Shutter Island
Kein wahnsinnig guter Film...
... aber ein guter Film über den Wahnsinn.
Der Film hat sich mir durch seine beteiligten Personen geradezu aufgedrängt, obgleich ich von ihm zuvor nie etwas gehört hatte. Zwar haftet Herrn DiCaprio noch immer irgendwie das weinerliche Schönling-Image an, das wir aus Filmen wie Titanic kennen; er versucht aber, wie ich finde, erfolgreich mit Werken wie diesem und Inception aus dieser Schublade zu entkommen.
Der Streifen, vom großen Scorsese inszeniert, verzückt mit einem reichen Kontrastprogramm aus satten und hellen Farben, sowie herben Grau- und Braun-Tönen. Er fängt also die Tag- und Nachtseiten der menschlichen Psyche gut ein und schafft mit der sorgfältig komponierten Musik einen steten Spannungsbogen.
Aber: in meinen Augen ist das alles dennoch viel zu durchschaubar. Vielleicht nicht in jeder Einzelheit, aber allzu oft wird man heutzutage mit Filmen konfrontiert, die eine ach so überraschende Wendung haben - und bei diesem Streifen mußte es zwangsläufig auch so sein, nur hat sich die einzig mögliche Konsequenz der Geschichte geradezu peinlich offensichtlich aufgedrängt.
Davon abgesehen brillieren die Schauspieler und halten das Geschehen in Schwung. Photographie, Kameraführung, sowie Mimik und Gestik sind so ausgezeichnet, daß man trotz der sicheren Erkenntnis, das Ende bereits zu kennen, gut unterhalten wird.
Geschickt mischen die Produzenten Stilmittel des Gangster-Kinos, des Film Noir und des Grusel-Genres zu einem Schauspiel ohne Längen und mit einem netten Klimax, der in einem seufzenden Ende mündet.
Man darf Scorsese durchaus gratulieren, zwar kein Meisterwerk abgeliefert zu haben, so doch aber einen sehr guten Film, der letztlich aber sowohl an anderen Filmen seiner Zunft (wie bspw. Einer flog übers Kuckucksnest) scheitert, als auch an der zu leicht gemachten Vorhersagbarkeit. Er scheitert aber eben nur als Meisterwerk, nicht als (sehr) guter Film.
Daher: absolut sehenswert!
7/10