen.
Fast alles, was online diskutiert wird, ist falsch, veraltet oder agenda-getrieben.
Wahrheit ist nebensächlich geworden.
Wichtig ist nur noch, ob es Punkte fürs eigene Team bringt.
Hochwertige Gedanken entstehen langsam.
Hochwertige Diskussionen erfordern Jahre echter Arbeit.

Alles andere ist Müll.

Und genau darin schwimmen wir.
 
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Salamimander schrieb:
Und die Stromkosten?
Primär 3 kleine stromsparende Systeme, hab kein Rack zuhause :)
Nur mein NAS mit den Disks (und ECC RAM) braucht ordentlich Strom.
Aktuell bin ich bei durchschnittlich 140 Watt fürs ganze HomeLab. Sind ca. 30 CHF monatlich an Stromkosten. Aber was solls... ist ein Hobby und es darf gerne was kosten.
 
Banned schrieb:
Klingt für mich nach einer Phantom-Debatte, bei der es im Kern nicht um Big Tech geht, sondern um die politische Führung des Heimatlandes, die einem nicht passt.
Solche Überlegungen sind Folgen der nachlassenden Soft Power der USA, die dann durch die dementen Trumpismen auch zu einem möglichen wirtschaftlichen Schaden für die US-amerikanische Wirtschaft führen könnten.
Ob der angerichtete Schaden dafür schon groß genug ist und wie sich diese Entwicklung fortsetzt, bleibt abzuwarten.
trump_goner.jpg
 
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Termy schrieb:
Ich stehe da eigentlich ganz gut da:
Handy mit GrapheneOS, keine Play Services
PC mit Linux
Email bei Mailbox
Sachen wie NTFY, FindMyDevice, Immich, und was man sonst so unterwegs braucht hoste ich selbst.
Geräte, die Online-Zwang haben werden konsequent boykottiert, meine Smarthome-Sachen laufen alle nativ lokal oder wurden gerootet (Valetudo für den Sauger z.b.).
Whatsapp, Instagram, Facebook, Twitter, Tiktok und wie die ganzen Enshittyfication-Plattformen so heissen werden nicht genutzt.
Youtube über Peertube.
Einzig Valve stellt hier die Ausnahme dar - aber die kann man anhand des bisherigen Verhaltens ja auch nicht im Ansatz mit der Verkommenheit von z.b. Meta oder Microsoft vergleichen...

Klar ist das auch etwas Arbeit, aber ich würde nie auf die Idee kommen, meine Daten und meinen Alltag so sehr fremden Firmen auszuliefern, wie es so unglaublich viele Menschen machen :freak:

Hardwaretechnisch ist das natürlich etwas schwerer - solange die Hardware aber eben offline ist, solange ist das Risiko natürlich auch enorm viel geringer...

Insgesamt würde ich also sagen, dass ich bei einer plötzlichen Blockade durch die USA privat insgesamt ziemlich glimpflich davon kommen würde, nur bezüglich der Spiele wäre es ein größeres Problem - wobei diese ja definitiv nicht Lebensnotwendig sind ;)
Da hat aber jemand wirklich Angst. Und was bringt es, genau gar nichts.
Wenn die USA dicht machen kannst du noch nicht mal deine Miete Online Überweisen, weil alle Banking Apps nutzen US Protokolle. Da geht dann gar nichts mehr auch nicht über deine Alternativen und auch nicht über Linux. Du kannst dann praktisch den Netzstecker ziehen. Steam und zocken ist dann das kleinste Problem.
Das was du da macht hilft vielleicht deinen Denken und deiner Ideologie, aber sonst Niemanden.
Ich nutze auch kein Facebook oder Insta oder sonst welche dieser sogenannten Sozial Abhängigkeiten. Aber dennoch muss ich nicht alles aus den USA der großen Firmen verteufeln nur weil einige Spinner Politisch Trump mal wieder was anhängen wollen. Denn um was anderes geht es doch nicht.
 
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